Wolfhagen

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Wolfhagen mit etwa 13.500 Einwohnern ist die ehemalige Kreisstadt des Kreises Wolfhagen und nach der hessischen Gebietsreform eine Stadt im Landkreis Kassel in Nordhessen. Der Landkreis Kassel entstand im Rahmen der hessischen Kreisreform mit Wirkung vom 1. August 1972 aus den ehemaligen Kreisen Hofgeismar, Kassel und Wolfhagen.

Stadtteile

Aus der Geschichte der Stadt

Schützeberg

Seine Geschichte und kulturelle Bedeutung für das Wolfhager Land (Hermann Neumeyer)

Das christliche Erbe des Schützebergs

Spätestens seit dem Schützebergfest im Jahr 2000, also zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus, ist der Schützeberg als Mittelpunkt der Christianisierung des Wolfhager Landes im Bewusstsein der Wolfhager Bevölkerung verankert. Ich möchte meine Ausführungen deshalb mit eben den Gedanken beginnen, die vor fünf Jahren den Heimat- und Geschichtsverein Wolfhagen veranlasst hatten, das erste Schützebergfest zu feiern. Ein zweites Schützebergfest findet im Jahr 2006 statt. In diesem Jahr feiert nämlich der Heimat- und Geschichtsverein Wolfhagen, der sich seit seiner Gründung immer wieder mit dem Schützeberg beschäftigt hat, sein fünfzigjähriges Jubiläum.

Als das erste Schützebergfest geplant wurde, stand man an der Schwelle zum dritten Jahrtausend der christlichen Zeitrechnung. Das war ein Anlass, einmal darüber nachzudenken, aus welchen Wurzeln der Lebensbaum des christlichen Abendlandes kommt, welche Kraft ihn am Leben erhält und wohin sein Wachstum noch in der Zukunft führen wird. Man muss sich diese Fragen schon ganz bewusst stellen und dabei innehalten, um bei der Fülle der Gedanken zu Globalisierung, Vernetzung, Sicherung des Einkommens und der Gesundheit noch einen klaren Überblick über die Werte zu behalten, die auch solche Zeiträume von Jahrtausenden und damit viele Generationen überdauern. An der Schwelle zum 18. Jahrhundert hatten unsere Vorfahren die Religionsfreiheit erreicht. 4000 Hugenotten wurden in Nordhessen aufgenommen, weil der Staat des französischen Sonnenkönigs noch nicht so freiheitlich war. Zu Beginn des 19 Jahrhunderts kämpfte man in Europa - letztlich mit Erfolg - für die persönliche Freiheit eines jeden Menschen, wie sie schließlich in den modernen Verfassungen festgeschrieben wurde. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatten unsere Vorfahren dann auch einen Nationalstaat, der nicht nur so mächtig war, diese persönlichen Freiheiten auch zu garantieren, sondern der darüber hinaus auch mit anderen Nationalstaaten in Konflikt geriet.

Man könnte jetzt den Beginn des 21. Jahrhunderts, angesichts der nationalstaatlichen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts, mit dem Begriff der Globalisierung kennzeichnen und hätte dann bei vordergründiger Betrachtungsweise einen Weg für die Zukunft gefunden. Wir standen mit dem ersten Schützebergfest jedoch am Beginn eines neuen Jahrtausends, und dafür brauchten wir eine weitaus größere Kategorie. Das Wichtigste, was wir aus den ersten beiden Jahrtausenden mitnehmen können, sind schlichtweg die Errungenschaften des christlichen Abendlandes: Machet Euch die Erde untertan, natürlich in ökologischer Verantwortung und unter Einsatz hoher Technologie und mit der Kraft des menschlichen Geistes, übt Nächstenliebe und Toleranz im multikulturellen Miteinander!

Einige Völker Europas traten früher, einige später in das christliche Abendland ein. Für unser Gebiet speziell ist vermutlich das Jahr 752 entscheidend, in dem Bonifatius, sehr wahrscheinlich persönlich, im Zuge der Christianisierung des sächsisch-fränkischen Grenzgebietes auf dem Schützeberg die Erzpriesterkirche St. Petri weihte. Ich komme später darauf zurück. Das geschah zu einer Zeit, als in unserem Land noch weitgehend der germanische Natur- und Götterglaube herrschte, das Kloster Hasungen oder gar städtische Siedlungen noch längst nicht bestanden. Auf die Bedeutung und die Aufgaben eines Erzpriesters werde ich später noch näher eingehen. Die Reformation bedeutete dann das Ende der Kirche und des Ortes Schützeberg. Steine der Kirche finden sich noch im Kirchturm von Zierenberg, in der Elmarshäuser Brücke und ein Tympanon in der Außenmauer der Kirche von Altenhasungen. Auch dazu folgen noch genauere Ausführungen.

Doch der Schützeberg lebte bei den Christen in der Nachfolgezeit weiter: Lange noch nach der Reformation zogen vorbeikommende Reisende ihre Schuhe aus und gingen barfuß zum Gebet auf den Schützeberg. Gleichsam symbolisch und als Einstieg dafür, die Werte unseres christlichen Abendlandes auch mit in das dritte Jahrtausend zu nehmen, dafür veranstaltete der Heimat- und Geschichtsverein im Heiligen Jahr 2000 im Gedenken an die 2000. Wiederkehr der Geburt Christi am 18. Juni das erste Schützebergfest mit einem ökumenischen Gottesdienst von erstmals vier Kirchen auf dem Schützeberg.

Rückschlüsse auf die ursprüngliche Bausubstanz der Erzpriesterkirche

Liebe Leserinnen und Leser, ich hoffe, ich habe Sie mit dieser Einleitung ein wenig neugierig gemacht auf all das, was den Schützeberg als frühchristlichen Mittelpunkt des Wolfhager Landes auch heute noch ausmacht. Denn neugierig dürften Sie schon sein, zumal ja so gut wie nichts mehr von dieser ehemals imposanten Erzpriesterkirche zu sehen ist, geschweige denn etwas von ihrer vormals weit reichenden Bedeutung zu spüren ist. So wollen Sie vermutlich von mir jetzt erfahren, wie es vor Jahrhunderten ausgesehen hat hier oben auf dem Schützeberg, wo genau die Erzpriesterkirche gestanden hat, die seit Jahrhunderten verschwunden ist, wie groß sie war, welchen Grundriss sie hatte, wann an ihr gebaut wurde und welche Bauten sonst noch auf dem Berg vorhanden waren, wo das mittelalterliche Dorf Schützeberg genau gelegen hat, wann dieses Dorf gegründet und wann es verlassen worden ist. Am Ende wollen Sie vermutlich noch von mir wissen, ob es in noch älterer, also in vormittelalterlicher Zeit, zur Zeit der Germanen, Kelten oder noch früher, oben auf dem Schützeberg eine Besiedlung, eine Befestigung, womöglich sogar eine Kultstätte gegeben hat.

Zu einigen wenigen dieser Fragen kann ich bereits eine eindeutige, wenn auch nicht abschließende und Sie damit vielleicht zufrieden stellende Antwort geben. Die im Jahr 2004 vom Darmstädter Unternehmen Posselt durchgeführte Untersuchung ergab, dass sich im Bereich der vermuteten Erzpriesterkirche unter der Bodenschicht tatsächlich zwei mächtige, zueinander parallele Grundmauerfundamente befinden, die auf eine romanische Kirche hindeuten, deren Ausmaße nur wenig hinter denen der später errichteten, gotischen Wolfhager Stadtkirche zurückblieben. Diese Untersuchung bestand zunächst aus einer elektrischen Widerstandsmessung des Untergrundes. Anhand unterschiedlicher Widerstände bzw. unterschiedlicher Leitfähigkeiten der einzelnen Boden- und Steinsubstanzen lassen sich bei einer derartigen Messung Bodenhorizonte, gewachsene und künstlich angelegte Steinformationen orten und zu einem Bild verarbeiten. Unterstützt wurde diese elektrische Messung noch durch eine Radarmessung, die diesen Befund nur bestätigte. Leider konnten diese Messungen aufgrund des Bewuchses und vorhandener Schuttmengen lediglich in einem relativ schmalen Streifen durchgeführt werden, der sich aber von Norden nach Süden mitten durch den Bereich der vermuteten Erzpriesterkirche hindurch zog. Die jeweils westlich und östlich von diesem Streifen in einem deutlichen Abstand lagernden Schuttmengen dürften sehr wahrscheinlich die Reste einer hervortretenden Apsis im Osten und eines relativ hohen Turmes im Westen sein. Der Heimat- und Geschichtsverein ist bestrebt, diese Ergebnisse rechtzeitig zum Vereinsjubiläum durch eine informative Schautafel auf dem Schützeberg zu veröffentlichen.

Um all diese Fragen jedoch erschöpfend zu beantworten, müsste man graben. Aber ausgegraben, wirklich wissenschaftlich ausgegraben worden ist auf dem Schützeberg bisher noch nicht. Am Wunsch, dies zu tun, hat es nie gefehlt. Das letzte Mal bestand dieser Wunsch im Jahr 1996, als der Heimat- und Geschichtsverein Wolfhagen für den Schützeberg eine Ausgrabungsgenehmigung beantragt hatte, die aber von der obersten Denkmalschutzbehörde, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Wiesbaden, abgelehnt worden ist. Die wissenschaftliche Ausgrabung eines Jahrhunderte lang von Menschen genutzten und bebauten Platzes einer solchen Größenordnung wie auf dem Schützeberg überfordert jedoch die Finanzmittel eines allgemeinnützigen Vereins und wahrscheinlich auch die potenzieller Sponsoren. Geht es bei einer solchen Grabung doch darum, wirklich alle frei gelegten Spuren und Details, ob sie nun in die Forschungsrichtung passen oder nicht, für die Nachwelt dauerhaft und mit Beachtung wissenschaftlicher Standards zu konservieren. So wissen wir und werden wir voraussichtlich in nächster Zeit von Befunden und Funden vom Schützeberg nicht mehr wissen als das, was 1788 in der Katasterbeschreibung von Wolfhagen notiert worden ist.

