Wilhelmsstraße

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Bis 1976 rollten Autos durch die Wilhelmsstraße, Foto:HNA-Archiv
Wilhelmsstraße im Wiederaufbau. Die Obere Königsstraße konnte noch befahren werden, Foto:HNA-Archiv

Die Wilhelmsstrasse in Kassel wurde nach Landgrafen Wilhelm VIII. benannt, der von 1730 bis 1760 regierte und unter anderem die weltberühmte Kasseler Gemäldegalerie begründete.

Die Geschichte der Strasse ist eine Folge von Etappen. Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg vollzog sich zunächst im „Baracken-Stil“: es durfte nur einstöckig gebaut werden. Erst nach 1950 gingen die Geschosse wieder in die Höhe.

Geschichte

Grundlage für den Bau der Wilhelmsstraße waren die großzügigen städtebaulichen Pläne des Landgrafen Karl, der sie durch Baumeister Paul du Ry - der die Oberneustadt gestaltete - verwirklichen ließ. Dabei wurde, um eine Verbindung nach Westen und dem heutigen Schloss Wilhelmshöhe herzustellen, die Wilhelmsstraße geschaffen.

Die ursprüngliche Absicht des Städtebauers, die Straße so breit zu bauen, dass die Karlskirche in der Achse dieser Straße liegen konnte, scheiterte an der Intrige der Gräfin von Langallery, die um die Wende des 17. Jahrhunderts das Haus Obere Karlsstraße 13 erbaute. Sie setzte beim Landgrafen durch, dass sie an Stelle der sonst üblichen Front von fünf Achsen eine solche von sechs anlegen durfte.

Dadurch verschob sich die Wilhelmsstraße aus der Achse des Karlsplatzes, und bis heute wundern sich täglich Uneingeweihte, warum sich die Wilhelmsstraße in den Karlsplatz so unsymmetrisch einfügt.

An der Wende zum 18. Jahrhundert traf sich ganz Kassel in der Wilhelmsstraße im Stadtpark-Garten. Er umfasste das Areal, auf dem heute das Parkhaus Wilhelmsstraße steht. Hier spielte allabendlich die Berghöfersche Kapelle zum Tanz auf. Gleich nebenan, also in Höhe des Cineplex-Capitol-Kinos, waren in einer Kaserne die Soldaten des „Garde du Corps“ stationiert. Ihr Aufmarschweg ist die heutige Garde-du-Corps-Straße.

  • Im Herbst 2010 gab es Proteste, als bekannt wurde, dass ein Sex-Shop an der Wilhelmsstraße angesiedelt werden sollte. Es handelte sich um die ehemalige Geschäftsräume der Apollo-Optik. [1]

Fussgängerzone

Seit 1977 ist die Obere Wilhelmsstraße eine Fußgängerzone, seit 1987 auch die Untere Wilhelmsstraße.

Erste Überlegungen, die Wilhelmsstraße zwischen Ständeplatz und Oberer Königsstraße in eine Fußgängerzone umzuwidmen, gab es seitens der Anlieger bereits 1967. Sieben Jahre später, im November 1974, sperrte man versuchsweise die Fahrbahn der Oberen Wilhelmsstraße für den Kraftfahrverkehr. Die Kaufleute „probierten die Fußgängerzone“, wie es die HNA am 3. November schrieb. Der Versuch verlief erfolgreich, ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, und im Juni 1976 begann man mit der Umgestaltung.

Im Herbst 1977 war es dann soweit: Mit der Oberen Wilhelmsstraße hatte Kassel nicht nur eine weitere Fußgängerzone sondern auch ein Aushängeschild in Sachen Einkaufsvergnügen. „Für die Verbannung des Kraftfahrzeuges aus großstädtischen Kernbereichen ist Kassel beispielgebend“, sagte Oberbürgermeister Hans Eichel anlässlich der Einweihung.

Für die Wilhelmsstraßen-Anlieger erwies sich die Umwidmung zur Fußgängerzone als konsequenter Schritt in die richtige Richtung. Die Geschäfte entlang der Straße wurden nicht umsonst „Kassels feine Adressen“ genannt, schnell machte der Begriff von „Kassels heimlicher Hauptstraße“ die Runde - ein Besuch in der „guten Stube“ war das Herzstück eines jeden Innenstadtbummels.

Bis heute ist die Wilhelmsstraße die Einkaufsmeile mit den wenigsten Filialläden und den meisten inhabergeführten Fachgeschäften geblieben.

Die Untere Wilhelmsstraße, die früher Amalienstraße hieß, wurde erst im Herbst 1987, nach der documenta 8, zur Fußgängerzone umgebaut.

Verein Quartier Wilhelmsstraße

  • Kafuleute der Wilhelmsstraße haben sich zu einem Verein zusammengeschlossen.

siehe auch

Quellen und Links

  1. HNA.de 29.Oktober 2010: Kassel: Sex-Shop kommt an die Wilhelmsstraße