Vorderer Westen

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Verwundetes Vorzeigeviertel

Obwohl ein noch junger Stadtteil, hat sich auch der Vordere Westen gewandelt

Die Friedenskirche im Hintergrund und die Straßenführung sind geblieben. Doch die Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße/ Ecke Goethestraße zeigt heute ein völlig anderes Bild. Rationale 50er-Jahre-Architektur ersetzt das reich verzierte Gebäude im Stil des Historismus, das bis zum Zweiten Weltkrieg am Tor zum Vorderen Westen stand.

Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts erschloss der Kasseler Fabrikant Sigmund Aschrott diesen Stadtteil im Westen der Stadt. Das wohlhabende Kasseler Bürgertum erfüllte sich dort seinen Traum von Glanz und Gloria, indem es seine Häuser mit allerlei Türmchen und Zinnen, Bögen und Säulen verzierte. Ein solcher Bau stand auch an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße/ Goethestraße, die damals Hohenzollernstraße und Admiral-Scheer-Straße hießen. Die Gaststätte Herkules im Erdgeschoss zählte zu den beliebtesten Treffpunkten.

Statt auf den rückwärts gewandten Historismus, der vergangene Baustile aufgreift, setzten die meisten Bauherren indes auf die damals zeitgemäße Gründerzeit- und Jugendstil-Architektur, die heute noch den Stadtteil prägt. Das verzierte Eckhaus fiel wie viele andere Gebäude entlang der Friedrich-Ebert-Straße den Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer. Manche Wunden sind bis heute nicht geheilt. Noch immer finden sich im Westen, vor allem Richtung Innenstadt, etliche Behelfsbauten. Die flachen Provisorien erinnern eher an eine amerikanische Vorstadt als an ein innerstädtisches Quartier.

Beim Wiederaufbau wollte man von pompösen oder verspielten Fassaden nichts mehr wissen. Die Welt war ernüchtert, und das drückte sich auch in der Architektur aus. In den 50er-Jahren setzte sich ein rationaler Baustil ohne störenden Zierrat durch. Ein Paradebeispiel ist das Gebäude der Commerzbank, das 1957 anstelle der Gaststätte Herkules errichtet wurde. Die Baulücke auf dem Grundstück daneben, die über Jahrzehnte hinweg klaffte, wurde erst im vergangenen Jahr mit einem Wohn- und Geschäftshaus geschlossen.

In den 70er- und 80er-Jahren war der Vordere Westen bevorzugtes Wohnviertel der Studentenszene. Die großzügigen Altbauwohnungen boten sich für die damals aufkommenden Wohngemeinschaften geradezu an. Es gab eine rege Kneipenszene, die sich bis heute gehalten hat, auch wenn sich rund um den Bebelplatz inzwischen wohl mehr Akademiker- als Studentenhaushalte finden. Ganz so lebendig wie in den Hochzeiten der Studentenbewegung ist der Stadtteil im Kasseler Westen heute nicht mehr. Das macht sich auch an einigen Leerständen schmerzhaft bemerkbar.

Ende 2005 hat sich der Verein Kassel-West e.V. gegründet, der die Aktivitäten im Stadtteil im Bereich Kunst, Kultur, Stadtteilentwicklung und Stadtteilgeschichte fördern und vernetzen will.

siehe auch

Links

Kassels Stadtteile

Mitte | Südstadt | West | Wehlheiden | Bad Wilhelmshöhe | Wahlershausen | Brasselsberg | Süsterfeld-Helleböhn | Harleshausen | Kirchditmold | Rothenditmold | Nord-Holland | Philippinenhof-Warteberg | Fasanenhof | Wesertor | Wolfsanger-Hasenhecke | Bettenhausen | Forstfeld | Waldau | Niederzwehren | Oberzwehren | Nordshausen | Jungfernkopf | Unterneustadt