Sudetendeutsche Landsmannschaft: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 25. August 2008, 12:03 Uhr

Kreisgruppe Kassel

Vorgeschichte: Herkunft und Vertreibung

Die Heimat der Sudetendeutschen sind Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien. Im Zuge des Landesausbaus kamen Deutsche seit dem 13. Jahrhundert in diese Gebiete und haben seitdem Wesentliches zur Kultur dieser Regionen beigetragen. Mit neuen landwirtschaftlichen Geräten und Methoden machten sie die kargen Randgebiete urbar, die noch unbesiedelt waren. Ihre Fertigkeiten erschlossen den Holzreichtum und die Erzvorkommen. Die böhmischen Könige gründeten zahlreiche Städte nach Magdeburger und Nürnberger Stadtrecht, in denen deutsches Bürgertum eine prägende Rolle spielte. Böhmen wuchs ohne Rücksicht auf Sprache und Nation dem mitteleuropäischen Kulturraum zu und bildete eines von mehreren gleichberechtigten Zentren im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation.

Deutschen Bürgern verdanken wir in Iglau das älteste Bergrecht nördlich der Alpen (1248)und in Saaz die früheste neuhochdeutsche Dichtung, den "Ackermann aus Böhmen" (1401). Vor allem die Zeit nach dem 30jährigen Krieg prägte bis heute das Bild der Städte und Märkte im ganzen Land. Der Reichtum des Adels und der Klöster machte das Königreich Böhmen zu einem Zentrum barocker Baukunst. Dort wirkten Baumeister wie Fischer von Erlach aus Österreich oder die Dientzenhofer aus Bayern, Balthasar Neumann aus Eger schuf Kirchen und Residenzen in ganz Süddeutschland.

In Kultur und Geistesleben spielen viele bekannte Deutsche aus den böhmischen Ländern eine maßgebende Rolle: So in der Literatur Marie von Ebner-Eschenbach, Adalbert Stifter, Rainer Maria Rilke, in der Musik Johann Wenzel Stamitz, Gustav Mahler, Leo Slezak, in der bildenden Kunst Ferdinand Tietz, Josef Maria Olbrich, Alfred Kubin, in der Wissenschaft Gregor Mendel, Ernst Mach, Sigmund Freud.

Die schöpferische Kraft der Sudetendeutschen hat sich auch in der Minderheitensituation des Nationalitätenkampfes und schließlich nach der Vertreibung erhalten. Der Konstrukteur des Volkswagens, Ferdinand Porsche und der Generaldirektor des europäischen Kernforschungszentrums (CERN) in Genf, Herwig Schopper, sind dafür ebenso ein Beweis wie Otfried Preußler, der bis heute bekannteste deutsche Kinderbuchautor.

Aufgrund der Dekrete des selbsternannten Präsidenten der nach Kriegsende wieder belebten Tschechoslowakei, Edward Bennesch, kam es im Jahre 1945 zu den sogenannten "wilden Vertreibungen", bei denen nach Schätzungen fast 200.000 von den 3,5 Millionen Sudetendeutschen ihr Leben ließen. Die Masse der Sudetendeutschen musste ihre Heimat im Jahre 1946 im Wege der "organisierten" Vertreibungen verlassen, und zwar überwiegend in Zügen mit Viehwaggons. Die Bennesch-Dekrete sicherten allen Tschechen, die sich an Deutschen vergangen hatten, Straffreiheit zu, selbst wenn diese Untaten nach tschechoslowakischem Recht strafbar waren. Die Bennesch-Dekrete wurden nie aufgehoben und gelten bis heute fort, sodass auch heute noch alle Tschechen, die sich aktiv an Massakern beteiligt hatten, vor Strafverfolgung geschützt sind. Trotz Kenntnis dieser noch gültigen Unrechtsdekrete wurde die Tschechische Republik in die EU aufgenommen.



