Kirche in Melgershausen: Unterschied zwischen den Versionen

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Die erste und damit älteste Glocke (U.D: = 62 cm, H. = 61 cm, U. = 1,08 m) stammt aus dem Jahr 1773. Sie wurde vom Glockengießermeister Christian Pe-ter in Homberg gegossen und erklingt im Schlagton „d“. Sie trägt am Hals zwi-schen einfachen Linien in Lapidarbuchstaben die Inschrift:
 
Die erste und damit älteste Glocke (U.D: = 62 cm, H. = 61 cm, U. = 1,08 m) stammt aus dem Jahr 1773. Sie wurde vom Glockengießermeister Christian Pe-ter in Homberg gegossen und erklingt im Schlagton „d“. Sie trägt am Hals zwi-schen einfachen Linien in Lapidarbuchstaben die Inschrift:
  
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 zwei Blumen (eine dritte über dem oberen Steg),
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Im Jahr 1794 wurde derselbe Homberger Glockengießer mit dem Guss einer weiteren Glocke beauftragt. Diese Glocke (U.D. = 54 clm, H. = 53 cm, U. = 95 cm) trug am Hals zwischen einfachen Linien und mit demselben Ornament, wie es die erste Glocke als Verzierung hatte, die Inschrift in Lapidarbuchstaben:
 
Im Jahr 1794 wurde derselbe Homberger Glockengießer mit dem Guss einer weiteren Glocke beauftragt. Diese Glocke (U.D. = 54 clm, H. = 53 cm, U. = 95 cm) trug am Hals zwischen einfachen Linien und mit demselben Ornament, wie es die erste Glocke als Verzierung hatte, die Inschrift in Lapidarbuchstaben:
  
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'''KNIRIM VOST. C. PETER ZU HOMBERG GOSS MICH'''
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Auf dem Mantel befand sich das Petersche Gießerzeichen, zwei gekreuzte Schlüssel. Diese Glocke wurde im 1. Weltkrieg zu Kriegszwecken abgegeben und blieb verschollen.
 
Auf dem Mantel befand sich das Petersche Gießerzeichen, zwei gekreuzte Schlüssel. Diese Glocke wurde im 1. Weltkrieg zu Kriegszwecken abgegeben und blieb verschollen.
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Ersatz für 2. Glocke aus dem Jahr 1794 gab es im Jahre 1921. Der neue Klang-körper wurde zusammen mit einer Glocke für Heßlar von der Firma „F.W. RINCKER & SÖHNE“ in Sinn gegossen. Die Inschrift lautete:
 
Ersatz für 2. Glocke aus dem Jahr 1794 gab es im Jahre 1921. Der neue Klang-körper wurde zusammen mit einer Glocke für Heßlar von der Firma „F.W. RINCKER & SÖHNE“ in Sinn gegossen. Die Inschrift lautete:
  
'''IM KRIEG ZERSCHLAGEN ZU VATERLANDS WEHR,'''
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''' ''IM KRIEG ZERSCHLAGEN ZU VATERLANDS WEHR,'' '''
  
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'''GEMEINDE MELGERSHAUSEN 1921, No 2321'''
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Diese Glocke wurde im zweiten Weltkrieg wieder konfisziert und eingeschmolzen und blieb ebenso verschollen. Sie wurde 1954 die größere Glocke, die auf der Haube die Gussnummer 8621 trägt. Von den Gebrüdern Rincker in Sinn gegossen erklingt sie im Schlagton „h“. Sie trägt am Hals zwischen zwei Stegen die In-schrift:
 
Diese Glocke wurde im zweiten Weltkrieg wieder konfisziert und eingeschmolzen und blieb ebenso verschollen. Sie wurde 1954 die größere Glocke, die auf der Haube die Gussnummer 8621 trägt. Von den Gebrüdern Rincker in Sinn gegossen erklingt sie im Schlagton „h“. Sie trägt am Hals zwischen zwei Stegen die In-schrift:
  
'''EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE + + + + +'''
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''' ''EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE + + + + +'' '''
  
 
Außerdem ist unter dem am Wolm befindlichen Gießerzeichen, das ein stilisier-tes „Glocken-R“ darstellt, folgender Schriftzug zu lesen:
 
Außerdem ist unter dem am Wolm befindlichen Gießerzeichen, das ein stilisier-tes „Glocken-R“ darstellt, folgender Schriftzug zu lesen:
  
'''GEMEINDE MELGERSHAUSEN 1954'''
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''' ''GEMEINDE MELGERSHAUSEN 1954'' '''
  
 
Sie ist heute die große Glocke im Geläut mit der kleinen Glocke aus dem Jahr 1773. Das Geläut erklingt im Intervall einer kleinen Terz „h-d“.
 
Sie ist heute die große Glocke im Geläut mit der kleinen Glocke aus dem Jahr 1773. Das Geläut erklingt im Intervall einer kleinen Terz „h-d“.

Version vom 4. Dezember 2019, 17:04 Uhr

Die evangelische Kirche von Melgershausen

Die Kirchengemeinde der evangelischen Kirchengmeinde in Melgershausen gehört zum Kirchspiel Gensungen.

