Universität Kassel

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Eine alte akademische Tradition

Die Kasseler Uni hatte zahlreiche Vorläufer-Einrichtungen

Eine Universität stampft man nicht einfach aus dem Boden. Sie muss allmählich wachsen und Profil gewinnen. Als die Gesamthochschule Kassel (GhK) 1971 als eine von vielen Universitätsneugründungen in der Bundesrepublik ihren Betrieb aufnahm, wirkte sie wie ein Retortengeschöpf. Das schnell hingesetzte Aufbau- und Verfügungszentrum (AVZ) inmitten einer westdeutschen Plattenbaulandschaft verstärkte den Eindruck.

Doch dieses Gefühl täuschte. Denn wesentliche Einrichtungen wie die Ingenieurschulen in Kassel und Witzenhausen sowie die heutige Kunsthochschule wurden zwar umstrukturiert, setzen aber ihre zuvor begonnene Arbeit selbstverständlich fort.

Die älteste Einrichtung war die 1777 von Landgraf Friedrich II. gegründete Kunstakademie, aus der die Kunsthochschule hervorgegangen ist. Friedrich II. war ein vom Geist der Aufklärung ergriffener Fürst, dem wir das Fridericianum als ein für die Öffentlichkeit erbautes Museum zu verdanken haben. Unter seiner Regentschaft kam 1778 der Weltumsegler und Naturforscher Georg Forster (1754-1794) als Professor an das 1709 gegründete „Collegium Carolinum“, das um 1767 nach dem Vorbild einer Universität umgestaltet worden war.

Damals begann für Kassel eine verheißungsvolle wissenschaftliche Entwicklung. Auch das Schaffen von Wilhelm und Jacob Grimm (siehe auch Brüder Grimm) ist dazuzurechnen. Sie wirkten zwar vornehmlich als Bibliothekare im frühen 19. Jahrhundert in Kassel, doch sie legten dabei die Grundlagen für die Germanistik.

Eine weitere akademische Blüte verdankte Kassel der 1832 geschaffenen Höheren Gewerbeschule (polytechnische Lehranstalt), an der Naturforscher wie Friedrich Wöhler, Robert Wilhelm Bunsen, Burhenne und Philippi wirkten.

Dass die Stadt in jener Epoche keine richtige Universität erhielt, hatte damit zu tun, dass [[Philipp I. (Heesen]|Landgraf Philipp]] in seiner Heimat- und Residenzstadt Marburg 1527 die nach ihm benannte Universität gegründet hatte.

Nur infolge des Dreißigjährigen Krieges konnte die Marburger Uni nicht im Sinne der Landesherrn betrieben werden.

So war im Jahr 1633 für 20 Jahre Ersatz in Kassel geschaffen worden. Doch in dem Moment, in dem Marburg wieder als Uni-Standort zur Verfügung stand, wurde Kassel aufgegeben.

Geschichte

Die Universität Kassel wurde 1970 unter Einbeziehung bereits bestehender Höherer Fachschulen und Fachhochschulen als Gesamthochschule Kassel (GhK) gegründet und nahm 1971 den Lehrbetrieb auf. 2002 erfolgte die Umbenennung in Universität Kassel (UNIK).

Über 16.000 Studierende sind hier an 13 Fachbereichen eingeschrieben. Mit 2.306 Mitarbeitern, davon 282 Professoren und 588 wissenschaftliche Mitarbeiter, gehört die Universität zu den großen Arbeitgebern in Kassel. (Stand: 2005)

