Mariendorf

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Mariendorf ist eine ehemals selbständige Gemeinde im ehemaligen Kreis Hofgeismar und seit 1. Dezember 1970 ein Stadtteil der Stadt Immenhausen im Landkreis Kassel in Nordhessen.

Der Ort hat etwa 470 Einwohner.

Geografie

Mariendorf liegt nördlich von Immenhausen und südlich von Udenhausen, heute ein Stadtteil von Grebenstein.

Im Osten liegt der 395 m hohe Ahlberg im Reinhardswald.

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

Die Hugenottenkirche in Mariendorf

Landgraf Carl siedelte im 17. Jahrhundert französische Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) auch in der Stadt Hofgeismar sowie in der Umgegend der Stadt an. Etwa 265 Flüchtlinge trafen Anfang Februar 1686 in Hofgeismar ein.

1686 begann auch das Siedlungsprogramm des Landgrafen in den nach dem Dreißigjährigen Krieg vielfach zerstörten und entvölkerten Landstrichen. Neue Dörfer entstanden, als erste Carlsdorf (benannt nach Landgraf Carl) und Mariendorf (benannt nach seiner Ehefrau Maria Amelia).

Die Erbauung der zweiten nordhessischen Hugenottenkolonie in Mariendorf begann 1686 für vorwiegend waldensische Flüchtlinge, die aus Vars und anderen Orten im Dauphiné in Südfrankreich nach Hessen gekommen waren. Die eigentliche Geschichte des Ortes beginnt aber erst im April 1687 mit dem Umzug der bis dahin in Immenhausen untergebrachten ersten 110 Réfugiés.

Mariendorf wurde in Kreuzform angelegt, wie das benachbarte Carlsdorf wahrscheinlich nach Plänen von Paul du Ry, an den heute eine Straße im Dorf erinnert.

Schon bald wurde auch mit dem Bau der Dorfkirche begonnen. Eine lateinische Inschrift über dem Portal der zwischen 1701 und 1705 erbauten Mariendorfer Saalkirche verweist auf Landgräfin Maria Amelia, geborene Prinzessin von Kurland.

Relikt aus dem Bergbau

Zuvor hatte der erste Mariendorfer Pfarrer, Jean Laget aus Traverses im Pragelastal für die französischen Siedler in der Stadtkirche in Immenhausen gepredigt. Der französische Gottesdienst fand hier im Anschluss an deutschen Gottesdienst statt.

Erst unter Pfarrer Jacob le Blanc wurde mit dem eigenen Kirchbau in Mariendorf begonnen, der 1705 im Rohnbau fertiggestellt werden konnte. Noch lange weitere Jahre dauerte der Innenausbau, bevor der dritte Mariendorfer Pfarrer, Louis de Lescure die Kirche am 9. Juni 1710 einweihen konnte.

Bis zum Jahr 1739 bestand der Ort bereits aus 28 Höfen und fünf weiteren Häusern.

In unmittelbarer Nähe von Mariendorf wurden in früheren Jahren Ton und Braunkohle abgebaut. Am Ahlberg im Reinhardswald wurde, ähnlich wie am Gahrenberg, vom 18. Jahrhundert an bis 1925 Braunkohle untertage mit Hilfe eines Schrägstollens gefördert.

Von diesen Aktivitäten zeugen nur noch wenige Relikte, so ein Natursteinfundament mit vier eingelassenen Gewindestangen und der aus Backstein errichtete, etwa sieben Meter hohe Be- und Entlüftungsschacht an der Hauptstraße der Ahlberg-Siedlung.

Archäologisches Denkmal Ahlberg

Bushaltestelle Ahlberg

Etwa zwei Kilometer östlich der Ortsmitte Mariendorfs erhebt sich der 394,6 Meter hohe Ahlberg, an dessen Westflanke die kleine Ahlberg-Siedlung liegt. Der Ahlberg liegt am Westrand des großen Waldgebietes des Gutsbezirkes Reinhardswald. Sein Plateau hat eine Größe von 1,25 Hektar und ist nach allen Seiten befestigt. Es wird von einem Wall mit vor gelagertem Graben umschlossen, der an der Nord- und Ostseite fast gradlinig, an der Süd- und Westseite jedoch leicht bogenförmig verläuft. An der Südwestseite befand sich früher eine Tongrube, deren Zufahrt Graben und Wall unterbricht. Einige andere muldenförmige Vertiefungen im Bereich um das Plateau sind ebenfalls auf diese Materialgewinnung zurückzuführen. Im Südost- und Ostverlauf sind Wall und Graben gut sichtbar erhalten.

Als ursprünglicher Aufbau der heute als Wälle sichtbaren Befestigung ist Mauerwerk anzunehmen, da an einigen Stellen der Außenseite des Walls erkennbare Steine auf eine Mauerfront hin deuten. Form und Ausführung der Gräben und Wälle lassen auf Reste einer frühmittelalterlichen Befestigung schließen, die eine ältere eisenzeitliche Anlage überlagert, was Funde aus dieser Zeit bezeugen. Inmitten der frühmittelalterlichen Wehranlage wurde im Spätmittelalter an der höchsten Stelle ein Wartturm, wahrscheinlich als Pendant zur in Sichtweite befindlichen Udenhausener Warte, errichtet. Vom Ahlberger Wartturm sind noch Teile eines mächtigen Mauerfundaments erhalten. Reste einer Ringmauer, die um den Turm herum eine Fläche mit einem Durchmesser von etwa 15 Metern umschloss, sind im Gelände erkennbar.

Am Ahlberg wurde, ähnlich dem Gahrenberg, vom 18. Jahrhundert an bis 1925 Braunkohle untertage mit Hilfe eines Schrägstollens abgebaut. Von diesen Aktivitäten zeugen nur noch wenige Relikte, so ein Natursteinfundament mit vier eingelassenen Gewindestangen und der aus Backstein errichtete, etwa sieben Meter hohe Be- und Entlüftungsschacht an der Hauptstraße der Ahlberg-Siedlung.

Seit Herbst 2007 führt ein weiterer Rundweg des EcoMuseums Reinhardswald unter der Bezeichnung „EcoPfad Ahlberg-Mariendorf“ über den Ahlberg. Zwei Schautafeln erläutern die geologischen und archäologischen Besonderheiten des Ahlbergs. Der Weg ist von der Bushaltestelle Ahlberg aus gut beschildert und problemlos begehbar.

Literatur

  • Jochen Desel, „Hugenotten und Waldenser in und um Hofgeismar“ in: Hessische Heimat – Sonderheft Hofgeismar, Marburg 1978, S. 70 ff.
  • Jochen Desel, Die 300-Jahrfeiern in Carlsdorf und Mariendorf 1986 und 1987, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 1988, S. 77 ff.
  • Jochen Desel, Hugenottenkirchen in Hessen-Kassel, Bad Karlshafen 1992, S. 90 ff.
  • Rolf Gensen, „Die Ringwallanlage auf dem Ahlberg bei Immenhausen-Mariendorf“ in: Stadt und Landkreis Kassel. Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland 7, Stuttgart 1986, S.129ff.
  • Jörg Lindenthal, „Kulturelle Endeckungen - Archäologische Denkmäler in Hessen“, Darmstadt 2004, S.95, ISBN 3-934377-734
  • Website der evangelisch-reformierten Gemeinde

Kulturschmiede

Ort für kulturelle Veranstaltungen ist in Mariendorf die Kulturschmiede „Zum Hufschmied“ (Paul-du-Ry-Str. 4).

siehe auch

Weblinks


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