Louis-Peter-Straße

Aus Regiowiki
Version vom 12. Mai 2016, 15:04 Uhr von Chartung (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hieß die Louis-Peter-Straße in Korbach noch Skagerrakstraße. Heute erinnert die Verbindung zwischen Briloner und Medebacher Landstraße an einen der ganz Großen Waldecks: den Begründer der Korbacher Gummiindustrie, Louis Peter.

Lage

Die Louis-Peter-Straße verbindet die Briloner mit der Medebacher Landstraße.

Geschichte

Bis zum Ende des 2. Weltkriegs hieß sie noch Skagerrakstraße. Sie war allerdings nicht mehr als ein befestigter, mit Obstbäumen bestandener Feldweg, an dem Gartenanlagen und landwirtschaftliche Flächen lagen. Sie endete an der nördlichen Grenze des Hauerplatzes. Heute stehen an dieser Straße beidseitig große, zumeist genossenschaftliche zwei- oder dreigeschossige Mehrfamilienhäuser, die Ende der vierziger und Anfang der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erbaut wurden. Dabei ging es vor allem darum, für die vielen Neubürger, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Flüchtlinge, Vertriebene oder Bombengeschädigte nach Korbach gekommen waren, bescheidenen Wohnraum zu schaffen.

Bis 1841

Aber nicht nur Wohnhäuser wurden hier erbaut. Es entstanden auch die Louis-Peter-Schule, heute Haupt- und Realschule, ferner das Arbeitsamt und schließlich auch die Stadthalle mit Hallenbad und Hotel Touric. Nach der Neugestaltung der Hauer bildet die Louis-Peter-Straße den oberen Abschluss dieses Platzes. Die Stadt Korbach nahm eine Umbenennung dieses Teilstücks der Skagerrakstraße vor, um damit einen ihrer Ehrenbürger angemessen zu ehren. Bis dahin trug das kurze Straßenstück zwischen Arolser Landstraße und Werkseingang der Continentalwerke, die heutige Continentalstraße, den Namen Louis-Peter-Straße. Beginn als Kassenbote Wer war Louis Peter? Er wurde am 21. Februar 1841 in Alleringhausen geboren. Sein Taufname war Friedrich Ludwig.

Bis 1902

Erst später nannte er sich nach der Mode jener Zeit Louis". Seine Eltern waren Ackermann und Richter (Bürgermeister) Carl Heinrich Peter und Louise, geborene Fieseler, aus Flechtdorf. Er war das fünfte von sieben Kindern. Nachdem er die einklassige Volksschule seines Heimatortes verlassen hatte, ging er als Gehilfe auf den Hof Jäger in Lengefeld. Seine Militärpflicht leistete Peter bei den Dreiundachtzigern" in Arolsen ab. 1863 ging er nach Frankfurt, wo er als Zubringer und Kassenbote im Gummiwarengeschäft Roller auf der Zeil arbeitete. 1866 musste er wieder Soldat werden. Auf der Seite Preußens nahm er an dem Preußisch-Österreichischen Krieg teil. Danach zog es ihn wieder nach Frankfurt. In der Kaiserstraße eröffnete er ein eigenes Gummiwarengeschäft. Bald war er in der Lage, einige Grundstücke zu kaufen. Nach seiner am 28. Januar 1870 erfolgten Heirat mit Margarete Claus gründete er 1872 die Mitteldeutsche Gummiwarenfabrik Louis Peter, Frankfurt am Main". Hier wurden vorwiegend Wasser- und Bierschläuche, später auch Fahrrad- und Autoreifen gefertigt, 1904/05 wurde ein neues Fabrikgebäude bezogen. Seine Firma wurde eine Aktiengesellschaft. In einem von Rektor Schierholz gekauften Garten an der Lengefelder Straße ließ sich Louis Peter 1902 nach den Plänen von Kreisbaurat Müller die Peter-Villa" bauen, die sich heute im Besitz einer Korbacher Unternehmerfamilie befindet. Peters Heimatgemeinde Alleringhausen ernannte ihn 1902 zum Ehrenbürger.

Bis 1921

Dort ließ Peter eine evangelische Kirche erbauen, die 1905 in Anwesenheit des Fürstenpaares eingeweiht wurde. 1907 bat eine Abordnung Korbacher Bürger Louis Peter um Unterstützung bei der Schaffung eines Industriestandortes Korbach, um die Stadt aus dem Schlaf dieses wirtschaftlich stagnierenden Ackerbürgerstädtchens herauszuführen. Peter kaufte 1907 etwa 50 Morgen Land am Rande der Korbacher Bahnanlagen für den Bau eines Zweigwerkes seiner Frankfurter Gummifabrik. Noch im gleichen Jahr wurde der Grundstein gelegt und bereits 1908 die Produktion begonnen. Neben den mehrfach erweiterten Fabrikanlagen entstand auf dem Gelände auch der Brauereibetrieb Kiliansbräu", der allerdings wenig florierte und später verkauft wurde. Heute befindet sich in diesen ehemaligen Brauereigebäuden das VEW. Außerdem ließ Peter ein repräsentatives, sicher für damalige Verhältnisse um einige Nummern zu großes Verwaltungsgebäude errichten. Am Rande der Werksanlagen entstand schließlich die Kolonie" für Werksangehörige. Leider musste Louis Peter im Alter erleben, dass er infolge einer Krise in der Gummiindustrie aus dem Unternehmen, das er als sein Lebenswerk betrachtet hatte, ausscheiden musste. Die Mitteldeutsche Gummiwarenfabrik" nannte sich später Peters Union". Sie ist der Vorläufer der heutigen Continental AG und der ContiTech GmbH. Als Ehrenbürger Korbachs starb er am 26. Februar 1921, fünf Tage nach seinem 80. Geburtstag.