Römerlager Hedemünden

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Ein Jahr nach Entdeckung des etwa 2000 Jahre alten römischen Militärlagers am Burgberg bei Hedemünden (in 2004) hat Kreisarchäologe Dr. Klaus Grote neue Funde präsentiert. Unter den insgesamt über 600 Einzelstücken gelten 300 Metallobjekte als definitiv römisch. Bei bis zu 150 Stücken ist eine römische Herkunft sehr wahrscheinlich. Der Rest hat eine jüngere Geschichte. In die unter Wissenschaftlern geachtete Sammlung zählen Münzen, Lanzenspitzen, Katapult-Pfeilspitzen, das Fragment eines Kurzschwertes, eine Pionierschaufel und eine Pferdetrense.

„Teilweise müssen wir bis Pompeji schauen, um parallele Stücke zu finden“, stellte Grote die Einzigartigkeit der Funde heraus. Ein Hammer etwa sei komplett erhalten. Von einem Kummetbügel (Bestandteil des Ziehgeschirrs bei Maultieren), wie er in Hedemünden ausgegraben wurde, seien insgesamt vielleicht zwei, drei vergleichbare Stücke gesichert.

Das Römerlager bei Hedemünden gilt als das besterhaltene Militärlager nördlich der Alpen und außerhalb des römischen Reichsgebietes. Es ist der einzige römische Stützpunkt östlich der Weser. „Vielleicht gibt es noch östlichere Lager. Aber die sind bislang noch nicht entdeckt“, sagte der Archäologe.

Göttinger Kreisarchäologe Dr. Klaus Grote
Das niedersächsische Kulturdenkmal besteht aus einem 3,2 Hektar großen Vorratslager und zwei Marschlagern (zehn und 1,5 Hektar groß). Probegrabungen an den Befestigungen lieferten Hinweise auf Innenbebauungen mit Zelten. Auch Hinweise auf Holz-Lehm-Bauten liegen vor. Zudem lüftet sich das Geheimnis um die vor einem Jahr noch als „auffällig“ bewerteten Hangterrassen am Burgberg. Zumindest die obere Terrasse ist Bestandteil des Lagers.

Grote hält es für wahrscheinlich, dass sich der historische Fundort in seiner Größe über die jetzt gesicherten Grenzen hinaus ausdehnt. Er vermutet im Gewerbegebiet Hedemündens und auch im zwei Kilometer entfernten Oberode Spuren der Römer. Seine Annahmen stützt der Experte auf luftbildarchäologische Befunde.

Gefunden ist inzwischen auch die antike Fluss-Übergangsstelle an der Werra. Gemeinsam mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden ist Grote im Januar den Fluss abgefahren. Dabei wurde mit Echolot ein Tiefenprofil der Werra erstellt. An einer Stelle, an der der Fluss ursprünglich nur knietief ist, hat Grote die Furt entdeckt: „Selbst die Brückenköpfe kann man sehen.“

Dieser Bereich soll noch stärker untersucht werden. Auf der Suche ist Grote nach einer Schiffanlandestelle. Denn die Versorgung der zum Teil mehreren tausend Legionäre habe nicht allein über die Bevölkerung gesichert werden können. Lebensmittel mussten zudem auf der Werra ins Lager transportiert worden sein.


Quelle

  • Aus der HNA vom Februar 2005, Autorin: Antje Thon