Schloss Wilhelmsthal

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schloss Wilhelmsthal - Parkseite

Schloss Wilhelmsthal ist ein Rokokoschloss auf dem Gemeindegebiet von Calden nahe der Stadt Kassel in Nordhessen.

Mitte des 18. Jahrhunderts als Sommerresidenz für den Landgrafen Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel erbaut, gehört es zu den bedeutensten Rokokoschlössern in Deutschland.

Geschichte

Das landgräfliche Schloss

Schloss Wilhelmsthal
(Foto: HNA-Fotograf Jochen Herzog)

Schon im Jahre 1634 führt von Calden der "burghweg" zur ehemaligen Wasserburg Amelgotzen, lange Zeit im Besitz der Familie von Schachten. Den ursprünglichen Gutshof, der schon in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts urkundlich erwähnt wurde und später Amelienthal hieß, erwarb im Jahre 1643 die damalige Landgräfin Amalie Elisabeth zusammen mit Gütern in Frankenhausen.

Nachdem zunächst ein Landsitz entstanden war, wurde unter Landgraf Wilhelm VIII. (1682 - 1760) um das Jahr 1743 mit dem Ausbau zu einem Schloss nach den Plänen von Francois de Cuvilliés d. Ä. begonnen.

Park und Schloss Wilhelmsthal ließ Wilhelm VIII. als Sommerresidenz, Lust- und Jagdschloss errichten.

Die Gartenanlage wurde als fächerförmiges Dreiachsensystem geplant und um das Jahr 1800 zu einem Landschaftspark weiterentwickelt, wobei auch ein gotisierender Aussichtsturm enstand. Aus der Anfangsphase ist heute nur noch die Grotte mit dem vorgelagerten Kanal erhalten.

Mit der Anlage des 30 Hektar großen Gartens entstand auch das dreiflügelige Schloss, dessen Fassaden bereits leichte Tendenzen des Klassizismus erkennen lassen und in dessen Zentrum sich ein grosser Ballsaal befindet, der über eine Freitreppe mit dem Landschaftsgarten verbunden ist.

Wilhelmsthal Schloss 2.jpg

Erst 1753 erhielt die Anlage den Namen Wilhelmsthal. Die Fertigstellung erlebte der Landgraf nicht mehr.

Zunächst wurde das nördliche Kavalierhaus gebaut, das später Küchenflügel genannt wurde. Dieser Trakt wurde 1749 vollendet. Mit dem Bau des südlichen Flügels wurde 1748 begonnen. 1753 wurde der Grundstein für den Mittelbau gelegt. Seine Fertigstellung ist auf das Jahr 1770 datiert. Ab dem Jahre 1756 übernahm Simon Louis du Ry die Bauführung und ließ auch die vorgelagerten Wachhäuser ergänzen.

In beiden Hauptgeschossen des Schlosses entstand die Wohnung für den Landgrafen. Im Erdgeschoss sind Vestibül und Speisesaal, im Obergeschoss Tanzsaal mit Vorraum untergebracht. Die Appartements bestehen aus Vorzimmer, Schlafzimmer, Kabinett, Garderode und Lakaienstübchen.

In der Landgrafenwohnung im Erdgeschoss befinden sich auch die Ahnengalerie und die Schönheitsgalerie mit zahlreichen Porträts von Johann Heinrich Tischbein dem Älteren.

Die Entwürfe für den Innenbereich des Schlosses gehen auf Cuvilliés zurück. Der Bildhauer Johann August Nahl (der Ältere) schuf kostbare Wandvertäfelungen und Stukkaturen.

In den Jahren 1796 bis 1813 wurde der Landschaftspark durch die Hofgärtner A. D. Schwarzkopf und C. F. Hentze angelegt.

Änderungen an Schloss und Parkanlage erfolgten unter den nachfolgenden Landgrafen.

