Wülmersen

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Wasserschloss Wülmersen
Teilansicht mit restauriertem Turm und Torhaus

Wülmersen ist ein Stadtteil der Stadt Trendelburg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand hier ein Weiler am ehemaligen Wasserschloss Wülmersen im Bereich von Diemel und Holzape.

Lage

Der Ort liegt im Landkreis Kassel in Nordhessen, südlich von Bad Karlshafen und nördlich von Trendelburg.

Das ehemals landwirtschaftlich genutzte Hofgut Wülmersen - in einer Schenkungsurkunde des Klosters Helmarshausen im Jahre 1108 als Wilmeressen erwähnt - wurde ursprünglich von Diemel, Holzape und einem Wassergraben umgeben und wird auch als Wasserschloss Wülmersen bezeichnet.

Geschichte

Innenhof
ehemaliges Brauhaus
Teilansicht
Innenhof

Auf eine 900-jährige Geschichte blickt Wülmersen inzwischen zurück. Mit einem Festakt wurde die Ausstellung "900 Jahre Wülmersen" im April 2008 im Landmuseum Wasserschloss Wülmersen eröffnet und ein Buch zur wechselvollen Geschichte des historischen Ortes vorgestellt.

Wasserschloss Wülmersen

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Wülmersen im Jahr 1108. Bei der Anlage handelt es sich um eine Schenkung des Bischofs Heinrich von Paderborn an das Kloster Helmarshausen für dessen Versorgung mit Lebensmitteln das Gut einst zuständig war.

Zwischen den Jahren 1108 und 1540 war das Gut des Klosters Helmarshausen als Lehen an Ritterfamilien vergeben.

Im Jahr 1330 belehnte Abt Reimbold von Helmarshausen Gertrude von Markessen, die Ehefrau des Ritters Johann von Stockhausen sowie deren rechtmäßige Erben mit der "Villa" Wülmersen.

Seither waren die Herren von Stockhausen mit Dorf, Kirchlehen und Vogtei zu Wylmerssen belehnt, in deren Besitz die Anlage bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verblieb.

Als erste Gebäude wurden Herrenhaus, Stallgebäude, Ellerburg und Trockenhaus erbaut.

Später kamen Brauhaus, Schmiede, Glockenturm und Torhaus hinzu. Mit dem Bau des neuen Herrenhauses wurde 1802 begonnen.

Über Jahrhunderte hinweg hatte Wülmersen besonders als großer Wirtschaftshof mit zum Teil intensiver Tierhaltung Bedeutung. Ebenso gehörte der Getreideanbau zum Gut und noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts arbeiteten hier bis zu acht Pferdegespanne bei der Ernte.

Zu seinem Namen Wasserschloss kam das Anwesen nach dem 30-jährigen Krieg, als Wassergräben um das Schloss gezogen wurden.

In einer Urkunde aus dem Jahr 1778 wird Wülmersen nicht mehr als Dorf sondern als "ein Hof, am rechten Ufer der Diemel" beschrieben, "eine kleine Stunde unterhalb Trendelburg, eine halbe von Helmarshausen, gehört denen von Stockhausen...".

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Wülmersen an die Hessische Heimat verkauft und es wurden landwirtschaftliche Höfe für heimatvertriebene bäuerliche Familien aus den deutschen Ostgebieten errichtet, wodurch der Weiler Wülmersen entstand.

Heutige Nutzung

Die Gebäude des Gutshofs waren lange Zeit dem Verfall preisgegeben. 1987 erwarb der Aus- und Forbildungsverbund das Wasserschloss, arbeitslose Jugendliche und Handwerksbetriebe begannen auf Inititative des Landkreises Kassel mit der Sanierung.

So entstanden im ehemaligen Stallgebäude eine Gruppenunterkunft für Selbstversorger, ein angegliederter Zeltplatz für 120 Personen sowie das "Landmuseum Wasserschloss Wülmersen".

Literatur

  • zur Geschichte von Wülmersen: Erhard Kühlborn, Wülmersen: Dorf - Adelshof - Ruine, in Jahrbuch des Landkreises Kassel 1978, S. 44 ff.
  • "900 Jahre Wülmersen", Publikation Landmuseum Wülmersen, 2008

Landmuseum Wasserschloss Wülmersen

Der Landkreis Kassel hat in einem ehemaligen Stallgebäude des Wasserschlosses das sehenswerte Landmuseum Wasserschloss Wülmersen eingerichtet.

