Niedervorschütz

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Niedervorschütz
IMG 0311.jpg
Kirche zu Niedervorschütz
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Schwalm-Eder-Kreis
Stadt: Felsberg
Einwohner: etwa 680
Postleitzahl: 34587
Vorwahl: 05662
Kfz-Kennzeichen: HR
Stadtverwaltung: Vernouillet-Allee 1
Website: www.niedervorschuetz.de
Bürgermeister: Volker Steinmetz (parteilos)
Ortsvorsteher: Michael Griesel (SPD)

Niedervorschütz ist ein nordhessisches Dorf. Es liegt am unteren Lauf des Flüsschens Ems. Niedervorschütz gehört zur Stadt Felsberg.

Lage und Gemarkung

Niedervorschütz liegt ca. 20 km südlich von Kassel und ca. 11 km westlich von Melsungen. Durch den Ort führt die Bundesstraße 254. Niedervorschütz liegt in einer Höhe von ca. 160 bis 210 Meter ü. NN am Nordhang des Hopfenberges. An die Gemarkung Niedervorschütz grenzen die Gemarkungen Maden, Böddiger, Felsberg, Lohre, Niedermöllrich und Obervorschütz an. Die Gemarkung hat eine Größe von rund 491 Hektar.

Höchstwahrscheinlich ist die Gemarkung auf einer dem Grafen von Gudensberg, gleichzeitig Landgraf von Thüringen, gehörenden Fläche gegründet worden. Ob der Grundherr selbst zur Gründung den Anstoss gab oder ob es eine andere Erklärung gibt, lässt sich nicht nachvollziehen. Später kam zur Gemarkung ein kleiner Teil der Gemarkung des wüst gefallenen Ortes "Lützelmaden" (letzte urkundliche Erwähnung im Jahr 1418) hinzu.

In dem Lager-, Stück- und Steuerbuche von 1750 wird die Niedervorschützer Gemarkung folgendermaßen angegeben: "Die hiesige Gemeinde fängt bei dem Bonnerholz oben am Graben bei dem Dornbusche an und geht im Mordbachsgraben hinunter bis auf den Klappersteg und von da über die Ochsenbrücke den Hängeweg hinunter bis auf das Ried und sofort bis in die Straße bei der Kälberhute. Von der Kälberhute geht es die Straße hinauf bis auf die Maderheide, von da an dem Maderholze herunter bis über den Lautenberg und so fort über die Embse hinweg bis in den Böddiger Mordbach, welchen Böddiger und Niedervorschütz gemeinsam gebrauchen. In dem Mordbachsgraben geht es hinauf auf die Flurscheid von da an fort auf den hohen Malstein am Felsberger Wege. Von da an fort herauf bis über den Roßbach an den im Stieglitzschen, olim Melchior Wickeschen Lande befindlichen Stein und so fort auf den Malstein, so zwischen dem Felsberger Schullande und Hans Pflügers Land steht. Von hier an geht es von Stein zu Stein bis auf die Ecke der Fritzlarschen Straße und in ihr hinauf bis auf die Heide an den Zollstock und von da an so fort bis an die Niedermöllricher sogenannten Umgänge, dann an dem Möllrichschen Holze und an der Heide herunter bis bei den Rabenacker und so fort bis zu dem Dornbusche, wo angefangen wurde."
- aus Abel Becker, "Niedervorschütz", 1933 -

Vorstehende Beschreibung der Gemarkung Niedervorschütz ist auch heute noch weitgehend zutreffend. Lediglich 1845 nach einer Flurverkoppelung kam die Forstmühle zum Dorf hinzu. Diese hatte bis dahin zu Maden gehört. Man kann davon ausgehen, dass bei der Dorfgründung von Niedervorschütz die Gemarkung im Wesentlichen der Beschreibung von 1750 entsprach.

Geschichte

Karte von Niedervorschütz um 1857

Von den beiden Dörfern Obervorschütz, welches zum Amt Gudensberg gehörte und Niedervorschütz, das zum Amt Felsberg gehörte, dürfte wohl Obervorschütz älter sein. Bevor Niedervorschütz entstand war mit der Bezeichnung Vorschütz (zunächst als Buriscuzze, Burischuzze, Bursudete und Burschuzze) wohl Obervorschütz gemeint.

