Louis Spohr: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Vom Lotterhaufen zum Spitzenorchester'''  
 
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Hofkapellmeister, Geiger, Komponist: Louis Spohr (1784-1859) verkörpert Kassels musikalische Glanzzeit
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''Hofkapellmeister, Geiger, Komponist: Louis Spohr (1784-1859) verkörpert Kassels musikalische Glanzzeit''
  
 
Kurfürst Wilhelm II. hatte ehrgeizige Pläne, als er 1822 den 38-jährigen Louis Spohr als Hofkapellmeister nach Kassel holte. In seinen Erinnerungen schreibt Spohr, damals längst ein europaweit bekannter Geiger und Dirigent: Der Kurfürst wünsche, „seine Oper durch mich zu einer der ausgezeichnetsten Deutschlands gebracht zu sehen“.
 
Kurfürst Wilhelm II. hatte ehrgeizige Pläne, als er 1822 den 38-jährigen Louis Spohr als Hofkapellmeister nach Kassel holte. In seinen Erinnerungen schreibt Spohr, damals längst ein europaweit bekannter Geiger und Dirigent: Der Kurfürst wünsche, „seine Oper durch mich zu einer der ausgezeichnetsten Deutschlands gebracht zu sehen“.

Version vom 26. Januar 2007, 18:37 Uhr

(geb. 5.4.1784 in Braunschweig, gest. 22.10 1859 in Kassel)

Louis Spohr war einer der bekanntesten Komponisten und Dirigenten, vor allem aber war er neben Paganini der berühmteste Violinvirtuose seiner Zeit.

1822 wurde er Hofkapellmeister in Kassel, von 1848 bis 1857 war er Generalmusikdirektor. Die Hofoper wurde unter seiner Leitung eines der führenden Häuser in Deutschland. 1857 wurde er, nicht zuletzt aufgrund politischer Konflikte mit dem Kurfürsten, von Friedrich-Wilhelm I. zwangspensioniert.

1883 wurde direkt vor seiner Kasseler Wirkungsstätte, dem Hoftheater (heute Kaufhof) zu seinen Ehren das Spohr-Denkmal auf dem Opernplatz eingeweiht. Es zeigt ihn mit seiner Geige. Auch die im Stadtzentrum gelegene Spohrstraße wurde nach ihm benannt, er ist Ehrenbürger der Stadt Kassel und sein Grab auf dem Hauptfriedhof ist ein Ehrengrab.

Eine Louis-Spohr-Gedenk- und Forschungsstätte verbunden mit einem Museum der Geschichte des Violinspiels befindet sich im Palais Bellevue an der Schönen Aussicht 2.

In den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es ein sogenanntes Spohr-Quartett (Streich-Quartett). Diese Musiker spielten an fast allen Kasseler Schulen und machten den damaligen Schülern "ihren Komponisten" bekannt.


Vom Lotterhaufen zum Spitzenorchester

Hofkapellmeister, Geiger, Komponist: Louis Spohr (1784-1859) verkörpert Kassels musikalische Glanzzeit

Kurfürst Wilhelm II. hatte ehrgeizige Pläne, als er 1822 den 38-jährigen Louis Spohr als Hofkapellmeister nach Kassel holte. In seinen Erinnerungen schreibt Spohr, damals längst ein europaweit bekannter Geiger und Dirigent: Der Kurfürst wünsche, „seine Oper durch mich zu einer der ausgezeichnetsten Deutschlands gebracht zu sehen“.

Der Wunsch wurde dem Kurfürsten erfüllt. Die 35 Jahre, in denen Spohr das Hoftheater leitete, erwiesen sich als das goldene Theater-Zeitalter Kassels. In kurzer Zeit machte er aus der 40-köpfigen Hofkapelle, die er als verlotterten Haufen eigentlich begabter Musiker übernahm, ein Spitzenensemble.

1823, ein Jahr nach seinem Amtsantritt, feierte er mit der Uraufführung seiner eigenen Oper „Jessonda“ einen Riesenerfolg. Mit demselben Werk verabschiedete sich Spohr 1857 auch vom Kasseler Publikum. Der 73-jährige Generalmusikdirektor (damals ein seltener Ehrentitel) ging allerdings nicht ganz freiwillig, sondern wurde von Kurfürst Friedrich Wilhelm I. altershalber in Pension geschickt.

Spohr hatte nicht nur als Dirigent und Komponist Kassels Oper bekannt gemacht. Er war einer der angesehensten Musiker seiner Zeit. Viele berühmte Kollegen besuchten ihn in Kassel und gaben hier Konzerte. Franz Liszt gehört zu diesen Stars von damals, Felix Mendelssohn, Clara Schumann, Johannes Brahms und der Teufelsgeiger Niccolo Paganini.

Als Geigenlehrer begründete Spohr die „Kasseler Schule“. 145 Schüler trugen ihren Ruf in alle Welt - wie Ureli Corelli Hill, der Gründer der New York Philharmonic Society.

Auch Kassels Wagner-Tradition geht auf Louis Spohr zurück. 1843 brachte er in Kassel den „Fliegenden Holländer“ heraus, nur fünf Monate nach der Dresdner Uraufführung.

Immer wieder hatte der liberale Spohr Ärger mit seinen fürstlichen Arbeitgebern. Und der frühe Tod seiner Frau Dorette 1834 traf den 50-Jährigen ins Mark. Insgesamt aber verlebte der gebürtige Braunschweiger in Kassel eine glückliche Zeit. Er wohnte in einem repräsentativen Haus vor dem Kölnischen Tor (heute Spohrstraße). Und als Spohr am 22. Oktober 1859 in Kassel starb, trauerte die ganze Stadt um ihren großen Bürger. (w.f.)


Links

Literatur

Engelbrecht, Christiane u.a.: Theater in Kassel. Bärenreiter-Verlag Kassel 1959