Propaganda-Marsch und Todesschuss: Unterschied zwischen den Versionen

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Johannes Schneider starb im Krankenhaus in Hephata, Treysa. Die Nationalsozialisten stellten die Tat als „Notwehr“ dar.
 
Johannes Schneider starb im Krankenhaus in Hephata, Treysa. Die Nationalsozialisten stellten die Tat als „Notwehr“ dar.
  
 
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Aktuelle Version vom 28. Januar 2009, 21:33 Uhr

Nazis ermordeten Bergmann in Pfaffenhausen

von Thomas Schattner

Einen Tag vor den – nicht mehr freien – Reichstagswahlen am 5. März 1933 unternahm ein SA-Sturmbann zusammen mit einem SS-Motorsturm aus Homberg einen Propaganda-Marsch durch 40 bis 45 Orte des Kreisgebietes Fritzlar-Homberg. In Pfaffenhausen kam es am 4. März 1933 zu einem Zwischenfall, bei dem der Bergmann Johannes Schneider erschossen wurde.

Die Vorgehensweise bei den Propaganda-Märschen war immer die gleiche: Etwa ein bis zwei Stunden vor dem eigentlichen Erscheinen der SA- und SS-Männer ging ein Vortrupp in die Orte. Hornisten kündeten das Ereignis an, Flugblätter wurden verteilt, Werbeplakate geklebt, für Sammlungen wurde von Haus zu Haus gegangen.


Gerücht über Schlägerei

Als sich die SA und SS an diesem Tag in Stolzenbach in einer Gastwirtschaft befand, erschien ein SA-Mitglied und berichtete von einem Zwischenfall in Pfaffenhausen. Auf seiner Fahrt durch diesen Ort sei er in eine Auseinandersetzung mit einem Bergarbeiter geraten, in deren Verlauf er, der SA-Mann, geschlagen worden sei.

Der gesamte SA- und SS-Propaganda-Marsch setzte sich – unter der Führung eines Musikkorps – Richtung Pfaffenhausen in Bewegung. Auf halber Strecke erfuhren die Nazis, dass es eine Schlägerei gegeben habe sollte.

Als sie am Haus des Bergmanns Johannes Schneider, einem KPD-Mitglied, eintrafen, war die Tür zwar zu, aber nicht verschlossen. Dennoch schlugen die SA-Männer die Scheiben der Tür ein, da sie nicht sofort geöffnet werden konnte. Einer der Eindringlinge verletzte sich dabei an der linken Hand. Die Familie Schneider widersetzte sich den Eindringlingen mit Beilen und Äxten. Mehrere Sturmbann-Mitglieder wurden verletzt und niedergeschlagen. Plötzlich ertönte der Ruf: „SA zurück. Ich schieße.“ Die SA schreckte zurück. Nun fielen vier Schüsse. Einer davon ging in die Decke, einer traf einen Sohn von Johannes Schneider in den Arm, zwei trafen den Bergmann selbst. Lebensgefährlich verletzt brach er zusammen.

Die Schüsse müssen planmäßig abgegeben worden sein, da spätere Untersuchungen ergaben, dass sie nur von einem erhöhtem Standpunkt möglich waren, da sie über die SA-Männer hinweg gingen. Fluchtartig verließen die SA-Männer das Gebäude. Wenig später setzten sie ihren Propaganda-Marsch mit Musik, wie geplant, fort.


Arzt wurde zurückgehalten

Der verletzte SA-Mann wurden mit einem Auto zur ärztlichen Versorgung nach Borken gebracht. Bei der Ankunft des Autos in der Stadt stellte man fest, dass Dr. Götte gerade nach Pfaffenhausen fahren wollte, um sich dem Schwerverletzten anzunehmen. Einer der SA-Männer sagte daraufhin: „Erst kommen wir dran, dann die Kommunisten“.

Johannes Schneider starb im Krankenhaus in Hephata, Treysa. Die Nationalsozialisten stellten die Tat als „Notwehr“ dar.