Kadruf

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Bis 1965 produzierte die Kasseler Druckerei und Färberei AG im Dormannweg. Dann wurde die Fabrik ein Opfer der Textilkrise.
Zwischen den Straßen Dormannweg, Olebachweg und Losse im Kasseler Stadtteil Bettenhausen eingebettet in einem Mischgebiet aus Wohn- und gewerblichen Bauten, Sportplatz, Kleingärten und Schulgelände liegt der Gewerbepark Kasseler Druckerei und Färberei Aktiengesellschaft (Kadruf). Er wurde am 10. Juli 1933 gegründet und ist aus einer der ältesten deutschen Stoffdruckereien, der Blaudruckerei Engelhardt hervorgegangen.

Geschichte

Betreiber

Betrieben wird der Gewerbepark Kadruf von der Kasseler Druckerei und Färberei Aktiengesellschaft, die ihren Ursprung 1763 hat. Alleinaktionär und -vorstand war im Jahr 2015 Guido Bour, der 1995 in das elterliche Unternehmen einstieg und es später übernahm.

Ursprung

Die Kasseler Druckerei und Färberei AG ist nach dem Hersteller von Vermessungsinstrumenten, F. W. Breithaupt & Sohn (seit 1762), das zweitälteste Unternehmen der Stadt Kassel und eines der ältesten Hessens. Der Ursprung des Unternehmens geht auf eine „Schwarz- und Schönfärberei“ zurück, die Textilmeister Johann Justus Engelhardt am 15. Februar 1763 in der einstigen Alten Leipziger Straße 950/951 (später Bettenhäuser Straße 10) gründete.

Umzug und Verkauf

1897 zogen dessen Nachfahren mit dem Betrieb in die damalige Stiftstraße nach Bettenhausen auf das Gelände der „Worchschen Mahlmühle“ direkt an der Losse um, heute Dormannstraße 48 und bis nach wie vor Sitz der Firma. 1919 verkauften die Inhaber den Betrieb an Rudolf Karstadt, der 38 Jahre zuvor in Wismar den Grundstock für den heute noch existierenden, gleichnamigen Warenhauskonzern gelegt hatte. 1933 gliederte Karstadt die Stoffdruckerei und -färberei in eine eigenständige Aktiengesellschaft aus. 24 Jahre später verkaufte Karstadt den Betrieb an Robert und Willy Bour, den Vater beziehungsweise Großvater des heutigen Alleinvorstands.

Blütezeit und Textilkrise

Anfang der 1960er-Jahre – in der Blütezeit des Unternehmens – beschäftigte Kadruf 680 Menschen, die an den damals modernsten Maschinen der Welt arbeiteten. Gesteuert wurden sie teilweise von einem „Zuse Z2“, einem elektronischen Rechner des deutschen Computer-Erfinders Konrad Zuse. Kadruf dürfte somit einer der ersten Unternehmen überhaupt gewesen sein, die sich dieser modernen Technik in der industriellen Produktion bediente. Doch schon zwei Jahre später kam das Ende. Auf dem Höhepunkt der Textilkrise in Deutschland musste auch Kadruf 1965 Konkurs anmelden. Der Maschinenpark und ein Teil des Grundstücks wurden verkauft. Auf einem Teil davon steht inzwischen die Joseph-von-Eichendorff-Schule. Nach und nach wandelte sich der Textildrucker zum Industriepark-Betreiber.

Gebäude heute und Mieter

Die zwischen 1917 und 1930 enstandenen Gebäude wurden seit 1980 nach und nach saniert und Ende der 1990er-Jahre nahezu komplett verklinkert. Im Jahr 2015 gab es 35 Mieter im Gewerbepark. Größter Mieter war zu diesem Zeitpunkt der Otto-Versand, der in der Kadruf ein Callcenter betrieb und mehr als die Hälfte der rund 300 Beschäftigten auf dem Gelände beschäftigte. Weitere Mieter waren der Kohlefaser-Leichtbau-Spezialist Aircraft Concept, das PMZ Prüf- und Messtechnik Zentrum Kassel, der Laserspezialist mQ photonics und der Solarwechselrichter-Hersteller Kaco. Der SMA-Konkurrent aus Neckarsulm betreibt bei Kadruf ein Forschungs- und Entwicklungszentrum.

Weitere Mieter waren ein TV-Dienstleister und ein junges Unternehmen, das an einem medizinischen Rucksack für Entwicklungsländer tüftelte – außerdem Dienstleister wie ein Schädlingsbekämpfer, Bildungsträger, Messebauer, Handwerksbetriebe.

Quellen


Siehe auch

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