Sichelbachteich: Unterschied zwischen den Versionen

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Einen Teichbauer und zwei Gehilfen ließ [[Landgraf Karl]] westlich des [[Oktogon|Oktogons]] ab 1696 arbeiten. Neun Jahre später war der Sichelbachteich fertig gestellt. Er liegt etwa auf halber Strecke zwischen [[Herkules]] und jener Wiese im [[Habichtswald]], in der das gesammelte Oberflächenwasser in ein Zuleitungsrohr fließt.
 
Einen Teichbauer und zwei Gehilfen ließ [[Landgraf Karl]] westlich des [[Oktogon|Oktogons]] ab 1696 arbeiten. Neun Jahre später war der Sichelbachteich fertig gestellt. Er liegt etwa auf halber Strecke zwischen [[Herkules]] und jener Wiese im [[Habichtswald]], in der das gesammelte Oberflächenwasser in ein Zuleitungsrohr fließt.
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Das geschlossene System unter der Wiese ist verzweigt. Über die Rohre im Untergrund kann das Wasser an unterschiedliche Stellen geleitet werden. Dazu muss man in einen Schacht steigen, der sich in der Mulde zwischen Vorwerk und Herkules befindet. Mittels Schiebern lässt sich das Wasser zum Feuerlöschteich lenken oder zum [[Sichelbachstollen]] und somit Richtung [[Unglücksteich]]. Der Stollen, ein gemauertes Bauwerk, ist im weiteren Verlauf bis zu sechs Meter tief unter der Erde, um ein stetiges Gefälle bis zum Unglücksteich zu erreichen. Sind beide Leitungen geschlossen, gibt es noch eine Verbindung Richtung Süden (Straße zum Herkules). Hierüber kann das Wasser in die [[Drusel (Fluss)|Drusel]] abgelassen werden. Oder Seidel lässt das Nass an die Oberfläche und in den Sichelbach spülen, der ebenfalls einen Zulauf in die Drusel hat. Verloren wäre das so umgeleitete Wasser für die Künste im [[Bergpark Wilhelmshöhe|Bergpark]] nicht.
 
Das geschlossene System unter der Wiese ist verzweigt. Über die Rohre im Untergrund kann das Wasser an unterschiedliche Stellen geleitet werden. Dazu muss man in einen Schacht steigen, der sich in der Mulde zwischen Vorwerk und Herkules befindet. Mittels Schiebern lässt sich das Wasser zum Feuerlöschteich lenken oder zum [[Sichelbachstollen]] und somit Richtung [[Unglücksteich]]. Der Stollen, ein gemauertes Bauwerk, ist im weiteren Verlauf bis zu sechs Meter tief unter der Erde, um ein stetiges Gefälle bis zum Unglücksteich zu erreichen. Sind beide Leitungen geschlossen, gibt es noch eine Verbindung Richtung Süden (Straße zum Herkules). Hierüber kann das Wasser in die [[Drusel (Fluss)|Drusel]] abgelassen werden. Oder Seidel lässt das Nass an die Oberfläche und in den Sichelbach spülen, der ebenfalls einen Zulauf in die Drusel hat. Verloren wäre das so umgeleitete Wasser für die Künste im [[Bergpark Wilhelmshöhe|Bergpark]] nicht.
  
