Schloss Wilhelmsthal

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Schloss Wilhelmsthal

Schloss Wilhelmsthal ist ein Rokokoschloss auf dem Gemeindegebiet von Calden nahe der Stadt Kassel in Nordhessen. Mitte des 18. Jahrhunderts als Sommerresidenz für den Landgrafen Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel erbaut, gehört es zu den bedeutensten Rokokoschlössern in Deutschland.

Geheimnis hinter Büschen

Wer durch den Rokokopark geht, hat nur Augen für die elegante Schönheit des Schlosses Wilhelmsthal. Und so bleibt der Blick verstellt für eine Anlage, die sich kaum 200 Meter entfernt von den Hauptgebäuden befindet: den Eiskeller. Dietmar Rittgerodt, stellvertretender Verwalter des Hauses, glaubt, dass sich die Menschen an wenigen Hände abzählen lassen, die um dieses hinter Büschen versteckten Geheimnisses wissen.

Ausstaffiert mit einer Taschenlampe marschiert Rittgerodt am Teich vorbei durch den Garten. Nach wenigen Schritten verlässt er den Weg und stakst über die nasse Wiese in Richtung einer dichten Wand aus Sträuchern. Vor einer Mauer aus mächtigen Steinblöcken bleibt er stehen und weist auf den Eingang. "Der Eiskeller, da sind wir." Er dreht den Schlüssel im Vorhängeschloss. Die schwere Holztür öffnet sich unter lautem Knarren.

Spinnweben hängen von der Decke, kleben an den Wänden. Ohne das Licht der Taschenlampe bliebe der Keller konturlos. Ein schmaler Gang führt in einen kreisrunden Raum von vielleicht sechs Metern Durchmesser, der sich wie unter einer Kuppel nach oben hin verjüngt. Unter der Decke befindet sich ein Schlitz. "Durch den wurde früher das Eis in den Keller geworfen", sagt Rittgerodt. In der Mitte des Bodens ist eine Vertiefung gearbeitet; Tauwasser konnte durch sie ablaufen.

Das Eis wurde im Winter aus dem Teich gesägt. Damit die Dienstboten Landgraf Friedrich II. auch im Sommer das Eis nutzen konnten, musste der Keller reichlich gefüllt sein mit Gefrorenem. Da das Anwesen vor allem auch als Jagdschloss diente, sei es naheliegend, dass die erlegten Tiere mit Eis gekühlt wurden, meint Rittgerodt.

Darüber hinaus erscheint ihm noch eine weitere Verwendung plausibel. Der Rokoko brachte eine Verfeinerung des gesamten höfischen Lebens mit sich. Die kultiviertere, leichtfüßigere Lebensgestaltung spiegelte sich auch auf der Speisekarte wider. Dem Dessert, so glaubt Rittgerodt, sei damals eine große Bedeutung zugekommen. Und wer Speiseeis herstellen wollte, benötigte dazu ein doppelwandiges Gefäß, in dessen Hohlraum zerstoßenes Eis und Salz gegeben wurde.

König Jérôme nutzte Schloss Wilhelmsthal bis ins Jahr 1812 während der Wintermonate. Danach fristete der Eiskeller ein Schattendasein und geriet zusehends in Vergessenheit.

Geschichte

Den ursprünglichen Gutshof erwarb im Jahre 1643 die damalige Landgräfin Amalie Elisabeth zusammen mit Gütern in Frankenhausen von der Familie von Schachten. Nachdem zunächst ein Landsitz entstanden war, wurde unter Landgraf Wilhelm VIII. um 1743 mit dem Ausbau zu einem Schloss nach den Plänen von Francois de Cuvillies d. Ä. begonnen. Park und Schloss Wilhelmsthal ließ Landgraf Wilhelm VIII (1682 - 1760), ab 1743 als Sommerresidenz, Lust- und Jagdschloss errichten. Die Fertigstellung aber erlebte er nicht.

Schon im Jahre 1634 führt von Calden der "burghweg" zur ehemaligen Wasserburg Amelgotzen (später Amelienthal), zeitweilig im Besitz der Herren von Schachten, ab 1643 dann im Besitz der Landgräfin Amalie Elisabeth. Erst 1753 erhält die Anlage den Namen Wilhelmsthal. Mit der Anlage des 30 Hektar großen Gartens entstand auch das dreiflügelige Schloss.