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Dort heißt es, dass im Jahr 1780 bei einer Ausgrabung von Mauersteinen für die Brücke bei Elmarshausen auf dem Schützeberg die Reste einer ehemaligen großen Kapelle gefunden wurden, darunter ein Taufstein, eine große eiserne Spore, viele Knochen und Gerippe und verbrannte Früchte. Auch wenn sich hier zum heutigen Zeitpunkt keine weiteren archäologischen Grabungsbefunde anführen lassen, so gibt es doch einige interessante historische Quellen und Befunde, die geeignet sind, ein wenig Licht in die Geschichte des Schützebergs zu bringen.

Der Übergang von vorchristlichen Naturreligionen zum christlichen Glauben

Unsere Vorfahren, die Chatten, die in der großen Völkerwanderung sesshaft blieben, glaubten in ihrer Naturverbundenheit, wie die anderen germanischen Stämme, an das Walten guter und böser Geister und an Götter. Sie verehrten diese an geheimnisvollen Stätten. Elfen und Kobolde in Wald und Feld, Hollen und Wichtel in heiligen Hainen sowie Nixen im Wasser, so glaubte man, wirken im Naturgeschehen mit und auf das menschliche Leben ein. Im Rauschen des Windes, im Flug der Vögel, besonders der Raben, vermeinten sie, den Willen der Götter zu ergründen. Am Ziegenberg bei Geismar, man denke an die legendäre Donareiche, versammelten sich die Angehörigen des Chattenstammes regelmäßig, um hier im Schatten einer mächtigen Eiche dem Gott des Sturmes, Wodan, und dem Gewittergott Donar zu opfern, z. B. durch Tötung und Darbringung eines Pferdes oder eines gefangenen Feindes.

Erste christliche Gemeinschaften sind bereits im 3./4. Jahrhundert am Limes, also an der Nordgrenze des Römischen Weltreiches, bei Bad Homburg v. d. Höhe an der Saalburg nachgewiesen. Zwischen 600 und 700 sind es einzelne Mönche aus Irland und Schottland, die sich persönlich berufen fühlen, die christliche Heilsbotschaft auf dem Kontinent weiterzugeben. Nach ihren Missionserfolgen bauen sie vereinzelt Kirchen, so z. B. auf der fränkischen Grenzfeste Büraberg bei Fritzlar.

Eine planmäßige und gut organisierte Missionstätigkeit beginnt erst mit dem Apostel der Deutschen, mit Bonifatius (zu deutsch „Bekenner des Guten“), der von 672 bis 754 lebte. Aus England kommend, reist er noch unter seinem früheren Namen Winfried 722 nach Rom, wird vom Papst zum Bischof berufen, mit der Missionierung vor allem der Chatten betraut und schließlich mit einem Schutzbrief des Frankenherrschers Karl Martell ausgestattet. Im Jahre 723 wirkt Bonifatius im Bereich der Kirche am Büraberg. Der Naturglaube der Chatten ist längst nicht mehr unerschüttert. Bonifatius kann es wagen, die Donareiche an heiliger Stätte beim nahe des Bürabergs gelegenen Geismar zu fällen und die Chatten zum Empfang der Taufe zu bewegen. Laut päpstlicher Weisung erfolgt mit dem Bau der aus dem Holz der gefällten Eiche errichteten ersten Peterskirche 723 und eines Klosters 724 die Gründung eines wichtigen missionarischen Stützpunktes in Fritzlar. Dieser Stützpunkt gewinnt später an Bedeutung, als das zwischenzeitlich errichtete Bistum Büraberg aufgelöst und an seine Stelle das Archidiakonat Fritzlar mit einem Probst als Vertreter des Bischofs von Mainz eingerichtet wird.

Auch hier auf dem Schützeberg oder gegenüber auf dem Wartberg nordwestlich von Nothfelden könnte zunächst eine heidnische Kultstätte gewesen sein, an der sich der Übergang von der mystisch gefärbten vorchristlichen Naturreligion zum Heilsglauben des Christentums durchaus langsam vollzogen haben könnte, bevor er durch die ersten Taufen, hier vielleicht sogar durch Bonifatius persönlich vorgenommen, seinen Abschluss fand.

Der Bonifatiusschüler Sturmius gründet 744 das Kloster Fulda und errichtet 772 auf der alten sächsischen Eresburg bei Obermarsberg, dort wo das alte Sachsenheiligtum, die Irminsul, stand, eine weitere Peterskirche. Und genau zwischen diesen beiden Peterskirchen in Fulda, der Vorgängerkirche des heutigen Doms, und in Obermarsberg befindet sich die Petrikirche auf dem Schützeberg, wie fast alle im achten Jahrhundert errichteten Kirchen ebenfalls dem Apostel Petrus geweiht. So bezeugt es das 1239 erstmals genannte Peterspatrozinium. Wahrscheinlich wurde die Petrikirche 752 von Bonifatius selbst geweiht, als er sich auf seinem letzten Missionszug zu den Friesen befand, von dem er nicht mehr zurückkehrte. Vermutlich benutzte er dabei die alte Heerstraße von Fritzlar nach Warburg über Istha und Nothfelden, die den Schützeberg in 2,5 km Entfernung im Osten passierte. Er wird den Schützeberg von Osten her auf demselben Weg bestiegen haben, den man auch heute noch vom Parkplatz kommend benutzt.

Hier am Schützeberg begegneten sich damals Franken und Sachsen. Wir erkennen das heute noch an dem fränkischen Dialekt, der südlich der Linie Istha-Freienhagen gesprochen wird, wenn überhaupt noch Dialekt gesprochen wird, und an dem sächsischen Dialekt, dem niederdeutschen „Platt“ nördlich dieser Linie, wo auch Wolfhagen liegt. Wir sehen das ferner in den Fachwerkstilen, wo sich gerade in Wolfhagen das fränkische Ernhaus und das diemelländisch-sächsische Einhaus („alles unter einem Dach“ mit dem Giebel nach vorn) vermischen.

Das Frankenreich, zu dem auch die Chatten gehörten, war bereits vor dem Wirken des Bonifatius gut organisiert, so dass er schon in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts nördlich der Alpen bis nach Thüringen hinein eine feste Kirchenorganisation schaffen konnte. Bonifatius errichtete sechs Bistumssitze und zwar in Salzburg, Regensburg, Freising, Passau, Würzburg und Erfurt. Von diesem alten fränkischen Stammesgebiet wurden die Missions- und Eroberungszüge zu den Sachsen gestartet. Hierbei wurde auch der Schützeberg, auf altem sächsischen Stammesgebiet gelegen, eine Stätte des Christentums. Im Zuge der Missionierung Mitteleuropas verbindet sich das Germanentum in seiner naturverbundenen Ursprünglichkeit mit dem Spirituellen der biblischen Offenbarungsreligion zu einer neuen Einheit. Der christliche Glaube manifestiert sich im Reichsgedanken des Kaisertums des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Der christliche Glaube umfasst auch wirtschaftliche Bereiche und Lebensformen bis hin in die städtischen Zünfte und Gilden. Neben der allgemein praktizierten mittelalterlichen Frömmigkeit in den Gemeinden gibt es in der Frühzeit des Christentums zahlreiche Beispiele für die Ausformung eines hohen christlichen Lebensstils. Dies kann für unseren Lebensraum an drei Persönlichkeiten verdeutlicht werden.

Um 1006, 90 Jahre vor Beginn der Kreuzzüge, zieht Heimerad aus Meßkirch zum Heiligen Grab nach Palästina, dann als Pilger durch Italien und Deutschland, um schließlich als Eremit auf dem Hasunger Berg in der Einsiedelei als Gottesknecht zu leben und zu wirken. Er gibt damit den Anlass zur Gründung des Benediktinerklosters auf dem Hasunger Berg. Nach seinem Tod 1019 wird er heiliggesprochen.

Landgraf Ludwig IV., der Gründer der Stadt Wolfhagen, folgt dem Ruf von Kaiser und Papst zur Teilnahme am 5. Kreuzzug. Bei einer in Süditalien um sich greifenden Seuche stirbt er 1227, erfüllt von der Kreuzzugsidee. Seine Gemahlin Elisabeth, deren Geburtstag sich im Jahr 2007 zum 800. Mal wiederholt, stellt ihr Witwenleben in Marburg völlig in den Dienst an Kranken, Schwachen und Ausgestoßenen bis zur Selbstopferung. Der Papst spricht sie 1235 heilig.



Die Erpriesterkirche auf dem Schützeberg als frühchristliches Mittelzentrum

Obwohl die Petrikirche auf dem Schützeberg vermutlich schon 752 oder sogar vorher erbaut wurde, wobei es sich zunächst nur um einen Holzbau gehandelt haben dürfte, stammt die erste urkundliche Erwähnung doch erst aus dem Jahr 1074, als Erzbischof Siegfried II. von Mainz die Petrikirche dem neu gegründeten Stift und späteren Benediktinerkloster Hasungen schenkte. Das Kloster Hasungen war direkt dem Mainzer Bischof unterstellt und wurde von ihm besonders gefördert. 1085 wird die Kirche als Pfarrkirche bezeichnet, als ihre Einkünfte dem Petersstift in Fritzlar zugewiesen werden. Dort residierte in der kirchlichen Verwaltungshierarchie unterhalb des Mainzer Bischofs ein Probst an der Spitze des Archidiakonats Fritzlar. Wahrscheinlich mit Beginn des 12. Jahrhunderts wurden unterhalb des Archidiakonats Fritzlar neun Erzpriesterspengel mit jeweils einem Erzpriester an der Spitze als mittlere kirchliche Verwaltungsebene zwischengeschaltet.

