Kirchditmold

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Kirche Kirchditmold

Kirchditmold ist seit 1906 ein Stadtteil von Kassel. Hier leben heute etwa 10.500 Einwohner.

Lage

Im Westen grenzt der Stadtteil an den Bergpark Wilhelmshöhe an. Benachbarte Stadtteile sind Bad Wilhelmshöhe, Harleshausen, Rothenditmold und der Vordere Westen.

Geschichte

Die bedeutende Stellung Kirchditmolds im Mittelalter

Kirchditmold, das bis 1333 ausschließlich Diethmelle(von altsächs.Thiethmali/Thietmalli) genannt wurde, war im Mittelalter vor Kassel der bedeutendste Ort des Kasseler Beckens.

In der Vita Sancti Haimeradi Presbiteri, Auctore Ekkeberto, vom Ende des 11.Jhdts. (MG SS 10,601) erzählt der Mönch Ekkebert von Hersfeld die Geschichte der wichtigsten Lebensstationen und Lebensereignisse des Heiligen Heimerad, der 1012 in Dietmelle predigte(Kap.9)(Ersterwähnung Kirchditmolds). Heimerad starb am 28.Juni 1019 in (Burg-)Hasungen.Über Heimerads Grab wird 1021 neben einer bestehenden Kapelle auf dem Hasunger Berg ein Kloster errichtet.Hasungen wird Wallfahrtsort.(Gesch. v. Hasungen 1974)

Ekkebert berichtet in Diethmelle gebe es 1019 zwei Kirchen, eine alte halb verfallene Kirche, und eine neuere Kirche, die Taufkirche, die dem hl. Martin v.Tours geweiht war. Heimerad wird die alte Kirche als Wirkungsbereich zugewiesen.

Die alte Kirche, auch Heimeradskapelle genannt, die nach der Überlieferung (keine Belege) aus bonifatianischer Zeit (8. Jhdt.)stammte,vielleicht aber noch älter war(viell.iro-schottisch) verfiel nach der Wirkungszeit Heimerads und wurde abgerissen. Der Mönch Winfrid gen. Bonifatius bekam im Jahre 723 von Rom den Auftrag u.a."in pago hassorum", im Lande Hessen (Althessen), womit im MA nur Nordhessen gemeint war, zu missionieren, da die Bevölkerung Althessens ein von iro-schottischen und fränkischen Missionaren ca.200 Jahre zuvor gebrachtes Christentum lebte, das mit den alten germanisch-chattischen Göttern nicht endgültig gebrochen hatte.

So fällte Bonifatius die Donar (Thor) geweihte Eiche, die an der Stelle des heutigen Domes zu Fritzlar stand.

Überall im althessischen Lande wurden die Stätten der" Heiligtümer der Vorfahren" zerstört und oft wurde mit den Materialien des zerstörten Heiligtums an der selben Stelle eine christliche Kapelle gebaut.

Wegen der unmittelbaren Nähe von Bergsporn und Wasser (Quelle) vermutet man, dass auf dem Standort der Heimeradskapelle, der ältesten Kirche in Kirchditmold, ehemals ein Kultplatz der chattischen Bevölkerung war.

Die andere, etwas jüngere Kirche, die Taufkirche, die dem hl. Martin von Tours geweiht war, stand bis 1792 im Bereich des heutigen Hausmeisterhauses und des westl. Teiles des Gebäudes der Friedrich-List-Schule am Kapellenweg 16. Der Stein der Türschwelle ist noch vorhanden.

1792 wurde durch den hugenottischen Architekten Simon Louis du Ry im Auftrag Landgraf Wilhelm IX. die jetzige Kirche als reformierte Predigtkirche in der Schanzenstraße erbaut. Landgraf Wilhelm IX. übertrug Staatsminister Julius Jürgen von Wittorf die Bauleitung.

