Paul Heidelbach

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Paul Heidelbach (* 28.2.1870 in Düsseldorf, † 13.2.1954 in Kassel), Schriftsteller, Stadtarchivar (seit 1919) und Bibliothekar der Murhard`schen Bibliothek von 1920-1935, wuchs nach dem frühen Tod seines Vaters, einem Düsseldorfer Kunstmaler, bei seiner Tante in Kassel auf, die in der Hohenzollernstraße ein Handarbeitslädchen besaß.

Nach seinem Abitur auf dem Friedrichsgymnasium studierte er in Berlin und Marburg Philosophie, Geschichte, Germanistik und Literaturwissenschaft, ohne jedoch einen Abschluss zu erlangen. Sein Ziel war es vielmehr, sich forthin als freier Schriftsteller in Kassel mit Gedichten und Erzählungen in Zeitungen und Zeitschriften einen Namen zu verdienen.

  • 1900 veröffentlichte er das erste geschlossene Bändchen in Kasseler Mundart mit dem Titel: „Was mäh so hin un widder bassiert äs“, das ihn schlagartig in Kassel als Kasseler Mundartdichter bekannt machte. Viele weitere literarische Werke folgten.
  • 1902 und 1907 gab er das „Hessische Jahrbuch“ heraus, 1906 übernahm er die Tätigkeit des Schriftleiters für die „Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur“ („Hessenland“), der damals größten und bedeutendsten Heimatzeitschrift.
  • 1908-1921 schrieb er die „Sonntagsbetrachtungen“ in der Kasseler Post, 1908 erschienen das Werk „Uf Karle Klamberts Gebordsdag“ sowie sein historisches Werk „Geschichte der Wilhelmshöhe“.
  • 1913 folgte der dritte Band seiner „Kasseläner Geschichten“ mit dem Titel „Allerhand Gauden“. Im gleichen Jahr erschien die Monographie „Deutsche Dichter und Künstler in Eschwege“ sowie ein Kasselführer zur 1000-Jahrfeier: „Des Deutschen Vaterland“.
  • 1914 erschien der Gedichtband „Im Schatten des Herkules“.
  • 1920 veröffentlichte Heidelbach in der Schriftenreihe „Stätten der Kultur“ den Band „Kassel“. Im gleichen Jahr wurde er zum Bibliothekar an der Murhardbibliothek berufen.
  • 1926 und 1931 erschienen zwei Festschriften zu Kassel; 1931 gab er Franz Dingelstedts Buch „Die neuen Argonauten“ heraus.
  • 1935 trat Paul Heidelbach in den Ruhestand und siedelte nach Grifte über.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann er erneut mit Veröffentlichungen. 1951 erschienen die „Hessischen Schwänke des 16. Jahrhunderts“, 1953 das „Wörterbuch der Kasseler Mundart“. Zu einer Neuauflage seiner Werke „Kassel“ und „Geschichte der Wilhelmshöhe“ aus eigener Hand kam es nicht mehr: 1954 verstarb Heidelbach, kurz vor seinem 84. Geburtstag.

Die Zisselgilde e.V. (siehe auch Zissel) erinnert mit der Verleihung der Paul-Heidelbach-Medaille an den Kasseler Heimatdichter und -forscher: Die Verleihung der Medaille für Verdienste um die Pflege der Mundart und Heimatgeschichte gilt seit 1984 als höchste Zissel-Ehrung. In Niederzwehren erinnert die Paul-Heidelbach-Straße an ihn.

Textbeispiel

Das Textbeispiel aus "Us d'r Juchend" zeigt neben den mundartlichen Aspekten auch den der "Oral-History" - Schilderungen von längst vergangenen und vergessenen Zeiten und Begebenheiten erwachen durch schriftliche Fixierung beim Rezeptionsprozess zum Leben:

//Owen in d'r Keile vum Herkules sinn zwei kleine Gukkefensterchen. 's eine hodd 'ne griene, s' annere ne rohde Glosschiewe. Je nohdem de nu einer dorch de rohde oder de griene Schiewe gikked, siehd emme de Wald grien oder rosig aus. Un ganz akkerade so äs's im Läwen au, nuhrd daß's einen hier nit immerd, wie doh owen, freistehd, dorch wilche Schiewe mer gukken well.//

Literatur

  • Heidelbach, Paul: Kassel. Ein Jahrtausend hessischer Stadtkultur. Hrsg. von Karl Kaltwasser. Kassel: Bärenreiter-Verlag 1957.
  • Heidelbach, Paul: Die Geschichte der Wilhelmshöhe. Leipzig: Klinkhardt & Biermann 1909. Faksimile-Ausgabe: Dieter Carl (Hg.), Vellmar 2005.


  • Heidelbach, Paul: Us d’r Juchend. Ne Uswahl Kasseläner Verzählungen vun Karle Klambert. Kassel: Friedrich Lometsch 1961.
  • Grassow, August: Wörterbuch der Kasseler Mundart. Herausgegeben und erweitert von Paul Heidelbach. Kassel: Hessische Druck- u. Verl.-Anst. 1952.

Links

http://www.zissel.de/html/paul-heidelbach-medaille.html

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//vista_profunda 2006/01/07 12:23//