Spätestens 1131 war auch die Kirche auf dem Schützeberg Sitz eines Erzpriesters. Dieser durfte das Sakrament der heiligen Taufe spenden und führte die Aufsicht über die Kirchen seines Sprengels. Am Sitz des Erzpristers fanden auch die Sendgerichte des Fritzlarer Stifts zur Wahrnehmung der geistlichen Gerichtsbarkeit statt. Die Sitze der Erzpriester waren in der Regel alte, um nicht zu sagen uralte Kirchen des Landes, die nicht selten in die Zeit der Missionierung, also in das 8. oder 9. Jahrhundert zurückgingen. Zum sehr großen Schützeberger Erzpriestersprengel gehörten die damaligen 13 Pfarrkirchen des gesamten Wolfhager Landes, also außer der Mutterkirche auf dem Schützeberg noch die Tochterkirchen in Ehlen, Oberelsungen, Nothfelden, Elmarshausen, Gasterfeld, Gran, Todenhausen, Istha, Altenstädt, Balhorn, Martinhagen und Hoof.

Bedeutungsverlust des Schützebergs durch den Aufstieg des Klosters Hasungen und die Neugründung der Stadt Wolfhagen

Um 1230 passiert dann aber für den Schützeberg und für die ganze, sich über Jahrhunderte im Wolfhager Land ungestört entwickelnde Siedlungs- und Kirchenlandschaft etwas ganz Einschneidendes. Im Jahr 1226 nämlich setzten die Landgrafen von Thüringen, die damals das Land regierten und im Gegensatz zu dem Erzbischof von Mainz und seinen Verbündeten standen, in diese voll entwickelte Siedlungslandschaft einen Fremdkörper hinein, der fortan das Bild und das Land beherrschen und die Westflanke der weit reichenden Thüringer Landgrafenschaft sichern sollte. Ich meine damit die Gründung der Stadt Wolfhagen, die sich 2006 zum 775. Mal jährt. In siedlungsgeschichtlicher Hinsicht war Wolfhagen genauso ein Fremdkörper, wie gut 60 Jahre später das bereits vom hessischen Landgraf Heinrich I. gegründete Zierenberg. Beide planmäßig angelegten landesherrlichen Stadtgründungen hatten für die alten Siedlungsplätze verheerende Folgen. Die alten Dörfer wurden innerhalb weniger Jahre oder Jahrzehnte verlassen, ihre Bewohner zogen in die Stadt und zurück blieben Wüstungen, also verlassene Dorfstellen und hier und da Kirchenruinen oder überackerte Kirchstellen, an denen gerade das Umland von Wolfhagen und Zierenberg so reich ist.

Für den Schützeberg hatte die Gründung von Wolfhagen bald zur Folge, dass der bisherige Pfarrer von Schützeberg 1235 als Pfarrer von Wolfhagen bezeichnet wird. Er hat also seinen Sitz in die neue Stadt verlegt. Ebenfalls 1235 wurden der Hauptaltar der Wolfhager Kirche und der dortige Friedhof am heutigen Kirchplatz geweiht, wenn auch vorbehaltlich der Rechte der Mutterkirche auf dem Schützeberg, deren Filiale Wolfhagen noch einige Zeit blieb. Dennoch verlor die alte Erzpriesterkirche auf dem Schützeberg seit der Gründung der landgräflichen Stadt Wolfhagen immer mehr an Bedeutung.

Dafür war vor allem das dem Mainzer Erzbischof direkt unterstellte, aufstrebende Kloster Hasungen verantwortlich, das sich schließlich 1241 die Kirche auf dem Schützeberg völlig einverleiben konnte. Durch die wachsende Zahl verlassener Pfarreien im Umland der neu gegründeten Stadt Wolfhagen war auch für die benachbarte alte Mutterkirche auf dem Schützeberg die Basis für eine Erzpriesterkirche nicht mehr vorhanden. Das Kloster Hasungen erhielt sogar 1254 von der Landgräfin Sophie auch noch das Patronat der Kirche St. Anna in der thüringischen Landgrafenstadt Wolfhagen.

Zwischen den beiden aufstrebenden Polen Hasungen und Wolfhagen hatte die Petrikirche auf dem Schützeberg kaum noch eine Bedeutung. Auch als im 14. Jahrhundert offene Auseinandersetzungen zwischen Wolfhagen und Hasungen um die Pfründe und Privilegien bezüglich der Kirche auf dem Schützeberg und ihrer Filialkirche in Wolfhagen selbst die Kurie in Rom beschäftigten, konnte der Schützeberg daraus keinen Gewinn mehr erzielen, im Gegenteil: Landgraf Heinrich II. sicherte dem Kloster Hasungen sämtliche Privilegien in Wolfhagen und auf dem Schützeberg und der Erzbischof von Mainz übertrug nach dem Ausscheiden des Schützeberger Pfarrers Dietrich von Weitelberg die Schützeberger Pfarrstelle einem tüchtigen Klostergeistlichen des Hasunger Klosters. Das Kloster Hasungen und mit ihm der Erzbischof zu Mainz hatten sich also gegen Wolfhagen und den hessischen Landgraf letztlich durchgesetzt.

Den starken Einfluss des Klosters Hasungen auf Wolfhagen erkennt man auch daran, dass Hasungen die 1408 vom Wolfhager und Schützeberger Pfarrer Johann von Schützeberg betriebene Trennung der Wolfhager und Schützeberger Kirche vom Kloster Hasungen ebenso verhindern konnte wie die Trennung der Wolfhager Kirche von ihrer Mutterkirche auf dem Schützeberg. Damit wurde letztlich die Wolfhager Absicht vereitelt, die Kirche St. Anna in eine unabhängige Stiftskirche umzuwandeln mit einem Probst und 12 Kanonikern an der Spitze.

Argumente für Bonifatius als Gründer der Kirche auf dem Schützeberg

Jetzt wird es aber endlich Zeit, einige nachvollziehbare Überlegungen und nicht nur Vermutungen dem Alter der Kirche auf dem Schützeberg zu widmen, die ja bedeutend älter ist, als es ihre Ersterwähnung aus dem Jahr 1074 angibt, und womöglich schon 752 oder früher wahrscheinlich von Bonifatius selbst geweiht wurde.

Es gibt eine Urkunde des Klosters Hasungen aus dem Jahr 1245, in der die Gründung von Schützeberg auf einigen „seligen Alkmar“ zurückgeführt wird. Dieser angebliche Gründer des Ortes, dort als „fundator loci“ bezeichnet, ist nicht weiter bekannt. Er mag vielleicht wirklich eine historische Person gewesen sein, vielleicht ein frommer Geistlicher, womöglich der erste, der auf dem Schützeberg seines Amtes waltete und unter dem die Kirche erbaut wurde. Doch dieser Alkmar war nicht der eigentliche Gründer. Dem wahren Gründer kommen wir durch eine Königsurkunde aus dem Jahr 782 auf die Spur. 782 nämlich schenkte Karl der Große dem Kloster Fritzlar umfangreiche Güter, darunter mehrere reich ausgestattete Kirchen, so wird bezeugt. Von diesen Kirchen wird keine namentlich genannt. Aber in dieser Urkunde wird auf die Erzpriesterkirche in Mardorf namentlich verwiesen, das ist die Kirche im heutigen Ortsteil Berge von Homberg, und zwar mit dem Vermerk, dass diese Kirche ein Königsgut sei und nicht zur Schenkung gehöre.

Der barocke Nachfolgebau der früheren Erzpriesterkirche von Homberg-Berge

Versucht man, die ungenannten Kirchen zu identifizieren, die Karl der Große an Fritzlar verschenkte, wird man davon ausgehen können, dass diese der nicht verschenkten Kirche in Berge an Rang und Alter gleichgekommen und ebenfalls Erzpriesterkirchen gewesen sein dürften. Der Marburger Historiker Michael Gockel sieht die ungenannten Kirchen in genau den fünf Mutterkirchen, die bereits im Jahr 1085 im Besitz des Fritzlarer Petersstiftes nachweisbar sind. Denn auch unter diesen fünf Mutterkirchen fehlt die Kirche von Berge. Ich hatte bereits ausgeführt, dass im Jahr 1085 auch die Erzpriesterkirche auf dem Schützeberg als Pfarrkirche erwähnt wird und auch ihre Einkünfte dem Petersstift zugewiesen werden. Es handelt sich bei diesen fünf Mutterkirchen um die Kirchen in Fritzlar selbst, Gensungen, Niederurff, Bergheim und Schützeberg.

Alle Güter aus der Königsurkunde von Karl dem Großen einschließlich der Kirchen waren zuvor im Privatbesitz des Mainzer Erzbischofs Lullus gewesen, des Gründers des Klosters Hersfeld, und von Lullus dem König geschenkt worden. Karl der Große gab sie dann schließlich an Fritzlar weiter, eben bis auf die Kirche von Berge, die demzufolge später auch nicht zum Fritzlarer Petersstift gehörte. Diese sogenannten Lulluskirchen sind offenbar zuvor auch wiederum als privates Erbe erworben worden und zwar aus dem Erbe von Bonifatius selbst, also nach dessen Tod im Jahr 754. Wenn diese Rekonstruktion stimmt, die auch Dr. Sippel vom Hessischen Landesinstitut für Denkmalsforschung unterstützt, dann war Bonifatius auch der Gründer und erste Eigenkirchenherr unserer Erzpriesterkirche auf dem Schützeberg und hat sie uns aus seinem Erbe über seinen Nachfolger Lullus, Karl den Großen und das Fritzlarer Petersstift hinterlassen. Die Kirche auf dem Schützeberg war demnach allem Anschein nach eine der ältesten Kirchen aus der Frühzeit der Christianisierung unseres Landes, von Bonifatius selbst auf zuvor grundherrlichem Besitz gegründet und von ihm selbst Zeit seines Lebens privat besessen.