Das Landmuseum bietet jährlich wechselnde Ausstellungen zu Agrartechnik, ländlichem Leben und Regionalgeschichte.

Öffnungszeiten und Kontakt

Öffnungszeiten des Landmuseums: Di-Fr, 10 bis 18 Uhr, Sa 14 bis 17 Uhr, So 11 bis 18 Uhr.

Das Landmuseum zeigt seit 1998 jährlich wechselnde Ausstellungen aus Landwirtschaft und Handwerk.

Die Außenanlagen des Wasserschlosses können jederzeit besichtigt werden.

Kontakt: Landmuseum Wasserschloss Wülmersen, Dorothea Fellinger, 34388 Trendelburg, Tel. 05675-7210348, E-Mail: d.fellinger@wasserschloss-wuelmersen.de.

HNA vom 9. Mai 2007:

Körnersuppe fürs Gesinde

von Antje Thon

Nach Steckdosen wird man in dem Gewölbekeller vergeblich suchen. In den unterirrdischen Räumen des Wasserschlosses Wülmersen scheint auf den ersten Blick alles wie vor hundert Jahren: Der Boden ist aus grobem Stein. Viel Hand hatten die damaligen Bauherren an ihn nicht angelegt. Die Mauern des Schlosses haben sie auf dem Grund errichtet, den die Natur zwischen Holzape und Diemel im Angebot hat. Die Wand über der Herdstelle ist schwarz vom Ruß, und an den Wänden hängen Eisenringe. An ihnen machte der Schmied die Pferde fest, wenn sie beschlagen werden mussten.

Dorothea Fellinger im Wasserschloss Wülmersen

Das wenige Licht, dass sich zwischen den dicken Mauern sammelt, fällt durch einen Torbogen ins Innere. In den hinteren Ecken jedoch ist es zappenduster und stickig. Hier gewöhnen sich die Augen nur langsam an die Dunkelheit. Das waren die Umstände, unter denen die Menschen vor einigen hundert Jahren tagein, tagaus gearbeitet haben. Lange Zeit wurde im Gewölbekeller gekocht. Die Mägde bereiteten die Mahlzeiten zu: Fleischspieße für die Herrschaften, Körnersuppe fürs Gesinde.

Die dicken Sandsteinmauern erfüllten noch einen weiteren Zweck. Das ganze Jahr über herrschten zwischen den mächtigen Steinen eine nahezu konstante Temperatur, erzählt Dorothea Fellinger, die das Haus heute leitet. In den Erdkellern wurden die Lebensmittel gelagert - Milchprodukte etwa und gepökeltes Fleisch.

Mit dem Bezug des neuen Herrenhauses im Jahre 1805 gab es dann dort eine moderne Küche. Das Feuer in der Herdstelle allerdings erlosch nicht. Der Keller wurde umfunktioniert zur Schmiede. Der Eingangsbereich wurde aufgeschüttet mit Steinen, so ließen sich die Pferde mühelos ins Gewölbe führen, von denen es insgesamt drei gibt.

Für den normalen Gast des Wasserschlosses bleiben die Keller im Verborgenen. Nur an ausgesuchten Tagen schließt Dorothea Fellinger das Schloss des schmiedeeisernen Tores auf und führt Besucher in die Gewölbe. Da haben es die Kinder- und Jugendgruppen, die sich in die historischen Gemäuer einmieten können, schon besser. Bei Kerzen- und Fackelschein nutzen sie den spartanischen Raum für Feiern und spüren so der Vergangenheit nach.

Jubiläumsjahr 2008 - 900 Jahre Wülmersen

Im Jubiläumsjahr 2008 zeigt das Landmuseumn Wasserschloss Wülmersen vom 27. April bis zum 1. November 2008 die Ausstellung "900 Jahre Wülmersen".

Aktionstage finden am 22.6. (Milch), 27.7. (Getreideernte) und 12.10.08 (Dreschfest) statt, ein Minnekonzert am 16. und 17.8.08 und die Hubertusmesse am 1.11.08.