Zunächst wurde das nördliche Kavalierhaus gebaut, das später Kirchenflügel genannt wurde. Dieser Trakt wurde 1749 vollendet. Mit dem Bau des südlichen Flügels wurde 1748 begonnen. 1753 wurde der Grundstein für den Mittelbau gelegt. Seine Fertigstellung ist auf das Jahr 1770 datiert. In beiden Hauptgeschossen befindet sich eine Wohnung mit fünf Zimmern. Im Erdgeschoss sind Vestibül und Speisesaal, im Obergeschoss Tanzsaal mit Vorraum. Die Appartements bestehen aus Vorzimmer, Schlafzimmer, Kabinett, Garderode und Lakaienstübchen. In der Landgrafenwohnung im Erdgeschoss befinden sich Schönheitsgalerie und Ahnengalerie.

Rasenallee

Karte der Rasenallee

Schloss Wilhelmsthal ist mit Schloss Wilhelmshöhe in Kassel über die etwa 9 km lange Rasenallee fast geradlinig verbunden.

Angelegt wurde die Rasenallee im Jahre 1797 für Kurfürst Wilhelm I.. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein wurde diese historische Strasse Fürstenallee genannt. Leichte Kutschen im Sommer und Schlitten im Winter fuhren hier durch Feld und Wald, durch Täler und über Höhen.

Öffnungszeiten des Schlosses

Das Schloss Wilhelmsthal bietet ganzjährig Führungen an. Von März bis Oktober ist es von 10 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen beginnen zu jeder vollen Stunde, die letzte um 16 Uhr. Von November bis Februar ist das Schloss von 10 bis 16 Uhr geöffnet, die letzte Führung beginnt um 15 Uhr. Montags ist Ruhetag. Schloss Wilhelmsthal, 34379 Calden, Tel. 05674/6898.

siehe auch

Quellen

  • HNA vom 12.3.2007: Geheimnis hinter Büschen (Autorin: Antje Thon)
  • Kreis Hofgeismar, Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen III, Marburg/ Lahn 1966, S. 68 ff.
  • Justus Schüler, Caldener Flurnamen, in: Heimatjahrbuch für den Kreis Hofgeismar 1968, S. 21 ff.

Wandern

Über Schloss Wilhelmsthal nach Harleshausen

Ein Wandervorschlag des Deutschen Alpenvereins, Sektion Kassel

Wandertipp

Weimar liegt im Kassel Plus-Bereich. Vom Bahnhof gehen wir zur Straße und überqueren sie rechts bei der Fußgängerampel. Uns etwas rechts haltend, gehen wir nach links in den Fußweg hinein, der uns von der Straße weg führt. Am Querweg wenden wir uns nach rechts, wandern am alten Backofen vorbei, in Richtung Kirche.

Kurz vor dieser suchen wir die Wilhelmsthaler Straße, auf der wir geradeaus weiterwandern, als Wanderweg mit einer gelben W 8 und als Radweg gezeichnet. Nach Überqueren der Straßenbrücke kommen wir an eine Querstraße, der wir nach links folgen. Doch gleich wandern wir wieder nach rechts auf der Teerstraße bergauf, wobei wir uns am nächsten Abzweig links halten. Durch das Feld kommen wir zum Wald und wandern am Waldrand entlang zum Lindenrondell. Jetzt achten wir auf das weiße Viereck, das uns nach rechts in die Allee hinein zum Schloss Wilhelmsthal bringt.

Die Wanderzeichen führen um den Schlosspark herum. Wir nutzen jedoch den Weg durch den Park. An den Wasserspielen vorbei erreichen wir am Ende des Parks ein großes Holztor, durch das wir den Park verlassen. Wir wenden uns nach rechts und finden vor der Straße unser Wanderzeichen wieder, das gleich über die Straße führt. Immer dem Viereck folgend, geht es auf matschigem Weg bergauf. Oben wandern wir kurz bergab und gehen mit dem Zeichen Viereck nach rechts in einen bergab führenden Weg. Erst durch den Wald, dann am Waldrand entlang, erreichen wir Heckershausen. Den Ort müssen wir, dem Wanderzeichen folgend, Richtung Bahnhof durchqueren. Unter der Bahnlinie hindurch wandern wir auf einem Teerweg bergauf. Dann wendet sich unser Wanderweg nach links, führt auf einem Rasenweg weiter und strebt nach einer kleinen Senke zum Wald, wo wir bergauf wandern. Dann treffen wir auf einen breiten Querweg und das von rechts kommende gedrehte T, dem wir nach links folgen. An der Ecke einige Richtungsschilder.

An der Firnskuppe vorbei achten wir auf den Abzweig unseres Zeichens in einen Weg nach rechts und wandern bergab nach Harleshausen.

Deutscher Alpenverein: Dietmar Broschinski, Telefon 0 56 65-36 40. Wanderungen alle 14 Tage, sonntags.

Weblinks