Rasenallee: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Rasenallee hat aber nicht nur adelige Reiter, sondern auch eine kleine Revolution erlebt: 1978 zogen Mädchen in das 1950 für heimat- und elternlose Lehrjungen an der Rasenallee gebaute Jugendwohnheim der Stadt Kassel. Mädchen und Jungen unter einem Dach, unter dem Lehrlinge zu „charaktervollen und tüchtigen Männern“ erzogen werden sollten. 1995 wurden die Jugendlichen auf andere Einrichtungen der Stadt verteilt. Das Haus an der Rasenallee beherbergt heute die [[Montessori-Schule]].
 
Die Rasenallee hat aber nicht nur adelige Reiter, sondern auch eine kleine Revolution erlebt: 1978 zogen Mädchen in das 1950 für heimat- und elternlose Lehrjungen an der Rasenallee gebaute Jugendwohnheim der Stadt Kassel. Mädchen und Jungen unter einem Dach, unter dem Lehrlinge zu „charaktervollen und tüchtigen Männern“ erzogen werden sollten. 1995 wurden die Jugendlichen auf andere Einrichtungen der Stadt verteilt. Das Haus an der Rasenallee beherbergt heute die [[Montessori-Schule]].
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[[Kategorie:Stadt Kassel]][[Kategorie:Kassel/Straße]][[Kategorie:Nordhessen]]

Version vom 21. Februar 2007, 14:37 Uhr

Die Rasenallee

Rasenallee Kassel-Harleshausen Postkarte von 1947
Karte der Rasenallee

Die Rasenallee oberhalb von Harleshausen wurde 1797 für adelige Reiter angelegt

Im Dezember 1949 rückten fünf Holzfäller aus dem Kellerwald mit Motorsägen und Äxten an – und machten aus der Rasenallee eine kahle Landstraße zweiter Ordnung. Bis dahin und seit mehr als 100 Jahren hatten über 300 Pappeln das Landschaftsbild oberhalb von Harleshausen geprägt. Die stolzen Baumriesen dienten den schon zur Plage gewordenen diebischen Elstern als Nistplatz und den Anwohnern bei Gewitter als natürliche Blitzableiter. Tatsächlich fiel eine Pappel nach der anderen Blitz und Sturm zum Opfer. Den morschen Rest erledigte der Kahlschlag. Im März 1950 folgten Neupflanzungen. Diesmal Bergahorn.

Die Pappeln stammten noch aus kurfürstlicher Zeit. Als die Allee ein echter Rasenweg war. Angelegt anno 1797 für Kurfürst Wilhelm I. als Verbindung zwischen den Schlössern Wilhelmshöhe und Wilhelmsthal. Und so wurde diese historische Straße noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Fürstenallee genannt. Leichte Kutschen im Sommer und Schlitten im Winter fuhren hier durch Feld und Wald, durch Täler und über Höhen. Im Adressbuch von 1919 wird die Rasenallee als Teil der von Oberzwehren nach Wilhelmsthal führenden Fürstenallee bezeichnet. Damals begann sie also nicht erst am Schloss, sondern an der Dönche. Und erst als der Rasen lange weg war, nämlich Anfang der 1970er-Jahre, setzt sich der Name Rasenallee endgültig gegenüber der fürstlichen Bezeichnung durch.

Zwar wurde die Rasendecke im 19. Jahrhundert durch Schotter und Splitt und später natürlich durch Teer ersetzt, doch für Kraftfahrzeuge und damit fürs gemeine Volk war die Rasenallee trotzdem noch bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gesperrt. Die Verbotsschilder an den Bäumen stammten noch aus jenen Tagen, als Kaiser Wilhelm II. zur Sommerzeit hoch zu Ross seinen morgendlichen Ausritt von Schloss Wilhelmshöhe nach Schloss Wilhelmsthal pflegte.

Und auch wer heute motorisiert über die in den 1960er- Jahren ausgebaute und von manch scharfer Kurve befreite Strecke fährt, genießt fürstliche Panorama-Blicke auf Kassel.

Die Rasenallee hat aber nicht nur adelige Reiter, sondern auch eine kleine Revolution erlebt: 1978 zogen Mädchen in das 1950 für heimat- und elternlose Lehrjungen an der Rasenallee gebaute Jugendwohnheim der Stadt Kassel. Mädchen und Jungen unter einem Dach, unter dem Lehrlinge zu „charaktervollen und tüchtigen Männern“ erzogen werden sollten. 1995 wurden die Jugendlichen auf andere Einrichtungen der Stadt verteilt. Das Haus an der Rasenallee beherbergt heute die Montessori-Schule.