Galerie

aus: HNA-online vom 30.4.08:

Familientreffen mit Tradition

Der Wülmerser Zweig der Familie von Stockhausen feiert Zusammenkunft

von Ingrid Vossen

Wülmersen. Ihr ehemaliger Stammsitz, das Gut Wülmersen, wurde 900 Jahre alt und mehr als 30 Mitglieder aus vier Generationen des Wülmerser Zweiges der Familie von Stockhausen kamen aus ganz Deutschland zum Feiern. "Wir hatten gleich zwei Gründe uns hier zu treffen", sagte Professor Dr. Hans-Burckhard von Stockhausen (Würzburg), der Vorsitzende des Familienverbandes. Zum Einen war es das Jubiläum, zum Anderen die Einweihung der kürzlich von außen in das Innere der Trendelburger Kirche versetzten Grabplatte des 1578 verstorbenen Vorfahren Hans von Stockhausen. ...

Die Geschichte dieses Familienzweiges (es gibt vier weitere) und die der mittelalterlichen Anlage in Wülmersen sind eng verknüpft.

Im Jahr 1330 belehnte Abt Reimbold von Helmarshausen Gertrude (geborene von Markessen), die Ehefrau des Ritters Johann von Stockhausen sowie deren rechtmäßige Erben mit der "Villa" Wülmersen. Die Familie bewirtschaftete das Gut erfolgreich und eine rege Bautätigkeit setzte ein.


Anfang vom Ende

Hans-Karl von Stockhausen (1767-1838) finanzierte von der Mitgift seiner Frau Philippine (geborene von Mansberg) den Bau des neuen, prächtigen Herrenhauses. "Das war der Anfang vom Ende", erklärte Stockhausen. Der Sohn des Paares starb mit 35 Jahren zwei Monate vor dem Vater. Das Gut wurde zum gemeinschaftlichen Besitz der Nachkommen. "Keiner kümmerte sich mehr richtig" so Stockhausen. Nur kurze Zeit später setzte die Familie von Stockhausen Pächter ein.


Verkauf an Hessische Heimat

1951 wurden zwei Drittel und 1956 das verbliebene Drittel des Gutes an die Hessische Heimat verkauft. "Es war ein Zwangsverkauf", erklärte Hans-Burckhard von Stockhausen. Die Nachkommen eines nach Amerika ausgewanderten Familienmitgliedes klagten ihr Erbe ein. "Nur wenige Jahre nach dem Ende des Weltkrieges bedeutete die Höhe der Summe das Aus", so von Stockhausen.

Eisenbahn-Haltepunkt Wülmersen

Ehem. Bahnhaltepunkt der Carlsbahn in Wülmersen

Wülmersen war ein Haltepunkt an der ehemaligen Eisenbahnstrecke der Carlsbahn.

Die im Jahre 1848 eröffnete Friedrich-Wilhelms-Nordbahn führte von Kassel bis zum Hofgeismarer Stadtteil Hümme. Von dort verlief eine weitere Teilstrecke, die Carlsbahn bis nach Karlshafen, wobei der Streckenverlauf der Carlsbahn fast genau dem Verlauf des ehemals von Landgraf Karl geplanten Landgraf-Carl-Kanals folgte.

Auf der Strecke von Hümme nach Karlshafen wurde hinter dem Bahnhof in Trendelburg der 264 m lange Tunnel durch den Kesselberg („Deiseler-Tunnel“) erreicht, wenig später die dreibogige Sandsteinbrücke über die Holzape, bevor der Zug am Haltepunkt Wülmersen hielt.

Dem Haltepunkt Wülmersen folgte der Bahnhof in Helmarshausen und schließlich der Bahnhof in Karlshafen am linken Ufer (zur Unterscheidung vom Bahnhof am rechten Weserufer), der Anfang der 1970er Jahre abgerissen wurde.

Die Eisenbahnstrecke wurde bereits im Jahre 1966 stillgelegt. An sie erinnern aber bis heute einige Bauwerke im Streckenverlauf.

Holzape und Diemel

An Wülmersen fliessen die Diemel und die Holzape vorbei.

Viadukt der ehem. Carlsbahn bei Wülmersen über die Holzape
Die Holzape bei Wülmersen
Diemelkraftwerk Wülmersen

Wasserkraftwerk

Im Jahre 1924 entstand das Laufwasserkraftwerk Wülmersen am Oberlauf der Diemel. Heute kann hier die Technik im E-ON - "live-Museum" Wülmersen besichtigt werden.

siehe auch

Weblinks

Wasserschloss Wülmersen - Südseite