Ray Binder

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Schon seit vielen Jahren ist Reinhold (“Ray”) Binder als Gitarrist in Sachen Rock´n Roll und Rhythm & Blues in der Region unterwegs.

Lange zurück liegt inzwischen der ersten große Auftritt mit der Formation "Rolling Beats" bei der Kasseler Beat-Band-Battle-Night in 1964 in der Stadthalle Kassel. Und auch das Jubiläumskonzert zum 45-jährigen Bühnenjubiläum fand bereits am 18.8.06 im Löwenhof in Lohfelden bei Kassel statt.

Artikel von Axel Schwarz in HNA-online vom 12.10.2009

Ein Rocker zieht seine Bilanz

Ray Binder hat ein Buch über 50 Jahre Musikszene in Nordhessen geschrieben

Hofgeismar/ Melsungen. Eigentlich hatte er sich einen Chemiebaukasten gewünscht. Als der 15-jährige Reinhold Binder 1959 statt dessen aber eine Westerngitarre unterm Weihnachtsbaum in Hofgeismar fand, war der musikalische Weg vorgezeichnet: Seit 50 Jahren ist Bluesrocker Ray Binder eine Institution auf den Bühnen und in der Musikerszene Nordhessens.

An die 100 Konzerte gibt der 64-Jährige jedes Jahr. Da hat man eine Menge zu erzählen. Das tut der Melsunger jetzt in Buchform auf 80 Seiten: Der Wartberg-Verlag hat unter dem Titel "Rock'n'Roll und Gänseblümchen" Ray Binders Lebenserinnerungen herausgegeben. In 50 kurzen Kapiteln werden die 50 Musikerjahre des Urgesteins an der Gitarre ausgebreitet.

Das Buch ist mehr als nur eine Rückschau auf ein Rockerleben geworden. Es bietet zugleich jede Menge nostalgischen Lesestoff für eine ganze Genereration von Musikfans, die in der wilden Beat-Epoche der Sechziger und frühen Siebziger durch Nordhessens Clubs gezogen sind, im Garagen-Übungsraum den Stones und den Beatles nacheiferten und denen im gesetzteren Alter das Herz aufgeht, wenn jemand im schummrigen Kneipenlicht die E-Gitarre einstöpselt und sich bei Lynyrd Skynyrds "Sweet Home Alabama" in ein Saiten-Solo hineinkniet.

Vergessene Namen
Begonnen hatte alles in Szeneläden wie "Bei Jeannette" und dem Club 21 in Kassel, dem Fritzlarer "Klimperkasten" und dem "Grünen Baum" in Immenhausen - Namen, die heute fast in Vergessenheit geraten sind wie Binders bürgerlicher Vorname. Seit er als Jüngling auf dem Schulklavier "What'd I Say" von Ray Charles intonierte, hat er seinen Rock'n'Roll-Kampfnamen weg. Dass Binder außerdem den Beinamen "Swami Karmaleshwar" (Gott der Lotosblume) verpasst bekam, geht auf eine Indien-Reise in den späten Siebzigern zum spitituellen Lehrmeister Bhagwan Sri Rajneesh zurück.

Auch Nachdenkliches, ganz Privates und Berichte über Lebenskrisen finden sich zwischen all den Erzählungen aus der wilden Beat-Zeit, der Bluesrock-Szene und ihren Bands: The New Beat Stompers, The Chosen Few, Knife Edge und weitere frühere Binder-Formationen leben in dem 80-Seiten-Band wieder auf und geben Generationsgenossen Nahrung, sich an ihre eigenen wilden Zeiten zu erinnern.

Räucherstäbchen für Partys
Etwa an die späten Sechziger, als Räucherstäbchen für stilechte Flower-Power-Partys aus Frankfurt herangeschafft werden mussten, weil die damals laut Binder in Nordhessen nicht erhältlich waren. Oder an die Terroristen-Hysterie der Siebziger: Binder, Spross eines Hofgeismarer Autohauses und Motorsportler, war damals - wie Andreas Baader - in einem Porsche 911 unterwegs. Bei einer Polizeikontrolle fand sich der Rocker unversehens in Handschellen wieder, da man in Rays Gitarrenkoffer auf dem Notsitz Waffen vermutete. Viele Anekdoten der Art, Begegnungen mit Stars und Aktiven der Region ergeben eine Rückschau auf musikbegeisterte Jahre. Für viele Leser des Buchs wird es Anlass sein, in die eigene Biographie zurückzublicken. Autor Ray Binder ist immer noch in Sachen Rock und Blues unterwegs.


Ray Binder: Rock'n'Roll und Gänseblümchen, Wartberg-Verlag 2009

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