Chronik

Beginnend im Jahr 1945 kamen die ersten Flüchtlingstrecks und in der Folge bis 1946 die Vertriebenentransporte aus den deutschen Ostgebieten und dem Sudetenland in den Westen. Allein nach Hessen kamen 1946 insgesamt 650.000 Heimatvertriebene, davon 400.000 aus dem Sudetenland. Um den in allen Bereichen schwierigen Lebensbedingungen der Nachkriegszeit begegnen zu können, kam es zu Gruppenbildungen insbesondere unter den Neubürgern. Da Vereinigungen auf landsmannschaftlicher und interessenpolitischer Ebene durch das "Koalitionsverbot" für Heimatvertriebene, aus Furcht vor verschwörerischem Widerstand, untersagt waren, boten zunächst vielfach die Kirchen die einzige Möglichkeit eines legalen Zusammenschlusses. Insbesondere die kirchlichen und karitativen Organisationsformen waren Vorläufer der sich etwa ab 1949 (Gründung der Bundesrepublik Deutschland) entwickelnden Vertriebenenorganisationen. Am 24. Januar 1950 trafen sich die führenden Vertreter der Sudetendeutschen und hoben mit der "Detmolder Erklärung" den Bundesverband der Sudetendeutschen Landsmannschaft aus der Taufe. Schon vorher und vor allem in Folge bildeten sich nachgeordnete Gliederungen auf Landes-, Kreis- und örtlicher Ebene, so auch in Nordhessen.

Die Gründung der Kreisgruppe Kassel erfolgte am 15.07.1950 in der Gaststätte "Lesch" in der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel. Erster Kreisobmann wurde Baurat Dipl. Ing. Karl Mauder.

Der Schwerpunkt des Wirkens der Landsmannschaft lag zunächst auf dem Gebiet der praktischen Lebenshilfe wie Hilfe bei der Arbeits- und Wohnraumbeschaffung. Außerdem wurde Unterstützung bei der Abwicklung von Behördenangelegenheiten wie der Schadensfeststellung für Hausratshilfe und Lastenausgleich gegeben.

Vor dem Hintergrund der sich bessernden wirtschaftlichen Situation der Vertriebenen und gemäß einer zwischen den Spitzen der Vertriebenenverbände vereinbarten Arbeitsteilung verlagerten sich die Aktivitäten der Landsmannschaften auf die Heimat- und Kulturpolitik.

Vor allem auf örtlicher Ebene bildeten sich Gruppierungen, die sich aktiv der Erhaltung des heimatlichen Kulturgutes widmeten. Sing-, Musik- und Laienspielgruppen belebten den durch harte Arbeit geprägten Alltag. Eigene Feste, wie zum Beispiel "Maibaumfällen" - 1951 in Lohfelden im Rahmen eines Kreistreffens der Vertriebenen durchgeführt - und aktive Teilnahme an Volksfesten in der neuen Heimat, brachten Alt- und Neubürger einander näher. Gemeinsame Ausflugsfahrten dienten dem Kennen lernen der neuen Heimat.

Auf Kreisebene zählten vor allem in den 60er und 70er Jahren Vortragsveranstaltungen mit anspruchsvollen Themen, auch Dichterlesungen, zum vielseitigen Programm der Landsmannschaft. Auch einige Großveranstaltungen wurden durchgeführt. Von 1961 bis 1967 fanden alljährlich auf dem Warteberg in Kassel unter tatkräftiger Mithilfe der "Deutschen Jugend des Ostens (DJO) Sonnwendfeiern statt. Bekannte Persönlichkeiten wie die Landsleute Staatsminister Gustav Hacker (1962), Staatssekretär a.D. Walter Preissler (1963 und 1967) sowie Frank Seiboth (1964) u.a. erwiesen der Kreisgruppe als Festredner die Ehre.

1960, anlässlich der 10-Jahresfeier der Kreisgruppe in der Staatl. Ing.-Schule in Kassel, sprach der Bundesminister für Verkehr und langjährige Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft Dr. Ing. Christoph Seebohm.

Die größte Veranstaltung der Kreisgruppe war mit rd. 5.000 Besuchern das im Aug. 1991 in Kassel veranstaltete Landestreffen der SL Hessen. Verbunden mit einer Ausstellung über die Geschichte der Sudetendeutschen diente es der Selbstdarstellung der Landsmannschaft, der Pflege des kulturellen Erbes und der Kontaktpflege. An der Spitze der Ehrengäste konnte Landesobmann Alfred Herold den Ministerpräsidenten des Landes Hessen, Herrn Hans Eichel, begrüssen.

