Mit 50 Talern ging es los

Aus Regiowiki
Version vom 8. Juni 2008, 16:13 Uhr von 84.44.176.157 (Diskussion)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Bis das Krankenhaus 1878 eröffnen konnte, waren alle Bürger zu Spenden aufgerufen

Durch Spenden erbaut: das Mündener Krankenhaus wurde 1878 eingeweiht.
Repro: von Pezold

Von Dr. Johann Dietrich von Pezold

Hann. Münden. Der Gedanke an ein Krankenhaus in Münden kam in der Mitte der 1860er-Jahre auf. Konkrete Formen nahm er erst gegen Ende des Jahres 1873 an, nachdem ein Vermächtnis einer gerade verstorbenen Mündenerin von 50 Talern bekannt geworden war. Das Geld war zweckgebunden für ein Krankenhaus bestimmt, sofern mit dem Bau binnen fünf Jahren begonnen würde. Sämtliche Geistlichen der Stadt einschließlich des Lehrers der Mündener jüdischen Gemeinde traten zu einem Ausschuss zusammen und riefen zu Spenden auf.

Sammlung in Gotteshäusern

Ein Jahr später waren 704 Taler zusammen gekommen – durch Spenden von Einzelpersonen und Vereinen sowie Erträgen aus kulturellen Veranstaltungen und einerSammlung zu Gunsten des Krankenhausbaues, die zu Ostern 1874 in allen Mündener Gotteshäusern stattfand. Ein inzwischen vorliegender Kostenvoranschlag für das Krankenhaus mit acht Krankenzimmern samt Einrichtung, Nebenräumen und der Anlage eines Trinkwasserbrunnens belief sich auf 4450 Taler. Hinzu kamen geschätzte Betriebskosten von 475 Talern jährlich. Der Ausschuss erließ jetzt einen weiteren Aufruf, der sich auch an die nicht mehr in ihrer Heimatstadt lebenden Mündener richtete - unter ihnen etliche Juden. Dies führte zu der besorgten Nachfrage, ob das Krankenhaus als christliche Einrichtung geplant sei. Der Ausschuss versicherte unter Verweis auf sein jüdisches Mitglied, dass das Krankenhaus eine überkonfessionelle Einrichtung sein werde, für die „nur Gesichtspunkte der Humanität maßgebend sein“ würden.

Trotz weiterhin eingehenden Spenden hätte es noch Jahre gedauert, bis die erforderliche Bausumme zusammengekommen wäre, wenn nicht im Juni 1875 ein auswärtiger Mündener 12 000 Mark (seit dem 1.1.1876 war die Reichsmark alleiniges Zahlungsmittel: 1 Taler = 3 Mark) zugesagt hätte: unter der Voraussetzung, dass binnen drei Monaten von den Mündenern noch einmal die gleiche Summe durch Spenden eingehen und ein juristischer Träger für das Krankenhaus geschaffen werde.

Diakonisse aus Hannover

Umgehend wurde ein Krankenhausverein gegründet, der eine Haussammlung in der Stadt durchführte, die zum gewünschten Erfolg führte. Im Februar 1876 standen insgesamt 39 000 Mark zur Verfügung .

Auf der „Rennewiese“ am Vogelsang wurde ein Grundstück erworben. Die Bauzeichnungen lieferte Stadtbaumeister Bruno Ronicke. Die Grundsteinlegung fand am 11. August 1876 statt. Nach fast zweijähriger Bauzeit konnte das Krankenhaus am 12. Juni 1878 eingeweiht und mit sieben Betten für Erwachsene und zwei für Kinder der Betrieb begonnen werden. Ein Arzt kümmerte sich um die Patienten im Haus. Für die Krankenpflege hatte das Henriettenstift in Hannover eine Diakonisse entsandt.