Rothenditmold: Unterschied zwischen den Versionen

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Bereits 1893 wurde die [[Kirche Rothenditmold|evangelische Gemeinde]] vom Kirchspiel [[Kirchditmold]] unabhängig und plante sogleich eine eigene [[Kirche Rothenditmold|Kirche]]. 1896 wurde deren Einweihung gefeiert.
 
Bereits 1893 wurde die [[Kirche Rothenditmold|evangelische Gemeinde]] vom Kirchspiel [[Kirchditmold]] unabhängig und plante sogleich eine eigene [[Kirche Rothenditmold|Kirche]]. 1896 wurde deren Einweihung gefeiert.
  
Die ausgediente Kapelle von 1594 nutzte fortan die katholische Gemeinde, die seit 1907 auf dem Rothenberg und der Pfarrkirche St. Josph neben dem Marienkrankenhaus zu Hause ist. Ältere Rothenditmolder trauern dem Kleinod noch nach, das 1954 abgerissen werden musste. Zwischenzeitlich hatte das Gebäude als Pferdestall und Schusterwerkstatt gedient.
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Die ausgediente Kapelle von 1594 nutzte fortan die katholische Gemeinde, die seit 1907 auf dem Rothenberg und der Pfarrkirche [[St. Joseph|St._Joseph]] neben dem Marienkrankenhaus zu Hause ist. Ältere Rothenditmolder trauern dem Kleinod noch nach, das 1954 abgerissen werden musste. Zwischenzeitlich hatte das Gebäude als Pferdestall und Schusterwerkstatt gedient.
  
 
=== Kommode und Rothenbergsiedlung ===
 
=== Kommode und Rothenbergsiedlung ===

Version vom 27. Oktober 2008, 21:06 Uhr

Zissel Festumzug 2007
Pääre-Schwänze Kassel 1949 (e.V.)
(siehe: Spitznamen der Stadtteile
Rothenditmold = De Pääre Schwänze (Pferdeschwänze) genannt.)

Rothenditmold ist ein traditionsreicher Industriestandort und seit 1906 ein Stadtteil von Kassel.

Wohngebiete befinden sich insbesondere im ehemals dörflichen Ortskern, in der denkmalgeschützten Rothenbergsiedlung und entlang der Wolfhager Straße. Aber etwa zur Hälfte besteht die Fläche des Stadtteils aus Betriebsanlagen und Gewerbegebieten.

Geschichte

Äppelallee gibt’s nicht mehr

Seit 1906 ist Rothenditmold ein Stadtteil Kassels

Die Brandaustraße hieß Bahnhofsstraße, die Philippistraße war der Müllerweg, die Naumburger Straße hieß Neue Straße, und die Maybachstraße war die Äppelallee: Vor der Eingemeindung am 1. April 1906 war in Rothenditmold einiges anders. So gab es beispielsweise eine Schulpflicht, in Kassel aber nicht.

Das Vermögen gering, die Schulden hoch. Wirtschaftlich stand Rothenditmold trotz vier Fabriken nicht eben gut da. Dass es mit der Firma Henschel und Sohn indes erheblich bergauf gehen sollte, zeichnete sich ab. Die Stadt Cassel hatte also einigen Grund, die Eingemeindung voranzutreiben.

Das zwischen Angersbach und Döllbachaue gelegene Dorf wuchs in den Gründerjahren zu einem Industriestandort heran. Seit 1845 fahren hier die ersten Eisenbahnzüge. 1876 entstehen der Rangierbahnhof und das Eisenbahnausbesserungswerk im Westen, gleichzeitig wurde im Osten der Unterstadtbahnhof gebaut. Die Schiene ist die Voraussetzung für große Industrieanlagen von Henschel und Wegmann.

Radfahrer-Club Rothenditmold

Der letzte Bürgermeister von Rothenditmold ist der Bäckermeister Heinrich Wiegand. Er räumte 1906 seine Amtsstube an der Wolfhager Straße. Kassel und das Dorf Rothenditmold sind bis auf 60 Meter zusammengewachsen. Für eine Vereinigung mit der Stadt sprach auch der seit 1900 vorhandene Straßenbahnanschluß.

Mit in die Ehe brachte Rothenditmold damals 60 Handwerksbetriebe, 42 Gaststätten, sechs Bauernhöfe und 5500 Einwohner in 250 Häusern. 500 Meter Kanal gab es unter der Wolfhager Straße bereits, die Gemeinde hatte dennoch Sorge vor den Kosten, die weitere Kanäle mit sich gebracht hätten. Denn der Anschluss an die Kanalisation musste aus eigener Tasche bezahlt werden. Sicher auch ein Grund für die Eingemeindung. Der wirtschaftliche Aufschwung war erst mit Henschel und Sohn (1871) einige Jahre zuvor gekommen. Hunderte Jahre war Rothenditmold lediglich ein kleines Bauerndorf mit wenigen Einwohnern gewesen.

Doch ganz so glücklich waren die Rothenditmolder mit der Fusion nicht. So beklagte der Bürgerverein anläßlich seines 25jährigen Bestehens im Jahre 1931: "Wir verloren 1906 unseren besten Wegbereiter, unsere Gemeindeverwaltung. Deswegen können wir heute nicht feiern und uns noch weniger freuen."

