Märchenlandweg: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zeile 20: Zeile 20:
 
Etwa die von der standhaften Elisabeth. Die Dittershäuser Bäuerin Elisabeth Eskuche war 1574 wegen Ehebruchs, Zauberei und Mordes an ihrem Ehemann angeklagt worden. Obwohl sie schwere Folterungen über sich ergehen lassen musste, weigerte sie sich, ein Geständnis abzulegen. Die Schöffen lehnten deshalb einen Schuldspruch ab.
 
Etwa die von der standhaften Elisabeth. Die Dittershäuser Bäuerin Elisabeth Eskuche war 1574 wegen Ehebruchs, Zauberei und Mordes an ihrem Ehemann angeklagt worden. Obwohl sie schwere Folterungen über sich ergehen lassen musste, weigerte sie sich, ein Geständnis abzulegen. Die Schöffen lehnten deshalb einen Schuldspruch ab.
  
Da der Fall großes Aufsehen erregte, schaltete sich [[Landgraf Wilhelm IX.]] ein. In einem Schreiben an den Schultheiß und den Rat zu Cassel zeigte er sich erbost über die Schöffen und forderte, die Beklagte noch einmal ins Wasser zu werfen und ein scharfes Urteil zu fällen. Zumal die eingekerkerte Bäuerin den Fluch ausgestoßen haben soll: Alldieweil ich hier gefangen sitze, soll es kein schönes Wetter am Himmel geben. Der Landgraf hatte bereits 1572 eine neue Ordnung erlassen, wonach auf Ehebruch die Todesstrafe stand. Folglich verlangte er, die Dittershäuser Bäuerin zumindest wegen ihrer Treulosigkeit zu verurteilen.
+
Da der Fall großes Aufsehen erregte, schaltete sich [[Kurfürst Wilhelm I.|Landgraf Wilhelm IX.]] ein. In einem Schreiben an den Schultheiß und den Rat zu Cassel zeigte er sich erbost über die Schöffen und forderte, die Beklagte noch einmal ins Wasser zu werfen und ein scharfes Urteil zu fällen. Zumal die eingekerkerte Bäuerin den Fluch ausgestoßen haben soll: Alldieweil ich hier gefangen sitze, soll es kein schönes Wetter am Himmel geben. Der Landgraf hatte bereits 1572 eine neue Ordnung erlassen, wonach auf Ehebruch die Todesstrafe stand. Folglich verlangte er, die Dittershäuser Bäuerin zumindest wegen ihrer Treulosigkeit zu verurteilen.
  
 
Der Schultheiß zog sich aus der Affäre, indem er die Akten an die juristische Fakultät der Universität Marburg schickte, um den Rat der Rechtsexperten einzuholen. Diese kamen zur Einsicht, wegen Mordes könne die Frau nach Aktenlage nicht belangt werden. Der Ehebruch sei zwar nach In-Kraft-Treten des neuen Erlasses begangen worden, aber für den Prozess nicht bedeutsam genug. Doch der Landgraf ließ nicht locker. Die Bäuerin wurde schließlich wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt.
 
Der Schultheiß zog sich aus der Affäre, indem er die Akten an die juristische Fakultät der Universität Marburg schickte, um den Rat der Rechtsexperten einzuholen. Diese kamen zur Einsicht, wegen Mordes könne die Frau nach Aktenlage nicht belangt werden. Der Ehebruch sei zwar nach In-Kraft-Treten des neuen Erlasses begangen worden, aber für den Prozess nicht bedeutsam genug. Doch der Landgraf ließ nicht locker. Die Bäuerin wurde schließlich wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt.

Version vom 11. April 2008, 14:34 Uhr

Auf dem Märchenland-Wanderweg werden Geschichte und Geschichten der Region lebendig

Theaterstücke, lebende Märchenfiguren und Märchenspeisen erfreuen das Herz des Wanderers

Tafel am Märchenlandweg vor Schloss Wilhelmsthal

Das Streckennetz des 2000 neu eingerichteten Märchenlandwegs wurde vom Verein für Regionalentwicklung im Landkreis Kassel e.V. und dem Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatverein (HWGHV) gemeinsam erarbeitet. Rund 300 Kilometer umfasst der neue Märchenlandweg im Gebiet des Habichts- und Reinhardswaldes, der Söhre und des Kaufunger Waldes.

Das Wegenetz reicht von Bad Karlshafen im Norden über Wahlsburg, Trendelburg, Reinhardshagen, Immenhausen, Ahnatal bis nach Fuldabrück im Süden und verbindet 26 Gemeinden des Landkreises und der Stadt Kassel und Hannoversch Münden. Ein charakteristisches weißes M mit Schlenker weist den Wanderern den Weg.

Am 17. September 2000 wurde der Märchenlandweg offiziell eröffnet.

Das Projekt Märchenlandweg soll die Vielfalt örtlicher Sagen und Märchen der Brüder Grimm für Besucher und Einheimische sinnlich erfahrbar machen. Dazu gehörten zum Beispiel Theaterstücke, lebende Märchenfiguren vom Ritter Dittrich und der Reinhardswaldkönigin in Hofgeismar, zahlreiche Schaukästen, zum Beispiel zum Sterntaler in Breuna und Informationstafeln.

Skulpturen, Märchenerzähler, eine Märchenspeisekarte, eine Märchentöpferei und das Brüder-Grimm-Museum in Kassel sind weitere Streckenpunkte.

