Wasserkünste: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 27. März 2012, 13:50 Uhr

Der Herkules
Herkules wasserspiele kaskaden unten ds 05 2006.jpg

Alljährlich sorgen die Wasserkünste am Fuße des Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe für ein außergewöhnliches Schauspiel: das Wasser läuft über die Kaskaden, den Steinhöfer-Wasserfall, die Teufelsbrücke und fällt über das Aquädukt und die Kleinen Kaskaden hinab zum Schlossteich, wo der Wasserdruck die "Große Fontäne" etwa 52 Meter in die Höhe schießt.

Meisterliche Gestaltung und ein Fehlschlag

Die Wasserkunst im Bergpark Bad Wilhelmshöhe - der Lauf des nassen Elements

Die große Fontäne, der krönende Abschluss der Wasserspiele im Bergpark Wilhelmshöhe

Jedem, dem romantische Gefühle nicht völlig fremd sind, dürfte im Bergpark Wilhelmshöhe das Herz aufgehen. Dies verdanken die Besucher Kurfürst Wilhelm I. und seinen ehrgeizigen Plänen. Der ließ seinen Wasserkunst- und Brunneninspektor Karl Friedrich Steinhöfer klotzen und nicht kleckern.

Sind künstliche Wasserfälle in europäischen Landschaftsgärten eher selten anzutreffen, gibt es deren im Bergpark Wilhelmshöhe gleich fünf. Den Ausgang nehmen die romantischen Künste im Asch als dem großen Wasserreservoire. Ihm folgen zum Bespielen der Attraktionen weitere Zwischenspeicher, die alle quer zur Hauptachse des Parks (vom Herkules zum Schloss) angelegt wurden.

Dem Asch mit seinem ständigen Zu- und Überlauf folgt in nördlicher Richtung der Pfaffenteich. Wie er zu seinem Namen kam? Dazu hat Parkchef Hermann Mielke bisher keine historische Quelle finden können. Quer zum Hang angelegt, die natürliche Linie würde zur Löwenburg führen, ist das Gefälle gering. Dies führt dazu, dass für die Wirkung des ersten Wasserkunst-Bauwerks, den Steinhöfer Wasserfall, technischer Aufwand betrieben werden muss mit einem Graben als Verbindung ausgehoben und an der Ostseite angeschüttet.

Am Morgen vor den Wasserspielen müssen Mitarbeiter der Parkverwaltung zunächst die Schieber am Steinhöfer Wasserfall schließen. Ist dort das Reservoire am Kopf des als Felsmeer gestalteten Kunstwerks gefüllt, wird der Ablauf des Verbindungsgrabens geschlossen und dieser auf 200 m angestaut. Erst dann steht die notwendige Menge von rund 350 Kubikmetern für die romantischen Wasserkünste zur Verfügung, wenn drei Mitarbeiter gleichzeitig die notwendigen Ventile öffnen. Vom Steinhöfer fließt das Nass im offenen, gewundenen Graben zum Fontänenreservoire. Der Zulauf befindet sich auf der Nord-, also vom Steinhöfer entferntesten Seite. Mielke: "Man hätte es einfacher haben können. Aber es ging dem Landgrafen um Stimmungsbilder und nicht um praktische Lösungen."

Grafik zu den Wasserspielen (Stand 09/2006)

Am Fontänenreservoire vereint sich das Wasser der romantischen und der barocken Wasserkünste (vom Neptunbecken teils unterirdisch zugeleitet), um gleich wieder geteilt zu werden: Über eine direkte Leitung wird die Fontäne gespeist, der andere Teil fließt offen Richtung Teufelsbrücke und Höllenteich. Letztere sind samt Plutogrotte als szenisches Gesamtbild gedacht.

Während der Sommermonate finden die Wasserspiele regelmäßig auch Abends statt. Es ist schon eine ganz besondere Atmosphäre wenn es fast dunkel ist, der Herkules hell erleuchtet ist und dann das Wasser langsam näher kommt...

Der Höllenteich ist nicht nur eine Durchlaufstation des Wassers für das Aquädukt. Er hat für die Parkverwaltung auch außerhalb der Wasserspiele eine praktische Funktion. Von ihm aus verläuft eine Rohrleitung Richtung Schloss durch den Fontänenteich zur Bewässerung der Anlagen. Zudem werden in der Folge der Eselsbrunnen vor dem Ökonomiegebäude, der Löwenbrunnen vor dem Wilhelmshöher Marstall und der Brunnen in der Gärtnerei der Parkverwaltung mit Wasser versorgt.

