Wülmersen: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 19. September 2007, 00:14 Uhr

Wasserschloss Wülmersen
Innenhof Wasserschloss Wülmersen
Südseite Wasserschloss Wülmersen
ehemaliges Brauhaus Wasserschloss Wülmersen

Wülmersen ist ein Stadtteil der Stadt Trendelburg.

Der Ort liegt im Landkreis Kassel in Nordhessen.

Das ehemals landwirtschaftlich genutzte Hofgut Wülmersen - in einer Schenkungsurkunde des Klosters Helmarshausen im Jahre 1108 als Wilmeressen erwähnt - wurde ursprünglich von Diemel, Holzape und einem Wassergraben umgeben und wird auch als Wasserschloss Wülmersen bezeichnet.

Geschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Wülmersen im Jahr 1108. Bei der Anlage handelt es sich um eine Schenkung des Bischofs Heinrich von Paderborn an das Kloster Helmarshausen.

Das Gut wurde zunächst als Lehensgut an die Ritter Markessen vergeben. Zu Beginn des 14. Jahrunderts wurden dann die Herren von Stockhausen mit Dorf, Kirchlehen und Vogtei zu Wylmerssen belehnt. In deren Besitz blieb die Anlage bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

Als erste Gebäude wurden Herrenhaus, Stallgebäude, Ellerburg und Trockenhaus erbaut. Später kamen Brauhaus, Schmiede, Glockenturm und Torhaus hinzu. Mit dem Bau des neuen Herrenhauses wurde 1802 begonnen. Über Jahrhunderte hinweg hatte Wülmersen besonders als großer Wirtschaftshof Bedeutung. Zu seinem Namen Wasserschloss kam das Anwesen nach dem 30-jährigen Krieg, als Wassergräben um das Schloss gezogen wurden.

In einer Urkunde aus dem Jahr 1778 wird Wülmersen nicht mehr als Dorf sondern als "ein Hof, am rechten Ufer der Diemel" beschrieben, "eine kleine Stunde unterhalb Trendelburg, eine halbe von Helmarshausen, gehört denen von Stockhausen...".

Heutige Nutzung

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die Gebäude des Anwesens zunächst dem Verfall preisgegeben. 1987 erwarb der Aus- und Forbildungsverbund das Wasserschloss, arbeitslose Jugendliche und Handwerksbetriebe begannen mit der Sanierung. Heute gehört das Schloss dem Landkreis Kassel und es wurde inzwischen das sehenswerte Landmuseum Wasserschloss Wülmersen eingerichtet.


Körnersuppe fürs Gesinde

Nach Steckdosen wird man in dem Gewölbekeller vergeblich suchen. In den unterirrdischen Räumen des Wasserschlosses Wülmersen scheint auf den ersten Blick alles wie vor hundert Jahren: Der Boden ist aus grobem Stein. Viel Hand hatten die damaligen Bauherren an ihn nicht angelegt. Die Mauern des Schlosses haben sie auf dem Grund errichtet, den die Natur zwischen Holzape und Diemel im Angebot hat. Die Wand über der Herdstelle ist schwarz vom Ruß, und an den Wänden hängen Eisenringe. An ihnen machte der Schmied die Pferde fest, wenn sie beschlagen werden mussten.

Dorothea Fellinger im Wasserschloss Wülmersen

Das wenige Licht, dass sich zwischen den dicken Mauern sammelt, fällt durch einen Torbogen ins Innere. In den hinteren Ecken jedoch ist es zappenduster und stickig. Hier gewöhnen sich die Augen nur langsam an die Dunkelheit. Das waren die Umstände, unter denen die Menschen vor einigen hundert Jahren tagein, tagaus gearbeitet haben. Lange Zeit wurde im Gewölbekeller gekocht. Die Mägde bereiteten die Mahlzeiten zu: Fleischspieße für die Herrschaften, Körnersuppe fürs Gesinde.

Die dicken Sandsteinmauern erfüllten noch einen weiteren Zweck. Das ganze Jahr über herrschten zwischen den mächtigen Steinen eine nahezu konstante Temperatur, erzählt Dorothea Fellinger, die das Haus heute leitet. In den Erdkellern wurden die Lebensmittel gelagert - Milchprodukte etwa und gepökeltes Fleisch.

Mit dem Bezug des neuen Herrenhauses im Jahre 1805 gab es dann dort eine moderne Küche. Das Feuer in der Herdstelle allerdings erlosch nicht. Der Keller wurde umfunktioniert zur Schmiede. Der Eingangsbereich wurde aufgeschüttet mit Steinen, so ließen sich die Pferde mühelos ins Gewölbe führen, von denen es insgesamt drei gibt.

Für den normalen Gast des Wasserschlosses bleiben die Keller im Verborgenen. Nur an ausgesuchten Tagen schließt Dorothea Fellinger das Schloss des schmiedeeisernen Tores auf und führt Besucher in die Gewölbe. Da haben es die Kinder- und Jugendgruppen, die sich in die historischen Gemäuer einmieten können, schon besser. Bei Kerzen- und Fackelschein nutzen sie den spartanischen Raum für Feiern und spüren so der Vergangenheit nach.

Öffnungszeiten des Landmuseums Wasserschloss Wülmersen

Das Landmuseum zeigt seit 1998 jährlich wechselnde Ausstellungen aus Landwirtschaft und Handwerk.

Die Außenanlagen des Wasserschlosses können jederzeit besichtigt werden. Vom 20. Mai bis zum 31. Oktober 2007 wird die Ausstellung "Mensch und Tier - arbeiten zusammen" in der Museumsscheune gezeigt.

Öffnungszeiten: Di-Fr, 10 bis 18 Uhr, Sa 14 bis 17 Uhr, So 11 bis 18 Uhr.

Kontakt: Landmuseum Wasserschloss Wülmersen, Dorothea Fellinger, 34 388 Trendelburg, Tel. 05675-7210348, E-Mail: d.fellinger@wasserschloss-wuelmersen.de.

Quellen

Diemelkraftwerk Wülmersen
  • zur Geschichte von Wülmersen: Erhard Kühlborn, Wülmersen: Dorf - Adelshof - Ruine, in Jahrbuch des Landkreises Kassel 1978, S. 44 ff.
  • HNA vom 9. Mai 2007: Körnersuppe fürs Gesinde, Autorin: Antje Thon

siehe auch

Ehem. Bahnhaltepunkt der Carlsbahn in Wülmersen

Weblinks