Lilli Jahn: Unterschied zwischen den Versionen

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* [http://www.museum-hofgeismar.de/w3a/cms/Home/Sammlungen/Geschichte/Juedische_Kultur/Juedische_Kultur_in_Nordhessen.146.html Sammlung jüdische Kultur im Stadtmuseum Hofgeismar]
 
* [http://www.museum-hofgeismar.de/w3a/cms/Home/Sammlungen/Geschichte/Juedische_Kultur/Juedische_Kultur_in_Nordhessen.146.html Sammlung jüdische Kultur im Stadtmuseum Hofgeismar]
  

Version vom 1. März 2008, 00:10 Uhr

Lilli Jahn, geb. Schlüchterer (* 5. März 1900 in Köln), Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie, studierte Medizin und heiratete 1926 den jungen Arzt Ernst Jahn, mit dem sie in Immenhausen im Landkreis Kassel eine gemeinsame Hausarztpraxis eröffnet. Das Ehepaar hatte fünf Kinder, darunter der spätere Bundesjustizminister Gerhard Jahn.

Mit den Folgen von Hitlers "Machtergreifung" werden die Jahns erstmals Ende März 1933 konfrontiert. SA-Leute verhaften in Immenhausen Sozialdemokraten und Kommunisten. Die übel zugerichteten Leute werden am nächsten Tag in der Praxis von Ernst Jahn medizinisch versorgt. Aber auch der eben noch geachteten Arztfamilie geht man zunehmend aus dem Wege. Im Juli 1943 wird Lilli Jahn auf Betreiben des stellvertretenden Ortsgruppenleiters der NSDAP und Bürgermeisters aus Immenhausen vertrieben.

Nach der Scheidung - ihr Ehemann heiratete danach eine jüngere Kollegin - lebte Lilli Jahn vorübergehend mit ihren fünf Kindern in einer Etagenwohnung in Kassel, musste später Zwangsarbeit im Lager Breitenau leisten und wurde über Dresden nach Ausschwitz deportiert. Im September 1944 erhielten die Kinder in Immenhausen die Nachricht vom Tod ihrer Mutter.

An das Schicksal der im Zweiten Weltkrieg verfolgten Ärztin Lilli Jahn erinnert das von Martin Doerry editierte und kommentierte Buch „Das Leben der Lilli Jahn 1900-1944“ mit zahlreichen Briefen der Verfolgten.

Zum Gedenken an Lilli Jahn pflanzte ihr Sohn Gerhard Jahn 1962 zwei Bäume zu Ehren seiner Mutter in Yad Vashem in Jerusalem. Ihre Großcousine und enge Freundin Lotte Paepcke überlebte die Nazizeit, wurde Schriftstellerin und erinnerte an sie im Jahre 1952 in ihrer Autobiografie „Unter einem fremden Stern“.

In der Gedenkstätte Breitenau erinnert seit 1992 eine Vitrine mit Briefen und weiteren Erinnerungsstücken an Lilli Jahn.

In Immenhausen wurden 1995 eine Straße und 1999 die örtliche „Grundschule“ nach ihr benannt. Eine Gedenktafel am Haus Lindenstr. 11 in Immenhausen erinnert ebenfalls an die jüdische Ärztin.

Im Stadtmuseum Hofgeismar wird an 453 jüdische Opfer der Nazi-Zeit erinnert, die aus den Städten und Gemeinden der früheren Landkreise Hofgeismar, Kassel und Wolfhagen stammen.

Literatur

Martin Doerry, "Mein verwundetes Herz. Das Leben der Lilli Jahn 1900 - 1944"

siehe auch

Weblinks