Geheimnis hinter Büschen

Autorin: Antje Thon (aus: HNA vom 12.3.2007)

Wilhelmsthal Schloss 1.jpg
Wilhelmsthal Kanal 4.jpg

Wer durch den Rokokopark geht, hat nur Augen für die elegante Schönheit des Schlosses Wilhelmsthal. Und so bleibt der Blick verstellt für eine Anlage, die sich kaum 200 Meter entfernt von den Hauptgebäuden befindet: den Eiskeller. Dietmar Rittgerodt, stellvertretender Verwalter des Hauses, glaubt, dass sich die Menschen an wenigen Hände abzählen lassen, die um dieses hinter Büschen versteckten Geheimnisses wissen.

Ausstaffiert mit einer Taschenlampe marschiert Rittgerodt am Teich vorbei durch den Garten. Nach wenigen Schritten verlässt er den Weg und stakst über die nasse Wiese in Richtung einer dichten Wand aus Sträuchern. Vor einer Mauer aus mächtigen Steinblöcken bleibt er stehen und weist auf den Eingang. "Der Eiskeller, da sind wir." Er dreht den Schlüssel im Vorhängeschloss. Die schwere Holztür öffnet sich unter lautem Knarren.

Spinnweben hängen von der Decke, kleben an den Wänden. Ohne das Licht der Taschenlampe bliebe der Keller konturlos. Ein schmaler Gang führt in einen kreisrunden Raum von vielleicht sechs Metern Durchmesser, der sich wie unter einer Kuppel nach oben hin verjüngt. Unter der Decke befindet sich ein Schlitz. "Durch den wurde früher das Eis in den Keller geworfen", sagt Rittgerodt. In der Mitte des Bodens ist eine Vertiefung gearbeitet; Tauwasser konnte durch sie ablaufen.

Das Eis wurde im Winter aus dem Teich gesägt. Damit die Dienstboten Landgraf Friedrich II. auch im Sommer das Eis nutzen konnten, musste der Keller reichlich gefüllt sein mit Gefrorenem. Da das Anwesen vor allem auch als Jagdschloss diente, sei es naheliegend, dass die erlegten Tiere mit Eis gekühlt wurden, meint Rittgerodt.

Darüber hinaus erscheint ihm noch eine weitere Verwendung plausibel. Der Rokoko brachte eine Verfeinerung des gesamten höfischen Lebens mit sich. Die kultiviertere, leichtfüßigere Lebensgestaltung spiegelte sich auch auf der Speisekarte wider. Dem Dessert, so glaubt Rittgerodt, sei damals eine große Bedeutung zugekommen. Und wer Speiseeis herstellen wollte, benötigte dazu ein doppelwandiges Gefäß, in dessen Hohlraum zerstoßenes Eis und Salz gegeben wurde.

König Jérôme nutzte Schloss Wilhelmsthal bis ins Jahr 1812 während der Wintermonate. Danach fristete der Eiskeller ein Schattendasein und geriet zusehends in Vergessenheit.

Öffnungszeiten des Schlosses:

Das Schloss Wilhelmsthal bietet ganzjährig Führungen an. Von März bis Oktober ist es von 10 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen beginnen zu jeder vollen Stunde, die letzte um 16 Uhr. Von November bis Februar ist das Schloss von 10 bis 16 Uhr geöffnet, die letzte Führung beginnt um 15 Uhr. Montags ist Ruhetag. Schloss Wilhelmsthal, 34379 Calden, Tel. 05674/6898.

Die Rasenallee

Karte der Rasenallee.JPG

Schloss Wilhelmsthal ist mit Schloss Wilhelmshöhe in Kassel über die etwa 9 km lange Rasenallee fast geradlinig verbunden.

Angelegt wurde die Rasenallee im Jahre 1797 für Landgraf Wilhelm IX. (seit 1803 Kurfürst Wilhelm I.). Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein wurde diese historische Strasse Fürstenallee genannt. Leichte Kutschen im Sommer und Schlitten im Winter fuhren hier durch Feld und Wald, durch Täler und über Höhen.

Zwar wurde die Rasendecke im 19. Jahrhundert durch Schotter und Splitt und später natürlich durch Teer ersetzt, doch für Kraftfahrzeuge und fürs gemeine Volk war die Rasenallee trotzdem noch bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gesperrt. Auch den letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. führte zur Sommerzeit der morgendliche Ausritt manches Mal von Schloss Wilhelmshöhe nach Schloss Wilhelmsthal.

