Professor-Bier-Straße

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Die Prof.-Bier-Straße in Korbach, die vom Berndorfer Torplatz ausgehend in Richtung Süden bis zum Abzweig der Kloster- beziehungsweise Prof.-Kümmell-Straße führt, hieß jahrhundertelang „Berndorfer Straße”. Ihren jetzigen Namen führt sie seit 1929 zu Ehren von Professor August Bier, Ehrenbürger der Stadt Korbach. Sie war in alter Zeit die Ausfallstraße in Richtung Berndorf und endete am Berndorfer Tor, einem der fünf alten Korbacher Stadttore, das erst-mals 1409 in alten Akten erwähnt wird. Das Tor befand sich etwa an der Stelle, wo heute die Treppe beginnt, die hinunter in den tiefer gelegten Teil des Berndorfer Torplatzes führt, den die Korbacher liebevoll „das Loch” nennen. 1839 wurden hier Stadtmauer und Tor abgerissen. Dieser Abriss erfolgte auf Anweisung der fürstlichen Regierung, nachdem wiederholt größere Fuhrwerke in der engen Tordurchfahrt steckengeblieben waren. Zu größerer Bedeutung kam diese Straße erst, als sich Ende des 19. Jahrhunderts das wirtschaftliche Leben der Stadt mehr in die Neustadt verlagerte. Da sie auch Zufahrtsstraße zum neu errichteten Bahnhof, zum Kornhaus und zur Gummifabrik war, erhielt sie ab 1894 eine Kopfsteinpflasterung, ja sogar auf beiden Seiten Bürgersteige, die damals noch „Trottoir” genannt wurden. Seit Jahren ist die Prof.-Bier-Straße eine reine Geschäftsstraße. Sie wurde ca. 1974 als erste Straße in Korbach für den Verkehr komplett gesperrt und zur Fußgängerzone umgestaltet. Es ist nur noch schwer vorstellbar, dass die heutige Fußgängerzone einst einen Großteil des innerstädtischen Verkehrs und auch den immer stärker werdenden Durchgangsverkehr bewältigen musste.

Die ältesten Häuser dieser Straße stammen aus der Zeit um 1700. Bekannte Häuser der Prof.-Bier-Straße sind die Alte Kreissparkasse sowie das Haus Curtze. Ebenfalls bekannt ist die Skulptur des Korbacher Nachtwächters in der Prof.-Bier-Straße.


Die Serie

Straßennamen sind wichtig. Nicht nur, weil durch sie dem Ortsunkundigen, der Post, dem Paketzusteller, dem Arzt, dem Rettungsdienst und Lieferanten das Auffinden bestimmter Personen erleichtert wird. Sie ermöglichen den Anwohnern auch eine gewisse Identifikation. Mögen sich Nachbarn noch so sehr von einander unterscheiden, eins verbindet sie: Sie alle sind Bewohner der gleichen Straße. Straßennamen hat es nicht immer gegeben. Offiziell wurden sie in Korbach erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin gab es viele namenlose Straßen. Natürlich hatte man Standortbezeichnungen schon früher. Sie waren aber recht allgemeiner Art: An der Neustädter Kirche etwa, oder Am Markt. Andere bezeichneten ein ganzes Stadtviertel. Flurname oder Zielort Bei der Namengebung griff man zurück auf Flurbezeichnungen (Am Waldecker Berg) oder auf die Lage der Straße (Oberstraße). Die Ausfallstraßen bezeichnete man nach ihren Zielorten (Wildunger Landstraße). Viele Straßen tragen aber auch den Namen einer bekannten oder bedeutenden Persönlichkeit, von Stadtältesten oder Ehrenbürgern. Bei Vergabe von Namen aus Politik und Regierung ist man heute in Korbach vorsichtig geworden, um späteren Umbenennungen aus dem Weg zu gehen. So wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz nach 1945 wieder der Berndorfer Torplatz, aus der Litzmannstraße die Friedrichstraße, aus der Hindenburgstraße wieder wie früher die Bahnhofstraße. Zur Diskussion standen nach 1945 auch die an Kriegsschauplätze des Ersten Weltkrieges erinnernden Skagerrakstraße, Langemarckweg und Flandernweg. Neue Namen mussten her Die enorme Entwicklung der Stadtbebauung nach dem Zweiten. Weltkrieg brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Straßen entstanden. Sie alle brauchten neue Namen. So entstand ein Blumenviertel, in jüngster Zeit auch ein Dichterviertel. Zahlreiche westdeutsche Städte, in die es einst Korbacher verschlagen hatte, standen Pate, aber auch mitteldeutsche Städte. Auch ehemalige ostdeutsche Städte und Gebiete, aus denen viele Korbacher Neubürger vertrieben worden waren, gaben neuen Straßen ihre Namen.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer eine Serie über die Namen Korbacher Straßen verfasst. diese ist ab April 2001 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen.


Links

Blick mit der Webcam in die Fußgängerzone Prof.-Bier-Str.