Mühlsteine aus Borken(Hessen): Unterschied zwischen den Versionen

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Zur Fertigung dieser Handdrehmühlen wurden als Werkzeuge Rillenhämmer aus Hartbasalt und später Eisenwerkzeuge benutzt. Lag ein passendes Gesteinsstück für ein Teil der Drehmühle vor, wurde zunächst die runde Form grob heraus gearbeitet. Der obere Stein der Handdrehmühle, der Läufer wurde durchlocht (gebohrt oder gemeißelt). Danach wurden Läufer und unterer Stein (Unterlieger) in Form gebracht und ein Griff (Handhabe) zum Drehen in den Läufer eingearbeitet. Der letzte und schwierigste Schritt bestand darin die beiden Reibflächen von Unterlieger und Läufer aufeinander abzustimmen, so dass ein effektives mahlen gewährleistet werden konnte. [[Datei:Schema.JPG|thumb|300px|left|Schema einer latènezeitlichen Handdrehmühle]]
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Zur Fertigung dieser Handdrehmühlen wurden als Werkzeuge Rillenhämmer aus Hartbasalt und später Eisenwerkzeuge benutzt. Lag ein passendes Gesteinsstück für ein Teil der Drehmühle vor, wurde zunächst die runde Form grob heraus gearbeitet. Der obere Stein der Handdrehmühle, der Läufer wurde durchlocht (gebohrt oder gemeißelt). Danach wurden Läufer und unterer Stein (Unterlieger) in Form gebracht und ein Griff (Handhabe) zum Drehen in den Läufer eingearbeitet. Der letzte und schwierigste Schritt bestand darin die beiden Reibflächen von Unterlieger und Läufer aufeinander abzustimmen, so dass ein effektives mahlen gewährleistet werden konnte.
  
 
==Erkenntniss für die Archäologie==
 
==Erkenntniss für die Archäologie==

Version vom 27. Juni 2017, 23:30 Uhr

Handdrehmühlenproduktion im Borkener Stadtwald

Im Borkener Stadtwald, nördlich des Weinkopfes, wurden in der Latènezeit (etwa 500 v. Chr., vor etwa 2.500 Jahren) Mühlsteine für Handdrehmühlen gefertigt und auch im nordhessischen Bereich gehandelt. Das hierfür benötigte Steinmaterial bestand aus porösen feinporigen Basaltstein, der für die Handdrehmühlenherstellung sehr gut geeignet war. Der Abbau erfolgte oberirdisch. Die hierdurch entstandenen Pingen (trichterförmige Vertiefungen) von etwa 2 Meter Tiefe und 10 - 15 Meter Durchmesser

kann man auch heute noch gut erkennen.
Datei:Mühlstein.JPG
Fragment einer Handdrehmühle aus dem Borkener Stadtwald

Entdecker

Der Lehrer Heinrich Pitz fand 1954 einige runde, zerbrochen Mühlsteinfragmente im Wald. Da es gleich mehrere waren, folgerte er daraus, dass sich dort eventuell eine Produktionsstätte befunden haben könnte. Diese Vermutung veranlasste etwa 50 Jahre später, im Jahr 2003, die Wissenschaftlerin Dr. Stefanie Wefers Nachforschungen anzustellen. Die Handdrehmühlenexpertin aus Mainz stellte anhand einer Begehung und Untersuchungen fest, dass von 13 Proben allein 4 Proben dem Borkener Steinbruch zugewiesen werden konnten.

Fertigung

Datei:Schema.JPG
Schema einer latènezeitlichen Handdrehmühle

Zur Fertigung dieser Handdrehmühlen wurden als Werkzeuge Rillenhämmer aus Hartbasalt und später Eisenwerkzeuge benutzt. Lag ein passendes Gesteinsstück für ein Teil der Drehmühle vor, wurde zunächst die runde Form grob heraus gearbeitet. Der obere Stein der Handdrehmühle, der Läufer wurde durchlocht (gebohrt oder gemeißelt). Danach wurden Läufer und unterer Stein (Unterlieger) in Form gebracht und ein Griff (Handhabe) zum Drehen in den Läufer eingearbeitet. Der letzte und schwierigste Schritt bestand darin die beiden Reibflächen von Unterlieger und Läufer aufeinander abzustimmen, so dass ein effektives mahlen gewährleistet werden konnte.

Erkenntniss für die Archäologie

Diese für Borken sehr aufschlussreichen Erkenntnisse der Archäologie rückten die latènezeitliche Handdrehmühlenproduktion in ein völlig neues Licht. Die bisherige Auffassung, dass in Nordhessen gefundene Handdrehmühlen aus Vulkaniten sämtlich den Produktionsstätten in den Lavaströmen der Eifelvulkane zuzuordnen seien, kann, bedingt durch das Forschungsergebnis von Frau Dr. Stefanie Wefers nicht mehr aufrecht erhalten werden. Dabei nimmt der Steinbruch im Borkener Stadtwald eine Pilotfunktion ein, da es durchaus realistisch erscheint, dass noch weitere regionale Produktionsstätten künftig gefunden werden.



Literatur

  • Friedrich Döring
 - Heinrich Pitz, Die Entwicklung des Amtes Borken, S. 13 vom 18.10.1954
 - Dr. Stefanie Wefers, Latènezeitliche Drehmühlen im nordmainischen Hessen, 2004
 - Dr. Stefanie Wefers, Latènezeitliche Drehmühlen aus dem Gebiet zwischen den Steinbruchrevieren Mayen und Lovosice, 2012