Die Petrikirche auf dem Schützeberg als Missionskirche in früh besiedeltem Altsiedelland

Die Gründung einer sehr frühen Kirche im Wolfhager Land aus dem 8. Jahrhundert deckt sich auch mit der Geschichte der Besiedlung unseres Gebietes, die bereits im 8. Jahrhundert nahezu abgeschlossen ist. Das zeigen Scherbenfunde, Flurnamen und Überlieferung. Dabei kommt der archäologischen Erforschung dieser frühen Siedlungsplätze zugute, dass durch die Gründung der Stadt Wolfhagen im 13. Jahrhundert zahlreiche dieser Siedlungsplätze bereits wieder aufgegeben wurden, weil die Bevölkerung in die Stadt zog und somit die Spuren der vorhergehenden Besiedlung in der Folgezeit nicht weiter zerstört werden konnten. Wenn man sich heute im Bereich der Wüstungsfluren von Gran oder Langele zwischen Schützeberg und Wolfhagen umsieht, kann man auch jetzt noch Tonscherben aus der Zeit der Erzpriesterkirche auf dem Schützeberg entdecken.

Nirgendwo sonst in Nordhessen, außer im Fritzlarer und Amöneburger Gebiet und bei Großenritte, sind derart alte Siedlungsstellen aus dem frühen Mittelalter bekannt wie hier im Wolfhager Land. Die ist offensichtlich auch der Grund dafür, dass im späten 7. oder früher 8. Jahrhundert eine der großen strategischen Burgen, die die Franken zur Durchdringung des Hessenlandes und gegen die Sachsen angelegt hatten, an der Stelle der späteren Weidelsburg gelegen hat. Dort fand Dr. Sippel unterhalb der Weidelsburg vor einigen Jahren Scherben, die diesen Rückschluss zulassen. Wir können dort eine ähnliche fränkische Großburg vermuten wie auf dem Büraberg oder auf dem Christenberg. Es ist dann nur folgerichtig, wenn Bonifatius, der bald nach den Franken im Hessenland erscheint und 721 die Missionierung der Hessen beginnt, eine der ersten Kirchen gerade hier in dieser alten Siedlungslandschaft errichtet. Er wählt dazu, wie so oft in der Frühzeit, einen weiten, die Landschaft beherrschenden Berg, der zwischen den Dörfern liegt, lässt ihn sich von Grundherren schenken und hier eine Kirche errichten. Die späteren Kirchen stehen dann nicht mehr so einsam und so hoch auf den Bergen wie diese frühen, sondern in den Dörfern. So ist der Schützeberg, auch wenn die Kirche heute verschwunden ist, schon allein durch sein Dasein ein Denkmal, ein Berg wie geschaffen für eine Kirche der Frühzeit, hoch genug, um eine Kirche zur Ehre Gottes zu tragen, die weithin gesehen werden will, aber auch nicht zu hoch, um nicht allzu weit entrückt zu sein von den umliegenden Dörfern und von den Menschen, für die diese Kirche gedacht war.


Niedergang und Zerfall der Kirche auf dem Schützeberg

In der Reformation 1526/27 wurde die Kirche aufgegeben und der Sitz der Pfarrei nach Altenhasungen verlegt. Folglich befanden sich nun in Altenhasungen mit den beiden Pfarreien Schützeberg und Altenhasungen zwei Pfarreien, die aber sorgfältig getrennt durch ihre jeweiligen Kastenmeister Buch führten. Zusammen mit der Pfarrei Nothfelden bildeten die Pfarreien Schützeberg und Altenhasungen ein Kirchspiel. Noch bis etwa 1570 wohnte der Pfarrer der Pfarrei Altenhasungen, die die größte Pfarrei im Kirchspiel war, nahezu allein auf dem Schützeberg. Darin zeigte sich noch lange die große religiöse Kraft, die von dem Schützeberg auch noch nach der Reformation ausging. 1572 aber verließ auch dieser letzte Pfarrer Nikolaus Schreiber den Schützeberg. Seitdem ist der Schützeberg unbewohnt, nachdem schon lange vorher die Siedlung Schützeberg aufgegeben worden war.

Aber immer noch wurden Wallfahrten zum heiligen Schützeberg durchgeführt und noch lange danach zogen vorbeikommende Reisende am Fuß des Schützeberges ihre Schuhe aus, um sich dem Berg barfuß zu nähern und hier ihre Andacht zu verrichten. Die große religiöse Bedeutung der alten Petrikirche auf dem Schützeberg zeigt sich auch darin, dass die großen Glocken einiger Kirchen in Kassel und der Kirchen in Burghasungen und Altenhasungen zunächst auf dem „Heiligen Schützeberg“ ihren Dienst versahen. Eine Glocke, die in der Altenhasunger Kirche heute noch ihren Dienst tut, dürfte um 1300 für die Schützeberger Kirche gegossen worden sein. Die Übersetzung ihrer lateinischen Inschrift lautet: „Das Erz lässt das Bekenntnis des Petrus und zugleich des Nicolai erklingen.“

Dann aber verfällt die Kirche und ihre Reste werden gewaltsam abgebrochen, vor allem im Jahr 1576, als der Landgraf den Zierenbergern erlaubte, ihren Kirchturm mit den Steinen vom Schützeberg zu vollenden. Die Wolfhager ließen sich das jedoch nicht gefallen und nahmen den Zierenbergern 60 bis 70 Wagen Steine weg, warfen sie in den Weg und beschwerten sich beim Landgraf, allerdings ohne Erfolg. Dabei sollen dennoch einige Steine nach Wolfhagen gelangt sein und zwar zum Bau der Mauer des neuen Friedhofs vor den Toren der Stadt. So finden wir die Reste der alten Petrikirche heute überwiegend im Turm der Zierenberger Kirche, wo 1588 im oberen Umgang des Turmes auch das Portal der Schützeberger Kirche und eine Kreuzigungsgruppe eingebaut wurden. Auch die Sandsteinplatten von der Schützeberger Kirche deckten noch bis vor 100 Jahren zum Teil das Dach der Zierenberger Kirche.

http://kassellexikon.hna.de/images/c/c3/Tympanon_von_Altenhasungen1.JPG

Das Tympanon an der Kirche in Altenhasungen stammt ebenfalls vom Schützeberg und zeigt einen Hirsch und eine Hirschkuh. Der sich dem Kreuz zuwendende Hirsch und die sich vom Kreuz abwendende Hirschkuh stellen ein Taufmotiv dar, mit dem dieses Türsturzrelief aus dem 11. Jahrhundert heute noch auf die Schützebergkirche als frühchristliche Taufkirche hinweist.

Die heutigen Gegebenheiten auf dem Schützebergplateau

Ich erwähnte bereits, dass die einzige Grabung auf dem Schützeberg im Jahr 1780 durchgeführt wurde, allerdings nur, um Steine für den Bau der Elmarshäuser Brücke zu gewinnen. Aufgrund der dabei zutage tretenden Funde traute es sich der Wolfhager Heimatforscher Wilhelm Winter zu, den Grundriss der kirchlichen Einrichtungen auf dem Schützeberg nachzuzeichnen. So lokalisierte er das Pfarrhaus östlich der 400 bis 500 Jahre alten Linde noch auf dem heutigen Friedhof. Ein Teil des alten Friedhofs der Schützeberger Kirche befand sich demnach nördlich der Kirche. Man kann den Ostchor und den Westturm der Kirche anhand der Schutthaufen heute noch rekonstruieren. Ein weiterer Teil des alten Friedhofs der Schützeberger Kirche lag östlich des Pfarrhauses. Damit nahm der Friedhof einen so großen Raum ein, dass man ihn nachträglich nur als zentrale Begräbnisstätte für mehrere Pfarreien verstehen kann.

Noch bis 1600 wurden alle Beerdigungen der Pfarrei Altenhasungen auf dem Schützeberg durchgeführt. Noch heute gilt das Recht zur Bestattung auf dem Schützeberg für die drei nahe gelegenen Mühlen Kalkhofs Mühle, Neue Mühle und Schützeberger bzw. Kleinschmidts Mühle am Oberlauf der Erpe. Damit wird aber auch verständlich, dass mit einem so bedeutsamen Friedhof auch ein Kalvarienweg verbunden war. Dieser bezeugte Kalvarienweg, an dem das Leiden und Sterben Christi an 13 Stationen nachempfunden wurde, führte sehr wahrscheinlich von Osten her auf den Schützeberg und entspricht damit etwa dem heutigen Weg.

Neben den Gräbern der drei Mühlenhöfe befinden sich auf dem heutigen Schützeberger Friedhof, der mit dem soeben erwähnten historischen Schützeberger Friedhof natürlich nicht identisch ist, neun Gräber, deren Grabplatten im Barockstil besonders kunstvoll gestaltetet sind. Sie alle verweisen auf die reich gewordene Familie Scheurmann, die mehrere Jahrhunderte lang im Wolfhager Land Papiermühlen betrieb. Zu dieser Papiermüllerfamilie möchte ich am Schluss noch einige Ausführungen machen.

