Murhardsche Bibliothek: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zeile 19: Zeile 19:
  
 
== Hier lagern 450 000 Bücher ==
 
== Hier lagern 450 000 Bücher ==
'''Das Highlight ist das Hildebrand-Lied'''
+
'''''Das Highlight ist das Hildebrandlied'''''
  
 
Auch in Kassel gibt es eine Bibliothek, deren äußeres Erscheinungsbild herausragend ist und die zudem Schätze von kaum ermesslichem Wert hütet. Wer die Murhardsche Bibliothek betritt, geht durch keine Drehtür, sondern durch ein großes Portal mit einer schweren Holzpforte. Hohe Räume und große Fenster in einem historischen Gebäude kennzeichnen die Stiftung der Brüder Karl und Friedrich Murhard.  
 
Auch in Kassel gibt es eine Bibliothek, deren äußeres Erscheinungsbild herausragend ist und die zudem Schätze von kaum ermesslichem Wert hütet. Wer die Murhardsche Bibliothek betritt, geht durch keine Drehtür, sondern durch ein großes Portal mit einer schweren Holzpforte. Hohe Räume und große Fenster in einem historischen Gebäude kennzeichnen die Stiftung der Brüder Karl und Friedrich Murhard.  
Zeile 36: Zeile 36:
  
 
''Quelle: HNA vom 25. Oktober 2007; Autor: Thomas Siemon''
 
''Quelle: HNA vom 25. Oktober 2007; Autor: Thomas Siemon''
 +
  
 
'''Die Geschichte'''
 
'''Die Geschichte'''
Zeile 54: Zeile 55:
 
'''Das Infozentrum'''
 
'''Das Infozentrum'''
 
Im Erdgeschoss der Bibliothek befindet sich das Informationszentrum. Hier kann man sich persönlich beraten lassen oder an den Computerterminals selbst recherchieren. Im Infozentrum finden auch öffentliche Bibliothekskurse statt. In der Leseecke hat man die Wahl zwischen 20 aktuellen Tages- und Wochenzeitungen.
 
Im Erdgeschoss der Bibliothek befindet sich das Informationszentrum. Hier kann man sich persönlich beraten lassen oder an den Computerterminals selbst recherchieren. Im Infozentrum finden auch öffentliche Bibliothekskurse statt. In der Leseecke hat man die Wahl zwischen 20 aktuellen Tages- und Wochenzeitungen.
 +
 +
'''Der Freundeskreis'''
 +
Seit einem Jahr gibt es einen Freundeskreis der Landes- und Murhardschen Bibliothek. Förderpaten werden weiter gesucht. Sie können dazu beitragen, den Eulensaal und den Lesesaal noch attraktiver zu machen. Kontakt: Dr. Axel Halle, Leiter der Universitätsbibliothek, Tel. 804 37 26, E-Mail: direktion@bibliothek.uni-kassel.de

Version vom 25. Oktober 2007, 11:13 Uhr

Ein Haus des Bürgersinns

1895 wurde die Murhardsche Bibliothek der Öffentlichkeit übergeben

Ein Traum für Bücherfreunde: Die Murhardsche Bibliothek hat einen Bestand von 450 000 Druckerzeugnissen. Bibliothekarin Andrea Baer hat für uns einen der wertvollen alten Bände aus dem Regal geholt. Foto:Herzog

Die Brüder Karl (1781-1863) und Friedrich Murhard (1778-1853) standen immer im Schatten eines anderen Bruderpaares ihrer Zeit - von Wilhelm und Jacob Grimm (siehe auch Brüder Grimm). Wohl haben die Grimms national und international eine wichtigere Rolle gespielt, doch das Größere für die Stadt haben die Brüder Murhard geleistet: Sie vermachten der Stadt ihren gesamten Grundbesitz und ihr Vermögen, und sie legten mit ihrer Stiftung den Grundstein für eine bedeutsame Bibliothek, die seit mehr als 100 Jahren ihren Namen trägt.

