Wolfsanger

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Wolfsanger
Wolfsanger.jpg
Basisdaten
Geographische Koordinaten: 51° 12′ N, 08° 56′ O
Fläche: km2
Eingemeindung: 1936
Einwohner: 6.795
(Stand 1. Juni 2007)
Politik
Ortsvorsteher: Alfred Langner (SPD)
Sitzverteilung im Ortsbeirat (2006):
CDU SPD Grüne
3 5 1

Wolfsanger/Hasenhecke ist ein nordöstlich der Kernstadt gelegener Stadtteil Kassels. Obwohl nur fünf Straßenbahnhaltestellen von der Innenstadt entfernt, hat sich dieser Bezirk zu großen Teilen seinen dörflichen Charakter bewahrt. Für den typischen Wolfsangerer sind sein 1906 eingemeindeter Stadtteil und „die Stadt“ zwei verschiedene Gemeinwesen.

Geschichte

Wolfsanger (Wulvisanger)

Wie lange es den Ort Wolfsanger (ursprünglich: Wulvisanger) wirklich gibt, weiß niemand. Die erste zweifelsfreie Erwähnung findet sich in einer Urkunde, die Kaiser Karl der Große am 1. Dezember 811, in Aachen ausstellte. In dieser Urkundebestätigt Karl der Große einen Grundbesitz in Wolfsanger. Vorausgegangen war ein Streitfall: Ein sächsischer Adliger hatte sich in Wolfsanger ein Stück Land urbar gemacht. Seinem Sohn wollte man diesen Besitz später streitig machen. Der reiste daraufhin nach Achen an den kaiserlichen Hof, wo ihm seine Rechte bestätigt wurden. Das kaiserliche Siegel bekräftigte die Urkunde, die heute im Tresor des Kasseler Stadtmuseums aufbewahrt wird. Wolfsanger ist damit der älteste Vorort Kassels und 100 Jahre älter als Kassel selbst.

Im Jahre 1019 schenkt Kaiser Heinrich II. den Ort Wolfsanger an das Kloster Kaufungen. Wolfsanger erhält das Recht zur Abhaltung eines Wochenmarktes am Sonnabend und eines dreitägigen Jahrmarkts zum Johannisfest.

Wolfsanger war auch Gerichtsstätte, bereits um 1100 wurde hier Recht gesprochen.

Die Dorfkirche

Die alte Dorfkirche (Johannis-Kirche) wurde 1725 von Landbaumeister Giovanni Ghezzi mit Unterstützung des Landgrafen Karl gebaut.

Sie ist die Nachfolgerin einer älteren Johanneskirche, die schon im Jahre 1019 erwähnt wurde.

Der Standplatz der Kirche ist der Opferberg. In unittelbarer Nähe der Kirche befand sich der Osterbrunnen.

Am Opferberg befand sich vermutlich in vorchristlicher Zeit eine alte Feuer- und Opferstätte.

Wenige hundert Meter östlich lag der „Metzelstein“.

Über dem Haupteingang der Kirche gibt es eine Inschrift in lateinischer Sprache, die auf den Bauherrn und das Baujahr hinweist.

Johannis-Kirche vor der Zerstörung 1943

Inschrift:

CAROLUS HASSORUM PRINCEPS CELSISSIMUS AEDEM HANO IUSSIT SULTUS SUPPEDITANDO STRUI RITE DEO CULTUS SACER UT PRAESTETUR IN ILLA ET VERBO PASCI GREX PIUS INDE QUEAT: COMMUNI OBSEQUIO SUNT HINC FUNDAMINA LACTA EXSTRUCTA AEDILIS DEXTERITATE DOMUS DESUPER ADSPIRANS DIVINI FLAMINIS AURA COELESTI COETUM DUCE FIDEQUE BEET:

MDCCXXV

Über den zugemauerten früheren kleineren Unterdorfeingang der Kirche finden wir eine weitere Inschrift, diesmal auf Deutsch die auf den damaligen Pfarrer und den Baumeister hinweist:

STEH LESER; STEH UND LAS DIR DAS ZUR NACHRICHT SAGEN; WENN DU MICH ETWAN SOLST UM MEINEN MEISTER FRAGEN; MICH BAUTE GHEZZI FLEIS IN EINEM HALBEN JAHR

A__L__S G__L__E__IC__H H__I__ER __VVI__E__D__EK__I__N__D__ DER ZE__I__TEN PFARRER __VV__AR.

WÜNSCH ABER AUCH MIT MIR; DAS DIE IN SEGEN STEHEN; DIE SEELICH AUS UND EIN DURCH MEINE THORE GEHEN

Die Jahreszahl 1725 ergibt sich aus der Summe der unterstrichenen lateinischen Zahlen.

