Kaiserkreuz in Kleinenglis

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Geschichte

Schon die Ernennung von Johann II. von Nassau zum Erzbischof von Mainz, im Jahr 1397, durch den Papst war sehr umstritten. In seiner neuen Funktion als Kurfürst und Kanzler des Reiches war er der mächtigste der sieben Kurfürsten. Die sieben Kurfürsten wählten seinerzeit den deutschen König. Da Johann der II. von Beginn an erklärter Gegner des amtierenden Königs Wenzel war, betrieb er umgehend dessen Ablösung, welche 1399 in Marburg verabredet wurde. Schon 1396 verpflichtete er sich im "Oppenheimer Vertrag" die Pfalzgrafen zu unterstützen bei der Wahl eines Kandidaten zum deutschen König. Im Februar 1400 vereinbarten die Kurfürsten ein Treffen zur Abwahl des Königs und zur Bestellung eines neuen Kandidaten für den Tag nach St. Urban (26.Mai 1400) in Frankfurt am Main.
"Kaiserkreuz" Kleinenglis
Alle bedeutenden Fürsten des Reiches wurden eingeladen, so auch Herzog Friedrich von Braunschweig-Wolfenbüttel. Dem Schwager Friedrichs, dem Kurfürst Rudolf von Sachsen, war offenbar sehr bald bewusst, dass die drei kirchlichen Kurfürsten mit dem Kandidaten Ruprecht von der Pfalz bereits alles "in trockene Tücher" gebracht hatten. Das wiederum veranlasste den Kurfürsten mit seinem Schwager Friedrich mit dem etwa 200 Personen starken Tross Frankfurt zu verlassen und die Heimreise anzutreten.

Man reiste durch die Wetterau in Richtung Gießen, durch den Ebsdorfer Grund, Richtung Schwalmstadt und bog beim Spieß, nahe Spießkappel von den "Langen Hessen" nach Norden ab, über Neuental, Arnsbach, durch die Schwalm nach Kleinenglis, wo man am 5.Juni, einem Pfingstsamstag, in der Mittagszeit, westlich des Ortes an einem Hohlweg ankam.

Hier wurden sie überfallen unter der Führung des Grafen Heinrich VII. von Waldeck(ein angeheirateter Neffe des Erzbischofs), Kunzmann von Falkenberg und Friedrich von Hertingshausen. Friedrich von Braunschweig-Wolfenbüttel kam dabei durch das Schwert des Friedrich von Hertingshausen, als einziger, ums Leben. Natürlich gab es auch zahlreiche Verletzte. Der Tote wurde nach Braunschweig überführt und im dortigen St. Blasi Dom (in der Welfentumba) bestattet. Seine Eingeweide wurden in der Klosterkirche Wiebrechtshausen, (ca.3km nördlich von Northeim) neben dem Grabmal Otto des Quaden(des Bösen),(seines Vormundes und Erziehers) beigesetzt. Die zahlreichen Gefangenen wurden von Heinrich VII. etwa einen Monat auf Schloss Waldeck festgehalten bevor sie auf Ersuchen von Erzbischof Johann II. wieder freigelassen wurden.

Öffentliche Meinung

Da Graf Heinrich von Waldeck mit dem Erzbischof von Mainz und Kanzler des Reiches verwandt war und die beiden anderen Hauptverantwortlichen, Kunzmann von Falkenberg und Friedrich von Hertinghausen, in Diensten des Erzbischofs standen, wurde der Erzbischof von Mainz sehr schnell von der Öffentichkeit als Drahtzieher des Mordes ausgemacht. Eine Kandidatur Friedrichs zum deutschen König ist, trotz verschiedener Vermutungen von einigen Chronisten, nicht nachgewiesen. Zum deutschen König wurde erwartungsgemäß am 21. August 1400, Ruprecht von der Pfalz gewählt. Der nunmehr amtierende König verzichtete in der Folgezeit darauf,vermutlich aus guten Gründen, die Täter in angemessener Weise zu bestrafen.

Das Kreuz

Als Erinnerung an diese Tat wurde das sogenannte "Kaiserkreuz" errichtet, von wem ist nicht bekannt. Auf dem Querbalken des Kreuzes befindet sich eine Inschrift aus gotischen Minuskeln (Kleinbuchstaben). Generationen von Fachleuten haben sich mit der Deutung des Textes befasst. Keinem von Ihnen ist bisher die tatsächliche Deutung gelungen. Die Problematik der Deutung begründet sich hauptsächlich darin, dass an beiden Enden des Querbalkens mindestens jeweils eine Handbreit abgeschlagen wurde und damit Text verloren gegangen ist. Das Kreuz findet man heute am westlichen Ortsrand von Kleinenglis.

Kaiser,König,Herzog

Als Kaiser des "Heiligen römischen Reiches deutscher Nationen" konnte sich der bezeichnen, der vom römischen Papst gekrönt wurde. Der "Deutsche König" wurde von den sieben Kurfürsten (drei kirchliche, vier weltliche) gewählt. Als Herzog wurde Friedrich von Braunschweig-Wolfenbüttel als oberster Herr seines Herzogtums bezeichnet. Der Begriff "Herzogskreuz" wäre somit der zutreffendere Begriff für das Gedenkkreuz in Kleinenglis gewesen. Da Friedrich aber an den Sondierungsgesprächen zur Auswahl eines Nachfolgers des "Deutschen Königs" und später eventuell "Kaisers des Heiligen römischen Reiches deutscher Nationen", im Mai 1400 in Frankfurt, teilgenommen hatte, wurde im Volksmund der Name "Kaiserkreuz" geboren, der bis heute benutzt wird.


Literatur

  • Friedrich Döring (Steger, Das Haus der Welfen,Dr.Lindner, Geschichte des deutschen Reiches)

Siehe auch


Weblinks