Kurfürst Wilhelm II.: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 3. Dezember 2008, 21:47 Uhr

Wilhelm II. (* 28. Juli 1777; † 20. November 1847 in Frankfurt am Main) war Kurfürst von Hessen von 1821 bis 1847.

Kurfürst Wilhelm II.

Kurfürst Wilhelm II. war mit Prinzessin Auguste, einer Tochter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. verheiratet. Zu ihren sechs Kindern gehörte der spätere Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen.

Die Ehe verlief schlecht und die Kurfürstin zog mit dem Kurprinzen nach der Trennung von ihrem Ehemann in das Schloss Schönfeld, wo sich um Auguste auch der „Schönfelder Kreis“ bildete. Sie versammelte hier die geistige Elite Kurhessens, darunter Johann Werner Henschel, die Brentanos, die Arnims oder die Brüder Grimm. Später ging der Kurprinz nach Berlin. Mit seinem Vater soll er sich erst im Jahre 1830 wieder versöhnt haben.

Bereits im Jahre 1811 oder 1812 verliebte sich Wilhelm II. in Emilie Ortlepp (* 1791, † 1843), die Tochter eines Berliner Juweliers. Als 1813 die napoleonische Vorherrschaft zu Ende ging, holte Wilhelm II. - noch als Kurprinz - Emilie nach Hessen und lebte zusammen mit seiner Frau und seiner Geliebten in Kassel.

Er erhob die Geliebte in den Adelsstand und machte sie zur Gräfin Emilie von Reichenbach-Lessonitz. Sie wurde bei Hofe zugelassen und wohnte im "Roten Palais" am Friedrichsplatz. Emilie gebar acht Kinder, von denen Louise die älteste war.

Nach Unruhen im Kurfürstentum Hessen lebte der Kurfürst zunächst in Schloss Philippsruhe bei Hanau, später in Frankfurt am Main.

Nach dem Tod von Kurfürstin Auguste am 28. Februar 1841 heiratete der Kurfürst am 8. Juli 1841 seine langjährige Geliebte auf Schloss Bisenz in Mähren, nach deren Tod im Jahre 1843 noch Karoline von Berlepsch, die er zur Baronin von Bergen erhob.

Geschichte

Nach der Regierungsübernahme Wilhelms II. im Jahre 1821 wurde der von seinem Vater begonnene Neubau eines großen Residenzschlosses, der Chattenburg eingestellt und statt dessen das kurprinzliche Palais nach den Plänen von Johann Conrad Bromeis um weitere Repräsentationsräume erweitert: das Rote Palais, die ehemalige landgräfliche Stadtresidenz in Kassel.

Während der Regierungszeit von Kurfürst Wilhelm II. trat im Jahre 1831 die Kurhessische Verfassung in Kraft, die zusammen mit der belgischen zu den liberalsten in Europa gehörte.

Kurz nach Verkündigung der neuen Verfassung verließ der Kurfürst Kassel in Richtung Hanau, da die Bürgerschaft seine Mätresse vertrieben hatte und ihm die Lage zu unsicher wurde. Und am 28. August 1831 willigte er der Mitregentschaft seines Sohnes Kurprinz Friedrich Wilhelms ein, d. h. der alleinigen Regentschaft bis zu seiner Rückkehr nach Kassel (die allerdings nie erfolgte).

Begünstigt wurde der fast revolutionäre Akt der Kurhessischen Verfassung also auch durch die Schwäche des Kurfürsten. Die wirtschaftliche Krise und soziale Not im Lande hatten für Unruhe gesorgt. Außerdem hatten die französischen Besatzer zur Zeit des Königreichs Westphalen revolutionär-liberale Gedanken mit nach Hessen gebracht. So war es 1830 dazu gekommen, dass eine gewählte Abordnung der Bürgerschaft unter Carl Schomburg dem Kurfürsten eine Petition überreichte, in der die Einberufung der Stände und die Erarbeitung einer Verfassung gefordert wurden.

In dem Abschnitt der Verfassung, in dem von den „allgemeinen Rechten und Pflichten der Unterthanen” die Rede ist, wurden Freiheitsrechte verbrieft, die mit einigen unserer Grundrechte vergleichbar sind: gleiche Rechte für alle, Freiheit der Berufswahl, Glaubens- und Gewissensfreiheit und Freiheit der Person und des Eigentums.

Aber diese Errungenschaft hatte nicht automatisch ein liberales Hessen zur Folge. Zu stark waren die Kräfte, die diese Bestimmungen als für den Staat gefährlich empfanden. Außerdem machte sich schnell bemerkbar, dass ab 1831 der Sohn des Kurfürsten (Friedrich Wilhelm I.), der die Verfassung ablehnte, Mitregent wurde.

Die Revolution von 1848 stärkte noch einmal die liberalen Kräfte, doch ab 1850 setzte sich die Restauration durch. Bereits im Jahre 1852 wurde die Verfassung außer Kraft gesetzt.

siehe auch

Im Park von Beberbeck - Gedenkstein aus 1828

Weblink




Landgrafen von Hessen (bis 1568)

Heinrich I. | Johann I. | Otto I. | Heinrich II. | Hermann II. | Ludwig I. | Ludwig II. | Wilhelm I. | Wilhelm II. | Philipp I.

Landgrafen von Hessen-Kassel (ab 1568)

Wilhelm IV. | Moritz | Wilhelm V. | Wilhelm VI. | Wilhelm VII. | Karl | Friedrich I. | Wilhelm VIII. | Friedrich II. | Wilhelm IX.

Kurfürsten von Hessen (ab 1803)

Wilhelm I. | Wilhelm II. | Friedrich Wilhelm I.