Nord-Holland (Kassel)

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Der Kasseler Stadtteil Nord-Holland heisst im Sprachgebrauch auch Nordstadt.

Während des Industriezeitalters entstand der Stadtteil als innenstadtnaher Industrie- und Arbeiterwohnbezirk seit Anfang des 19. Jahrhunderts entlang der Holländischen Strasse nach Norden, entscheidend geprägt von den Henschel-Werken und dem Bau von Wohnungen für die dortigen Arbeiter und Angestellten. Kein anderer Stadtteil in Kassel hat in den vergangenen 30 Jahren so sehr sein Gesicht verändert wie Nord-Holland. Der Grund: Die Universität entstand auf dem früheren Henschel-Gelände am Holländischen Platz.

Bevölkerung

(Stand: 31. Dezember)

2010: 14080 Einwohner (Ausländeranteil: 4566 Einwohner = 32,4 Prozent)

2005: 13830 Einwohner

Geschichte

Rund um die Holländische Strasse

Am Anfang war es noch ganz nett an der Holländischen. Wer um 1735 nordwärts aus Kassel raus wollte, hatte zwei Möglichkeiten: den alten holländischen Postkurs, später „Fahrender Lippstädter Kurs“ auf der heutigen Wolfhager Straße. Und – auf der Holländischen Straße – den „Neuen Holländischen Kurs“ über Westuffeln (dort war der erste Pferdewechsel). Über die Straße floss die Mombach. Stadtbaumeister Klocke veranlasste 1749, dass die Holländische Straße ausgebaut und die Mombach-Furt durch eine Brücke ersetzt wurde. Immerhin war die Straße Teil eines großen, alten Verkehrswegs zum Niederrhein und bis nach Holland.

1967 - Das Verwaltungsgebäude der Fa.Henschel (heute Uni)

Unsere große breite Holländische Straße hat klein angefangen. Als sie noch Müllergasse hieß, führte sie gerade mal vom Pferdemarkt bis zum Müllertor. Das fiel, als die Kasseler Festungsanlage 1767 geschleift wurde. Das Holländische Tor entstand, mitten auf dem heutigen Holländischen Platz. Wahrscheinlich war es für die Henschel-Arbeiter keine Freude, die riesigen neuen Loks mit einem 60 Pferde starken Gespann auf dem Weg zum Oberstadtbahnhof durch das Tor zu fädeln. 1866 wurde es abgerissen.

Vor der Industrialisierung muss es längs der Holländischen Straße idyllisch gewesen sein: große Obst- und Gemüsegärten und Gärtnereien. Erst nach und nach entstanden Häuser außerhalb des Altstadtrings. Das Haus mit der Hausnummer 1 – so steht es auch im Kasseler Adressbuch von 1828 – war das „Oestreich“, die sehr beliebte Gastwirtschaft von D. Oestreich. Im Saal des spielte ein „Liebhabertheater“, am liebsten Lustspiele. Im Sommer gab es im großen, schattigen Laubengarten „vortrefflichen Kaffee und bestes Bier“ – so Notizen eines Zeitzeugen. Damals, also um 1850, war die Holländische Straße eine Pappelallee. Der Hauptfriedhof war noch ganz neu.

Die Zerstörung der Idylle begann schleichend. 1810 errichtete Henschel die erste kleine Fabrik in der Nordstadt. 1837 war der Fabrik-Neubau am Möncheberg fertig. Auch andere Betriebe siedelten sich an: Gottschalk, Kolbenseeger, die Waggonfabrik von Thielemann, Eggena, die Kasseler Gasbereitungsanstalt, der Schlachthof.

Viele Betriebe, viele Arbeiter – 1837 arbeiteten allein bei Henschel 200 Leute, um 1900 waren es schon 2200. Für all die Arbeiter musste Wohnraum her, praktischerweise in Werksnähe. Die Altstadt war zu eng. Die neu entstehenden Wohnungen im Vorderen Westen für Arbeiter nicht bezahlbar. Im Gebiet an der Holländischen Straße schossen Mietskasernen aus dem Boden. Vierstöckig, aus Ziegelstein. Da haben wir die Nordstadt. Das neue Wohngebiet war schnell völlig zugebaut.

siehe auch

Parteien

Weblinks



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