H. Range

Die Kirchen- und Landesorganisation

Kirchditmold war schon vor Einführung des Christentums kultischer Mittelpunkt des Kasseler Beckens. Nach der Christianisierung durch Bonifatius wurde Kirchditmold neben dem Sitz des Kirchspiels Weißenstein zu dem auch die seit 913 entstehende Stadt Kassel(Chassalla)gehörte, Sitz eines Erzpriesters (Archipresbyters) innerhalb des Archidiakonats Fritzlar unter kirchlicher Hoheit des Erzbischofs von Mainz (die Erzdiözese Mainz reichte von Chur(Schweiz) bis Hamburg). Das Archipresbyteriat nannte man auch Sendsprengel oder Hundertschaft.

Die Hundertschaft (Cent) Ditmold (in sede ditmoln) umfassete den nördlichsten Teil des bis 1122 fränkisch- hessischen Gebietes an der Grenze zum Archidiakonat Hofgeismar, dem Hauptort des sächsisch-hessischen Gebietes.Im gesamten Gebiet der Cent Ditmold wurde die niederdeutsche Sprache gesprochen( E. v. L., H.B.Chronik von Kirchditmold, Cassel, 1892)

Die Cent Ditmold reichte über das Kasseler Gebiet hinaus bis (Hann.-)Münden.

Wie unten erklärt hat schon der Name Diethmelle mit Gericht zu tun.

Nach sicherem Wissensstand gab es einmal das "Oberste Gericht" Diethmelle,

das im Spätmittelalter auf den Kratzenberg östl. des Ortes verlegt wurde und das Dorfgericht (Steintisch Ecke Brunnenstraße - Hochzeitsweg, westl. des Lindenbornes(mit Ziegenbockskulptur)), wo der Dorfgrebe zu Gericht saß. Für Angelegenheiten der Cent könnte es einen weiteren Gerichtsplatz gegeben haben.

Der Kirchditmolder Heimatforscher Heinrich Heinemann hat neben dem bekannten und erhaltenen Platz des Dorfgerichts im Ortskern zwei alte Gerichtsplätze ausgemacht:

Die Obere Lusthütte und die untere Lusthütte.

Die Obere Lusthütte (Lusthyde, Hute) bezeichnet den Bereich auf dem Kalkfelssporn oberhalb der Prinzenquelle (oberster Diedichsborn) (Died.. ====== Thiet..ahd.Volk) und steht für das Oberste Gericht für den Sendsprengel (Cent) (später aufgelöst).

Der Bereich der unteren Lusthütte bezeichnet den Bereich unmittelbar SÖ des Katharinenhauses oberhalb des (unteren) Diedichsborns. In letzerem Bereich sind noch drei Linden zu sehen, die an diesen Gerichtsplatz erinnern könnten, der für die Gerichtsbarkeit des Kirchspiels zuständig war (später Verlegung zum Kratzenberg).

Bemerkenswert ist, dass alle drei Standorte mit Bergsporn und Quelle zu tun haben, beides Indizien für heilige Orte der vorchristlichen Bevölkerung.

Urkundliche Nennungen von Kirchditmold:

  • 1074 Thiedmali und Thiethmalli genannt
  • 1123 Dettmelle
  • 1306 Dithmelde
  • 1333 Kirgditmelle
  • 1418 Ditmol

Der ursprüngliche altsächsische (altniederdt.) Name Thiedmali bedeutet : Versammlungsplatz,Gerichtsstätte des Volkes. Die lippische Stadt Detmold (NRW) hat von ihrem Namen her den selben Ursprung.

Heiner Range

Kirchditmolds Entwicklung im Zeichen des Aufstiegs Kassels

1143 Gründung des Klosters Weißenstein am "Weißen Stein" im Habichtswald westlich oberhalb des Dorfes Wahlershausen durch das Erzbistum Mainz, die Märker der gesamten Mark Ditmold stiften das Land am Rand des Habichtswaldes (heute Schloss Wilhelmshöhe).Der Auffassung das Kloster Weißenstein sei in Kirchditmold errichtet worden kann wegen der Existenz Urkunde von 1143, die unzweifelhaft echt ist, nicht gefolgt werden.