Wolfsanger im 19. und 20. Jahrhundert

Die gesellschaftliche Situation des Dorfes Wolfsanger wurde schon immer durch die Nähe zu Kassel bestimmt. Kassel war zu Fuß mit einem akzeptablen Zeitaufwand zu erreichen, was dazu führte, dass viele Einwohner von Wolfsanger ihren Arbeitsplatz in Kassel hatten, wo sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts große Industriebetriebe etabliert hatten.

In Kassel war es aber verboten, den 1. Mai (Tag der Arbeit) mit Umzügen und Demonstrationen zu begehen. Das führte dazu, dass die Kasseler Arbeiter zunächst bis zur Stadtgrenze marschierten, dann ihre Transparente entrollten und durch Wolfsanger zu Raabes Felsenkeller, einem bis zur Zerstörung im II. Weltkrieg populären Ausflugslokal, marschierten. Dabei passierten sie auch den Amtshof, das alte Gerichtsgebäude, dessen Besonderheit darin bestand, dass Freigesprochene es vorne über „Die Freiheit“ verlassen konnten. Verurteilte traten über den Hinterausgang den Weg zum Galgenberg an.

1903 wurde ein Bürgerverein gegründet, dessen Mitglieder der SPD nahestanden. Doch erst 1907 wurde in der Gemeindeschänke, dort, wo heute die Ernst-Freudenthal-Halle steht, der SPD-Ortsverein gegründet. Unter den ersten Mitgliedern finden sich heute noch in Wolfsanger bekannte Namen wie Kerl, Holzapfel oder Rölke.

Eingemeindung

Wolfsanger wurde 1936 in die Stadt Kassel eingemeindet.

Obwohl 1936 eingemeindet, konnte sich Wolfsanger seinen dörflichen Charakter vorerst erhalten. Im damaligen Ort gab es 28 Bauernhöfe und ca. 270 Wohnhäuser die meisten davon waren in einfacher Fachwerkbauweise errichtet.

Bombenangriff

Das bis dahin so bekannte und vertraute Ortsbild sollte sich radikal ändern als neben Kassel auch Wolfsanger am 03. Oktober 1943 bombadiert wurde. Wolfsanger wurde durch Brand und Sprengbomben schwer getroffen.

Ein großer Teil der Überlebenden wurde nach den Angriffen evakuiert. Es waren nur noch wenige Häuser bewohnbar. Auch das Haus meiner Urgroßeltern in der heutigen Fuldatalstraße 124 wurde schwer getroffen.

Nur die Grundmauern blieben stehen, ein Wiederaufbau war möglich. Meine Mutter erzählte mir, dass sie als Kind mitgeholfen hat das Haus wieder aufzubauen.

Quelle: Heimatfreunde Wolfsanger

Holger Börner

Ein weiterer prominenter Name, untrennbar mit der Sozialdemokratie und dem Stadtteil Wolfsanger verbunden, ist der Name Holger Börner. Hermann Börner, Vater des späteren hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner, wurde 1906 in Wolfsanger geboren. Der Werkzeugdreher und spätere Maurer übernahm 1930 im Alter von 24 Jahren den Vorsitz der Wolfsanger-SPD. 1933 wurde er von den Nazis wegen Hochverrat angeklagt und kam in ein Konzentrationslager. Während des Krieges wurde er in Russland eingesetzt, wo er 1941 durch eine Mine ums Leben kam.

Seine Frau Martha Börner gehörte nach dem Krieg zu den Frauen der ersten Stunde, die sich aktiv am Neuaufbau der Demokratie beteiligten. 1946 wurde sie Stadtverordnete in Kassel. Im gleichen Jahr trat Sohn Holger Börner, gerade 15 Jahre alt, als Mitglied der sozialdemokratischen Jugendorganisation Falken bei. Mit 25 Jahren wurde er Stadtverordneter, mit 26 Jahren war er jüngster Bundestagsabgeordneter in Bonn. Von 1976 bis 1987 war er Hessischer Ministerpräsident.

Vereine

Sport

Der TSV Wolfsanger (Turn - und Sportverein 1889 Kassel-Wolfsanger e. V.) ist ein kleiner ortsansässiger Verein in Kassel-Wolfsanger. Er bietet eine Vielzahl an Sportmöglichkeiten und Aktivitäten für jedermann.

Feuerwehr

Wolfsanger besitzt eine Freiwillige Feuerwehr:

siehe auch

Parteien

Weblinks


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