Niedervorschütz wird erstmals 1209 urkundlich erwähnt. Wahrscheinlich wird der Ort auf grundherrlichen Boden gegründet. Damit sind zunächst die Grafen von Gudensberg, die gleichzeitig die thüringer Landgrafen sind und später die hessischen Landgrafen Grundherren des Dorfes. Der Ort besteht am Anfang nur aus Hufenhöfen, die später auch Acker- oder Erbsitze genannt werden. Erst später kommen dann Kötersitze und einfache Häuser hinzu. Die Hufen- und Kötersitze sind den Herren von Dallwigk lehns- und zinspflichtig. Die Hälfte der Gerichtsbarkeit in Niedervorschütz gehört den Herren von Meysebug. Die andere Hälfte behält sich der Landgraf selbst vor.

Im Jahr 1317 wird in einer Urkunde des Stifts Fritzlar ein, dem Domherrn gehöriges, freies Gut in Niedervorschütz erwähnt.

In der Zeit bis zur Reformation ist Niedervorschütz Pfarrdorf. 1435 wird ein Pfarrer von Niedervorschütz erwähnt. Das Recht den Pfarrer zu bestimmen steht den Herren von Dallwigk zu. Später wird dann die Pfarrei Niedervorschütz aufgelöst und mit der Pfarrei Böddiger zusammengelegt. Wann genau dies geschieht ist nicht überliefert. Im Jahre 1652 wird jedoch das Verhältnis der beiden Gemeinden zueinander in einem Vergleich geregelt.

1555 gibt es Niedervorschütz 26 Häuser, von denen zwei so genannte Freihäuser sind.

Im Dreißigjährigen Krieg müssen die Bewohner, wie die gesamte Region, große Repressalien erleiden. 1621 zieht erstmals ein Heer des Herzogs Christian von Braunschweig von Oberweser nach Gießen und wieder zurück, hierbei kommt es durch die Gudensberger bzw. Felsberger Gegend. 1623 liegt der Herzog von Sachsen-Lauenburg mit seinen Truppen in den Ämtern Felsberg, Gudensberg und Homberg. Tillys Truppen, durchziehen Hessen ab 1633 ungehindert, die Bevölkerung ist in diesen Jahren oftmals auf der Flucht vor den durchziehenden Horden. Die Felder können nicht ordentlich bestellt werden, die Ernten gehen verloren oder werden durch die Truppen geplündert. Auch das Vieh wird, wenn es nicht rechtzeitig gesichert werden kann, geraubt. In Verbindung mit den widrigen Wetterverhältnissen in dieser Zeit sinken die Einwohnerzahlen der hessischen Ortschaften beträchtlich. Diese Entwicklung wird an Niedervorschütz nicht vorübergegangen sein. Im Jahre 1640 ziehen sich die schwedischen Truppen nach Bad Wildungen zurück. Die kaiserlichen Truppen folgen ihnen und nehmen Quartier bei Fritzlar. So wird die Gegend wieder zum Kriegsschauplatz. In Gudensberg bricht ein Feuer aus, dem 181 Häuser und 90 Scheunen zum Opfer fallen. Felsberg ergeht es nicht besser, die Stadt fällt fast gänzlich einem Brand zum Opfer. In der Niedervorschützer Kirchenrechnung ist für dieses Jahr vermerkt: "Alles Getreide vom Feinde geraubt." In 1641 wird in Niedervorschütz kein einziges Kind geboren. Damit hat der Krieg aber seinen Höhepunkt überschritten und ist abgesehen von wenigen noch durchziehenden Horden in Niederhessen zu Ende. Die Folgen wirken jedoch noch lange Jahre nach, zahlreiche Dörfer und Städte sind verwüstet, die Felder liegen brach und das Vieh ist geraubt.

Niedervorschütz

1750 gibt es in Niedervorschütz zwei Wirtshäuser mit einer "Herbergierung" sowie eine Schnapsbrennerei mit Ausschank. Der Ort hat 39 Häuser mit 218 Einwohnern.

1753 wird ein steinerne Brücke über die Ems gebaut. Zuvor gab es wahrscheinlich lediglich einen Steg oder eine Furt durch das Wasser der Ems. 1767 wird eine weitere Brücke über das den Ort durchfließende Bächlein Oder gebaut.