Da anfänglich von fünf Wasserfällen im Bergpark die Rede war, soll nicht verschwiegen werden, dass einer seit rund 100 Jahren nicht funktioniert. Die Rede ist vom Neuen Wasserfall, nach 1820 nördlich des Aquädukts von Steinhofer errichtet. Allerdings laut Mielke auf Sand gebaut, was zur Folge hatte, dass alle Bemühungen, ihn dicht zu bekommen, seit Jahrzehnten fehlschlugen. Wahrscheinlich zeigten sich erste Ausfallerscheinungen wassertechnisch gesehen schon kurz nach Fertigstellung. Eine tatsächliche Ruine also (neben der künstlich angelegten des Aquädukts), die vom Höllenteich über den Merkurgraben mit Wasser versorgt werden sollte.


Video: So funktionieren die Wasserspiele


Wasserrechte seit Landgraf Karl

Blick auf die Kaskaden
Am Fontänenteich

Den Anfang machte ein Fischteich mit einer Grotte, die sich auf das zu Beginn des 17. Jahrhunderts errichtete Schloss Weißenstein bezog. Grotte und Teich lagen damals noch in einem völlig bewaldeten Berghang, der erst ab 1615 in eine Gartenanlage einbezogen wurde. Der Ostabhang des Habichtswaldes nach Landgraf Karl Karlsberg genannt, wurde erst Ende des 17. Jahrhunderts zu dem herausragenden Ensemble der Garten- und Wasserkunst.

Wie in der Schriftenreihe der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen nachzulesen, fiel die Anlage der Wasserkünste in die Regierungszeiten von fünf Landgrafen. So entstand zunächst jene, nicht mehr erhaltene Moritzgrotte (um 1615), dann die barocken Karlsberg-Wasserkünste (1690 bis 1718), die große Fontäne Friedrichs II. (ab 1760), die romantischen Wasserkünste (ab 1785) und seit 1823 unter Kurfürst Wilhelm II. der Neue Wasserfall, der nicht mehr in Betrieb ist.

Woher kommt das Wasser, wo wird es zwischengespeichert, wie zu den barocken und romantischen Wasserspielen gelenkt? An der technischen Meisterleistung, allein durch Gefälle, ober- und unterirdischer Leitungen die gewünschten Effekte zu erzielen, hat sich über die Jahrhunderte im Grundsatz nichts geändert.

Die Wasserkunst beginnt im Habichtswald, genau genommen mit den Wolken, die sich auf dem Höhenplateau des Essigbergs abregnen. Dort liegt laut Herrmann Mielke, Chef des Bergparks Wilhelmshöhe, und Dieter Seidel, zuständiger Mann für die Wasserspiele, der Ursprung des Kaskadenplätscherns. Es ist das Einzugsgebiet von Ahne, Drusel, von Bauna und Warme, dort besaß der Landgraf, besitzen in der Nachfolge die Schlösser und Gärten die Wasserrechte.

Das gesammelte Wasser reichte zu keinem Zeitpunkt für einen ständigen Fluss. Daher werden die Wasserkünste bis heute nur zu bestimmten Zeiten im Bergpark gezeigt. In offenen Gräben läuft das Oberflächenwasser von der Kuppe Richtung Kassel an einer Wiese an der Kastanienallee zusammen. Von dort wurde das Wasser in einem offenen Graben weitergeleitet, bis man vor rund 50 Jahren ein drei Kilometer langes Rohr zum Sichelbach verlegte mit zwei Zuläufen in der Wiese. Alle 50 m wurden Kontrollschächte eingebaut, zudem weitere Zuläufe, um von dem noch vorhandenen, parallel verlaufenden Graben Wasser zu entnehmen.

Auf der Wiese, die als Hute vom Forstamt Kassel verpachtet ist, gibt es einen Tümpel, der das Wasser auffängt, das die Leitung zum Sichelbach nicht aufnehmen kann. Zwar keine Wasserkunst, aber für das Vieh auf der Weide sehr nützlich, ist eine Tränke, die laut Mielke vor zwei Jahren gebaut wurde. Durch einen Anschluss an die Wiesendrainage bekommt sie ständig Wasser. Der Überlauf der Tränke wiederum speist ein eingezäuntes Feuchtbiotop, dessen Überlauf in die Ahne fließt.

siehe auch

Schlossteich (Lac)

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Weblinks