Landgraf Friedrich II.

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Datei:Friedrich-Statue am Friedrichsplatz R Stiehl.jpg
Landgraf Friedrich II.
Denkmal auf dem Friedrichsplatz in Kassel

Friedrich II. von Hessen-Kassel (* 14. August 1720; † 31. Oktober 1785) war von 1760 bis 1785 Landgraf von Hessen-Kassel und Sohn des Landgrafen Wilhelm VIII.; er trat zum katholischen Glauben über. Bekannt wurde er als erster Fürst der Aufklärung in Hessen.

In seinem Auftrag wurde der Friedrichsplatz angelegt, der im 18. Jahrhundert einer der größten Stadtplätze Europas war und eine Verbindung zwischen der Altstadt und der Oberneustadt in Kassel schuf.

Friedrich II. wurde in der von ihm begründeten katholischen Sankt Elisabeth-Kirche in Kassel beigesetzt.

Bauwerke und Spuren aus der Zeit des Landgrafen

Viele Menschen denken bei der der Landgrafschaft Hessen-Kassel wegen der spektakulären Bauten und Hinterlassenschaften in erster Linie an die Landgrafen Karl (Herkules, Karlsaue, Karlshafen etc.), Wilhelm VIII. (Schloss Wilhelmsthal, Gemäldesammlung) und Wilhelm IX., den späteren Kurfürsten Wilhelm I. (Schloss Wilhelmshöhe, Löwenburg), aber auch Friedrich II. hat wichtige Spuren hinterlassen.

Kassel

In Kassel enstanden unter seiner Regentschaft

  • das Fridericianum, ein Musterbeispiel für klassizistische Architektur und das erste öffentliche Museum auf dem Kontinent,
  • die Obere und Untere Königsstraße,
  • der Königsplatz,
  • das Königstor (die Namen weisen auf seinen Onkel Friedrich I., den schwedischen König hin)
  • und natürlich der Friedrichsplatz, auf dem seine Statue (siehe Foto oben) an ihn erinnert.

Bedeutender Baumeister war Simon Louis du Ry, der überhaupt ein Hauptrepräsentant des Klassizismus in Kassel war.

Friedrich II. siedelte Industrie und Manufakturen an, er holte aber auch Künstler und Gelehrte nach Kassel. Das erste frei zugängliche Museum des europäischen Festlands, das Fridericianum, entstand 1779.

Ohnehin ist das Kasseler Kulturleben auch heute noch ohne Friedrich schwer vorstellbar.

Die „Académie de Peinture et de Sculpture de Cassel“, Vorgänger der heutigen Kunsthochschule, wurde 1777 von ihm eröffnet.

Die Kunstsammlungen im Schloss Wilhelmshöhe, die vor allem von seinem Vater Wilhelm VIII. zusammengetragen worden waren, wurden von ihm ergänzt, insbesondere geht die Antikenabteilung auf ihn zurück, und vor allem wurden diese Schätze der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Deswegen sieht man trotz der Subsidienverträge Friedrich II. als aufgeklärten Herrscher.

Auch die heutige Prägung der Gartenanlagen, insbesondere von Wilhelmshöhe, geht auf ihn zurück, da er den Übergang von der barocken Gartengestaltung zur Anglisierung, d.i. die Auflösung geometrischer Formen, die Vermeidung von Symmetrie und die gestalterische Orientierung an der Natur, initiiert hat.

So geht man vielfach auf verschlungenen Pfaden an gewundenen kleinen Wasserläufen mit natürlich wirkenden Kaskaden entlang und stößt auf kleinere Accessoires (Plutogrotte, Vergilgrab, Pyramide, Eremitage des Sokrates). Wegen der Chinamode spricht man auch vom anglochinesischen Stil. So wurde das Chinesische Dorf Mulang geschaffen, von dem heute noch die Pagode zu betrachten ist. Höhepunkt der Wasserspiele ist die große Fontäne.

