Sophie Henschel

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Sophie Henschel

Sophie Henschel (* 11. November 1841; † 5. Februar 1915) leitete die Firma Henschel in den Jahren 1894 bis 1912. Sie entwickelte das Wohlfahrtswesen in Kassel durch großzügige Spenden und eine Stiftung.

Leben

Sie wurde als Caroline Elisabeth Francisca Sophie Caesar am 11. November 1841 im westfälischen Minden geboren. Sie war die jüngste Tochter eines preußischen Gutsbesitzers. Sie ist zehn Jahre alt, als der Vater stirbt und sie mit ihrer Mutter nach Kassel kommt.

Sophie ist hübsch und eine Tochter aus gutem, liberalen Elternhaus. Sie las Heine und Goethes philiosophische Schriften, was einem Mädchen aus gutem Elternhaus an Bildung eben zustand. Aber noch ließ nichts darauf schließen, dass sie einmal die wohl bedeutendste Unternehmerin der deutschen Kaiserzeit werden sollte.

Als sie 21 Jahre alt ist, heiratet sie Carl Anton Oscar Henschel. Es muss so etwas wie die ganz große Liebe gewesen sein, denn sie teilten von Anfang alles. Vor allem, was für diese Zeit ungewöhnlich war, ließ er sie an allen Geschäftsentscheidungen teilhaben, fragte sie um Rat. Es machte ihm sogar Spaß seinen Freunden zu demonstrieren, wie gut informiert seine Frau in allen Geschäftsdingen war. War er auf Reisen, berichtete sie ihm in seitenlangen Briefen von den Geschehnissen in der Fabrik.

Sophie gebar drei Mädchen und einen Jungen. Den Tod ihres Mannes 1894 hat sie nie verkraftet. Ihre Trauer zeigte sie, in dem sie fortan schwarze Kleidung trug.

Am 3. Dezember 1894 wurde der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass nach dem Tod von Carl Anton Oscar Henschel nicht etwa sein Sohn, der zu dieser Zeit noch den Militärdienst leistete, die Firma Henschel und Sohn übernehmen sollte, sondern die Witwe Sophie Henschel. Fortan stand also eine Frau an der Spitze der "Henschelei".

In der herrschenden Männergesellschaft war das durchaus etwas Ungewöhnliches, was auch zunächst skeptisch betrachtet wurde, aber spätestens ein Vierteljahr nach dem Tod ihres Mannes war der Führungsanspruch seiner Witwe anerkannt. Je länger sie die Firma leitete, umso besser gingen die Geschäfte. So gut, dass zum 100. Geburtstag auch die Fertigstellung der 10.000 Lokomotive gefeiert werden konnte.

Sophie Henschel war keine Feministin, im Gegenteil war sie über Jahrzehnte auch Vorsitzende des konservativen Vaterländischen Frauenvereins. Sie wusste durchaus, was sich für eine Frau in ihren Zeiten gehörte. So konnte sie nicht einfach wie ein Mann jeden Tag in die Firma gehen, aber dann leitete sie die Firma eben von zu Hause aus. Jeden Tag kamen ihre Direktoren zum Tee oder zum Abendbrot und erstatteten Bericht. Dann gab sie ihre Anweisungen und entschied was zu tun war. Sie entschied sich gegen die Umwandlung der Firma in eine Aktiengesellschaft und für den Bau der Heizdampflokomotive. Sie hat ihr Management vergrößert und verjüngt und noch manch andere Entscheidung getroffen, die männlichen Konkurrenten Bewunderung abnötigten. Und sie hat ganz sicher gezeigt, dass Frauen in der Lage waren, über den Horizont "Kinder, Kirche, Küche" hinaus zudenken. Dabei hat sie sich auch immer sozial betätigt.

Sophie Henschel war eine der reichsten Frauen des Kaiserreiches und sie hat gern und ausgiebig Geld gespendet. Für die Umgestaltung des Weinberges, den Bau des Rot-Kreuz-Krankenhauses und die Oberkaufunger Lungenheilstätte, um nur einige Projekte zu nennen. Als Unternehmerin war sie sich stets ihrer Verantwortung für die Menschen, die für sie arbeiteten bewusst. Sie schuf Arbeiterwohnungen und gründete Berufsschulen. In ihrem Testament formulierte sie: "Ich habe Vertrauen zu meinem lieben Sohn, dass er die Fabrik nicht bloß als Mittel zum Gelderwerb ansehen wird, sondern dass er den Beamten und Arbeitern ein gerechter und wohlwollender Chef sein wird, der berechtigten Wünschen derselben zuvorkommt, damit wills Gott, das bisherige gute Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer fortbestehen bleibt."

Sophie Henschel starb am 5. Februar 1915 in Kassel. Und obwohl ihre unternehmerische Leistung ihresgleichen sucht, wurde sie in der Firmengeschichte und auch der lokalen Geschichtsschreibung lange Zeit zur Randfigur und oft nur noch im Zusammenhang mit ihrem Mann erwähnt. Erst in jüngster Zeit wird sie als eine der bedeutendsten, ja vielleicht die bedeutendste Unternehmerin Deutschlands, wiederentdeckt.

Noch im gleichen Jahr in dem sie starb, wird der Platz vor dem von ihr gestifteten Rot-Kreuz-Krankenhaus nach ihr Sophie-Henschel-Platz genannt. Er liegt in der Nähe des Wilhelmshöher Bahnhofs.

2004 wird das Institutsgebäude für Werkstofftechnik der Universität Kassel in der Mönchebergstraße 3 nach ihr "Sophie-Henschel-Haus" genannt.

siehe auch