Im Siebenjährigen Krieg lagern vom 23. bis 27. Juli 1762 die alliierten Truppen (preußische Verbündete) unter Herzog Ferdinand von Braunschweig mit ca. 70.000 Soldaten zwischen Niedervorschütz und Niedermöllrich. Das Lager reicht nach alten Plänen[1] ungefähr entlang der heutigen B 254 auf der gesamten Länge zwischen den beiden Orten. Diese Armee schlägt in den Schlachten von Wilhelmsthal (26. Juni 1762) und Lutterberg (23. Juli 1762) die Franzosen und besetzt nach deren Rückzug das Gebiet der damaligen Landgrafschaft Hessen-Kassel. Die Franzosen sind damit endgültig aus dem hessen-kasselischen Gebiet zurückgedrängt.

Der Ort erhält von 1773 bis 1776 eine neue Kirche, die einen kleineren Vorgängerbau ersetzt. Es ist überliefert, dass der den Bau ausführende Meister, ob absichtlich oder versehentlich ist nicht bekannt, das Maß für die Innenfläche der Kirche für den gesamten Bau einschließlich der Mauern angenommen hat, damit ist die Kirche zu klein. Für den Bau muss jeder Großbauer 20 Fuhren leisten. Das Holz wird aus der nahegelegenen "Schneid" und dem "Bonnerholze", die Steine in Gensungen geholt. Bis in das Jahr 1880 ist die Kirche vom Friedhof des Dorfes umgeben. Sodann wird außerhalb des Dorfes ein neuer Friedhof angelegt, der sich noch heute an dieser Stelle befindet.

Im Jahre 1843/44 wird in Niedervorschütz ein neues Schulhaus errichtet.

Ende des 19. Jahrhunderts werden zwei private Wasserleitungen gebaut, die das Dorf zum größten Teil mit Wasser versorgen.

Ansichtspostkarte um 1900

1917/18 wird Niedervorschütz an das elektrische Leitungsnetz angeschlossen.

1920 wird in Niedervorschütz ein Fußballverein gegründet. Dieser schließt sich 1923 mit dem bereits bestehenden Turn- und Sportverein zusammen. Der Fußballspielbetrieb gestaltet sich zunächst schwierig, da kein eigener Sportplatz zur Verfügung steht und so die Tore allwöchentlich - entsprechend den Gegebenheiten der Landwirtschaft - auf einer anderen Wiese aufgebaut werden.

Im Jahre 1922 bildet sich in Niedervorschütz eine Feuerwehr aus Freiwilligen. Zuvor ist im Brandfall jeder Bürger zum Feuerwehrdienst verpflichtet gewesen. Die Feuerwehr ist in einem kleinen Spritzenhaus an der so genannten "Heulache" (der Straße nach Obervorschütz) untergebracht. Bereits ein Jahr später wird eine neue Handdruckspritze durch die Gemeinde angeschafft. Diese ist noch heute erhalten und voll funktionsfähig. 1935 kann dann erstmals eine Motorspritze bei der Feuerwehr in Dienst gestellt werden.

1939 hat Niedervorschütz 484 Einwohner.

Ende 1945 gründet sich der Sportverein als einer der ersten im damaligen Kreis Melsungen unter dem Namen "Freier Turn- und Sportverein Schwarz-Weiß Niedervorschütz" mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung wieder. Hieraus wird dann später der heutige "Sport Club 1920 e.V.".

1947 wird in Niedervorschütz unter großer Eigenleistung der Mitglieder des Sportvereins, nahe dem Wald "Die Schneid", an der Straße nach Lohre, ein Stück Wald gerodet und der noch heute bestehende Sportplatz angelegt. Am 28. Juli 1947 findet dort das erste Fußballspiel statt.

1954 wird das Spritzenhaus der Feuerwehr zu eng. Daher wird die Scheune des Schulgebäudes für die Zwecke der Feuerwehr in Eigenleistung umgebaut und bezogen. Gleichzeitig wird ein selbst gebauter Mannschaftswagen in Dienst gestellt. 1958 wird dann eine neue Tragkraftspritze angeschafft, die bis heute funktionsfähig ist.

1961 hat Niedervorschütz 548 Einwohner. Im Jahr 1966 wird auf dem Hopfenberg ein Dorfgemeinschaftshaus mit Kegelbahn eingeweiht.

