Kasseler Moschee: Unterschied zwischen den Versionen

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(Streit um das Minarett)
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Die türkischen Mitbürger wünschen sich das Minarett, weil es zu einer Moschee dazugehört. Es sei vergleichbar mit einer christlichen Kirche, bei der die Glocken nicht fehlen dürften, hatte Kamil Saygin, Vorsitzender des Ausländerbeirats, vor einiger Zeit gesagt. <ref> HNA-Artikel vom 6. April 2009 </ref>
 
Die türkischen Mitbürger wünschen sich das Minarett, weil es zu einer Moschee dazugehört. Es sei vergleichbar mit einer christlichen Kirche, bei der die Glocken nicht fehlen dürften, hatte Kamil Saygin, Vorsitzender des Ausländerbeirats, vor einiger Zeit gesagt. <ref> HNA-Artikel vom 6. April 2009 </ref>
  
Dass es im Jahr 2008 nicht erneut zu einer Eskalation kam, dafür setzte sich unter anderem Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) ein. Hilgen war aus diesem Grund bei der Sitzung des Stadtteilgremiums erschienen. Gleich zu Beginn machte er deutlich, dass nichts gegen eine Baugenehmigung spreche und diese daher auch erteilt werde. „Städtebaulich wird Oberzwehren durch die Moschee gewinnen“, so Hilgen damals. Die alte Baracke, die den Gläubigen jetzt zur Verfügung stünde, biete „keine vernünftige Art, dem Glauben nachzugehen“.
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Dass es im Jahr 2008 nicht erneut zu einer Eskalation kam, dafür setzte sich unter anderem Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) im Mai 2008 ein. Hilgen war aus diesem Grund bei einer Sitzung des Stadtteilgremiums erschienen. Gleich zu Beginn machte er deutlich, dass nichts gegen eine Baugenehmigung spreche und diese daher auch erteilt werde. „Städtebaulich wird Oberzwehren durch die Moschee gewinnen“, so Hilgen damals. Die alte Baracke, die den Gläubigen jetzt zur Verfügung stünde, biete „keine vernünftige Art, dem Glauben nachzugehen“.
  
 
Der Stadtverordnete Bodo Schild (CDU) aus dem benachbarten Nordshausen befürchtete 2008, dass am Mattenberg eine Parallelgesellschaft entstehen könne. Vor allen Dingen, wenn nach dem Bau der Moschee in einigen Jahren noch ein zweiter und dritter Bauabschnitt folgten. Längerfristig plant die Gemeinde, auch Gewerbeflächen auf dem Gelände anzusiedeln. Heinz Spangenberg, Leiter der Bauaufsicht, gab Entwarnung. Ein zweiter und dritter Bauabschnitt, die frühstens 2015 folgen könnten, setzten eine Änderung des Bebauungsplans voraus. <ref> HNA-Artikel vom 29. Mai 2008 </ref>
 
Der Stadtverordnete Bodo Schild (CDU) aus dem benachbarten Nordshausen befürchtete 2008, dass am Mattenberg eine Parallelgesellschaft entstehen könne. Vor allen Dingen, wenn nach dem Bau der Moschee in einigen Jahren noch ein zweiter und dritter Bauabschnitt folgten. Längerfristig plant die Gemeinde, auch Gewerbeflächen auf dem Gelände anzusiedeln. Heinz Spangenberg, Leiter der Bauaufsicht, gab Entwarnung. Ein zweiter und dritter Bauabschnitt, die frühstens 2015 folgen könnten, setzten eine Änderung des Bebauungsplans voraus. <ref> HNA-Artikel vom 29. Mai 2008 </ref>

Version vom 6. April 2011, 18:08 Uhr

Luftbild von der Moschee am Mattenberg in Kassel

Die Türkisch-Islamische Gemeinde am Mattenberg baut seit 2008 in Oberzwehren an einer Moschee. Der Grundstein für das Gotteshaus wurde am 30. August 2008 gelegt. [1]

Geschichte

Für die Menschen türkischer Herkunft, die in Oberzwehren leben, gibt es seit mehr als 25 Jahren eine Moschee an der Mattenbergstraße. In keinem prächtigen Gotteshaus, sondern in einer ehemaligen Möbelhalle beten die Muslime. Die Mitglieder des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Mattenberg träumen daher seit geraumer Zeit davon, an dieser Stelle eine Moschee mit Kuppeldach, Minarett und Kulturzentrum zu bauen. Doch lange fehlte das Geld.

Bereits Jahre vor dem derzeitgen Bau der Moschee an der Mattenbergstraße gab es Pläne, eine Moschee mit Minarett auf dem Grundstück zu errichten. Doch die geplante Höhe des Gebetsturms und Befürchtungen, aus dem Minarett würde zum Gebet gerufen, sorgten für massive Proteste im Stadtteil. Die Pläne wurden daraufhin auf Eis gelegt. Im Jahr 2006 wurden sie schließlich wieder herausgeholt. [2]

Am 23. August 2008 hieß es in der HNA zum Moschee-Bau am Mattenberg: "Es ist beschlossene Sache: Die türkisch-islamische Gemeinde zu Kassel-Mattenberg bekommt ein neues Gotteshaus. An der Mattenbergstraße in Oberzwehren wird die erste richtige Moschee Nordhessens gebaut. Eine Moschee mit Kuppel und Minarett. 25 Jahre lang mussten die Muslime in Oberzwehren in einer alten Baracke beten. Das soll bald vorbei sein. Die Genehmigung für das sakrale Bauwerk hat die Stadt Kassel erteilt." [3] Der Grundstein für das Gotteshaus wurde am 30. August 2008 gelegt.

Die CDU-Fraktion sah den Moschee-Bau damals kritisch: Angesichts der bevorstehenden Grundsteinlegung bekräftigt die Kasseler CDU-Fraktion ihren bereits vor ein paar Jahren gefassten Beschluss, der sich gegen die Errichtung des Minaretts ausspricht. Zwar sei es für die CDU eine Selbstverständlichkeit, dass einer muslimischen Gemeinde auch ansprechende Gebetsräume zur Verfügung stehen müssen, so der Stadtverordnete Bodo Schild. Jedoch könne ein solches Projekt nur dann funktionieren, wenn auf die örtlichen Gegebenheiten und vor allem auf die nicht muslimischen Nachbarn im Umfeld Rücksicht genommen werde, so Schild. Sein Parteifreund Donald Strube erklärt, dass die CDU mit den Gebetsräumen einverstanden sei. „Wir als Christen sind aber gegen das Minarett. Es ist zu hoch und passt nicht in die Landschaft.“ [4] (Siehe auch: Streit um das Minarett)

Das Kuppelgerüst der Moschee in Kassel

Positiv stehen derweil viele Anwohner dem Bau gegenüber, wie eine HNA-Umfrage im September 2008 zeigte. Damals sprachen sich die Befragten für die Errichtung des Gotteshauses aus. [5] Sie waren zunächst allerdings skeptisch, da sie befürchteten, dass es ein Muezzinen (Gebetsrufer) in dem muslimischen Zentrum an der Mattenbergstraße geben würde. Das ist jedoch nicht der Fall.

Bauleiter Thomas Bornmann erklärte im Jahr 2009, wie der Gebetsturm Stück für Stück entsteht: Als Erstes wird die innere Schalung gesetzt, dann ein Moniereisen hineingelegt, dann wird die äußere Schalung gesetzt, zum Schluss betoniert. Anschließend wiederholt sich dieser Vorgang. Das Minarett hat einen Außendurchmesser von 2,08 Metern, innen von 60 Metern. Wenn der Turm fertig ist, wird eine Stahlspindeltreppe eingebaut. [6]

Im August 2010 hat das Gotteshaus ein aus Aluminium gefertigtes Kuppelgerüst mit einem Durchmesser von 4,50 Metern bekommen. Mittlerweile sind außerdem Fenster in die Moschee eingesetzt worden. Zudem wurde eine Blechabdeckung am Dach installiert. Anschließend wurde mit dem Innenausbau begonnen.

Ursprünglich war geplant, dass die Moschee 2010/2011 eröffnet wird. Wann die Moschee tatsächlich fertig ist, kann der Vorsitzende des Vereins Zeki Demir, nicht sagen. „Das hängt von dem weiteren Spendenaufkommen ab.“ Die Gemeinde hat es sich zum Ziel gesetzt, das rund 2,2 Millionen Euro teure Gotteshaus ohne Hilfe von Krediten zu bauen. Die Mitglieder sind deshalb seit Jahren unterwegs, um Spenden einzuwerben.

Streit um das Minarett

Bereits vor Jahren gab es Pläne, auf dem Grundstück an der Mattenbergstraße eine Moschee mit Minarett zu errichten. Mehr noch: Auch ein Kulturzentrum sollte entstehen. Doch die geplante Höhe des Gebetsturms von 30 Metern und die Sorge, aus dem Minarett würde zum Gebet gerufen, sorgten für große Proteste. Daraufhin wurden die Pläne auf Eis gelegt.

Höhepunkt der hitzig geführten Debatte war das Jahr 2002. Damals hatten noch Baudezernent Bernd Streitberger und OB Georg Lewandowski (beide CDU) um einen Kompromiss gerungen: eine Moschee ja, aber ohne Minarett. Christoph Holler, damaliger CDU-Fraktionschef, hatte die Debatte angeheizt: Er wollte eine Leitkultur. Die Grünen und die Linke forderten vor dem Hintergrund der Religionsfreiheit das Minarett ein. Die SPD setzte damals auf Konsens mit allen Beteiligten - insbesondere mit den Deutschen auf dem Mattenberg, die heftig protestiert hatten.

Die türkischen Mitbürger wünschen sich das Minarett, weil es zu einer Moschee dazugehört. Es sei vergleichbar mit einer christlichen Kirche, bei der die Glocken nicht fehlen dürften, hatte Kamil Saygin, Vorsitzender des Ausländerbeirats, vor einiger Zeit gesagt. [7]

Dass es im Jahr 2008 nicht erneut zu einer Eskalation kam, dafür setzte sich unter anderem Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) im Mai 2008 ein. Hilgen war aus diesem Grund bei einer Sitzung des Stadtteilgremiums erschienen. Gleich zu Beginn machte er deutlich, dass nichts gegen eine Baugenehmigung spreche und diese daher auch erteilt werde. „Städtebaulich wird Oberzwehren durch die Moschee gewinnen“, so Hilgen damals. Die alte Baracke, die den Gläubigen jetzt zur Verfügung stünde, biete „keine vernünftige Art, dem Glauben nachzugehen“.

Der Stadtverordnete Bodo Schild (CDU) aus dem benachbarten Nordshausen befürchtete 2008, dass am Mattenberg eine Parallelgesellschaft entstehen könne. Vor allen Dingen, wenn nach dem Bau der Moschee in einigen Jahren noch ein zweiter und dritter Bauabschnitt folgten. Längerfristig plant die Gemeinde, auch Gewerbeflächen auf dem Gelände anzusiedeln. Heinz Spangenberg, Leiter der Bauaufsicht, gab Entwarnung. Ein zweiter und dritter Bauabschnitt, die frühstens 2015 folgen könnten, setzten eine Änderung des Bebauungsplans voraus. [8]

Neben der Moschee in Oberzwehren gibt mehrere Gebetshäuser und Moscheen in der Nordstadt, in Wesertor, Bettenhausen, Unterneustadt und Niederzwehren. [9]

Artikel

Videos

Quellen und Links

  1. HNA-Artikel vom 23. August 2008
  2. HNA-Artikel vom 24. April 2006
  3. HNA-Artikel vom 23. August 2008
  4. HNA-Artikel vom 23. August 2008
  5. HNA-Artikel vom 4. September 2008
  6. HNA-Artikel vom 13. Juni 2009
  7. HNA-Artikel vom 6. April 2009
  8. HNA-Artikel vom 29. Mai 2008
  9. HNA-Artikel vom 6. Mai 2008