Nördlich des Schlosses Elmarshausen, auf dem rechten Ufer der Erpe am Ausgang des Lindengrunds gelegen, befand sich an der Stelle der Wüstung Witmarsen die Elmarshäuser Papiermühle. Eine Malmühle wird hier schon seit 1236 bezeugt Die Elmarshäuser Papiermühle ist die älteste ihrer Art im Erpetal. Michael Scheurmann, der von 1642 bis 1658 und von 1663 bis 1672 Papiermacher zu Elmarshausen war, ist der Stammvater der Papiermacherfamilie Scheuermann im nordhessischen Raum und stammt wie seine Frau aus Lemgo. Es ist nicht bekannt, wann er auf die Elmarshäuser Papiermühle kam. Die früheste Erwähnung stammt aus den Jahren 1642/43 und beinhaltet Taufeintragungen für zwei seiner Kinder in dem für Elmarshausen zuständigen Kirchenbuch von Oberelsungen. Kurz nach 1851 konnte sich die Elmarshäuser Papiermühle wirtschaftlich gegenüber den aufkommenden Papierfabriken nicht mehr behaupten. Der letzte Elmarshäuser Papiermüller lebte anschließend noch auf der Langeler Mühle zwischen Wolfhagen und Elmarshausen als einfacher Müller. Das Elmarshäuser Papier mit dem Wasserzeichen Wolfhagen überdauerte jedoch wegen seiner vorzüglichen Qualität noch lange in den Kanzlei- und Schreibstuben des gesamten nordhessischen Raumes. Der Papiermacherfamilie Scheurmann gehörten noch mehr Papiermühlen im Wolfhager Land, so auch die Schützeberger Mühle des Schützeberger Hofes, an den heute noch das Anwesen der Familie Kleinschmidt am Eisenbahnviadukt erinnert. Diese Mühle war zwar zunächst eine Getreidemühle, sie wurde jedoch, damit sie die Familie Scheurmann übernehmen konnte, 1680 und 1700 mit zwei neuen Gängen in eine Papiermühle umgewandelt. Mitte des 19. Jahrhunderts jedoch musste auch sie ihren Betrieb einstellen. Die technische Entwicklung hatte mittlerweile mit der industriellen Revolution längst ein neues Zeitalter eingeläutet. 130 Jahre später oder, einfacher gesagt, vor 20 Jahren kam dann die Revolution der Automaten und Computer, die die Mühlen des Erpetales so gründlich aus dem Bewusstsein löschte, dass man sich heute kaum noch an sie erinnert. Aber das nun plötzlich leere Bewusstsein will wieder gefüllt sein, mit Inhalten, die die Zeit überdauern, unabhängig von epochal begrenzten technischen Errungenschaften, mit Inhalten, für die es sich wirklich lohnt, zu leben. Stehen wir nicht alle heute mit unserem halbherzigen Spekulieren auf Fortsetzung des materiellen Wohlstandes und garantierter Rendite wieder genauso da wie damals die Heiden am Fuß des Schützebergs, als sie sich in ihrer Heilserwartung dem Zug des Bonifatius hinauf zum Schützeberg vorsichtig anschlossen? Der Anschluss war richtig, nicht nur für Wolfhagen. 2000 Jahre ökumenisches Christentum sind der Beweis!

Hermann Neumeyer



Quellen: Dr. Paul Görlich: Wolfhagen – Geschichte einer nordhessischen Stadt, Wolfhagen 1980, Gustav Siegel: Geschichte der Stadt Wolfhagen in Hessen, Wolfhagen 1929, Wilhelm Winter: Der „Heilige Schützeberg“ im Wolfhager Land in Hessen, in: Wolfhager Stadtanzeiger vom 23. 8. 1985, Wilhelm Winter: Lageplan des Friedhofs auf dem Schützeberg, Wolfhagen 1985, Karl Lyncker: Die Wüstung Schützeberg bei Wolfhagen, in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde von 1853, Dr. Klaus Sippel: Vortrag am 12. 5. 2004 anlässlich der Präsentation der Ergebnisse der geophysikalischen Untersuchung des Untergrundes auf dem Schützeberg

Hans Staden

Der Vermittler zwischen den Kulturen Südamerikas und Europas im 16. Jahrhundert Auszüge der Rede des 2. Vorsitzenden Hermann Neumeyer zur Einweihung des Staden-Gedenksteines am Hospitalsplatz 2005

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Im Namen des Heimat- und Geschichtsvereins Wolfhagen begrüße ich Sie als Zweiter Vorsitzender zur Einweihung des Gedenksteins für Hans Staden sehr herzlich. Ja, liebe Gäste und Vereinsmitglieder, es geht heute um Hans Staden, den großen Sohn der Stadt Wolfhagen, dessen Leben nun zwar schon über 400 Jahre zurückliegt, dessen Wirken heute aber aktueller denn je ist. Seine „Wahrhaftige Historia und Beschreibung einer Landschaft der nackten, grimmigen Menschenfresserleute, in der neuen Welt Amerika gelegen, vor und nach Christi Geburt im Land zu Hessen bis auf das vergangene Jahr noch unbekannt“ ist das erste Buch über die Indianer Südamerikas in deutscher Sprache und heute noch eine Grundlage zur Erforschung der brasilianischen Ureinwohner. Es wurde in über 80 Auflagen in alle wichtigen Sprachen der Welt übersetzt. Während es in Sao Paolo in Brasilien bereits seit 1938 die renommierte Hans-Staden Gesellschaft mit dem Hans-Staden-Institut gibt, fehlt eine derartige Einrichtung in Deutschland völlig. Lediglich in Homberg, wo Hans Staden geboren wurde, und in Wolfhagen, wo er starb, gibt es seit einigen Jahrzehnten eine Rückbesinnung und Würdigung seiner Lebensleistung. Hier war es vor allem der Wolfhager Heimatforscher Wilhelm Winter, der nach 1960 als Mitglied der Gesellschaft für Familienkunde Hans Staden in das Bewusstsein der Wolfhager Bevölkerung rückte. Die Stadt Wolfhagen setzte Hans Staden zu Ehren ein Denkmal unterhalb der Burg und benannte die dort vorbeiführende Straße in Stadenstraße um. Das Wolfhager Regionalmuseum richtete 1985 nach der Konzeption des früheren Museumsleiters Wolfgang Halfar eine Hans-Staden-Dauerpräsentation in der Zehntscheune ein. Dabei handelt es sich im Kern um die Sammlung des Oberkirchenrates Günter Bezzenberger, die dadurch als Hans-Staden-Stiftung zusammengehalten wurde. Am 9. Juli dieses Jahres fand im Regionalmuseum eine wissenschaftliche Tagung speziell über Stadens Lebenswerk, über seine „Wahrhaftige Historia“ statt. Außerdem ist zurzeit noch in der evangelischen Kirche und im Regionalmuseum der Bilderzyklus „Hans Staden trifft Maria Rosa“ des Malers José De Quadros zu sehen. Die Indianerin Maria Rosa, letzte und heldenhafte Vertreterin ihres untergegangenen Stammes, und Hans Staden, der während seiner neun Monate Gefangenschaft bei den Menschen fressenden Tupinamba-Indianern nur überlebte, weil er in tiefer Gottesfurcht sich mit den Indianern in christlicher Nächstenliebe verband, werden in diesen Bildern mit ihren Wertvorstellungen zusammengebracht, obwohl doch fast 400 Jahre zwischen ihnen liegen. Ja, und am letzten Sonntag ist in der evangelischen Kirche sogar über Hans Staden in diesem Zusammenhang gepredigt worden. So ist es nun endlich Zeit, dass auch der Heimat- und Geschichtsverein seiner Verpflichtung nachkommt, Hans Staden im Bewusstsein der Wolfhager Bevölkerung wach zu halten und ihm ein würdiges Andenken zu gewähren. Dafür haben wir diesen Gedenkstein aufgestellt, harter, fest gewordener Buntsandstein, der sich während der fast 200 Millionen Jahre seines Bestehens bei allen Bewegungen und Veränderungen der Erdoberfläche, wie man sieht, gut behauptet hat. Ob dieser Stein weitere 200 Millionen Jahre überdauert, wissen wir nicht. Jedenfalls wünschen wir ihm, dass er seiner Aufgabe, auf Hans Staden an dieser exponierten Stelle und gut sichtbar hinzuweisen, noch lange nachkommen kann. Wir hoffen, dass er mit seiner Festigkeit Hans Staden und seinen festen christlichen Grundwerten symbolisch im übertragenen Sinn entspricht. An Gott hielt nämlich Hans Staden genauso fest, vor allem als er als Schiffbrüchiger im Sturm unterzugehen drohte oder mit seinem Fleisch auf dem Speiseplan der Tupinamba-Indianer stand, die ihn gefangen hielten. Diesen Stein hier an dieser Stelle vor dem Stadenhaus oberhalb der Stadenstraße aufzustellen, wäre aber nicht möglich gewesen ohne das großzügige Einverständnis der Gemeinschaft aller Eigentümer des Stadenhauses. Dafür danken wir ganz besonders.