Quellen

  • HNA vom 12.3.2007: Geheimnis hinter Büschen (Autorin: Antje Thon)
  • Kreis Hofgeismar, Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen III, Marburg/ Lahn 1966, S. 68 ff.
  • Justus Schüler, Caldener Flurnamen, in: Heimatjahrbuch für den Kreis Hofgeismar 1968, S. 21 ff.

Fotogalerie

Die Schlacht bei Wilhelmsthal

Wilhelmsthal Allee.jpg
Märchenlandweg-Wilhelmsthal.JPG

Im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 kämpften die damaligen europäischen Großmächte mit Preußen und Großbritannien auf der einen Seite und Österreich, Frankreich, Russland auf der anderen Seite gegeneinander. Aber auch zahlreiche mittlere und kleine Staaten waren beteiligt, darunter auch die Landgrafschaft Hessen-Kassel.

Für viele Bewohner der Landgrafschaft brachte der Krieg erhebliche wirtschaftliche Schäden, besonders während des Stellungskriegs an der Diemel in den Jahren 1760-1762; hessische Truppen kämpften damals im Sold Englands gegen Frankreich.

Bekannt geworden ist die "Schlacht bei Wilhelmsthal"; die französische Armee wurde hier am 24. Juni 1762 geschlagen - ebenso bei der späteren Schlacht bei Lutternberg am 23. Juli 1762 - und zog sich aus Hessen zurück.

Im Küchenflügel des Schlosses kann man in einer Ausstellung von Dioramen mit Zinnsoldaten sehr anschaulich einige Schlachtsituationen nachvollziehen.

Die Geschichte des Tambours von Wilhelmsthal ist auf einer Tafel vor dem Haupteingang nachzulesen. Nach der Überlieferung stammte er aus Burguffeln, heute ein Stadtteil von Grebenstein. In der Schlacht bei Wilhelmsthal trommelte der junge, unerfahrene Tambour nicht das Kommando „zum Sammeln“ sondern „zum Sturm“, was letztlich zum Sieg über die französischen Truppen geführt haben soll.

Der Thiergarten

In einem Waldstück bei Wilhelmsthal befand sich der „Thiergarten“, ein ehemaliges Jagdgebiet der Landgrafen von Hessen-Kassel. Der Wald wurde hier als Hochwildgatter für die Parforcejagden genutzt und war damit vor Rodung geschützt.

Beeindruckend ist bis heute die Artenvielfalt und die Vielzahl prächtiger Buchen in dem Wald bei Wilhelmsthal.

siehe auch

Wandern

Über Schloss Wilhelmsthal nach Harleshausen

Ein Wandervorschlag des Deutschen Alpenvereins, Sektion Kassel

Weimar liegt im Kassel Plus-Bereich. Vom Bahnhof gehen wir zur Straße und überqueren sie rechts bei der Fußgängerampel. Uns etwas rechts haltend, gehen wir nach links in den Fußweg hinein, der uns von der Straße weg führt. Am Querweg wenden wir uns nach rechts, wandern am alten Backofen vorbei, in Richtung Kirche.

Wilhelmsthal Schloss 4.jpg

Kurz vor dieser suchen wir die Wilhelmsthaler Straße, auf der wir geradeaus weiterwandern, als Wanderweg mit einer gelben W 8 und als Radweg gezeichnet. Nach Überqueren der Straßenbrücke kommen wir an eine Querstraße, der wir nach links folgen. Doch gleich wandern wir wieder nach rechts auf der Teerstraße bergauf, wobei wir uns am nächsten Abzweig links halten. Durch das Feld kommen wir zum Wald und wandern am Waldrand entlang zum Lindenrondell. Jetzt achten wir auf das weiße Viereck, das uns nach rechts in die Allee hinein zum Schloss Wilhelmsthal bringt.

