Waldeckische Domanialverwaltung

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Das Waldeckische Domanialvermögen, kurz Domanium genannt, ist ein Sondervermögen des Landkreises Waldeck-Frankenberg.

Das Waldeckische Domanialvermögen

Von dem rund 20620 ha umfassenden Domanium sind rund 19000 ha Waldanteile. Damit zählt der Landkreis Waldeck-Frankenberg zu den größten kommunalen Waldbesitzern in Deutschland. Daneben werden etwa 1600 ha landwirtschaftlich genutzt, hinzu kommen Erbbaurechte, Jagd- und Fischereirechte, fünf Schlösser (in Bad Arolsen, Waldeck, Höhnscheid, Landau und Rhoden), Wohn- und Forstdienstgebäude, das Restaurant „Domanium”, der Marstall und die gastronomisch genutzten Vorhof-Gebäude.

Das Vermögen - ohne Einbezug der Schlösser - beträgt etwa 50 Millionen Euro.

Die Waldeckische Domanialverwaltung in Bad Arolsen

Ursprünglich verstand man unter dem Begriff Domanium, Kammergut oder Domanialverwaltung das werbende Vermögen, meist land- und forstwirtschaftlicher Besitz, der Landesherren, dessen Erträge zum Bestreiten der persönlichen Bedürfnisse sowie zur Finanzierung der Hofhaltung des Fürsten dienten und zur Kostendeckung der Landesverwaltung beitrugen. Von diesem zu differenzieren war stets das sonstige öffentliche Vermögen, das im Zeitalter des Absolutismus schon als Staatsvermögen anerkannt worden war. Mit dem Übergang vom Domänenstaat zum Steuerstaat und der verfeinerten Ausgestaltung des Kassen- und Steuerwesens ging aber im Laufe der Zeit der Betrag des Domanialvermögens zur Ausgabenentlastung der Landesverwaltung immer mehr zurück.

An der alleinigen Verwaltung des Domanialvermögens durch den Fürsten änderte sich jedoch nichts bis in das 19. Jh. hinein. Erst im Zuge der Entwicklung vom absoluten Fürstentum zum Verfassungsstaat wurde die Frage nach dem Eigentum aufgeworfen. Das Drängen nach Klärung des Eigentums am Domanialvermögens führte zur Bestandsaufnahme und Ausweisung als Sondervermögen im Rezess vom 16.07.1853, ohne dass an der ausschließlichen Verfügbarkeit des Fürsten über das Vermögen sich etwas änderte.

Dies gilt auch mit gewissen Einschränkungen für die Zeit ab 1867, als die innere Verwaltung des Landes Waldeck von Preußen übernommen wurde. Endgültig musste über das Eigentum am Domanialvermögen zwischen dem Fürstenhaus und dem Freistaat Waldeck-Pyrmont nach Absetzung des Fürsten im Herbst 1918 entschieden werden. Der gesamte Grundbesitz umfasste damals 29800 ha. Durch einen Vergleich erhielt das Fürstenhaus rd. 3396 ha Grundbesitz zu Eigentum, das restliche Vermögen ging auf den Staat über. Dieser wies per Gesetz vom 08.04.1921 den Besitz als Sondervermögen mit den Rechten einer selbständigen juristischen Persönlichkeit aus. Bei den Verhandlungen über die Vereinigung zwischen Waldeck und Preußen von 1922-1928 stand das Domanialvermögen wieder im Mittelpunkt. Man einigte sich jedoch, das Eigentum an einen die waldeckischen Gemeinden umfassenden Zweckverband zu übertragen, was mit Wirkung vom 01.04.1929 auch geschah. Nachdem rund 4500 ha zur Ablösung der Verpflichtungen, die auf dem Domanium lagen, 2228 ha Domanialvermögen im Pyrmonter Raum gelegen an Preußen übergingen und Abtretungen von Flächen zu Siedlungszwecken das ehemalige Domanialvermögen schmälerten, verblieb dem Gemeindezweckverband immer noch ein Grundbesitz von 19259 ha.

Im Zuge der Bildung des Landkreises Waldeck in den Grenzen des ehemaligen Fürstentums Waldeck wurde der Zweckverband am 01.02.1942 aufgelöst und dessen Eigentum auf dem Kreis übertragen. Dieser hatte zugunsten der ehemaligen Zweckverbandgemeinden dieses zu bewirtschaften. Auch der Zusammenschluss der Landkreise Waldeck und Frankenberg zu einem Landkreis am 01.01.1974 änderte nichts an der Zweckbestimmung und Größe des Domanialvermögens . Noch heute gilt, dass die erwirtschafteten Reingewinne der Domanialverwaltung zum Besten der Städte und Gemeinden insbesondere zu ihrer steuerlichen Entlastung zu verwenden sind. Dabei sei angemerkt, dass nur waldeckische Gemeinden Leistungen des Domaniums erhalten dürfen.

Das Domanialvermögen heute

Das Domanialvermögen, das heute in Form eines kommunalen Eigenbetriebes geführt wird, beschäftigt zur Zeit neben einen ltd. Direktor und zwei Beamten für Finanzen, Liegenschaften und Bauten, 12 weitere Angestellte und zwei Arbeiter. Hinzu kommen sechs Forstwirtsmeister und 28 Forstwirte. 70 % der Gesamterträge werden im Forstbetrieb erwirtschaftet. Die Holzproduktion im Domanialwald ist dabei an speziellen Teilzielen einer ökologisch orientierten, naturnahen Waldbewirtschaftung ausgerichtet und nach PEFC-Kriterien für nachhaltigen Waldabbau zertifiziert. Dazu gehört u.a., dass nicht mehr Holz geerntet werden darf als auch nachwächst, man auf Kahlschläge und den Einsatz von Pestiziden verzichtet, Naturverjüngung sowie standortgemäße Mischwaldstrukturen fördert. Dabei kann ein modern geführter Wirtschaftsbetrieb heute nicht auf den Einsatz modernster Holzerntegeräte wie dem HARVESTER verzichten. Dies ist ein Multifunktionsgerät, welches den stehenden Baum ergreift, entastet, elektronisch vermisst und passgenau auf Länge schneiden kann. Derzeit sind drei dieser Geräte in einer Forst- und Betriebsgemeinschaft im Einsatz, denn das Anschaffen eines solchen Gerätes liegt immer noch bei etwa 300-400000 Euro.

Zur Bewahrung des Domanialvermögens gehört neben der Forstwirtschaft aber auch die Erhaltung von Gebäuden, insbesondere der Schlösser. So ist auch hier die Zielsetzung einer sinnvollen und erträglichen Bewirtschaftung der Erhalt durch Nutzungskonzepte zu sichern. In den letzten 20 Jahren hat die Waldeckische Domanialverwaltung über 20 Millionen Euro Eigenmittel in ihre historischen Bauten investiert. Hierzu seien nur zwei der vielen Investitionen aufgeführt: Allein der Kostenanteil an der Sanierung des Arolser Residenzschlosses wird Ende 2008 mit rd. 20 Millionen Euro zu Buche schlagen, wenn auch das Schloss als nationales Denkmal eingestuft mit Bundes- und Landesmittel gefördert wird. Auch beim Umbau des Marstalles in Bad Arolsen zu einem Christian-Daniel-Rauch-Museum im Jahre 2001 beteiligte sich die Domanialverwaltung mit einer stolzen Summe von 900.000 Euro.

Quelle

Vortrag von Rolf Kaufmann, Leiter der Domanialverwaltung, beim Geschichtsverein in Bad Wildungen

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