Otto-Nord-Straße

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Die Otto-Nord-Straße in Korbach

Ein Heimatkundler Korbachs

Die Otto-Nord-Straße ist eine Verbindungsstraße zwischen Strother Straße und Eidinghäuser Weg. Sie wurde nach dem Stadtältesten und Pädagogen Otto Nord benannt, der 1905 in Goddelsheim geboren wurde und 1966 in Korbach verstarb. Als 19-Jähriger legte Otto Nord nach Besuch der Präperandenanstalt Herborn und dem Lehrerseminar in Dillenburg die erste Lehrerprüfung ab. Nachdem er am 1. Juli 1924 in den waldeckischen Schuldienst eingetreten war, teilte er das Schicksal fast aller der damaligen jungen Lehrer: Er wanderte von einer Schulstelle zu anderen. Otto Nord begann seine Lehrtätigkeit in Ammenhausen.

Die weiteren Stationen waren Altwildungen, Freienhagen, Nordenbeck und Bühle, bis er schließlich 1932 an die Bürgerschule, heute Westwallschule, in Korbach versetzt wurde. Später wechselte er zur Schule Marker Breite. Otto Nord wurde über Korbach hinaus vor allem durch seine mannigfaltigen ehrenamtlichen Tätigkeiten bekannt. In Korbach begann er bald mit dem Auf- und Ausbau des Heimatmuseums, das er bis kurz vor seinem Tode leitete. Er war also einer der Väter des heutigen Vorzeigestücks der Kreisstadt. Als Mitglied der Volksbildungskommission kümmerte er sich auch um den Ausbau des Volksbüchereiwesens auf Stadt- und Kreisebene. Bis 1962 leitete er die Korbacher Stadtbücherei.

Das Amt des Kreisbücherei-Leiters legte er nach dreißigjähriger Tätigkeit 1965 aus Gesundheitsgründen nieder. Viele Jahre bekleidete Otto Nord das Amt des Staatlichen Pflegers für kulturhistorische Bodenaltertümer. In diesem Amt war er zuständig für die Erforschung der Vor- und Frühgeschichte dieser Region. Als man in den dreißiger Jahren in seinem Heimatort Goddelsheim bei Ausschachtungsarbeiten auf ein bis dahin unbekanntes Gräberfeld stieß, erkannte er die Bedeutung dieses Fundes und leitete die wissenschaftliche Erforschung ein. An den späteren Ausgrabungen dieses Friedhofs aus der Karolingerzeit war er maßgeblich beteiligt. Ein dort ausgegrabenes Skelett befand sich bis Mitte der neunziger Jahre im Korbacher Museum. Hessisches Zimmer Im Auftrag des Deutschen Museums für Volkskunde in Berlin richtete Nord ein Hessisches Zimmer und eine Abteilung Bäuerliches Arbeitsgerät ein. Auch die Abteilung Bäuerliches Werkgerät im Landesmuseum Kassel geht auf ihn zurück.

Die ehemaligen Schüler Otto Nords gedenken seiner noch heute in Ehrfurcht und Hochachtung. Es ist das Verdienst dieses beliebten Pädagogen, dass er seinen Schülern nicht nur heimatkundliches Wissen beibrachte, sondern auch in ihnen die Liebe zur waldeckischen Heimat weckte. 1961 wurde Nord für seine Verdienste auf dem Gebiet der Heimat- und Kulturpflege das Bundesverdienstkreuz verliehen. Korbach ehrte ihn 1962 mit der Verleihung des Titels Stadtältester. Heute trägt eine Straße seinen Namen. Auf diese Weise wird das Andenken an diesen engagierten und verdienstvollen Mitbürger bewahrt. Otto Nord war in erster Ehe mit Gertrud, geb. Müller, verheiratet. Es war für ihn und seine beiden Töchter ein herber Verlust, als sie 1948 verstarb. Vier Jahre später heiratete er die Korbacher Lehrerin Hilde Larouette.

Die Serie

Straßennamen sind wichtig. Nicht nur, weil durch sie dem Ortsunkundigen, der Post, dem Paketzusteller, dem Arzt, dem Rettungsdienst und Lieferanten das Auffinden bestimmter Personen erleichtert wird. Sie ermöglichen den Anwohnern auch eine gewisse Identifikation. Mögen sich Nachbarn noch so sehr von einander unterscheiden, eins verbindet sie: Sie alle sind Bewohner der gleichen Straße. Straßennamen hat es nicht immer gegeben. Offiziell wurden sie in Korbach erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin gab es viele namenlose Straßen. Natürlich hatte man Standortbezeichnungen schon früher. Sie waren aber recht allgemeiner Art: An der Neustädter Kirche etwa, oder Am Markt. Andere bezeichneten ein ganzes Stadtviertel. Flurname oder Zielort Bei der Namengebung griff man zurück auf Flurbezeichnungen (Am Waldecker Berg) oder auf die Lage der Straße (Oberstraße). Die Ausfallstraßen bezeichnete man nach ihren Zielorten (Wildunger Landstraße). Viele Straßen tragen aber auch den Namen einer bekannten oder bedeutenden Persönlichkeit, von Stadtältesten oder Ehrenbürgern. Bei Vergabe von Namen aus Politik und Regierung ist man heute in Korbach vorsichtig geworden, um späteren Umbenennungen aus dem Weg zu gehen. So wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz nach 1945 wieder der Berndorfer Torplatz, aus der Litzmannstraße die Friedrichstraße, aus der Hindenburgstraße wieder wie früher die Bahnhofstraße. Zur Diskussion standen nach 1945 auch die an Kriegsschauplätze des Ersten Weltkrieges erinnernden Skagerrakstraße, Langemarckweg und Flandernweg. Neue Namen mussten her Die enorme Entwicklung der Stadtbebauung nach dem Zweiten. Weltkrieg brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Straßen entstanden. Sie alle brauchten neue Namen. So entstand ein Blumenviertel, in jüngster Zeit auch ein Dichterviertel. Zahlreiche westdeutsche Städte, in die es einst Korbacher verschlagen hatte, standen Pate, aber auch mitteldeutsche Städte. Auch ehemalige ostdeutsche Städte und Gebiete, aus denen viele Korbacher Neubürger vertrieben worden waren, gaben neuen Straßen ihre Namen.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer eine Serie über die Namen Korbacher Straßen verfasst. diese ist ab April 2001 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen.