Kelze

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Kelze - Hugenottenkirche

Kelze ist ein Stadtteil von Hofgeismar mit etwa 300 Einwohnern. Der Ort liegt im Landkreis Kassel in Nordhessen.

Geschichte

Landgraf Carl von Hessen-Cassel siedelte im 17. Jahrhundert auch in der Umgebung der Stadt Hofgeismar französische Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) an, die nach dem Edikt von Fontainebleau und der Aufhebung der Religionsfreiheit in Frankreich im Jahre 1685 ihre Heimat verloren hatten. Viele waren zunächst in die benachbarte Schweiz geflohen. Ebenso fanden in der Landgrafschaft Hessen-Kassel "Réfugiés" (Flüchtlinge) eine neue Heimat, die 1698 auf Befehl Ludwig XIV. aus Frankreich vertrieben worden waren.

Kelze – Kirche und Gasthaus

Kelze entstand ab dem Jahre 1699 im Anschluss an diese zweite Ausweisung von Glaubensflüchtlingen an der Stelle eines ehemaligen mittelalterlichen Dorfes, das unter der Bezeichnung Oberkelze bereits 1146 urkundlich erwähnt wird. Hier fanden auch ehemalige Bewohner aus Orpierre (in den französischen Alpen, heute Département Hautes-Alpes) eine neue Heimat, darunter die Familien Avon, Bouchard, Morel(l) oder Maigre.

(siehe auch: Wikipedia - Eintrag über Orpierre)

Die Brigade Pierre Maigre war mit insgesamt 137 Flüchtlingen aus Orpierre aber auch aus Orten der Auvergne zunächst nach Wolfhagen und von dort nach Hofgeismar gekommen.

Nahe der Stadt Hofgeismar entstand in Kelze ein neues Dorf in Kreuzform und im Mittelpunkt des Dorfs die Kirche und gegenüber die Schule, wo lange noch in französischer Sprache gebetet und unterrichtet wurde.

Nach einer Erhebung aus dem Jahre 1779 lebten im landwirtschaftlich geprägten Kelze 131 Personen in 36 Haushalten, von denen 22 noch rein französisch waren.

Das Fest der Kelzer Mayence am ersten Sonntag im Mai ist ein bis heute erhaltenes Kinderfest aus den Gründerjahren des Hugenottendorfs.

Sehenswürdigkeiten

David Clément - Statue in Hofgeismar

Die Fachwerkkirche des in Kreuzform angelegten Ortes Kelze wurde am 4. August 1709 von Pfarrer David Clément eingeweiht. Das Thema seiner Predigt war "La glorie du temple de Dieu" (der Ruhm des Hauses Gottes).

Zum Eingangsportal der in Saalbauweise errichteten Kirche führt eine kleine Freitreppe.

Der Querbalken über dem Eingang ist - anders als etwa in Carlsdorf - mit keiner aufwendigen Inschrift versehen. Hier sind lediglich die Buchstaben CLZH (d. h. Carl Landgraf zu Hessen) und die Jahreszahl 1707 (offenbar das Jahr des Richtfestes) zu lesen. Auf der Kirche befindet sich ein achteckiger Dachreiter mit schiefergedeckter Haube.

Von der Anlage und vom Grundriß her erinnert die Kirche an die Hugenottenkirche in Schöneberg, die ebenfalls als zweigeschossiger Fachwerkständerbau errichtet wurde. Wie in Schöneberg befindet sich auch in Kelze eine Uhr an der Giebelseite der Kirche.

Die Chronik von Kelze berichtet von Großbränden in den Jahren 1868, 1875, 1903 und 1904, denen die kleine Kirche aus den Gründerjahren des Dorfes stets getrotzt hat.

Volksbräuche

Der Karneval am Aschermittwoch erinnert ebenso wie das Mayencefest am ersten Maisonntag bis heute an die Volksbräuche der ursprünglich französischen Bewohner von Kelze, die hier ab 1699 eine neue Heimat fanden.

Literatur

  • Kreis Hofgeismar, Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen III, Marburg/ Lahn 1966, S. 158 ff.
  • Jochen Desel, Hugenottenkirchen in Hessen-Kassel, Bad Karlshafen 1992, S. 48 ff.
  • Jochen Desel, Französische Dörfer - deutsche Zuwanderer 1669 - 1779: 300 Jahre Kelze und Schöneberg, Band II, Hofgeismar 1999

siehe auch

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