Geschichte

Aus dem Jahr 1151 datiert die erste urkundliche Erwähnung von Melgershausen, heute ein Stadtteil von Felsberg im Schwalm-Eder-Kreis.

Seit 1585 ist die Kirche von Melgershausen ein Filial der Kirche in Gensungen. Im gleichen Jahr gibt es in Melgershausen 30 Haushaltungen.

Um 1640 – der Dreißigjährige Krieg tobt im 22. Jahr – zerstören Kaiserliche Einheiten den Ort mitsamt der alten Kirche. Nach einem Großbrand bleiben von ursprünglich 38 Gebäuden nur 4 Häuser und 3 Scheunen übrig. Den damals lebenden Menschen wurde schreckliches Leid zugefügt.

Der Wiederaufbau des heutigen Gotteshauses wird wegen der Verarmung der Bevölkerung erst 1727 begonnen und 1729 beendet.

Nähere Einzelheiten hierzu siehe auch die beiden Dorfchroniken von Melgershausen:

Band I - Dorfchronik Melgershausen 1151 – 2013

Band II - Geschrichte der Häuser

Die Evangelische Kirche Melgershausen - Neubau 1729

Als der Dreißigjährige Krieg nun schon im 22. Jahr tobt, zerstören Kaiserliche Einheiten im Jahr 1640 den Ort mitsamt der alten Kirche und dem Forsthaus. Nach einem Großbrand bleiben von ursprünglich 38 Gebäuden nur 4 Häuser und 3 Scheunen übrig. Zum Wiederaufbau des Gotteshauses kommt es wegen Ver-armung der Bevölkerung aufgrund der langen Kriegsjahre erst in den Jahren von 1727 bis 1729. Fünf Jahre später baute man die benachbarte Heßlarer Kirche nach dem Melgershäuser Vorbild. Es entstand die heutige noch bestehende Fachwerkkirche in rechteckiger Grundform mit massivem Unterbau, Fenster und Türen mit geradem Sturz. Der Altar befand sich damals noch vor einer Sitzgrup-pe auf der Nordseite unter der Orgel. An der Ostseite befindet sich die Kanzel, je eine Empore an der Süd- und Westseite. Unter der westlichen Empore war ein herrschaftlicher Stand angebracht, über welchem man in einfacher Holzschnitze-rei drei Schilde mit barocker Umrahmung und der Inschrift „17 I. L. /+. 30“ sehen konnte. Über der südlichen Kirchentür steht die Jahreszahl 1770, eine zweite Tür befand sich in der Nordseite der Kirche, die in Umrissen noch erkennbar ist. Bei Innenrenovierungen wurde diese verschlossen und der Altar seinerzeit von der Nordseite auf die Ostseite verlegt.

Der untere Teil der Kirche ist aus Bruchsteinen, der obere aus Fachwerk mit Ver-putz erbaut. Über dem Südgiebel ist ein achteckiger Dachreiter mit Zopfdach, die Kirche selbst trägt ein Mansardendach. Die alte Kirchhofbefestigung ist ebenso, wie die in Heßlar, nur noch in geringer Höhe vorhanden und ohne Bedeutung. Um die Fenster herum sind ornamentartige Malereien zu sehen, die Raumauftei-lung erfolgte gemäß reformierter Tradition, das heißt: der Altar ist von drei Sei-ten mit Sitzbänken umgeben, die künstlerischen Altar- und Kanzelgestaltungen in der jetzigen Form gibt es erst seit etwa den 1980er Jahren und nur in wenigen Gemeinden unserer Landeskirche. Der Wechsel entsprechend der Kirchenjahres-zeit ist in (fast) allen Kirchen üblich; Farbe und Elemente verweisen symbolhaft auf den Inhalt der Kirchenjahreszeit.

Die Orgel - seit 1839

Die Orgel wurde in 1839 in der Kirche aufgebaut, sichtbar weist ein kleines Schild darauf hin. In den Weltkriegen erlitten die Orgelpfeifen das gleiche Schicksal wie die Glocken. Sie wurden dann durch Holzpfeifen ersetzt und später wieder erneuert. Die bei der Renovierung in den 1990er Jahren durch Eigenleis-tung eingesparten Mittel über 30.000 DM waren der Grundstock für die Renovie-rung der Orgel in den Jahren 1998 bis 2000. Damit wollte man versuchen, das alte Klangbild wiederherzustellen. Die Orgel hat 1 Manual und 7 Register (Prin-zipal 8‘, Gedackt 8‘, Octave 4‘, Mixtur 3‘, Flöte 4‘, Octave 2‘, Subbaß 16‘) und 1 Pedalkoppel. Lange Zeit mussten die jeweiligen Konfirmanden die zum Orgel-spiel notwendige Luft noch manuell durch Betätigen des so genannten Blasebalgs erzeugen. Die leicht verdeckte Vorrichtung hierfür befand sich im Kirchenschiff in der rechten Ecke der Nordseite unter der Empore mit der Orgel. Dabei musste abwechselnd mit dem linken und rechten Fuß der Blasebalg immer wieder nach unten getreten werden. Setzte der dann zuständige Junge (Konfirmand) mal aus und vergaß zu treten, dann drückte der Organist vergebens auf die Tasten der Orgel, es war kein Ton mehr zu hören. In 1960 wurde die Erzeugung der Luft für die Orgelpfeifen auf elektrischen Betrieb umgestellt und die unter der Empore angebrachte Vorrichtung konnte abgebaut werden.