An einer Sache war den Brüdern besonders gelegen - an der Förderung der Bildung und der Lesekultur. So dachten sie sich die von ihnen gestiftete Bibliothek als eine Einrichtung für das Bürgertum, in der anspruchsvolle Leser große und teure Nachschlagewerke finden sollten, die für sie sonst nicht erreichbar waren. Ihre Murhardsche Bibliothek verstanden sie als Gegengründung zur fürstlichen Landesbibliothek - mit einem Anspruchsprofil, was Universitätsbibliotheken vergleichbar sein sollte.

Die Fügung der Geschichte wollte es, dass nach dem Zweiten Weltkrieg die Murhardsche Bibliothek erst mit der „gegnerischen“ Landesbibliothek vereinigt wurde und seit 1976 Teil der Universitätsbibliothek ist.

Geblieben ist ihr Standort in dem im Jahre 1905 nach dem Entwurf von Emil Hagberg fertig gestellten Neorenaissance-Bau am Brüder-Grimm-Platz. Heute wird die Murhardsche oft mit der Handschriftensammlung gleichgesetzt, die im Tresorraum des Gebäudes zu besichtigen ist. Doch die Handschriften und frühen Drucke sind die kostbaren Schätze der Landesbibliothek, deren Ursprünge im Jahre 1580 liegen und die deshalb 2005 ihr 425-jähriges Bestehen feiern kann.

Auch wenn die meisten Nutzer das nicht merken, werden unter einem Dach die Bestände von Murhardscher und Landesbibliothek getrennt ausgebaut. Während die Landesbibliothek ihren Schwerpunkt in der Landesgeschichte hat und alles Gedruckte aus der Region sammelt, konzentriert sich die Murhardsche im Sinne ihrer Stifter auf Bücher der Staats- und Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften und Germanistik. 190 000 Euro stehen im Jahr für Neuerwerbungen zur Verfügung.


Hier lagern 450 000 Bücher

Das Highlight ist das Hildebrandlied

Auch in Kassel gibt es eine Bibliothek, deren äußeres Erscheinungsbild herausragend ist und die zudem Schätze von kaum ermesslichem Wert hütet. Wer die Murhardsche Bibliothek betritt, geht durch keine Drehtür, sondern durch ein großes Portal mit einer schweren Holzpforte. Hohe Räume und große Fenster in einem historischen Gebäude kennzeichnen die Stiftung der Brüder Karl und Friedrich Murhard.

Sie ist etwas Besonderes, ähnlich wie die Anna-Amalia-Bibliothek. „Es gibt noch eine Gemeinsamkeit“, sagt Susanne Rockenbach, die Leiterin der Murhardschen Bibliothek. Auch hier sind die elektrischen Leitungen zum Teil völlig veraltet. Einige stammen noch aus dem Jahr 1905, als die Bibliothek am Brüder-Grimm-Platz zum ersten Mal ihre Türen öffnete. Bei der anstehenden Sanierung sollen auch die Leitungen erneuert werden.

Ein Kabelbrand, der vermutlich die Anna-Amalia-Bibliothek in Flammen setzte, wäre auch für Kassel eine Katastrophe. Hier lagern 450 000 Bücher von kaum schätzbarem Wert. Allein die Handschriftensammlung der Murhardschen mit 10 000 Exemplaren ist nach Einschätzung von Experten 200 Milliarden Euro wert.

Ein ganz besonderer Schatz ist das Hildebrandlied, das geschützt im Tresorraum ausgestellt wird. Zwei dicht beschriebene Seiten, versteckt in einem dicken theologischen Band aus dem 9. Jahrhundert. Es sei für die damalige Zeit eine bodenlose Frechheit gewesen, was sich zwei junge Fuldaer Mönche geleistet hätten, so Susanne Rockenbach. Die sollten die Heilige Schrift kopieren, schmuggelten aber ein Stück germanischer Heldendichtung darunter, die sie vermutlich von einem fahrenden Sänger gehört hatten. Und zwar ganz am Anfang und ganz am Ende des dicken Buches. „Es gab ja noch kein Papier“, sagt Susanne Rockenbach. Deshalb sei das aus Tierhaut gewonnene Pergament so wertvoll gewesen.

