Neue Stiefel von den Amis

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Foto: priv.

Ria Ahrend (76), geborene Koch, stammt aus Großenritte und lebt in Altenritte. Sie hat fünf Bücher veröffentlicht, teilweise in Mundart, die zumeist vergriffen sind. Ahrend schlüpft auch seit Jahren ins Kostüm der Grimm'schen Märchenlieferantin Dorothea Viehmann, fotografiert und filmt Viele Beiträge der Autorin laufen im Bürgerfernsehen Offener Kanal Kassel, in der HNA war schon manches ihrer Fotos zu sehen. Ahrend -verheiratet, drei Kinder, sechs Enkel - ist gelernte Versicherungskauffrau. Sie arbeitet noch immer in der Druckerei der Familie mit. Zu unserer historischen Serie, für die bisher Adam Ritze (75) aus Hertingshausen schrieb, trägt Ria Ahrend aus Altenritte nun einige Folgen bei. Die 76-Jährige ist in Großenritte geboren und aufgewachsen, viele kennen sie als Buchautorin und Darstellerin der Märchenfrau Dorothea Viehmann. Ahrends Beiträge stammen aus ihrem Band „Rote Kirschen ess' ich gern", der 1997 erschien und inzwischen vergriffen ist.

In der Nachkriegszeit halfen die USA auch Großenritter Familien

In unregelmäßigen Abständen erhielt das Pfarramt in Großenritte Care-Pakete mit Bekleidung und Schuhen aus Amerika, die von „Care“, einer Hilfsorganisation der amerikanischen Bevölkerung, gespendet waren. Der Inhalt wurde dann nach Hilfsbedürftigkeit an die Bevölkerung verteilt.

Ein Care-Paket ist eingetroffen: Über solche Unterstützung aus den USA herrschte stets große Freude, zumal manchmal sogar Schokolade dabei war. Ich hatte das große Glück, ein Paar braune „Ami-Schuhe“, das waren halbhohe Stiefel aus Armeebeständen, nach der Zuteilung mein eigen zu nennen.

Mein späterer Ehemann und ich wollten uns damals am Kasseler Rathaus bei Pausewang treffen – beim ausgestopften Pferd, das in dem Schaufenster stand. Dann kam ich mit den besagten Ami-Schuhen im wahrsten Sinne des Wortes die Königsstraße hochgestiefelt. Später hat er mir gestanden, dass er bei diesem Anblick eigentlich schnellstens Leine ziehen wollte. Die Quäkerspeisung war eine Spende der amerikanischen Hilfsorganisation „Quäker“, die auch den Schulkindern der Stadt Kassel zugute gekommen ist.

Da ich zu der damaligen Zeit die Heinrich-Schütz-Schule in Kassel besuchte, kam auch ich in diesen Genuss. An jedem Schultag nach der zweiten Unterrichtsstunde erfolgte die Ausgabe der Schulspeise, welche in großen Kübeln oder Paketen angeliefert wurde. Es gab Kakao mit dicken Rosinenbrötchen, Erbsensuppe oder Kakao-Hafer-Suppe, außerdem manchmal als Sonderration Cadbury-Schokolade.

Einige aus den Klassen, die in der zweiten Unterrichtsstunde Turnen hatten, durften anschließend helfen, diese Speisen zu verteilen. Glück hatten die Schülerinnen, die bei der Turnlehrerin gut angesehen waren. Für die Verteiler gab es natürlich eine Extra-Portion Essen und noch ein Stück Cadbury-Schokolade. Auch ich durfte einige Male beim Austeilen der Schulspeise behilflich sein. Von Ria Ahrend


HNA-Serie "Früher im Bauna-Tal" mit Adam Ritze und Ria Ahrend

Adam Ritze: Teil 1 bis 17 | Teil 1: Erinnerungen an den Baunsberg | Teil 2: Amerikanische Besatzung | Teil 3: Zwei junge Männer ließen Leben | Teil 4: Erste Vertriebene kamen | Teil 5: Abenteuer im Baunsberg | Teil 6: Endlich wieder Kirmesvergnügen | Teil 7: Man lernte, was möglich war | Teil 8: Eine neue Glocke für die Kirche | Teil 9: Die Zeit, als sich alles änderte | Teil 10: Die Abrissbirne regiert im Dorf | Teil 11: Kriegsende zum Osterfest | Teil 12: Sirenengeheul prägte Schulzeit | Teil 13: Kindergartenzeit im Krieg | Teil 14: Luftmine fiel vom Himmel | Teil 15: Bei Angriff in den Splittergraben | Teil 16: Blick auf das brennende Kassel | Teil 17: Bombenangst im Keller | Ria Ahrend: Teil 18 bis 40 | Teil 18: Flucht in den Kirchenbunker | Teil 19: Füße auf dem Küchentisch | Teil 20: Schlange stehen fürs Brot | Teil 21: Schwein mit drei Beinen | Teil 22: Ein Dieb stahl die Marken | Teil 23: Neue Stiefel von den Amis | Teil 24: Auf Reisen in Trizonesien | Teil 25: Bucheckern für etwas Öl | Teil 26: Spielen mit den Lämmchen | Teil 27: Spaß mit Hickelkästchen | Teil 28: Morgenwäsche im Bach | Teil 29: Bunker sind unvergessen | Teil 30: Kaffeemühle war der Hit | Teil 31: Polster im Hosenboden | Teil 32: Baden bei Denn und Ditt | Teil 33: Kindliche Gaumenfreuden | Teil 34: Zum Zahnarzt ging’s mit Briketts | Teil 35: Omas am Spinnrad|Teil 36: Zum Geburtstag gab’s Klöße | Teil 37: Stinkattacke auf die Läuse | Teil 38: Klassenzimmer mit Kino | Teil 39/40: Mit Zöpfen auf dem Motorrad | Weitere Artikel: Teil: 41 Kreuzkirche feiert Jubiläum | Gotteshaus feiert 100-jähriges Bestehen | Besuch bei Molly in Besse | Englisch-Lektion auf der Treppe


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