Zur gleichen Zeit (ca.1140-50) Gründung des Klosters Ahnaberg in Kassel durch Heinrich Raspe II., Landgraf von Thüringen, Graf von Hessen.

Schon Mitte des 12. Jhdts. prallten hier die Interessen von Mainz und dem Thür. Landgrafenhause aufeinander.

Nach Aussterben des Thür. Herrscherhauses im Mannesstamm 1247 übernahm die Witwe Sophie von Brabant (heute Belgien/Niederl.), Tochter der Hl. Elisabeth v. Thür.und Ludwigs v. Thür. für ihren kleinen Sohn Heinrich (I.) nach langen Kämpfen mit Mainz die Herrschaft über Hessen. Im Frieden zu Langsdorf 1263 musste Mainz Hessen als Inhaber seiner Lehen anerkennen, die ordentliche Belehnung erfolgte jedoch erst 1325. Damit endete die von Mainz organisierte, herausragende politische Stellung Kirchditmolds, da die Landesherrschaft den bereits 1189 als "civitas" genannten Ort Kassel zwischen Königshof und Ahnaberg weiter ausbaute. Anfang des 13.Jhdts. hatte Kassel Stadtrecht erhalten. Im Bereich der Kirchenorganisation, die weiter über Mainz und Fritzlar geleitet wurde änderte sich zunächst wenig.

1425 Subsididienregister des Archidiakonats Fritzlar. "In sede ditmoln" erscheint mit allen zugehörigen Kirchen-Gemeinden der Cent Ditmold, darunter Kassel mit Kirchen und Altären (Falckenhainer).

1505 weiteres erhaltenes Subsidienregister, das im wesentlichen die Daten von 1425 bestätigt (Würdtwein).

1526 führt Landgraf Phlilipp auf der Synode zu Homberg an der Efze die Reformation der Landeskirche ein. Der Klosterbesitz wird säkularisiert, d. h. in Besitz der Landesherrschaft überführt.

1585 hat Kirchditmold 22 Hausgesess(Haushaltungen)(Oek.Staat)

1618 bis 1648 Dreißigjähriger Krieg

Die Pfarrer Heinrich Schutte, Bernhard Rodingus ind Caspar Porta, Seelsorger von 1624 bis 1660 berichten von Gräueltaten in schrecklicher Zeit.

1635/1636 Pestepedemie.

1639 hat der Ort 24 Haushaltungen(Milbradt)

1660 wird das jetzige "Alte Pfarrhaus" auf dem Pfarrhof an der Brunnenstraße erbaut. Das Haus befindet sich bis heute (2007) im Eigentum der Kirche.

Unter dem legendären Oberförster Christian Adolph Grau wird um 1734 das Haus der Oberförsterei (Zentgrafenstraße 156) errichtet.

Der Schulmeister Johann Caspar Martius lässt 1754 das älteste Schulhaus privat errichten(Zentgrafenstraße 170). Das Haus mit herrlichem Fachwerk ist heute im Besitz des ehemaligen Ortsvorstehers Kurt Holzhauer.

1756 bis 1763 Siebenjähriger Krieg, Verwüstungen und Plünderungen im gesamten Kirchspiel Weißenstein, ausführliche Berichte von Pfarrer Johann Christoph Cuntze(*1718*1804), Pfarrer des Kirchspiels Weißenstein 1753 bis 1804. Das Kirchspiel umfasste neben den Gemeinden Kirchditmold(Muttergemeinde), Wahlershausen, Wehlheiden, Rothenditmold und Harleshausen bis 1804 auch die Hofpfarrei Schloss Weißenstein/Wilhelmshöhe.(Chronik von Kirchditmold v.H.B.und E.v.L.1892)

siehe auch

Weblinks


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