Steinkopf von Borken 2018

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Fundort

Da staunte der Lehrer Heinrich Pitz nicht schlecht, als ihm bei einer naturkundlichen Wanderung mit der Klasse 5a, der Borkener Stadtschule, in Richtung Weinkopf, am Freitag den 17. November 1953 der Schüler Kurt Schreiber einen gefundenen Stein in die Hand drückte mit der Bemerkung, "Herr Pitz ein Menschenkopf"!

Der Steinkopf vom Weinkopf, Foto: Dr.K.H. Pitz

Fundbeschreibung

Der Stein hat die Maße: Höhe 21 cm, Breite über der Stirn 29 cm, am Hals 24 cm. Er hat ein Gewicht von 2,1 kg, Material: Quarzit. Es handelt sich um einen, von der Natur gebildeten Menschenkopf (Geofakt). Ohne menschliche Einwirkung entstanden Augen, Nase, Mund, Kinn, Hals, Brustansatz und linkes Ohr. Das rechte Auge ist ein 5cm tiefes, natürliches Loch, während das linke Auge von einer flachen Mulde gebildet wird. Die Augen liegen nicht in gleicher Höhe, das linke liegt etwa 2cm tiefer. Die Farbe ist ein graues Braun, das mit helleren, gelbbraunen Schuppen durchsetzt ist. Die Oberfläche ist rau. Das linke Auge ist mit einer harten Kruste überzogen.Über dem linken Auge ist ein Splitter herausgesprungen. In ähnlicher Größe ist auch unter dem rechten Auge ein Stückchen herausgesprungen. Die Ohrmuschel des linken Ohres ist abgeschlagen. Über der linken Stirn befindet sich ein größerer Abschlag. Im unteren Bereich (Standfläche) sind menschliche Bearbeitungsspuren erkennbar (damit wird das Geofakt zum Artefakt). Der Kopf ist etwas nach hinten geneigt, was seine Standfestigkeit aber nicht wesentlich beeinflusst. Ein von der Natur gebildeter menschlicher Kopf, mit ein wenig Brust. Die Schüler der Klasse 5a gaben ihm den Namen "Steinzwerg vom Weinkopf". Herr Pitz informierte das kurhessische Landesamt für Vor- und Frühgeschichte Marburg (heute Landesamt für archäologische Denkmalpflege) Dr.Otto Uenze. Im, 1954 erstellten Fundbericht wird eindeutig auf die menschlichen Bearbeitungsspuren hingewiesen und auch erwähnt, dass dem Steinkopf, vom "Eiszeitmensch, durch einige Abschläge die gewünschte Form gegeben wurde".

Fachliche Auffassung

Heute befindet sich der "Steinkopf vom Weinkopf" im Besitz des Sohnes von Heinrich Pitz, Dr. Karl Heinrich Pitz. Er hat den renomierten Wissenschaftler für Ur- und Frühgeschichte, von der Goethe Universität Frankfurt, Professor Jens Lüning um eine Beurteilung des Fundes gebeten. Prof. Lüning hat sich im Mai 2012 wie folgt geäußert: "Es handelt sich bei dem Stein um ein Naturschauspiel oder ein minimalistisches Kunstwerk, das von Menschen behauen worden ist und vermutlich zu kultischen Zwecken benutzt wurde (gelegentlich, scherzhaft als "Taschengott" bezeichnet)". Auch Prof. Lüning stellt die menschlichen Bearbeitungsspuren fest. Zur Datierung äußerte er sich wie folgt: "der Stein kann in der gesamten hessischen Vorgeschichte entstanden sein, als ein Kunstwerk frühestens ab dem Jungpaläolithikum (Aurignacien) vor 42.000 Jahren),als sich die modernen Menschen (Homo sapiens) in weiten Teilen West-, Mittel-, und Osteuropas ausbreiteten und sich anschickten die Neandertaler abzulösen. Der archäologischen, fachlichen und zeitlichen Einordnung des Fundes liegen die Erkenntnisse von Herrn Heinrich Pitz, dem Landesamt für archäologische Denkmalpflege Marburg und Herrn Prof. Jens Lüning zu Grunde. Zweifellos stellt schon heute der Steinkopf den "ältesten Borkaner" dar, der bis zum heutigen Tag nachweisbar ist.

Literatur

  • Friedrich Döring
 - Prof.Dr. Jacobshagen, Ausstellungsführer zur Ausstellung "Die Eiszeit in Nordhessen" Marburg 1952
 - Heinrich Pitz, Fundbericht in, Die Entwicklung des Amtes Borken vom 18.10.1954, Seite 99/100
 - LfD Marburg, Fundbericht H. Pitz, 18.10.1954
 - Dr. Karl.Heinrich Pitz, Archäologische Einschätzung von Prof. Jens Lüning, Mai 2012

Siehe auch