Ganz im Sinne seines Vorsatzes, Kassel zu einem kulturellem Zentrum zu machen, kümmerte sich der Landgraf nicht nur um Baukunst, Literatur und schöne Künste, sondern auch um Theater und Musik. Das Opernhaus am Opernplatz (an der Stelle des heutigen Kaufhof) entstand 1769 aus einem prinzlichen Palais nach Plänen von Simon Louis du Ry. Erst der neue Theaterbau von 1909 löste das Opernhaus ab. Das Orchester, die Hofkapelle, wurden vergrößert. Unter den Mitgliedern waren hervorragende Musiker. Diese Entwicklung hat sich bis zum heutigen Kasseler Staatsorchester fortgesetzt.

Allgemein ist festzustellen: Damals wie heute muss Friedrich II. wegen der Geldbeschaffung über die Subsidienverträge hart kritisiert werden. Auf der anderen Seite ist er aber ein moderner Fürst gewesen, weil er Kunst und Kultur gefördert und vor allem der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

Sein Denken war da geprägt von Prinzipien der Aufklärung. Dazu passt auch, dass er zwar entgegen den hessischen Gepflogenheiten zum Katholizismus übertrat, sich aber in Glaubensfragen absolut tolerant verhielt. Wenn man Kassel und seine Umgebung mit offenen Augen betrachtet, dann kann man in vielen Bereichen sehen, dass auch dieser Landgraf bis heute entscheidende Spuren hinterlassen hat.

(Günther Kirchner, 22.4.2006)

Hofgeismar - Bad Gesundbrunnen

Den Plan zum Ausbau einer Kur- und Badeanlage am Gesundbrunnen in Hofgeismar fasste bereits Landgraf Karl von Hessen-Kassel. Noch zu seinen Lebzeiten wurde mit der Errichtung des ersten Badehauses ("Karlsbad") begonnen. Doch erst unter der Regentschaft seiner Nachfolger, der Landgrafen Wilhelm VIII. und besonders Landgraf Friedrich II. erhielt die Anlage ein angemessenes architektonisches Gepräge. Friedrich II. beauftragte 1764 mit der Planung und Errichtung einer einheitliche Gebäudegruppe den damaligen Obrist-Lieutnant J. L. Splittorf. Zu den schon bestehenden Gebäuden des "Wilhelmsbads" kam 1770 insbesondere ein neues Flügelgebäude, "Friedrichsbad" genannt, hinzu.

Die Gründung von Kolonien

In dem Bestreben, die Bevölkerungszahl zu steigern und brachliegendes Land zu kultivieren, erfolgte unter Landgraf Friedrich II. im 18. Jahrhundert die Gründung von elf Kolonien.

Eine davon ist die Kolonie Philippinenhof, die ab dem Jahre 1778 im äußersten Norden der Kasseler Gemarkung entstand. Weitere Neugründungen erfolgten in Friedrichsdorf, Friedrichsfeld und Friedrichsthal.

Nicht zuletzt der Siebenjährige Krieg hatte zu Bevölkerungsverlusten geführt, so dass Flächen brach lagen. Solche Brachflächen ließ Landgraf Friedrich II. erfassen, um sie neu zu besiedeln.

Die neuen Siedler wurden begünstigt durch eine mehrjährige Befreiung von Steuern und Kriegsdienst und wurden außerdem mit Startkapital zum Hausbau und für die Anschaffung von Vieh ausgestattet. Allerdings mussten die Siedler Kenntnisse in der Landwirtschaft vorweisen und einen guten Leumund nachweisen. So entstanden bei Wolfhagen auch die drei Kolonien Philippinendorf, Philippinenburg und Philippinenthal, benannt nach der zweiten Frau des Landgrafen, Philippine von Brandenburg-Schwedt nach dessen erster Ehe mit Maria von Hannover.