Das hätte man auch anders sehen können: Denn nach der Fusion ging es zügig voran mit der Kanalisation und auch mit dem Wohnungsbau.

Henschel und Sohn

Im Jahre 1910 herrscht Frieden im Land und das schon geraume Zeit. Die gesellschaftliche und die wirtschaftliche Entwicklung schreiten voran. Auch in Kassel profitieren die Menschen von den positiven Rahmenbedingungen. Herausragendes Beispiel: die Firma "Henschel und Sohn". Die gelangte mit ihren Werken am Möncheberg und in Rothenditmold an die Spitze des europäischen Lokomotivbaus. Ein Indiz für die gestiegene Leistungsfähigkeit: seit 1900 wuchs die Zahl der Werksangehörigen von 2220 auf 6149.

Im August 1910 gibt es Anlaß zur Freude. Das Familienunternehmen in der fünften Generation besteht seit 100 Jahren, und die 10000. Lok verläßt die Werkshallen. "Aus den kleinsten Anfängen hat es sich zu dem größten Werk seines Industriezweiges in Europa entwickelt", heißt es in der 147 Seiten dicken, großformatigen Festschrift.

Kirchengemeinden

Bereits 1893 wurde die evangelische Gemeinde vom Kirchspiel Kirchditmold unabhängig und plante sogleich eine eigene Kirche. 1896 wurde deren Einweihung gefeiert.

Die ausgediente Kapelle von 1594 nutzte fortan die katholische Gemeinde, die seit 1907 auf dem Rothenberg und der Pfarrkirche St._Joseph neben dem Marienkrankenhaus zu Hause ist. Ältere Rothenditmolder trauern dem Kleinod noch nach, das 1954 abgerissen werden musste. Zwischenzeitlich hatte das Gebäude als Pferdestall und Schusterwerkstatt gedient.

Kommode und Rothenbergsiedlung

Nicht mehr erhalten ist die "Kommode": die Gastwirtschaft an der Wolfhager Straße war für ihre üppigen Mahlzeiten und die dick belegten Wecken bekannt und beliebt. 1943 wird sie ebenso wie die letzten sechs Bauernhöfe Rothenditmolds zerstört.

Weit über die Grenzen Rothenditmolds und Kassels hinaus machte die Rothenbergsiedlung Furore. Architekt Otto Haesler entwirft im Bauhausstil Wohnungen für arme Familien. Es sollen 2500 Einheiten entstehen. In der Weimarer Republik geplant und in Auftrag gegeben, lehnten die 1933 an die Macht gelangten Nationalsozialisten den Bau ab. Zu diesem Zeitpunkt waren nur 207 Wohnungen fertig.

Die heute denkmalgeschützte Rothenbergsiedlung bot für die Arbeiter unter damaligen Verhältnissen viel Komfort und ist als architektonische Meisterleistung bis heute bekannt. In den 1970er-Jahren wurde die Siedlung umsichtig renoviert.

Daten der Rothenditmolder Geschichte

  • 1219 Roden-Ditmelle wird erstmals urkundlich erwähnt. Doch haben sich bereits im 6. und 7. Jahrhundert Einwohner der Marktgenossenschaft Dithmelle (Kirchditmold) in einer neuen Siedlung niedergelassen.
  • 1594 Die Alte Kapelle an der Vellmarer Straße wird eingeweiht.
  • 1618 Bis zum Dreißigjährigen Krieg verläuft das Leben der Gemeinde ohne nennenswerte Ereignisse. Während des Krieges (bis 1648) können die Felder kaum bestellt werden, die Menschen leiden Hunger.
  • 1757 Die Franzosen besetzen Kassel. Auch Rothenditmold wird in die Kriegswirren verwickelt.
  • 1837 An der Maibreite entsteht die erste Schule.
  • 1858 Rothenditmold zählt 486 Einwohner.
  • 1870 Bei Henschel und Sohn werden Lokomotiven und andere Fahrzeuge gebaut.
  • 1871 In nur 13 Jahren wächst die Einwohnerzahl auf 1279.
  • 1871 Der Vorläufer von Wegmann, Sehte und Kribben, nimmt seinen Betrieb auf. Güter- und Personenwaggons werden produziert.
  • 1876 Der Wendepunkt in Rothenditmold: Der Ort wird an die Eisenbahn angeschlossen.
  • 1882 In der Casseler Aktiengesellschaft wird gesponnen. Im gleichen Jahr wir die Schöfferhofbrauerei gebaut.
  • 1895 Die Kesselschmiede von Henschel entsteht.
  • 1887 Gründung des Turnvereins Rothenditmold (Turngemeinde Rothenditmold 1887 e.V.)
  • 1896 Die evangelische Kirche wird eingeweiht.
  • 1906 Eingemeindung und Anschluss an Cassel mit 5500 Einwohnern.
  • 1907 Weihe der Kirche St. Joseph auf dem Rothenberg.

Kirchen

siehe auch

Weblinks



Kassels Stadtteile

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