Zu dieser Veranstaltung kam auch eine Vielzahl von Landsleuten aus Thüringen und Sachsen-Anhalt. Schon bestehende erste Kontakte wurden vertieft. Diese führten 1993 zur Gründung einer Partnerschaft mit der SL-Kreisgruppe Mühlhausen in Thüringen. Mit Beratung und einer finanziellen Unterstützung wurde der Aufbau der dortigen Kreisgruppe gefördert. Gepflegt wird diese Beziehung durch wechselseitige Besuche bei kulturellen Veranstaltungen.

Sehen lassen können sich auch die sozialen Aktivitäten der Kreisgruppe- Stellvertretend für viele weitere soll hier nur die folgende angesprochen werden. Eine Bastelgruppe der OG Lohfelden hat in den Jahren 1984 - 2000 bei vorweihnachtlichen Basaren ca. 43.200 DM eingenommen. Dieser Betrag wurde in der gleichen Zeit an insgesamt 8 soziale Einrichtungen gespendet. Davon gingen allein 24.000 DM an das Kinderdorf Brixen in Südtirol, mit dem die Ortsgruppe seit vielen Jahren in Verbindung steht. Erstmals 1957 und danach alljährlich gedenkt die Kreisgruppe der ersten Opfer der sudetendeutschen Volksgruppe, die am 4. März 1919 bei friedlichen Demonstrationen für das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen, in der damals gerade gegründeten Tschechoslowakei, von tschechischem Militär erschossen wurden. Wiederholt wurde dieses Gedenken mit Kranzniederlegung am Mahnmal in der Karlsaue durchgeführt.

Mit der zunehmenden Alterung und der Abnahme der Erlebnisgeneration wurde es immer dringender notwendig, die Arbeit an die nächste Generation weiterzugeben. So übergab Lmn. Hergel die Leitung der von ihr 1964 gegründeten Kreisfrauengruppe an Lmn. Margit Giebel. Diese Gruppe trifft sich monatlich mit kulturell und geschichtlich heimatbezogenem Programm. Um einem Vergessen und einer Verfälschung der sudetendeutschen Geschichte mit ihren Verdiensten um die Entwicklung Böhmens, Mährens und Sudetenschlesiens entgegenzuwirken, bemühte sich Lmn. Giebel mit unzähligen Telefonaten, noch in der Heitmat 1935 - 1945 geborene Sudetendeutsche ausfindig zu machen und für ihre Wurzeln zu interessieren. Diese "mittlere Generation" hält unter der Leitung von Lm. Richtet monatliche Veranstaltungen ab.

Regelmäßig fahren Kreisgruppenmitglieder zu Pfingsten zum Sudetendeutschen Tag, der jährlichen Großkundgebung der Landsmannschaft, verbunden mit bundesweitem Heimattreffen.

Im Jahresprogramm der SL-Mitglieder steht auch die Teilnahme an dem alljährlich vom Bund der Vertriebenen BdV durchgeführten "Tag der Heimat". In den Kasseler Ortsgruppen Mitte und Nord wie auch in Lohfelden, Vellmar und Wellerode finden - unterschiedlich häufig - aber regelmäßig - Treffen der Mitglieder und Gäste mit heimat- und jahreszeitbezogenem Programm statt.

Um das Unrecht der Vertreibung und das damit zusammenhängende Leid nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, haben die Vertriebenenverbände in Hessen mehr als 100 Mahn- und Ehrenmale errichtet. Allein 10 davon stehen auf dem Gebiet der Stadt und des Landkreises Kassel. Alle Denkmale werden gepflegt. Als Verantwortliche fungieren Kommunen, der Hess.-Waldeckische Gebirgsverein, die Vertriebenenverbände BdV bzw. Landsmannschaften und auch Privatpersonen. Die aufgezeigten Aktivitäten waren und sind nur mit großer Einsatzbereitschaft der jeweiligen Obleute auf Orts- und Kreisebene möglich. Stellvertretend für die vielen Engagierten seien die Kreisobleute nachfolgend genannt:

             Dipl. Ing. Karl Mauder          1950 - 1951
             Dr. Franz Ohrmann               1951 - 1956
             Wenzel Korschinsky              1956 - 1984
             Franz Breuer                    1984 - 1994
             Prof. Karl Spies                1994 - 2003
             Margit Giebel                   2003 - 2008
             Dietmar Pfütz                   ab 2008

Unter den Genannten hat sich Wenzel Korschinsky aufgrund seines langjährigen Engagements und auch als Organisator herausgehobener Aktivitäten besonders verdient gemacht.