Die Schlacht bei Wilhelmsthal

Von seinem Vater Wilhelm VIII. übernahm Friedrich II. die Beteiligung am Siebenjährigen Krieg auf preußischer Seite.

Berühmt geworden ist u. a. die Schlacht bei Wilhelmsthal (1762). Im Küchenflügel des Schlosses kann man in einer Ausstellung von Dioramen mit Zinnsoldaten sehr anschaulich einige Schlachtsituationen nachvollziehen. Dazu gehört die Geschichte vom Tambour von Wilhelmsthal, die auf einer Tafel vor dem Haupteingang nachzulesen ist.

Bereits im Juli 1760 fand die Schlacht bei Warburg statt, bei der eine Armee aus Braunschweigischen, Hessen-Kasseler und britischen Truppen mit insgesamt 24.000 Soldaten unter dem Kommando des Herzogs Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel und Friedrich II. von Hessen-Kassel kämpfte und eine französische Armee mit 21.500 Soldaten unter der Führung von Generalleutnant Louis Nicolas Victor de Félix d'Ollières besiegte.

Soldatenhandel zugunsten Englands

Friedrich II. ist auch als der Kasseler Landgraf bekannt geworden, der es in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts mit dem Soldatenhandel zugunsten Englands zu großem Reichtum brachte.

Er benutzte dabei den Hafen im dereinst für die aus Frankreich geflüchteten Hugenotten gegründeten Karlshafen. Von dort reisten die jungen hessischen Männer weserabwärts nach Bremen und dann weiter über den Atlantik nach Nord-Amerika, um als Soldaten für England gegen die aufständischen Kolonialisten zu kämpfen. Die so "Verkauften" sollen Zigtausende gewesen sein.

Hierüber zeigte vor über 20 Jahren die ARD einen mehrteiligen Fernsehfilm, mit dem Titel: "Der Sommer der ein Winter war". Vom HR gedreht, spielt er zum großen Teil an historischen Stätten; zu erwähnen ist hierbei Kassel-Wilhelmshöhe und Karlshafen, aber auch die Gegend um Wabern - wo heute noch das ehemalige Lust- und Jagdschloss Karlshof steht.

- H.-J.Schulz, 3.4.06 -

Auch der spätere Kurfürst Wilhelm I. vermehrte das landgräfliche Vermögen durch den Abschluss von Subsidienverträge mit England erheblich. Er galt als einer der reichsten Fürsten seiner Zeit.

Vor der Regierungszeit von Landgraf Friedrich II. wurden bereits unter seinem Vorgänger Landgraf Karl Soldaten gegen Subsidiengelder in fremde Dienste verliehen. Karl trieb nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs den Wiederaufbau eines Heeres voran, das unter anderem im Spanischen Erbfolgekrieg eingesetzt wurde.


Ergänzung: Die Verfilmung mit dem Titel "Der Sommer der ein Winter war" (aus dem Jahr 1976) beruht auf einem Roman von Sandra Paretti (Pseudonym von Irmgard Schneeberger) von 1972. In romanhafter Ausschmückung werden dort das Leben zur Zeit Friedrichs II. und die Auswirkungen der Subsidienverträge mit England (Vermietung von Soldaten für den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg) für die Untertanen behandelt, wobei die Angaben zwischen 12.000 und 17.000 Soldaten schwanken.

siehe auch

Weblinks


Landgrafen von Hessen (bis 1568)

Heinrich I. | Johann I. | Otto I. | Heinrich II. | Hermann II. | Ludwig I. | Ludwig II. | Wilhelm I. | Wilhelm II. | Philipp I.

Landgrafen von Hessen-Kassel (ab 1568)

Wilhelm IV. | Moritz | Wilhelm V. | Wilhelm VI. | Wilhelm VII. | Karl | Friedrich I. | Wilhelm VIII. | Friedrich II. | Wilhelm IX.

Kurfürsten von Hessen (ab 1803)

Wilhelm I. | Wilhelm II. | Friedrich Wilhelm I.