Geschichte und Geschichten

Geschichten von Ehebruch und Steinschiffern

Er ist 350 Kilometer lang, führt von Wahlsburg bis Guxhagen und zeigt dem Wanderer, wo der Gestiefelte Kater zu Hause war und Rapunzel ihr Haar herunterließ. Die Stationen des Märchenlandwegs erinnern an die Märchen der Brüder Grimm. In Fuldabrück indessen wollte man es damit nicht bewenden lassen. Hier wurden auf Betreiben des Heimat- und Geschichtsvereins Dennhausen/ Dittershausen wahre Begebenheiten für die Wanderer dokumentiert.

Etwa die von der standhaften Elisabeth. Die Dittershäuser Bäuerin Elisabeth Eskuche war 1574 wegen Ehebruchs, Zauberei und Mordes an ihrem Ehemann angeklagt worden. Obwohl sie schwere Folterungen über sich ergehen lassen musste, weigerte sie sich, ein Geständnis abzulegen. Die Schöffen lehnten deshalb einen Schuldspruch ab.

Da der Fall großes Aufsehen erregte, schaltete sich Landgraf Wilhelm IX. ein. In einem Schreiben an den Schultheiß und den Rat zu Cassel zeigte er sich erbost über die Schöffen und forderte, die Beklagte noch einmal ins Wasser zu werfen und ein scharfes Urteil zu fällen. Zumal die eingekerkerte Bäuerin den Fluch ausgestoßen haben soll: Alldieweil ich hier gefangen sitze, soll es kein schönes Wetter am Himmel geben. Der Landgraf hatte bereits 1572 eine neue Ordnung erlassen, wonach auf Ehebruch die Todesstrafe stand. Folglich verlangte er, die Dittershäuser Bäuerin zumindest wegen ihrer Treulosigkeit zu verurteilen.

Der Schultheiß zog sich aus der Affäre, indem er die Akten an die juristische Fakultät der Universität Marburg schickte, um den Rat der Rechtsexperten einzuholen. Diese kamen zur Einsicht, wegen Mordes könne die Frau nach Aktenlage nicht belangt werden. Der Ehebruch sei zwar nach In-Kraft-Treten des neuen Erlasses begangen worden, aber für den Prozess nicht bedeutsam genug. Doch der Landgraf ließ nicht locker. Die Bäuerin wurde schließlich wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt.

Dramen wie dieses sind zum Glück selten in der Geschichte der Gemeinde Fuldabrück. Nicht ungefährlich war indes der Fährbetrieb über die Fulda, von dem eine Tafel den Wanderern berichtet. Andere erinnern zum Beispiel an die Steinschiffer, die Furten durch die Fulda oder die Flussfischerei. Zusammengetragen wurden die Informationen vom Heimat- und Geschichtsverein, dessen Vorsitzender Heinz Gerlach nicht ruhte, bis alle Details am Tageslicht waren. So musste eine alte Akte über das Schicksal der treulosen Bäuerin erst in unser heutiges Deutsch übersetzt werden.

Die Märchen der Grimms kennt doch jeder, sagt Gerlach über seine Idee, an historische Begebenheiten zu erinnern. Aber die wahre Geschichte? Die ist zuweilen eng mit den Märchenschreibern verbunden. So soll die Mutter der Grimms ihren Umzug von Bad Hersfeld nach Kassel mit einem Marktschiff bewältigt haben, das auf der Fulda verkehrte. Und die Brüder Grimm pflegten offenbar beste Verbindungen zum Gut Freienhagen. Zwei der neun Tafeln in Fuldabrück sind denn auch Grimmschen Märchen gewidmet - dem Teufel mit den drei goldenen Haaren und dem Eisenhans. 3800 Mark hat die Gemeinde nach Angaben von Ordnungsamtsleiter Achim Mihr für die Tafeln und die hölzernen Wegweiser ausgegeben, die auf den Märchenlandweg verweisen.

In Fuldabrück führt er von Rengershausen über Dennhausen/ Dittershausen an der Fulda entlang nach Bergshausen. Von dort gehts über die neue Fuldabrücke über die Söhre zurück nach Dennhausen und von dort nach Dörnhagen. Die märchenhafte Route ist vor allem am Wochenende auch bei Radfahrern ein beliebtes Ausflugsziel.

Der Tambour von Wilhelmsthal

Wilhelmsthal Schloss 2.jpg

In der "Schlacht bei Wilhelmsthal" wurde die französische Armee im Siebenjährigen Krieg hier am 24. Juni 1762 geschlagen - ebenso bei der späteren Schlacht bei Lutternberg am 23. Juli 1762 - und zog sich aus Hessen zurück.

Im Küchenflügel des Schlosses kann man in einer Ausstellung von Dioramen mit Zinnsoldaten sehr anschaulich einige Schlachtsituationen nachvollziehen.

Die Geschichte des Tambours von Wilhelmsthal ist auf einer Tafel vor dem Haupteingang nachzulesen. Nach der Überlieferung stammte er aus Burguffeln, heute ein Stadtteil von Grebenstein. In der Schlacht bei Wilhelmsthal trommelte der junge, unerfahrene Tambour nicht das Kommando „zum Sammeln“ sondern „zum Sturm“, was letztlich zum Sieg über die französischen Truppen geführt haben soll.

siehe auch

Links