Die 2 Glocken - 1773 und 1794

Vermutlich wurde die Kirche damals ohne Turm gebaut, denn vor der Renovie-rung sah man noch eine Öffnung nach oben, in der Decke waren noch Rinnen und Schleifspuren am Balken zu sehen. Später waren es dann zwei Glocken, die im Dachreiter hingen, die beide von C. Peter in Homberg gegossen sind.

Die erste und damit älteste Glocke (U.D: = 62 cm, H. = 61 cm, U. = 1,08 m) stammt aus dem Jahr 1773. Sie wurde vom Glockengießermeister Christian Pe-ter in Homberg gegossen und erklingt im Schlagton „d“. Sie trägt am Hals zwi-schen einfachen Linien in Lapidarbuchstaben die Inschrift:

HR:I:G:HÜPEDEN. Z:PR: C: SCHMIT. GR: C:SCHÄFER.I:HOMAN:V:ST:

 C:PETER. ZU HOMBERG GOSMICH  MELGERS HAUSEN J773 

An den gekennzeichneten Positionen sind folgende Reliefs erkennbar:

 zwei Blumen (eine dritte über dem oberen Steg),

 ein florales Relief,

 ein florales Relief und ein dreiblättriges Kleeblatt.

Unter dieser Schriftreihe ist ein umlaufender Fries zu erkennen. Darunter ist zweimal, jeweils gegenüberliegend, das Petersche Gießerzeichen, die gekreuzten Petrusschlüssel im Schilde, vorhanden. Eines wird von drei dreiblättrigen Klee-blättern umgeben, das andere von drei floralen Reliefs.

Im Jahr 1794 wurde derselbe Homberger Glockengießer mit dem Guss einer weiteren Glocke beauftragt. Diese Glocke (U.D. = 54 clm, H. = 53 cm, U. = 95 cm) trug am Hals zwischen einfachen Linien und mit demselben Ornament, wie es die erste Glocke als Verzierung hatte, die Inschrift in Lapidarbuchstaben:

I. SCHMIT GR: J. BLUM. W:

KNIRIM VOST. C. PETER ZU HOMBERG GOSS MICH

MELGERSHAUSEN 1794

Auf dem Mantel befand sich das Petersche Gießerzeichen, zwei gekreuzte Schlüssel. Diese Glocke wurde im 1. Weltkrieg zu Kriegszwecken abgegeben und blieb verschollen.

Neue Glocken in den Jahren 1921 und 1954

Ersatz für 2. Glocke aus dem Jahr 1794 gab es im Jahre 1921. Der neue Klang-körper wurde zusammen mit einer Glocke für Heßlar von der Firma „F.W. RINCKER & SÖHNE“ in Sinn gegossen. Die Inschrift lautete:

IM KRIEG ZERSCHLAGEN ZU VATERLANDS WEHR,

RUF ICH EUCH WIEDER ZU GOTTES EHR,

GEMEINDE MELGERSHAUSEN 1921, No 2321

Diese Glocke wurde im zweiten Weltkrieg wieder konfisziert und eingeschmolzen und blieb ebenso verschollen. Sie wurde 1954 die größere Glocke, die auf der Haube die Gussnummer 8621 trägt. Von den Gebrüdern Rincker in Sinn gegossen erklingt sie im Schlagton „h“. Sie trägt am Hals zwischen zwei Stegen die In-schrift:

EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE + + + + +

Außerdem ist unter dem am Wolm befindlichen Gießerzeichen, das ein stilisier-tes „Glocken-R“ darstellt, folgender Schriftzug zu lesen:

GEMEINDE MELGERSHAUSEN 1954

Sie ist heute die große Glocke im Geläut mit der kleinen Glocke aus dem Jahr 1773. Das Geläut erklingt im Intervall einer kleinen Terz „h-d“.

Neuer Glockenstuhl im Jahr 1921

Für die in 1921 angeschaffte Glocke war der Glockenstuhl zu klein, so dass ihn der damalige Zimmermann Johannes Meier neu herrichten musste. Infolge Infla-tion und Geldentwertung in der damaligen Zeit stand kein Geld zur Verfügung. Die Einwohner zahlten deshalb mit Naturalien wie Korn. Die danach im Jahr 1954 angeschaffte große Glocke wurde durch Spenden der Einwohner finanziert. Das gleiche Schicksal wie die Glocken erlitten auch die Orgelpfeifen. Sie wurden durch Holzpfeifen ersetzt und nach den Kriegen wieder erneuert. Die Glocken wurden von den Gemeindedienern und Konfirmanden geläutet.

Galerie

Innenansichten aus der evangelischen Kirche von Melgershausen:

siehe auch

Weblinks