Ich möchte nun aber noch ein wenig auf Hans Staden selbst und sein einzigartiges Leben eingehen. Um 1526 wird Hans Staden in Homberg an der Efze geboren. Sein Vater stammt aus Wetter bei Marburg und erwarb durch die Verheiratung mit einer Homberger Bürgertochter 1525 ebenfalls das Homberger Bürgerrecht. Versetzen wir uns nun in das Jahr 1547. Deutschland war mittlerweile zu 60% evangelisch geworden und Kaiser Karl V. sah seine Machtstellung gegenüber den im Schmalkaldischen Bund zusammengeschlossenen evangelischen Landesfürsten gefährdet. Im Schmalkaldischen Krieg bekämpfte er den Schmalkaldischen Bund, allen voran den hessische Landgraf Philipp I., den Großmütigen, der 1526 in Hessen-Kassel die Reformation eingeführt hatte, und den sächsischen Kurfürst Johann Friedrich I., auf den Martin Luther sich als „seinen Kurfürst“ verlassen konnte. Aber nun im Jahre 1547 mit der Schlacht am Mühlberg an der Elbe ging dieser Schmalkaldische Krieg mit einer Niederlage des Schmalkaldischen Bundes zu Ende und das Heer der Landsknechte Philipps des Großmütigen, zu dem auch der junge Hans Staden gehörte, wurde arbeitslos. Wenn auch Hans Staden einerseits hochbegabt und andererseits körperlich sehr robust war, so ging doch mit der Entlassung als Landsknecht gleichzeitig auch seine Existenzgrundlage verloren, denn von zu Hause kam wenig materieller Rückhalt, wohl aber eine gute christliche Erziehung. Aber Hans Staden war jung, neugierig, voller Unternehmungslust und Ideale. Dazu besaß er ein starkes Gottvertrauen, das die Menschen des 16. Jahrhunderts ohnehin in besonderem Maße auszeichnete und das bei ihm durch die noch frische Reformation unter seinem Landesherrn Landgraf Philipp besonders groß war. Und mit diesem Gottvertrauen machte er sich 1548 über Bremen und die Niederlande auf den Weg nach Lissabon, in die Hauptstadt der damals noch führenden Seemacht Portugal. Zwar wollte er ursprünglich mit einem Handelsschiff nach Indien fahren, aber da die Flotte nach Indien bereits ausgelaufen war, heuerte er, getrieben von seinem Unternehmungsdrang, kurzfristig als Büchsenschütze auf einem portugiesischen Kaperschiff an, das nach Brasilien segeln sollte. Diese erste Reise nach Brasilien, die Hans Staden zur Ostspitze in das Gebiet der heutigen Stadt Recife führte, dauerte insgesamt 16 Monate. Hierüber schreibt er zu Beginn seiner „wahrhaftigen Historia“. Es ist die Zeit der ersten Kolonisationsversuche der Portugiesen und Franzosen. Das kommerzielle Ziel war in erster Linie der Handel mit Brasilholz. Dabei waren die Portugiesen und Franzosen Konkurrenten und hatten jeweils ihre Handelsniederlassungen und Befestigungen. Beide versuchten, sich gegenseitig die verschiedenen indianischen Stämme als Handelspartner abzuwerben. Die daraus entstandenen kriegerischen Konflikte übertrugen sich zwangsläufig auch auf die indianischen Stämme untereinander. Das Buch beschäftigt sich jedoch überwiegend mit der zweiten Reise, die Hans Staden von 1549 bis 1555 unternahm, dieses Mal als Kanonier auf einem spanischen Schiff. Dieses Schiff gehörte mit zwei anderen Schiffen zum Vorkommando einer Expedition zur Eroberung und Besiedlung der La-Plata-Region, des heutigen Gebietes von Buenos Aires, im Auftrag der spanischen Krone. Nur zwei der drei Schiffe kamen an der Küste an. Aber auch diese beiden Schiffe gingen dort in heftigen Stürmen unter, noch bevor sie anlegen konnten. Die Schiffbrüchigen warteten an der Küste zwei Jahre vergeblich auf Rettung. Dann bauten sie sich selbst ein neues Schiff, um weiterfahren zu können. Aber auch dieses Schiff ging zu Bruch. So musste der Rest dieses Vorkommandos, darunter auch Hans Staden, zu Fuß an der Küste entlang weiterziehen. Schließlich gelangte Hans Staden nahe der Küste auf die kleine Insel Santo Amaro zu einer kleinen portugiesischen Handelsniederlassung, wo er bei deutschen und niederländischen Kaufleuten Aufnahme fand. Trotz aller Widrigkeiten aber war sein Unternehmungsdrang weiterhin ungebrochen. Er wurde mit beispielhaftem Mut Kommandant der Insel Santo Amaro, natürlich auch mit der Aussicht auf eine großzügige Entlohnung durch den König von Portugal, befestigte das vorgefundene Fort Bertoga der portugiesischen Handelsniederlassung, um sich gegen den benachbarten Stamm der Tupinamba in den kriegerischen Auseinandersetzungen behaupten zu können. Dennoch aber nahmen die Tupinamba Hans Staden später gefangen. Und als ob er nicht schon genug härteste Herausforderungen hatte bestehen müssen, so nahmen doch mit dieser Gefangennahme erst die echten Bewährungsproben ihren Anfang, die für sein nachfolgendes Leben so entscheidend waren. Wenn ich Ihnen jetzt aus seinem Buch in heutigem Deutsch vorlese, das er mit Unterstützung der evangelischen Landesherren Landgraf Philipp I. des Großmütigen zu Hessen und Graf Philipp III. zu Waldeck später in Marburg drucken ließ, werden Sie sicher staunen und diesen Menschen in seiner ethischen Größe und festen Religion bewundern. Sie werden sicher fragen: Welche geistigen Fähigkeiten muss dieser Mensch neben seinen handwerklich-technischen Fähigkeiten gehabt haben, dass er in den neun Monaten seiner Gefangenschaft bei den Tupinamba nicht nur die Wörter der Tupinambasprache lernen und sich damit verständigen konnte, sondern sie später auch in der Form eines Lexikons aufschreiben konnte und damit der späteren Erforschung der Indianersprachen einen großen Dienst erwies? Da nur die wenigsten seiner Zeitgenossen lesen konnten, ließ er von seinen wichtigsten Erlebnissen auch Holzschnitte anfertigen, die ebenfalls in seinem Buch enthalten sind Hans Staden schreibt in seinem Buch über seine Gefangenschaft selbst: „Ende Dezember 1553 besuchte mich auf Santo Amaro mein hessischer Landsmann Heliodorus Hessus, der in einer Handelsniederlassung auf dem gegenüberliegenden Festland in Sao Vicente tätig war. Als ich für ihn im Wald Wildbret holen wollte, wurde ich plötzlich von Tupinambaleuten umringt, niedergeschlagen und in ein Boot gezerrt. ,Nun helfe Gott meiner Seele’, schrie ich, als die Tupinamba mich fesselten und mit mir davon paddelten, denn ich wusste, dass die Tupinamba ihre Gefangenen töten und aufessen. Sie brachen mit mir zu ihrer 100 km entfernten Siedlung Ubatuba auf, ebenfalls auf einer Insel gelegen. Da diese Menschenfresser das Fleisch eines anderen Menschen essen, um mit der Verspeisung auch dessen Kraft und Fähigkeiten möglichst vollständig zu übernehmen, gehört jeder zum Verzehr anstehende Gefangene zunächst einmal einem Kannibalen ganz allein. Bald darauf begannen sie im Boot, um mich zu streiten: Der eine sagte, er sei als erster bei mir gewesen, der andere meinte, er hätte mich gefangen. Wieder andere schlugen währenddessen auf mich ein. Dieser Zank rettete mich aber davor, auf der Stelle getötet zu werden. Ich wurde nämlich zum Gemeinschaftsschmaus erklärt. Jetzt erst kam mir zum ersten Mal in den Sinn, darüber nachzudenken, welch trauriges Jammertal unser irdisches Leben doch sein kann. Am nächsten Tag um die Vesperzeit erreichten wir schließlich das Dorf Ubatuba. Ich musste den auf dem Feld arbeitenden Frauen zurufen: ,Aju ne xe pee remiurama’, was soviel heißt wie: ,Ich komme, ich euer Essen’. Ich bekam jedoch noch eine Galgenfrist und sollte zunächst erst einmal aufgepäppelt werden“. Uns überrascht bei diesem grausamen Geschehen doch auch eine gewisse heiter-amüsante Ironie, mit der Hans Staden seine Erlebnisse schildert, die im Übrigen allesamt von der Wissenschaft als „wirklich erlebt“ eingestuft werden. Im 16. Jahrhundert findet man diese Art, furchtbare Dinge mit einer gewissen Komik darzustellen, recht häufig. Auf diese Weise verloren traurige Ereignisse, zumindest äußerlich, etwas von ihrer Schärfe. Innerlich war der Mensch ohnehin in seinem irdischen Jammertal gefangen, mit der Hoffnung auf ein besseres Jenseits. Aber nun wieder zurück zu den Worten Hans Stadens: „Die Portugiesen waren bei den Tupinamba sehr verhasst. Den Franzosen hingegen waren sie durchaus freundlich gesinnt, da sie mit ihnen Tauschhandel betrieben. Ich gab mich also von nun an immer als Freund der Franzosen aus, in der Hoffnung, dadurch dem Bratrost entgehen zu können. Einmal brach in Ubatuba unter den Indianern eine Seuche aus. Ich stellte sie als von Gott gesandte Strafe dar. Der Häuptling bat mich, zu meinem Gott um Gnade zu beten, damit die Menschen verschont würden. Ich stand nun vor dem Dilemma: Sollte ich Gott um Heilung bitten oder ihnen allen den Tod wünschen? Gott nahm mir die Entscheidung ab, indem er acht Indianer sterben ließ, den Häuptling und seine Frau jedoch genesen ließ. Plötzlich stieg ich im Ansehen der Indianer (zumindest des verschonten Häuptlings) und nutzte weiterhin sämtliche Krankheiten und Unwetter aus, um den Tupinamba Respekt vor mir und Gott einzuflößen. Am Ende hatte ich den Status eines Zauberers erlangt“. Und wirklich, wie Gustav Faber in seinem Vorwort zur derzeit aktuellen Auflage der „Wahrhaftigen Historia“ schreibt, steht Hans Staden anscheinend mit Gott quasi auf du und du, wobei Gott in besonders kniffligen Lagen eingreift, wie seinerzeit die Götter des Olymp in das irdische Geschehen. „Bald danach musste ich die Tupinambá auf einem Feldzug gegen die feindlichen Tupiniquin und die mit ihnen verbündeten Portugiesen begleiten. Auf diesem Feldzug wurden auch einige meiner portugiesischen Bekannten aus der Zeit auf Santo Amaro gefangen genommen. Ein Teil davon wurde sofort gebraten und gegessen, andere, meist unverletzte, kamen zunächst noch mit heiler Haut davon. Ich hätte zu den Portugiesen fliehen können, ließ aber ganz bewusst diese Fluchtchance aus, um die portugiesischen Gefangenen durch eine mögliche Rache der Tupinamba nicht zu gefährden“. Wir erkennen hier Hans Staden wieder als wahren Christen, dem Nächstenliebe gegenüber jedermann wichtiger als das eigene Schicksal ist. Über seine Rettung durch ein französisches Schiff schreibt Hans Staden Folgendes: „Das französische Schiff ankerte vor Ubatuba und sandte ein Beiboot zum Einhandeln von Pfeffer, Meerkatzen und Papageien. Ich erfuhr davon, konnte aus Ubatuba entkommen und schwamm dem Beiboot entgegen. Als ich dort aber zur Flucht einsteigen wollte, stießen mich die Franzosen zurück, mit der Begründung, die Tupinamba könnten revoltieren, wenn sie nicht selbst über meine Abreise entscheiden könnten. Also schwamm ich traurig wieder zurück an Land und sagte den Tupinamba: ,Meintet ihr, dass ich weglaufen wollte?’ Ich war doch nur bei den Franzosen an Bord, um sie dazu zu bringen, viele kostbare Waren für euch zusammenzustellen. Das hörten sie gerne und waren zufrieden. Anschließend wurde meine Befreiung aus den Händen der Tupinamba im Tausch gegen Waren der Franzosen möglich“. Mit der Heimkehr Hans Stadens im Jahr 1555 endet der erste Teil der „Wahrhaftigen Historia“. In diesem ersten Teil schildert Hans Staden alle Begebenheiten aus seiner persönlichen Perspektive und Betroffenheit. Bei all dem Leid, das er bei den Indianern erfuhr, bleiben seine Beschreibungen doch ehrlich und werden nicht durch Hass verzerrt. Im Gegenteil, er scheint den Indianern im Grunde recht wohl gesonnen und beschreibt sie als lebensfrohe, lustige Menschen. Als Christ achtet Hans Staden die Indianer als Geschöpfe des einen Gottes, den ihn seine Eltern und die Reformation nahe gebracht hatten. In zweiten Teil berichtet Hans Staden über die Sitten und Gebräuche der Ureinwohner, über die Tiere, die Vegetation und vieles mehr. So erzählt er in Kapitel 34 „von einer Art Fledermäuse jenes Landes, die den Leuten nachts im Schlaf in die Zehen beißen.“ Insbesondere dieser zweite Teil ist für die Anthropologen von unschätzbarem Wert und auch heute immer noch aktuell. Durch seine Reisen, meist unfreiwillig, ist Hans Staden viel in Brasilien herumgekommen, lernte verschiedene Stämme kennen, die er alle auch detailliert beschreibt, wobei er die Eingeborenen manchmal im Eifer des Gefechts und als Zeichen der Verbundenheit mit ihnen sogar hessisch sprechen lässt. Hans Staden schließt sein Buch mit der Aufzählung einer Reihe von Zeugen, um seiner Geschichte von vornherein jeden Zweifel an Glaubwürdigkeit zu nehmen und schreibt: „Sollte es irgendeinen jungen Mann geben, dem meine Beschreibungen und meine Zeugen nicht genügen, so mache er, damit er vom Zweifel befreit wird, mit Gottes Hilfe diese Reise selbst.“ Nach seiner Rückkehr wurde Hans Staden Bürger von Wolfhagen, war hier Seifensieder und betrieb auch eine Pulvermühle in der Fredegassen. Als Kommandant der portugiesischen Festung Bertoga auf Santo Amaro hatte er ja bereits Kenntnisse über das Schießpulver gewonnen. Während der Drucklegung seines Buches in Marburg lernte er dort auch noch bei einem Pulvermacher das Salpetersieden. Im Pestjahr 1576 starben er und seine Frau, die „Seifensiedersche“, in Wolfhagen, nachdem sie 21 Jahre dort gelebt hatten. Sie wurden auf dem Wolfhager Friedhof in der Pestecke begraben. In Wolfhagen schrieb Hans Staden auch seine „wahrhaftige Historia“, sicher ein einmaliges Buch eines großen Mannes, den wir mit unserem heutigen Verständnis kaum begreifen können. Und wenn wir trotzdem eine Brücke zu ihm schlagen wollen, vielleicht versunken in einer Meditation, wie der Maler José De Quadros mit seinen Bildern in der Kirche und im Museum, dann hilft uns dabei vielleicht dieser Stein. Das Alles ist, auch wenn Wolfhagen mittlerweile mit der Märchenstraße in Zusammenhang gebracht wird, dieses Mal kein Märchen, sondern „wahrhaftige Historia“.