Aber statt über die [[Kaskaden]] rinnt es dann über die romantischen [[Wasserkünste]], die mit [[Steinhöfer Wasserfall]] und [[Teufelsbrücke]] ab 1785 unter [[Landgraf Wilhelm IX.]] errichtet wurden. Diese werden aus dem [[Asch]] gespeist. Der Asch seinerseits bekommt Wasser aus der [[Zeche Herkules]] und über die Drusel. Der sichelförmige Verlauf des Baches zwischen Vorwerk und Herkules hat seinen Grund in der Topografie, dem nördlich und westlich der Sichel ansteigenden Gelände. Von dort zulaufendes Regenwasser soll der Sichelbach seit dem Bau der Kaskaden unter [[Landgraf Karl]] Ende des 17. Jahrhunderts für die [[Wasserkünste]] sammeln.
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Aber statt über die [[Kaskaden]] rinnt es dann über die romantischen [[Wasserkünste]], die mit [[Steinhöfer Wasserfall]] und [[Teufelsbrücke]] ab [[1785]] unter [[Kurfürst Wilhelm I.|Landgraf Wilhelm IX.]] errichtet wurden. Diese werden aus dem [[Asch]] gespeist. Der Asch seinerseits bekommt Wasser aus der [[Zeche Herkules]] und über die Drusel. Der sichelförmige Verlauf des Baches zwischen Vorwerk und Herkules hat seinen Grund in der Topografie, dem nördlich und westlich der Sichel ansteigenden Gelände. Von dort zulaufendes Regenwasser soll der Sichelbach seit dem Bau der Kaskaden unter [[Landgraf Karl]] Ende des 17. Jahrhunderts für die [[Wasserkünste]] sammeln.
  
 
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[[Kategorie:Bergpark Wilhelmshöhe]] [[Kategorie:Stadt Kassel]]

Version vom 11. April 2008, 14:37 Uhr

40.000 Kubikmeter Wasser im Sammelbecken

Einen Teichbauer und zwei Gehilfen ließ Landgraf Karl westlich des Oktogons ab 1696 arbeiten. Neun Jahre später war der Sichelbachteich fertig gestellt. Er liegt etwa auf halber Strecke zwischen Herkules und jener Wiese im Habichtswald, in der das gesammelte Oberflächenwasser in ein Zuleitungsrohr fließt.

Der Sichelbachteich ist das Reservoire der barocken Wasserkünste. Von drei Seiten mit einem künstlichen Wall, an einer Seite mit einer natürlichen Begrenzung versehen, werden in ihm bis zu 40 000 Kubikmeter Wasser gespeichert. Zum Vergleich: Rund 350 Kubikmeter werden zum Betreiben der barocken Wasserspiele, also der großen Kaskaden benötigt. Während der Saison von Juni bis Oktober finden die Wasserspiele gut 50 Mal statt. Ein voller Sichelbachteich würde somit ohne weiteren Zulauf über zwei Jahre ausreichendes Wasser liefern.

70 mal 90 m im Umfang ist der Teich, von der Krone gerechnet bis zu sieben Meter tief. Im Wasser tummeln sich laut Hermann Mielke von der Parkverwaltung Wilhelmshöhe Zander, Karpfen, Schleien oder auch Karauschen. Zusammen mit den Pflanzen wie verschiedenen Schilfsorten sollen sie das stehende Gewässer biologisch intakt halten. Schon die ursprüngliche Planung sah die Möglichkeit vor, den Teich komplett ablassen zu können. Das stellte die Parkverwaltung fest, als die Kaskaden Mitte der 90er-Jahre restauriert wurden, man also über einen längeren Zeitraum kein Wasser brauchte.

"Wir wollten sehen, wie weit der Sichelbachteich verschlammt ist und ob auch dort Sanierungsarbeiten anstehen", erinnert sich Mielke. Daher leerte man den Teich über einen in späterer Zeit installierten Ablauf und fand am Grund des Wasserspeichers erstaunlich wenig Schlamm und einen gemauerten Kanal mit Ablaufschacht.

Lernen mussten die Mitarbeiter laut Mielke am Objekt die Kunst und Funktionsweise des Deichbaus. So bekomme man einen künstlich errichteten Damm nicht ganz trocken, ein gewisser Wasserverlust ist also immer einzukalkulieren. Das durchsickernde Wasser sättigt den Damm, sorgt dafür, dass die Krone nicht austrocknet und brüchig wird. Andererseits macht es die angelegte Wand schwerer. Dadurch hält der Damm dem Druck des gespeicherten Wassers stand. Der verrohrte Zulauf aus dem Habichtswald wurde von der Schlossverwaltung am letzten Kontrollschacht so verändert, dass bei einem vollen Sichelbachteich überschüssiges Wasser in die Ahne geleitet wird. Zuvor muss sich auf der Gefällstrecke des Rohrsystems das Wasser 500 m zurückstauen, erst dann läuft in dem Schacht das Wasser über.

