Teichstraße (Kirchditmold)

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Eine Berlin-Reise mit Folgen

Wirtsfamilie sorgte für regen Verkehr in der Kirchditmolder Teichstraße

Der Teich, nach dem sie benannt ist, musste erst weichen, damit sie überhaupt entstehen konnte: die Teichstraße. Und das geschah 1914. Zuvor sind die Kirchditmolder in ihrer Jugend auf diesem Teich im Winter noch Schlittschuh gelaufen. Und so mancher Junge soll dabei durchs Eis gebrochen sein. Durch jenes Eis übrigens, das früher von den Kasseler Brauereien zu Kühlzwecken verwendet und daher regelmäßig gebrochen wurde. Das Gewässer, das von zwei Quellen am Fuße des Lindenbergs gespeist wurde, lag etwa auf dem Grundstück des späteren Postamts am Südrand des Dorfes.

Adressbücher sprechen einfach von einem Flurnamen. Doch die 320 Meter von der Berliner Brücke bis zur Zentgrafenstraße haben mehr zu bieten als einen trocken gelegten und zugeschütteten Teich. Hier standen einst die beliebten Gasthäuser der Stadt. Und das machte die Teichstraße zu einem der gut besuchten Ausflugsziele in Kassel.

Eine besondere Rolle nimmt dabei die Gastwirtschaft Meiß in der Teichstraße Nummer 18 ein, die später Glebe hieß. Der Weg dorthin soll einst sehr romantisch gewesen sein – am Druselbach entlang und von Brombeersträuchern und Heckenrosen gesäumt. Damals gab es dort nur Bahnschranken und noch keine Brücke. Als der Brückenbau dann beschlossene Sache war, sah der Plan vor, die Konstruktion mehr in Richtung Rothenditmold und als Anschluss an die Zentgrafenstraße über die Bahnschienen zu führen. Zu jener Zeit war Gustav Meiß, Mitglied der Wirtsfamilie Meiß, eine Persönlichkeit im Stadtteil und in der ganzen Stadt.

Er war vor dem Anschluss an Kassel vor Paul Trömel(1904-06) von 1898 - 1904 vorletzter Bürgermeister von Kirchditmold und anschließend Kasseler Stadtrat. Der gute Mann reiste nach Berlin ins Ministerium - und erreichte dort, dass die Brücke an der Stelle gebaut wurde, an der sie auch heute noch steht. Also genau so, dass der Verkehr durch die Teichstraße und vorbei am Wirtshaus Meiß floss. Und diese Berlinreise von Gustav Meiß hat der Brücke den Namen „Berliner Brücke“ beschert.

1898 kaufte der Wirt Konrad Glebe das Gasthaus von der Familie Meiß. Das Lokal wurde schließlich beim letzten Bombenangriff auf Kassel am 9. März 1945 zerstört.