Hermann Neumeyer

Quellen: Dr. Paul Görlich: Wolfhagen – Geschichte einer nordhessischen Stadt, Wolfhagen 1980, Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha: A História Alemã do Brasil - Die deutsche Geschichte Brasiliens, São Paulo 2002, Hans Staden: Warhaftige Historia und Beschreibung eyner Landtschafft der Wilden / Nacketen / Grimmigen Menschfresser Leuthen / in der Newenwelt America gelegen, Marburg 1557 Wolfgang Halfar: Hans Staden, Wolfhagen 1997, Schriften des Vereins Regionalmuseum Wolfhagen (Museumsführer Band 12)

Conrad Abée, letzter kurhessischer Ministerpräsident

Der letzte kurhessische Ministerpräsident war der in Wolfhagen geborene Conrad Abée. Eine Gedenktafel weist auf sein Geburtshaus am Kirchplatz hin. Er amtierte von 1860 bis 1866 und setzte sich in der hessischen Politik für die Selbständigkeit Hessens gegenüber Preußen ein, bis 1866 nach dem Sieg Preußens über Österreich im preußisch österreichischen Krieg Hessen durch Preußen annektiert wurde. Conrad Abée war Sohn des Wolfhager Amtschirurgen Wilhelm Abée, dessen Vorfahren seit 1763 in Wolfhagen wohnten und dessen Ahnenliste eine auch Verbindung zu Ernst Abée, den Gründer der weltbekannten Car-Zeiß-Stiftung zu Jena, erkennen lässt.

(Hermann Neumeyer)




Tilemann von Elhen, Stadtschreiber und kaiserlicher Notar in Limburg

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Neben Hans Staden, der im 16. Jahrhundert als zweifacher Südamerikafahrer und Gefangener der Tupinamba-Indianer viel zur Erforschung der Ureinwohner Brasiliens beitrug, ist Tilemann von Elhen der zweite „große Sohn“ Wolfhagens. Tilemann von Elhen wurde 1347 in Wolfhagen geboren, studierte später in Mainz oder Paris Theologie, um dann 1370 als gelehrter Theologe und Humanist einem Ruf als Stadtschreiber und kaiserlicher Notar nach Limburg zu folgen, wo ein Onkel von ihm schon Lehrer war. Neben seiner administrativen Tätigkeit im Rathaus stand er auch noch schreibunkundigen Privatleuten, das war damals der weitaus überwiegende Teil der Bevölkerung, mit der Abfassung von Schriftstücken, Verträgen und Urkunden zur Verfügung. Berühmt geworden ist Tilemann von Elhen in seiner Limburger Zeit als Verfasser der weit bekannten Limburger Chronik, die zusammen mit der Straßburger Chronik die bedeutendste Chronik des 14. Jahrhunderts darstellt, die auch von Goethe, Lessing, Herder, Uhland, Heine u. a. zitiert wurde. Tilemann von Elhen hat die Chronik nicht als Lokalpatriot geschrieben sondern die Geschichte Limburgs in den Zusammenhang der Reichsgeschichte gestellt. Da ist von Rom und Avignon die Rede, von Prag und Böhmen, von den Erzbistümern Köln Mainz und Trier, natürlich auch von Hessen, Wolfhagen und der Weidelsburg. Besonderen Wert aber gewinnt die Chronik dadurch, dass Tilemann von Elhen über die Ereignisse nicht nur berichtet, sondern dass er sie auch moralisch kommentiert, und das nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern gleichsam als Nachbar und Mitbürger. Dabei spielen auch Mode, Kirchen- und Volkslieder, heute würde man sagen die aktuellen Charts, eine wichtige Rolle. Die Stadt Wolfhagen jedenfalls darf sich glücklich schätzen, dass in ihren Mauern solch ein großer Geist heranwachsen konnte und seine Kindheit und Jugend verbrachte. Der Heimat- und Geschichtsverein ist sich seiner Verpflichtung gegenüber Tilemann von Elhen bewusst, und wird sich dafür einsetzen, dass sein Lebenswerk künftig auch in Wolfhagen noch deutlicher zu erfahren ist.