Der Sichelbachteich, der auch für das Vorwerk, den direkt angrenzenden landwirtschaftlichen Betrieb das Brauchwasser liefert, hat auch noch einen eigenen Überlauf, der kurz unterhalb der Dammkrone liegt.


Weitere Wassersammelstellen

Der Sichelbachteich ist mit seiner Speicherkapazität von 40 000 Kubikmetern das wichtigste Reservoir für die barocken Wasserkünste mit den großen Kaskaden. Auf dem Weg zu den Wassertreppen und kleinen Becken unterhalb des Herkules gibt es noch weitere Sammelstellen: den Feuerlöschteich und den Unglücksteich. Aus beiden wird das benötigte Wasser für den Lauf der Künste über zunächst getrennte Wege geleitet.

Den geregelten Nachschub bekommen beide Speicher aus dem Sichelbachteich. Am Fuße seines Damms Richtung Herkules liegt ein enger Schacht mit zwei Schiebern, also Sperren, die laut Dieter Seidel, bei der Bergparkverwaltung für die Wasserkünste zuständig, im Normalfall geöffnet sind. Mit dem einen Schieber kann die Rohrleitung hangabwärts Richtung Sichelbach geschlossen werden, sollten Probleme im Streckenabschnitt auftreten. Die andere Leitung mit dem zweiten Schieber versorgt das Vorwerk, Wohnhaus und Stallungen des landwirtschaftlichen Betriebes. Möglich wäre auch, das Wasser vom Sichelbachteich im offenen System, also über ein Bachbett in der westlich angrenzenden Wiese bis in den Sichelbach zu leiten. Über den erreicht das Wasser am Fuße der Senke, also dem Griff der Sichel einen gemauerten Stollen, der mit dem Unglücksteich verbunden ist, wie Seidel sagt. Der offene Weg" über die Wiese werde aber nicht genutzt, da der Wasserverlust zu hoch wäre.

Das geschlossene System unter der Wiese ist verzweigt. Über die Rohre im Untergrund kann das Wasser an unterschiedliche Stellen geleitet werden. Dazu muss man in einen Schacht steigen, der sich in der Mulde zwischen Vorwerk und Herkules befindet. Mittels Schiebern lässt sich das Wasser zum Feuerlöschteich lenken oder zum Sichelbachstollen und somit Richtung Unglücksteich. Der Stollen, ein gemauertes Bauwerk, ist im weiteren Verlauf bis zu sechs Meter tief unter der Erde, um ein stetiges Gefälle bis zum Unglücksteich zu erreichen. Sind beide Leitungen geschlossen, gibt es noch eine Verbindung Richtung Süden (Straße zum Herkules). Hierüber kann das Wasser in die Drusel abgelassen werden. Oder Seidel lässt das Nass an die Oberfläche und in den Sichelbach spülen, der ebenfalls einen Zulauf in die Drusel hat. Verloren wäre das so umgeleitete Wasser für die Künste im Bergpark nicht.

Aber statt über die Kaskaden rinnt es dann über die romantischen Wasserkünste, die mit Steinhöfer Wasserfall und Teufelsbrücke ab 1785 unter Landgraf Wilhelm IX. errichtet wurden. Diese werden aus dem Asch gespeist. Der Asch seinerseits bekommt Wasser aus der Zeche Herkules und über die Drusel. Der sichelförmige Verlauf des Baches zwischen Vorwerk und Herkules hat seinen Grund in der Topografie, dem nördlich und westlich der Sichel ansteigenden Gelände. Von dort zulaufendes Regenwasser soll der Sichelbach seit dem Bau der Kaskaden unter Landgraf Karl Ende des 17. Jahrhunderts für die Wasserkünste sammeln.