Margaretenkirche Kerstenhausen

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Örtlichkeit

Der verbuschte Schutthügel dieser ehemaligen Kirche befindet sich ca. ein Kilometer südöstlich des Ortsrandes vom nordhessischen Kerstenhausen, im Bereich einer Feldholzinsel. Kerstenhausen gehört heute zur Stadt Borken/Hessen. Das Dorf Klein - Kerstenhausen erstreckte sich vom Schutthügel in nordwestlicher Richtung zum heutigen Sportplatz, Richtung Schwalm.
Ruine Margaretenkirche 1929

Geschichte

Dieser, etwa rechteckige, verbuschte Bauschutthügel ist der Standort der ehemaligen Margaretenkirche von Klein-Kerstenhausen. Den Namen erhielt sie nach der heiligen Margareta(ohne th) (20.Juli) von Antiochien (Syrien), einer Heiligen die im dritten Jahrhundert lebte und als Patronin der Bauern galt. Im Jahr 1344 wird die Kirche in einer Urkunde erstmals erwähnt. Ausdrücklich als Kirche in Klein-Kerstenhausen (ecclesia minori kerstenhusen) wird sie 1464 genannt. Kerstenhausen war wohl in dieser Zeit eine Gemeinde mit eigenem Pfarrer. Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wird in Kerstenhausen kein Pfarrer mehr genannt. Da nach der Homberger Synode, im Oktober 1526, Hessen evangelisch wurde, dürfte auch in der Margaretenkirche noch evangelisch gepredigt worden sein. Bereits im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts wird Klein-Kerstenhausen von einem auswärtigen Pfarrer betreut, wahrscheinlich von dem Arnsbacher. Das Patronat der Margaretenkirche besaß die Familie von Löwenstein. In der Folgezeit, spätestens im 18. Jahrhundert wird Kerstenhausen Filial (Tochterkirche) von Arnsbach. Die Margaretenkirche ist in dieser Zeit bereits dem Verfall preisgegeben. Im Jahr 1742 wird im heutigen Kerstenhausen, dem damaligen Großkerstenhausen, mit dem Neu- bzw. dem Umbau der dortigen Kirche begonnen.

Der Verfall

Im Jahr 1929 stand von der Margaretenkirche in Klein-Kerstenhausen nur noch ein Mauerstück, welches wie ein drohender Finger in den Himmel ragte. Da es für die Rettung des letzten Restes,des einst bedeutenden Bauwerks kein Interesse gab, verfiel auch dieses letzte Stück zum unbedeutenden Steinhaufen, wie er sich heute darstellt. In vielen Karten, bis in die heutige Zeit, ist die Stelle der ehemaligen Margartenkirche noch eingezeichnet. Über den Verbleib der Inneneinrichtung (z.B. Altar, Kanzel, Glocke etc.) gibt es bisher keine Hinweise. Pfarrer Johann Hermann Kesler schreibt 1719, dass er auf dem ehemaligen Kirchhof von Klein-Kerstenhausen "die Gebeine der toten Körper noch mit eigener Hand los gegraben habe". Eine archäologische Enttrümmerung wäre vielleicht eine geeignete Maßnahme, mit einigen Freiwilligen und unter Leitung des archäologischen Landesamt für Denkmalpflege Marburg, um durch Abtragung der Trümmerhalde die Umrisse des ehemaligen Kirchengebäudes sichtbar zu machen und für die Nachwelt zu erhalten.

Klein-Kerstenhausen

Von dem Dorf Klein-Kerstenhausen wird 1578 nur noch ein Hof erwähnt, der sicherlich bald darauf auch verschwunden sein dürfte. Als letztes Zeugnis des Dorfes gilt die noch vorhandene Stütz- oder Einfriedungsmauer des ehemaligen Mühlengrundstücks, im Bereich der Schwalm, nahe des Sportplatzes.


Verbotene Wühlerei

Leider wird immer wieder festgestellt, dass irgendwelche "abenteuerlustigen Glücksritter" das geschützte Bodendenkmal heimsuchen und durchwühlen. Derartiges Verhalten zerstört die kulturellen Hinterlassenschaften unserer Vorfahren und ist deshalb auch zu Recht, gemäß Hessisches Denkmalschutzgesetz verboten.

Literatur

  • Friedrich Döring
- StAM:Urk.74,Nr.:606
- Friedrich Schunder, die von Löwenstein,Band II, 1955, Seite 64/65
- Werner Ide: Von Adorf bis Zwesten 1972, Seite 255/256
- Vera Schauber,Hans M. Schindler, Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf,1993, Seite 368/369

Siehe auch

WebLinks