Er und zwölf weitere, langjährig verdiente Mitglieder wurden dafür mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet. Es sind dies die Landsleute: Guido Bernt, Karl Bleil, Franz Breuer, Franz Dietrich, Gustav Focke, Hilde Hergel, Ernst Herz, Helmut Neumann, Heinrich Schams, Günther Söllner, Bruno Wenzel und Wilfried Wenzel. Ihnen und vielen nicht genannten Ehrenamtlichen im Dienste der Volksgruppe sei an dieser Stelle für ihre Arbeit herzlich gedankt.



Unsere Gruppen

Ortsgruppe Kassel-Mitte

Diese Ortsgruppe trifft sich an jedem 2. Dienstag im Monat um 15:00 Uhr im "Allee Bistro", Wilhelmshöher Allee 32 a, Kassel, zu ihren Heimatnachmittagen. Obfrau: Margit Giebel, Tel. 0561-38 451.

Ortsgruppe Kassel-Nord

Treffen zu den Heimatnachmittagen jeden 2. Mittwoch im Monat um 15:00 Uhr im "Landhaus Meister", Fuldatalstr. 140 in Kassel. Obfrau: Edeltraut Schreiber, Tel. 0561-59 416.

Ortsgruppe Lohfelden

Monatliche Heimatnachmittage um 14:30 Uhr an unterschiedlichen Tagen im "Kath. Gemeindezentrum", Lange Str. 39, Lohfelden. Obmann: Herbert Kaulich, Tel. 05608-793.

Ortsgruppe Vellmar

Monatliche Heimatnachmittage um 14:30 Uhr, in der Regel jeden 1. Samstag im Monat, "Kath. Pfarrzentrum Heilig Geist", Brüder-Grimm-Str. 9, Vellmar. Obmann: Hans Seidenstücker, Tel. 0561-82 14 44.

Ortsgruppe Wellerode

Die Termine für die Treffen in der "Gaststätte zur Söhrebahn", Kasseler Str. 19, Wellerode, können bei dem Obmann, Leopold Winter, Tel. 05608-21 29, erfragt werden.

Kreisfrauengruppe

Heimatnachmittage jeden letzten Dienstag im Monat zu unterschiedlichen Uhrzeiten (15:00 oder 16:00 Uhr), im Philipp-Scheidemann-Haus, Holländische Str. 74, Kassel. Leiterin: Gerlinde Hofmann, Tel. 0561-81 33 23.

Mittlere Generation

Heimatnachmittage jeden letzten Dienstag im Monat zu unterschiedlichen Zeiten (16:00 oder 17:00 Uhr), im Philipp-Scheidemann-Haus, Holländische Str. 74, Kassel. Leiter: Robert Richter, Tel. 05656-10 25.

Unser Stammtisch

Zwangloses und gemütliches Zusammensein für alle interessierten Landsleute und Gäste an jedem 1. Mittwoch im Monat um 18:00 Uhr im "Komödienstadl", Karthäuser Str. 5 a, Kassel. Info: 0561-81 33 23 (Gerlinde Hofmann).

Büro und Leihbücherei

Öffnungszeiten jeden Dienstag von 10:00 - 12:00 Uhr, Oberste Gasse 24, Raum 208, 2. Stock, Kassel (im Hause der Stadtbücherei-Jugendbücherei- neben dem Entenanger). Sie können sich aus unserer umfangreichen Bibliothek mit überwiegend sudetendeutscher Literatur Bücher gratis ausleihen. Auch Ihre Mitteilungen an uns können Sie an diese Adresse absenden oder hier abgeben. Unsere Landsleute Adolf und Brigitte Czurzim freuen sich auf Ihren Besuch. Info (außerhalb der Öffnungszeiten): 0561-45 040 80.



Kontakte

Kreisobmann: Dietmar Pfütz, Tel. 0561-51 43 59, Fax: 0561-816 7247

           Email: Dietmar@Pfuetz.de 
           Sie sind gern mit Landsleuten zusammen? Dann sind Sie bei uns herzlich willkommen!









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