Wilhelm Müller

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Wilhelm Müller wurde 1851 in Backum bei Lingen an der Ems geboren und verstarb 1928 in Korbach. Er war Königlich Preußischer Baurat und Landesbauinspektor im Fürstentum Waldeck und Pyrmont. In zeitgenössischen Berichten trägt er auch die Berufsbezeichnung Landesbaurat und Landesbaumeister.

Der Retter des Wollweberturms

Nach den Plänen von Wilhelm Müller wurde Korbach Anfang des 20. Jahrhunderts städtebaulich vergrößert: Wie aber kam er zu der Ehre, dass man ihn hier fast ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod für seine Verdienste um die Stadt durch die Benennung einer Straße würdigte? Die städtebauliche Entwicklung zu Beginn des 20. Jahrhunderts war eine Folge des industriellen Aufschwungs und des Anwachsens der Bevölkerung. Bis dahin beschränkte sich die bebaute Fläche der Stadt Korbach im Wesentlichen auf den von der mittelalterlichen Stadtmauer eingegrenzten Bereich. Außerhalb der Stadtmauern gab es bis dahin nur wenige Häuser. Wegen der schnellen Entwicklung der Stadt war ein erster Bebauungsplan dringend erforderlich geworden. So entstand in den Jahren 1906/07 ein von Wilhelm Müller erarbeiteter Plan, der eine ringartige Erweiterung der Stadt vorsah. Auch ein künftiges Straßennetz wurde in groben Zügen festgelegt. Dieser Plan genügte allerdings wegen der rasanten Entwicklung der Stadt schon nach wenigen Jahren nicht mehr. Er musste permanent weiterentwickelt werden.

Als Landesbaumeister hat Wilhelm Müller sich durch die nach seinen Plänen entstandenen Bauten in Korbach und im Fürstentum bis zum heutigen Tag ein Erinnern bewahrt. Seine Bauten wurden in Anlehnung an den dem damaligen Geschmack entsprechenden Stil der Neugotik errichtet. Müllers in Korbach realisierte Form, die Müller-Gotik, trägt jedoch unverkennbar seine eigene Handschrift. Nach seinen Plänen entstand 1902 in der Medebacher Landstraße die für seinen Freund Kommerzienrat Louis Peter erbaute Villa Peterhof. An der südwestlichen Peripherie der Stadt wurde 1903/04 nach Müllers Plänen eine neue Volksschule gebaut, die spätere Höhere Töchterschule und heutige Schule am Enser Tor. Ein repräsentatives Gebäude entstand 1905 in der heutigen Prof.-Bier-Straße für die Kreissparkasse, in dem später verschiedene Dienststellen des Landratsamtes untergebracht waren. Heute befindet sich dieses Gebäude im Besitz der Hessisch-Thüringischen Brandversicherungsanstalt Kassel-Erfurt. Ein für alle weit sichtbares Müller'sches Bauwerk steht auf dem Eisenberg, der 1905 errichtete Georg-Victor-Turm. Nach seinen Plänen wurden auch die Kirchen in Frankenau, Hundsdorf, Alleringhausen, Wirmighausen und die altlutherische Kirche in Bergheim gebaut.

Die Schulen in Flechtdorf, Mühlhausen und Goddelsheim tragen ebenfalls seine Handschrift. In Korbach entstanden das Blaue-Kreuz-Gebäude", die spätere Stadthalle, die 1973 abgerissen wurde, und das Haus für den Kaufmann Brand am Berndorfer Tor. Über diese beiden Gebäude hat er sich später geäußert: Auftragsbauten - daher grundhässlich. Schließlich baute sich Müller ein eigenes Refugium in der Stadt. Im Jahr 1901 hatte er den halb verfallenen Wollweberturm und umliegende Grundstücke von Fürst Friedrich von Waldeck und Pyrmont erworben. Dort hatte einst das dreistöckige Renaissance-Schloss der fürstlichen Familie gestanden. Müller renovierte den Wullweber und rettete ihn so vor dem endgültigen Verfall. Neben dem Turm errichtete er ein Wohnhaus, das er seine Hagenburg nannte. Diese Gebäude, in denen seit Jahren ein Restaurant betrieben wird, befinden sich heute im Besitz der Stadt Korbach. Zielstrebig verfolgte der lange Müller, er war 1,85 Meter groß, seine Pläne. Dabei muss er oft recht schroff und laut mit seinen Mitmenschen umgegangen sein. Man nannte ihn daher auch den Bölke-Müller (Bölken heißt sich sehr laut äußern). Wilhelm Müller starb 1928 im Wollweberturm. Auf dem alten Friedhof zwischen den Stadtmauern wurde er begraben. Es war sein Wunsch, dass ihm kein Grabstein gesetzt werden sollte.

Der Wilhelm-Müller-Weg in Korbach

Wilhelm Müller ist der Namensgeber einer Straße im Nordosten der Stadt. Der Wilhelm-Müller-Weg, eine kurze Wohnstraße im Nordosten der Stadt, ist vom Hopfenberger Weg aus zu erreichen.

siehe auch