  • 1958 - Erste Forderungen nach Gründung einer Universität in Kassel, später Gründung einer Bürgerinitiative zur Erreichung dieses Ziels
  • 1970 - Gründungsbeschluss des hessischen Landtages
  • 1971 - Beginn des Lehrbetriebes (25. Oktober). Gründungspräsidentin wird ein Jahr später Frau Dr. Vera Rüdiger
  • 1974 - Erster gestufter Diplomstudiengang nach dem neuen Kasseler Modell
  • 1975 - Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker wird Präsident der GHK
  • 1985 - Eröffnung des neuen Campus
  • 1991 - 20-jähriges Jubiläum der Universität. 16000 eingeschriebene Studenten.
  • 1997-2001 - Neues Entwicklungskonzept. Aufbau neuer Studiengänge, Gründung der Kunsthochschule unter dem Dach der GHK und Einführung international ausgerichteter Studienangebote. Trickfilm-[[1]] für Studenten der Universität.
  • 2001 - Der Kasseler Hochschulrat wird von Präsident Postlep vorgestellt. Zum Wintersemester werden mit Hilfe externer Sponsoren zwei neue Studienangebote eingerichtet: Informatik und Wirtschaftsingenieurswesen.
  • 2002 - Die Universität feiert am 15. Februar - 30 Jahre nach Gründung der Hochschule - ihren ersten Universitäts-Tag. Entsprechend einem Senatsbeschluss ändert sie ihren Namen in "Universität Kassel".
  • 2003 - Neue Bachelor- und Masterstudiengänge (auch Mechatronik und Nanostrukturwissenschaften). Mit der Modularisierung unter den Rahmenbedingungen des Bolognaprozesses beginnt die Vorbereitung von Credit-System und zentraler, automatisierter Studienleistungserfassung.
  • 2004 - Die UNIK wird von der Landesregierung mit der Koordinierung des NanoNetzwerks Hessen beauftragt.
  • 2005 - Die Deutsche Post unterstützt die Einrichtung dreier Marketingprofessuren am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften.


Zeitzeugen berichten: Heute Campus, früher Fabrik

HNA-Artikel vom 23.02.2004

"Genau hier war das Herz der Lokomotiven-Montage-Halle." Heinz Schmidt (75) steht auf dem Platz vor der Unibibliothek und zeigt einen weiten Kreis. Hier wurden mal Lokomotiven gebaut. Zuerst Dampfloks, manchmal drei bis vier täglich, später auch Diesel- und Elektro-Loks. Das ist noch nicht so lange her. 1848 wurde hier die erste Lok gebaut, irgendwann zwischen 1955 und 1960 die letzte. Danach diente die Halle noch als Lager, Garage für Panzer. Von der Lokhalle blieb nichts. Sie wurde beim Umbau von den Industrie- zu Lernhallen abgerissen. Ebenso die Werkshalle, in die nicht jeder Henschelaner Zutritt hatte: Dort, wo jetzt die Mensa steht, wurde Kriegsgerät gebaut.

Heinz Schmidt ist 14, als er 1943 seine Ausbildung zum Lokomotiven-Konstrukteur beginnt. Er wird anfangs in vielen Bereichen der Henschelei eingesetzt, bevor er in den technischen Büros landet, dort, wo jetzt die Architekten, Stadt- und Landschaftsplaner studieren, im Bürohaus K10 am Holländischen Platz. Das Haus K10 wurde 1904 fertig gestellt und seitdem kaum verändert. "Das war die Henschel-Hauptverwaltung", erzählt Schmidt. Beim schweren Bombenangriff am 22. Oktober 1943 hatte eine Bombe das Haus K10 gespalten und den Dachstuhl zerstört.

Unter K10 war der Luftschutzraum, in den die Henschelaner und die anwohnenden Nordstädter bei Fliegeralarm flüchteten. Die Bombenangriffe auf Kassel haben bei Henschel nur wenig Schaden angerichtet. Als das Land Hessen das Gelände 1974 kaufte und nach und nach aus dem Industriehof der Campus entstand, stand am Anfang der Abriss. Manche Henschel-Gebäude wurden nur entkernt: So wächst das Institut für Werkstofftechnik (Mönchebergstraße 3) aus den alten Mauern der Schlosserei K13 heraus.

Äußerlich nahezu unverändert ist das Gebäude der Henschel-Betriebskrankenkasse. Dort sitzt jetzt die Zentralverwaltung der Universität. "So schön wie heute hat es hier nie ausgesehen. Alles war schwarz." Schmidt meint das Gießhaus. Dort herrschten Höllentemperaturen, in den Öfen wurde Metall geschmolzen und zu Glocken, Kanonen und Maschinenteilen gegossen. Heute arbeiten und lernen auf dem Campus etwa 20000 Menschen. Im Kasseler Werk der Henschelei haben 15000 gearbeitet. Schmidt erinnert sich: Es gab eine Frühstücks- und eine Mittagspause, gearbeitet wurde 52 Stunden pro Woche, täglich von sieben bis 16 Uhr, samstags bis 13 Uhr. Nach dem Krieg haben die Amerikaner den Betrieb übernommen, zuerst mit 80 Arbeitern, später waren es 1000.