Hermann Neumeyer

Wilhelm Fischer

Ansprache des Zweiten Vorsitzenden Hermann Neumeyer zur Eröffnung der Ausstellung anlässlich des 25. Todesjahres des Malers Wilhelm Fischer (1894-1979) in der Kulturhalle Wolfhagen

Kultur in der Wolfhager Kulturhalle, das heißt nicht nur Theater, Musik und Comedy, das heißt auch im wahrsten Sinne des Wortes einfach Kunst, bildende Kunst und vor allem Kunst der Malerei, so wie sie ein jeder von uns in seinem Herzen verspürt, wenn er nur seinen Augen folgt und sich ein wenig Zeit nimmt, Zeit, die unser Maler Wilhelm Fischer für Wolfhagen immer hatte, als er in den Wolfhager Altstadtwinkeln seine Staffelei aufbaute und die Romantik der Dächer und Gassen auf sich einwirken ließ, bis die tiefe Nachmittagssonne mit ihren kontrastreichen Lichtverhältnissen ihn dann schließlich zu emsiger Schaffenskraft beflügelte. Aber auch die Morgensonne inspirierte ihn, vor allem, wenn sie es wagte, die zarten Schleier der Nebelschwaden im Erpetal in eigenwilligen Farben kontrastreich zu beleuchten. Das ließ den Romantiker Wilhelm Fischer nicht untätig, gerade dann, wenn ihm die Natur, hier im Erpetal oder anderswo, während der Morgenstunden derartig stimmungsvolle Hintergründe für seine Bilder präsentierte. Als Bewahrer der Schöpfung, durchaus im religiösen Sinne, beeilte er sich immer,in seinen Bildern den natürlich gewachsenen Zustand festzuhalten, noch bevor ihn fehlgeleitetes Menschenwerk, um mit seinen Worten zu sprechen,verunstalten konnte. Umweltsünden oder gar Umweltkatastrophen benötigen nicht der künstlerischen Interpretation. Sie sind so oder so schlimm genug. Aber jeder Mensch hat ein Gewissen dafür, wie er die von seinen Vätern und Müttern übernommene Umwelt an seine Kinder weiterzugeben hat. Selbst dafür bietet Wilhelm Fischer als naturalistischer Maler in seinen Bildern eine seiner Zeit entsprechende Antwort. Verehrte Festgemeinde, liebe Gäste, verzeihen Sie mir bitte, dass ich meine ersten Gedanken heute Abend posthum unserem lieben Wolfhager und böhmischen Maler Wilhelm Fischer und nicht Ihnen gewidmet habe. Aber: Er steht heute Abend und an den beiden folgenden Tagen dieser Ausstellung im Mittelpunkt.Und Sie sind alle seine Gäste. Wilhelm Fischer wird Sie reichlich bewirten und versorgen mit ca. 110 Ölbildern, Aquarellen, und Zeichnungen, davon die meisten im Original, mit denen er Wolfhager Personen porträtiert und einzigartige Einblicke in Wolfhager Straßen und Plätze sowie Landschaften des Wolfhager Landes festgehalten hat.

Unter unseren Gästen darf ich als Zweiter Vorsitzender des Veranstalters,des Heimat- und Geschichtsvereins Wolfhagen in Kooperation mit dem Kulturverein Wolfhagen,besonders begrüßen Herrn Bürgermeister Reinhard Schaake, Herrn Stadtverordnetenvorsteher Werner Kunz, Herr Landrat Dr. Udo Schlitzberger hätte auch gern an der Veranstaltung teilgenommen, er ist jedoch dienstlich verhindert und lässt herzlich aus Fulda grüßen, Herrn Dekan Gernot Gerlach, Herrn Willi Fischer als Sohn von Wilhelm Fischer, die Vertreter der Geldinstitute Sparkasse, Raiffeisenbank und Volksbank,Herrn Helmut Schröder als Vertreter der Sparkassenstiftung, den Leiter des Regionalmuseums Wolfhagen, Herrn Dr. Axel Lindloff sowie seinen Vorgänger, Herrn Wolfgang Halfar, die Künstlerin Frau Gisela Petschner,die ebenso wie Wilhelm Fischer die ersten Lebensjahre im Egerland verbrachte, und den Künstler Eberhard Heinemann, den Leiter der Polizeistation Wolfhagen, Herrn Robert Grau, den ehemaligen Leiter der Volkshochschule Wolfhagen, Herrn Günter Kozica und die örtliche Presse. Nicht vergessen aber möchte ich schließlich die Grußworte unseres Ersten Vorsitzenden Richard Mangold,der sich zur Zeit noch in Amerika befindet und am Sonntag zurückkommt. Er wünscht der Veranstaltung einen erfolgreichen Verlauf. Wenn jemand aus dem Kreis dieser Ehrengäste über die bereits in der Einladung angekündigten Grußworte hinaus ebenfalls noch ein Grußwort sprechen möchte,kann er das selbstverständlich tun. Ja, meine Damen und Herren, Wilhelm Fischer war nicht nur durch sein malerisches Können eine herausragende Persönlichkeit,er fand auch während der Stationen seines langen Lebens die ihm gebührende Anerkennung: 1941 „Kulturpreis Oberdonau“ der Stadt Linz, 1955 Aufnahme in Hans Vollmers „Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler“, 1968 „Kulturpreis der Stadt Passau“ und 1969 Verleihung der Verdienstmedaille seiner egerländischen Heimatstadt Graslitz in Aschaffenburg. Nach seiner Jugendzeit in Graslitz im Egerland, seiner Studienzeit mit zahlreichen Auszeichnungen in Prag und der Blütezeit seines Schaffens in Krummau an der Moldau im Böhmerwald lebte er schließlich von 1948 bis zu seinem Tod am 10. Oktober 1979 31 schaffensreiche Jahre lang, und damit den größten Teil seines Lebens, in Wolfhagen. Auch in Wolfhagen fand er schnell Anerkennung,was durch eine Gedenktafel und eine Ausstellung im Regionalmuseum im Jahr 1980 zum Ausdruck kam. Dennoch war man im Heimat- und Geschichtsverein Wolfhagen schon seit einiger Zeit der Ansicht, dass im Vergleich zu den großen Ehrungen, die Fischer zu Lebzeiten in Linz, Passau und Aschaffenburg erfahren hatte, auch aus Wolfhagen noch ein weiteres Zeichen des Dankes gesetzt werden sollte, ein Zeichen des Dankes für all die Werke, in denen vor allem in den sechziger Jahren beseitigte Häuserfronten in seinen Bildern weiterleben können. Dafür bot sich die heute beginnende Ausstellung in seinem 25. Todesjahr an. In diesem Zusammenhang muss ich unwillkürlich an Hans Staden denken. Auch dieser Wolfhager Bürger, der 400 Jahre vor Fischer lebte, ging durch seine großen Verdienste in die Geschichte ein. Natürlich ist auch er in Wolfhagen bekannt und geschätzt, aber auch in dem Maße, dass man daraus sein Lebenswerk nämlich die Erforschung der südamerikanischen Indianer am Rio de La Plata ablesen könnte? Sein Lebenswerk erschließt sich eher an anderer Stelle, etwa bei der angesehenen brasilianischen Staden-Stiftung in Sao Paolo. Gegenüber Hans Staden und Wilhelm Fischer hatte es da – nebenbei bemerkt – der relativ unbekannte Malerbruder Emil Ludwig Grimm der wesentlich bekannteren Märchenbrüder Jakob und Wilhelm Grimm schon einfacher. Ihm genügten nur ein paar Wochen Aufenthalt in Wolfhagen als Soldat während der napoleonischen Befreiungskriege, um Wolfhagen im Zuge der touristischen Weiterentwicklung zum Attribut „Märchenstadt“ zu verhelfen. Doch nun wieder zurück zu Wilhelm Fischer. Fischers technisches Können wird besonders deutlich in seinen Portäts. Gesichtszüge, Haare und Proportionen sind exakt herausgearbeitet. Diesen Realismus seiner Bilder findet man auch bei vielen Landschaftsbildern und Darstellungen von alten Kirchen, Bauernhöfen und Türmen. Er gibt sich dem Realismus aber als Romantiker hin, wenn er solche Objekte und Motive bevorzugt, in denen sich das historisch Gewachsene bis hin zur Vergänglichkeit alles Irdischen zeigt.

Moldaumusik

Als Romantiker ließ er sich auch von der Musik inspirieren, wie wir von seinem Krummauer Weggefährten und Freund Hans Reichert wissen. So wie ein Komponist sein Anliegen in Melodien fasst und verarbeitet, fasste auch Wilhelm Fischer seine Objekte in Farben. Bereits als Fünfjähriger bemalte er in seiner Geburtsstadt Graslitz eine Geige des dort ansässigen Geigenbauers mit Farben - zu dessen Entsetzen, aber zu seiner Freude - in Anlehnung an die Töne, die diese Geige von sich gab. Seine zweite Heimat war das Gebiet der oberen Moldau im Böhmerwald, und auch in der von Friedrich Smetana komponierten Musik eben zu dieser Moldau, die wir im Hintergrund hören, klingen die Empfindungen dieser böhmischen Landschaft durch, die ihn in der Mitte seines Lebens begleitete und die auch noch in seinen Bildern hier in der Halle zu spüren ist. Aber darauf wird später noch Herr Lindemann in seinen Ausführungen zum Aufbau der Ausstellung im Einzelnen eingehen. Ich aber wünsche Ihnen in unserer Ausstellung jetzt noch viele schöne Stunden der Erbauung an diesen ausdrucksstarken Bildern mit ihren zahlreichen Erinnerungen.

Von "http://kassellexikon.hna.de/Wilhelm_Fischer"

Vereine

  • Freiwillige Feuerwehr Wolfhagen
  • Kreisjagdverein Wolfhagen
  • Kegelverein KC 82
  • Landfrauenverein Wolfhagen
  • Förderverein Musikschule Wolfhager Land e.V.
  • Ländlicher Reit- und Fahrverein 1949 Wolfhagen e.V.
  • Landseniorenvereinigung Wolfhagen e.V.

Kirchen

Sehenswürdigkeiten

  • Evangelische Stadtkirche (dreischiffige gotische Hallenkirche)
  • Evangelische Kirche Altenhasungen (ursprünglich romanische Kirche)
  • Historisches Rathaus (aus dem 16. Jahrhundert)
  • Teile der historischen Stadtmauer

Weblink


Städte und Gemeinden im Landkreis Kassel
WappenLkKassel.jpg

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