Die Wanderzeichen führen um den Schlosspark herum. Wir nutzen jedoch den Weg durch den Park. An den Wasserspielen vorbei erreichen wir am Ende des Parks ein großes Holztor, durch das wir den Park verlassen. Wir wenden uns nach rechts und finden vor der Straße unser Wanderzeichen wieder, das gleich über die Straße führt. Immer dem Viereck folgend, geht es auf matschigem Weg bergauf. Oben wandern wir kurz bergab und gehen mit dem Zeichen Viereck nach rechts in einen bergab führenden Weg. Erst durch den Wald, dann am Waldrand entlang, erreichen wir Heckershausen. Den Ort müssen wir, dem Wanderzeichen folgend, Richtung Bahnhof durchqueren. Unter der Bahnlinie hindurch wandern wir auf einem Teerweg bergauf. Dann wendet sich unser Wanderweg nach links, führt auf einem Rasenweg weiter und strebt nach einer kleinen Senke zum Wald, wo wir bergauf wandern. Dann treffen wir auf einen breiten Querweg und das von rechts kommende gedrehte T, dem wir nach links folgen. An der Ecke einige Richtungsschilder.

An der Firnskuppe vorbei achten wir auf den Abzweig unseres Zeichens in einen Weg nach rechts und wandern bergab nach Harleshausen.

Deutscher Alpenverein: Dietmar Broschinski, Telefon 0 56 65-36 40. Wanderungen alle 14 Tage, sonntags.

Von der Hessenschanze bis nach Mönchehof

Ein Wandervorschlag von den Naturfreunden Kassel

Wandertipp

Unsere Wanderung führt uns von der Hessenschanze über Schloss Wilhelmsthal nach Mönchehof.

Ausgangspunkt ist die Straßenbahnendstation Hessenschanze. An der dortigen Wandertafel orientieren wir uns: Der Markierung F folgen wir bis zur Rasenallee, wir queren diese und wechseln nach etwa 1,5 km nach rechts auf den Weg mit der Markierung g. Auf diesem Pfad wird das Erlenloch links passiert und wenig später das gleichnamige Gasthaus erreicht.

Hier biegt der Weg mit der Markierung lä scharf nach rechts ab, auf breitem Waldweg geht es leicht abwärts, und erneut kommen wir zur Rasenallee. Nach Queren der Rasenallee und des Wanderparkplatzes Firnskuppe setzen wir auf dem Weg mit der Kennzeichnung r die Wanderung fort.

Der nun folgende Pfad führt durch den Wald, erreicht nach ca. 700 m offenes Gelände, und wir sehen Heckershausen vor uns liegen. Gleichzeitig eröffnet sich ein weiter Blick nach Osten mit Vellmar im Vordergrund.

Am Ortsrand von Heckershausen wird die Bahnlinie unterquert, auf der Bahnhofstraße kommen wir in die Ortsmitte. Hier nach links schwenkend geht es auf der Hauptstraße weiter.

Vor dem Gasthaus „Zum Stahlberg“ führt unser Wanderweg nun wieder mit der Markierung l nach rechts und überquert wenig später die Ahne.

Auf der Schuhkaufstraße wird der Ort verlassen. Auf diesem Streckenabschnitt begegnen uns nun mehrere Hinweistafeln, die auf historische oder landschaftliche Besonderheiten aufmerksam machen.

Mäßig ansteigend wandern wir am Hang des Staufenbergs (351 m) entlang. Unsere Markierung verlässt auf der Höhe den zunächst breiteren Forstweg, geht in einen schmalen Pfad über, und wir kommen zur Straße beim Schloss Wilhelmsthal.

Nach dem Besuch des Schlosses setzen wir hier die Wanderung fort und werden mit der Markierung weißer Punkt zur Überführung der Bundesstraße 7 / Schäferberg geleitet.

Wir überqueren die B 7, verlassen die Markierung und wandern auf dem Weimarer Weg nach Mönchehof hinein, wo wir beim Bahnhof die Tour beenden.

Naturfreunde, Ortsgruppe Kassel: Peter Habermann, Telefon 05 61-82 19 18, Fax: 05 61-51 33 70. Aktuelle Wanderangebote der Woche dienstags in der Rubrik „Vereine“.

Weblinks

Wilhelmsthal Kanal 1.jpg