Die kleinere Werkshalle K44, heute das Rechenzentrum, haben sie als Kulturhalle genutzt. Die hieß Montgomery-Halle, vermutlich nach dem General. Es gab da Spielfilme, Vorträge und Theatervorführungen, zum Beispiel vom Wehlheider Hoftheater. Später, als die Amerikaner abgezogen waren, hieß sie dann Henschelhalle, erzählt Schmidt. Und blickt am Schornstein hoch. Der blieb als einziger von vier Schloten stehen. Genutzt wird er nicht mehr, ist nur noch ein backsteinernes, 64 Meter hohes Industriedenkmal.

Uni-Bibliothek

Im Reich der 1,8 Millionen Bücher

Uni-Bibliothek verleiht jährlich 800000 Werke

Sie ist das Zentrum des Wissens an der Universität Kassel. Eine geballte Sammlung Erfahrung, Meinung, Geschichte, Erfundenes. 1,8 Millionen Bücher stehen in der Uni-Bibliothek. 1,8 Millionen - an die Studenten verteilt, wären das für jeden 100 Bücher. Jeder Kasseler Einwohner dürfte sich neun Exemplare aussuchen. Jeder Nordhesse würde fast zwei Bücher bekommen. Und jedes Jahr kommen 20000 bis 30000 neue Bücher hinzu.

Der Bücherbestand kann von allen genutzt werden - kostenlos. Und bei 1,8 Millionen Büchern gibt es für die Mitarbeiter - 120 feste Stellen und 60 studentische Hilfskräfte - viel zu tun. Mehrere Kisten voll mit gebundener Lektüre kommen täglich per Post, müssen einsortiert und katalogisiert werden. Damit die 44000 Leser, die sich jährlich 800000 Exemplare ausleihen, schnell die gewünschten Titel finden.

Das ist auch von zu Hause aus möglich, per Internet. Ein weiterer Service der Bibliothek: Buch-Transport. Wünscht ein Leser ein Buch, das es nur in einer der acht Außenstellen innerhalb Kassels - inklusive der Murhardschen - oder der in Witzenhausen gibt, wird es dort für ihn abgeholt und in der Zentralbibliothek zur Verfügung gestellt. Wie die hunderttausende anderer Bücher, wissenschaftlicher Werke, Gedichtbände, Lexika, Romane.

Neben der Lektüre bietet die Uni-Bibliothek Veranstaltungen an wie den Treffpunkt Eulensaal - unter anderem mit Buchpräsentationen. Und Kurse mit dem Thema: Wie können Medien wie Datenbanken und Internet genutzt werden? Informationen unter 0561/804-7342.


Statistik zum Wintersemester 2006/2007

Genau 3099 Studentinnen und Studenten nehmen zum Wintersemester 2006/2007 ihr Studium an der Universität Kassel auf. Insgesamt sind damit 16 424 Studierende in Kassel eingeschrieben, 643 weniger als im vergangenen Wintersemester. Der Rückgang erklärt sich laut Uni-Sprecherin Annette Ulbricht dadurch, dass zum Wintersemester 32 weitere Fächer mit Zulassungsbeschränkungen belegt wurden. So führte der lokale Numerus clausus in den Bachelor-Studiengängen Politik und Soziologie dazu, dass die Zahl der Studienanfänger binnen Jahresfrist von 520 auf jetzt 100 zurückgegangen ist. Beliebteste Disziplinen der Erstsemester sind wie in den Vorjahren die Wirtschaftswissenschaften, gefolgt von Sozialwesen und den Lehramtsstudiengängen. 51 Prozent der Studierenden in Kassel sind Frauen, der Ausländeranteil beträgt 12,8 Prozent. Mehr als die Hälfte der Erstsemester stammt aus der Region. Dieser Wert, so Sprecherin Annette Ulbricht, sei keine Kasseler Besonderheit, sondern gelte auch für andere Unis.

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