Im Juni 1969 erhält die Feuerwehr erstmals ein Feuerwehrfahrzeug, nämlich ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF).

Anfang der 1970er Jahre wird eine Friedhofshalle errichtet. Unter den Einwohnern des Dorfes wird hierfür der stattliche Betrag von 33.000 DM gesammelt. Es ist die letzte große Investition in der selbständigen Gemeinde Niedervorschütz.

Feuerwehrhaus Niedervorschütz

Am 31. Dezember 1971 wird Niedervorschütz an die Stadt Felsberg angeschlossen und die Selbständigkeit der Gemeinde Niedervorschütz damit beendet. Niedervorschütz ist seither ein Stadtteil der Stadt Felsberg.

Mit der Schulreform ist der Schulbetrieb in Niedervorschütz eingestellt und das Schulgebäude wird an eine Privatperson verkauft. Die Feuerwehr muss aus ihrer Unterkunft ausziehen, da der neue Eigentümer des Schulgebäudes verständlicherweise die Scheune für seine eigenen Zwecke nutzen will. Sie wird provisorisch in einer stillgelegten Tankstelle untergebracht. Nach großen Eigenleistungen und mit Unterstützung der Stadt Felsberg können die Mitglieder der Feuerwehr dann im Jahr 1974 ein neues Feuerwehrhaus an der Felsberger Straße beziehen. In diesem sind sie bis heute untergebracht.

1990 erhält die Feuerwehr ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF). Dieses wird wegen der Gefahren der Bundesstraße 254 im Jahr 1994 durch ein wasserführendes Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF-W) ersetzt. Das erst 1990 angeschaffte Fahrzeug wird seither in einem anderen Stadtteil eingesetzt. 1995 schafft der Niedervorschützer Feuerwehrverein aus Vereinsmitteln einen Mannschaftswagen (VW-Bus) an. Dieser ist nun in die Jahre gekommen und muss durch ein jüngeres Fahrzeug ersetzt werden. Hierzu sammelt die Feuerwehr in der Bevölkerung Geld und hofft, dass sie sich dadurch die Anschaffung noch im Jahr 2008 leisten kann.

Vom 11. bis 14. Juni 2009 feiert Niedervorschütz sein 800-jähriges Bestehen.

Ortsbeirat

Der Ortsbeirat von Niedervorschütz besteht aus sieben Mitgliedern. Seit der Kommunalwahl 2006 hat die SPD fünf und die CDU zwei Sitze. Ortsvorsteher ist Michael Griesel (SPD).

Vereine

Dorfgemeinschaftshaus Niedervorschütz

In Niedervorschütz gibt es 13 Vereine:

  • ASV "Forelle" Niedervorschütz 1968 e.V. (Angelsportverein)
  • Evangelische Kirchengemeinde
  • Frauenkreis "Im Wiesengrund"
  • Freiwillige Feuerwehr Niedervorschütz 1922 e.V.
  • Jugendgruppe "Tote Hose"
  • Kirmesteam Niedervorschütz
  • Seniorenwandergruppe
  • Siedlergemeinschaft
  • SPD-Ortsverein Niedervorschütz
  • Sport Club 1920 e.V. Niedervorschütz
  • Sozialverband VdK - Ortsverein
  • Vereinigung der Landwirte
  • Ziegenzuchtverein

Die Vereine haben sich zu einer Vereinsgemeinschaft zusammengeschlossen.

Radwege

Siehe auch

Weblinks

Forstmühle

Quellen

1. Literatur

  • Abel Becker, Niedervorschütz. N. G. Ewertsche Verlagsbuchhandlung (G. Braun), Marburg 1933
  • Friedrich Walter, Niedervorschütz wie es früher war. Niedervorschütz 1986
  • Magistrat der Stadt Felsberg, Festschrift zur 700 Jahrfeier der Stadt Felsberg. Felsberg 1986

2. Internet

Anmerkungen

  1. Plan des Heerlagers im Juli 1762


Stadtteile der Stadt Felsberg
Wappenfelsberg.jpg

Altenbrunslar | Altenburg | Beuern | Böddiger | Felsberg | Gensungen | Helmshausen | Hesserode | Heßlar | Hilgershausen | Lohre | Melgershausen | Neuenbrunslar | Niedervorschütz | Rhünda | Wolfershausen