Murhardsche Bibliothek

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Haus des Bürgersinns

1895 Jahren wurde die Murhardsche Bibliothek der Öffentlichkeit übergeben

Datei:Murhardsche 1.jpgDie Brüder Karl (1781-1863) und Friedrich Murhard (1778-1853) standen immer im Schatten eines anderen Bruderpaares ihrer Zeit - von Wilhelm und Jacob Grimm (siehe auch Brüder Grimm). Wohl haben die Grimms national und international eine wichtigere Rolle gespielt, doch das Größere für die Stadt haben die Brüder Murhard geleistet: Sie vermachten der Stadt ihren gesamten Grundbesitz und ihr Vermögen, und sie legten mit ihrer Stiftung den Grundstein für eine bedeutsame Bibliothek, die seit mehr als 100 Jahren ihren Namen trägt.

An einer Sache war den Brüdern besonders gelegen - an der Förderung der Bildung und der Lesekultur. So dachten sie sich die von ihnen gestiftete Bibliothek als eine Einrichtung für das Bürgertum, in der anspruchsvolle Leser große und teure Nachschlagewerke finden sollten, die für sie sonst nicht erreichbar waren. Ihre Murhardsche Bibliothek verstanden sie als Gegengründung zur fürstlichen Landesbibliothek - mit einem Anspruchsprofil, was Universitätsbibliotheken vergleichbar sein sollte.

Die Fügung der Geschichte wollte es, dass nach dem Zweiten Weltkrieg die Murhardsche Bibliothek erst mit der „gegnerischen“ Landesbibliothek vereinigt wurde und seit 1976 Teil der Universitätsbibliothek ist.

Geblieben ist ihr Standort in dem im Jahre 1905 nach dem Entwurf von Emil Hagberg fertig gestellten Neorenaissance-Bau am Brüder-Grimm-Platz. Heute wird die Murhardsche oft mit der Handschriftensammlung gleichgesetzt, die im Tresorraum des Gebäudes zu besichtigen ist. Doch die Handschriften und frühen Drucke sind die kostbaren Schätze der Landesbibliothek, deren Ursprünge im Jahre 1580 liegen und die deshalb 2005 ihr 425-jähriges Bestehen feiern kann.

Auch wenn die meisten Nutzer das nicht merken, werden unter einem Dach die Bestände von Murhardscher und Landesbibliothek getrennt ausgebaut. Während die Landesbibliothek ihren Schwerpunkt in der Landesgeschichte hat und alles Gedruckte aus der Region sammelt, konzentriert sich die Murhardsche im Sinne ihrer Stifter auf Bücher der Staats- und Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften und Germanistik. 190 000 Euro stehen im Jahr für Neuerwerbungen zur Verfügung.