Schlagd

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Uralter Uferstreifen: Diese Aufnahme der Schlagd zwischen Fuldabrücke und Renthof ist um 1913/14 entstanden. Von diesem alten Umschlagplatz für Güter, die mit Lastkähnen über die Fulda kamen und in die Stadt gebracht wurden, starten heute Ausflugsschiffe ins Fuldatal. Foto: Stadtarchiv/nh
Die Schlagd. Was für ein komischer Name. Mit Schlaggen hat das nichts zu tun. Das sind Kassels Suffköppe mit den Initialen E und K. Die Schlagd ist auch viel älter. So alt wie die Stadt, die Ende des 12. Jahrhunderts entstanden ist. Und seit damals gibt es auch diesen mit Sandsteinen gepflasterten Uferstreifen an der Fulda. Als Zoll- und Umschlagplatz für die Schifffahrt. Wo heute noch Ausflugsdampfer an- und ins Fuldatal ablegen, brachten bis vor Jahrzehnten noch Lastkähne Kies, Sand, Holz und andere Güter unter der Fuldabrücke hindurch an die Ufermauern der flussabwärts neben dem Fuldahafen gelegenen Schlagd. Noch 1962 fuhren von dort pausenlos Bagger und Laster mit Baumaterial in die Stadt.

Die Schlagd ist ein stadtgeschichtliches Kulturdenkmal. Im Süden begrenzt vom Rondell, jenem einzig erhaltenen Teil der ursprünglich aus vier Eckbastionen bestehenden Befestigung des Landgrafenschlosses, das sich hier hoch über der Fulda erhob und in dem seit 1277 die hessischen Fürsten residierten. Gleich daneben der zwischen 1616 und 1618 aus einem Karmeliterkloster entstandene Renthof mit der Brüderkirche im Rücken. Die nördliche Grenze der Schlagd markierte früher das alte Salzhaus und im Anschluss das mal als Zuchthaus und mal als Erziehungsanstalt genutzte Karlshospital aus dem 18. Jahrhundert. Heute eine Ruine, aber ganz aktuell mit Aussicht auf einen Wiederaufbau.

Schlagd grafik.png
Am nördlichen Ende von Stein- und Holz-Schlagd, getrennt vermutlich durch die jeweilige Fuldabrücke, stand seit dem 15. Jahrhundert und noch bis 1909 Kassels „Hochzeitshaus“. Ein Stadtbau, in dem man zwar nicht heiraten, wohl aber seine Trauung gebührend feiern konnte. Denn hier gab es Säle für Festlichkeiten aller Art. Das Haus, das sich auf dem Gelände des alten Polizeigebäudes am Altmarkt befand, diente den Kasselern über Jahrhunderte für Familienfeste und kulturelle Ereignisse. Vergleichbar der späteren Stadthalle. 1909 musste das uralte Gemäuer dem Bau der neuen und nur noch einbogigen Fuldabrücke weichen.

Schlagd ist übrigens keine nur in Kassel übliche Bezeichnung. Die Namen Schlagd, Schlagde, Schlachte oder Schlagte finden sich auch in Hann. Münden, Bad Karlshafen, Minden, Nienburg, Bremen, Celle und Hameln. Die Deutungsversuche zum Ursprung des Wortes gehen in unterschiedliche Richtungen: Mal ist nur vom Umschlagplatz für Schiffsladungen die Rede, dann von Schlachtgeld oder Schlagtgeld als Abgabe an die fürstliche Kanzlei zur Instandhaltung der Uferwehre oder von begehbaren Uferrändern und alten Wasserkajen.

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