Etwa 300 Schafe mussten allein für ein anderes wertvolles Schmuckstück ihr Leben lassen: den Willehalm-Codex von Wolfram von Eschenbach aus dem Jahr 1334. Ebenso wie die älteste Handschrift der Sammlung aus dem 6. Jahrhundert (De bello Judaico) ist das Hildebrandlied im klimatisierten Tresorraum der Murhardschen Bibliothek aufbewahrt. „Diese Bücher mit ihren hochwertigen Materialien bereiten uns weniger Schwierigkeiten als der Säurefraß an modernen Taschenbüchern“, sagt Susanne Rockenbach.

Ihr ist bewusst, dass die Murhardsche zu den schönsten Bibliotheksgebäuden weit und breit gehört. Es war ein Riesenglück, dass der holzvertäfelte Eulensaal bei einem Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Hier finden heute Vorträge und Lesungen statt, Feiern mit Musik und Theater - Unter den Augen der Eulen auf den Wandpfeilern, dem Symbol der griechischen Göttin der Weisheit, Pallas Athene.

Quelle: HNA vom 25. Oktober 2007; Autor: Thomas Siemon


Die Geschichte Die älteren Bestände der Murhardschen Bibliothek stammen aus der Hessischen Landesbibliothek. Die wurde bereits im Jahr 1580 von Landgraf Wilhelm IV. gegründet. Sein Nachfolger, Moritz der Gelehrte, fügte herausragende alchimistische Schriften und eine wertvolle Notensammlung hinzu.

Während des Dreißigjährigen Krieges kamen die Bestände der Fuldaer Bibliotheken (darunter das Hildebrandlied) hinzu. Die fürstliche Büchersammlung zog 1779 vom Renthof in das neu errichtete Museum Fridericianum um. Dort arbeiteten Wilhelm (ab 1814) und Jacob Grimm (ab 1816) als Bibliothekare. Sie fanden heraus, dass das Hildebrandlied in Stabreimform verfasst wurde: Die wichtigsten Worte beginnen mit dem gleichen Buchstaben.

Das Gebäude der Murhardschen Bibliothek stammt aus dem Jahr 1905. Nach der starken Beschädigung des Fridericianums im Jahr 1941 fand der Bestand des Landesmuseums 1957 in der Murhardschen Bibliothek eine neue Bleibe. Als moderne Universitätsbibliothek ist sie heute nicht nur für Studenten da. Jeder, der sich hier informieren will, kann einen Leihausweis beantragen.

Das Testament

hr Testament haben die Brüder Friedrich und Karl Murhard im Jahr 1845 gemacht. Die Gelehrten vermachten ihr gesamtes Vermögen ihrer Vaterstadt für eine wissenschaftliche Bibliothek. Die Murhards gelten als intellektuelle Wegbereiter des Liberalismus in Deutschland. Aus dem Stiftungsvermögen wurde die Bibliothek finanziert.

Die Adresse

Die Landesbibliothek und die Murhardsche Bibliothek gehören zur Kasseler Universitätsbibliothek. Die Adresse lautet Brüder-Grimm-Platz 4 A. Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 9 bis 18 und samstags von 10 bis 13 Uhr. Den Ausstellungstresor kann man montags, mittwochs und freitags von 14 bis 17 Uhr besichtigen.

Das Infozentrum Im Erdgeschoss der Bibliothek befindet sich das Informationszentrum. Hier kann man sich persönlich beraten lassen oder an den Computerterminals selbst recherchieren. Im Infozentrum finden auch öffentliche Bibliothekskurse statt. In der Leseecke hat man die Wahl zwischen 20 aktuellen Tages- und Wochenzeitungen.

Der Freundeskreis Seit einem Jahr gibt es einen Freundeskreis der Landes- und Murhardschen Bibliothek. Förderpaten werden weiter gesucht. Sie können dazu beitragen, den Eulensaal und den Lesesaal noch attraktiver zu machen. Kontakt: Dr. Axel Halle, Leiter der Universitätsbibliothek, Tel. 804 37 26, E-Mail: direktion@bibliothek.uni-kassel.de