Hermann Mattern

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Hermann Mattern, 1902 in Hofgeismar geboren, legte zunächst eine Gehilfenprüfung als Gärtner ab. Nach Praxiserfahrungen in der Landschaftsgärtnerei schrieb er sich 1924 an der Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Berlin-Dahlem ein.

Nach seinem Abschluss 1927 leitete er zunächst ein Entwurfsbüro, um danach mit Karl Foerster ein eigenes Büro zugründen. Mattern wurde 1935 trotz politischer Anfeindungen Landschaftsanwalt beim Bau der Reichsautobahnen.

Nach 1945 war er in Kassel, Bonn und Stuttgart tätig, unter anderem richtete er 1949 die Abteilung Landschaftskultur an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste in Kassel ein.

Von 1961 bis 1970 war Hermann Mattern Professor für Landschaftsbau und Gartenkunst der TU Berlin.

Er starb im Jahre 1971 am Chiemsee.

Landschaftbau und Gartenkunst

In exklusiver Villenlage im Stadtteil Brasselsberg „mit herrlichem Blick über die inzwischen als Naturschutzgebiet ausgewiesene Dönche" baut er sein spartanisches, heute erweitertes Wohnhaus. Der zum Garten orientierte Wohnraum setzt sich in dem eine halbe Treppe höher liegenden Schlafbereich mit Panoramablick fort, darunter befindet sich das Kinderzimmer. "Mensch und Garten stehen in belebender Wechselbeziehung. Das Haus des Menschen und der Garten des Menschen können, um belebend und unmerkbar eindringlich zu funktionieren, nicht zueinander addiert sein, sondern müssen sich gegenseitig vollkommen ergänzen."1

Mattern entwarf Regierungsgärten und mehrere Bundesgartenschauen, unter anderem die im Jahre 1955 in der Karlsaue.

„Mattern, Gegner eines historisierenden Wiederaufbaus, legt über die zerstörten Flächen eine neue Gartenarchitektur der freien, geschwungenen Form. Er fasst die Ruine der Orangerie mit einer temporären Glasarchitektur ein, in der auch die erste documenta ihren Platz findet. "Diese Gartenlandschaft ist mit ihren Bodenwellen und Pflanzinseln, mit dem Einbeziehen alter Bäume und mit dem Terrassieren und Bepflanzen eines erheblichen Trümmerschuttabhanges zu einem selbstverständlichen Raumgefüge geworden." Lange Jahre dem Verfall preisgegeben, wird Matterns Gestaltung mit der "Buga" 1981 in eine barockisierende Anlage zurückverwandelt. Einzig in seiner Konzeption erhalten ist die Kleingartenkolonie."2

Der Landschaftsplaner

Er gilt als bedeutendster deutscher Landschaftsplaner des 20. Jahrhunderts: Hermann Mattern. 1902 in Hofgeismar geboren, studierte der gelernte Gärtner in Berlin Gartenbau, war Städteplaner in Potsdam, gründete 1935 ein eigenes Büro und wurde (obwohl politisch rot) zum Landschaftsanwalt beim Reichsautobahnbau berufen. Er schuf Gartenräume durch Aufschüttungen (Spitzname: Hügel-Hermann). 1948 belebte er mit Arnold Bode die Kunstakademie Kassel wieder. Er plante die Bundesgartenschau 1955 in Kassel (1981 weitgehend zerstört). 1971 starb er am Chiemsee. (tty)


Als Hügel-Hermann zum Star

Design-Häuser und Gärten seit 50 Jahren unverändert - Offene Türen in Carlsdorf

Hofgeismar/ Carlsdorf. Er war ein Umweltschützer, schon lange bevor es diesen Begriff gab. Der aus Hofgeismar stammende Stararchitekt und Landschaftsplaner Hermann Mattern wollte Landschaft nicht romantisierend übertünchen, sondern sie so stark gestalten, dass sie die moderne Technik aushält. Das setzte Mattern nicht nur bei Großbauten um, sondern auch bei den wenigen Privathäusern, die er auch in seiner Geburtstadt gestaltete.

"Der Himmel gehört uns nicht. Wir müssen so bescheiden wie möglich sein, denn den Himmel brauchen wir zum atmen", erinnert sich der pensionierte Hofgeismarer Berufsschullehrer Wulfried Heidrich an einen Grundsatz Matterns. Dem aus Berlin zugezogenen jungen Ehepaar Heidrich war es 1964 gelungen, den nach Berlin weggezogenen Mattern dazu zu bewegen, sein kleinstes Projekt zu planen - das Wohnhaus und den Garten der Heidrichs am Wippeteich.

Der Name Matterns, der zum Beispiel mehrere Bundesgartenschauen, das Autobahnkreuz Frankfurt, den Killesberg in Stuttgart und die Wiesbadener Innenstadt gestaltete, machte auch die örtlichen Banken plötzlich viel freigiebiger. Denn Mattern verlangte ein stattliches Honorar.

Das war es allerdings auch wert. Heidrichs fühlen sich in ihrem schlicht, aber absolut zweckmäßig und raumsparend gestalteten Bungalow so wohl, dass sie bis heute kaum etwas darin verändert haben.

Das solide Flachdachgebäude mit gekalkten Wänden und viel Holzeinbauten wurde so gestaltet, dass die Küche als zentraler Bereich alle übrigen Räume mit erschloss, drei kleine Kinderzimmer inbegriffen. Alles fand auf einer Ebene statt, eine Treppe hatte Ingrid Heidrich ausdrücklich ausgeschlossen.

"Sowas Verrücktes" meinten andere Hofgeismarer und die Bauarbeiter mussten davon abgehalten werden, so wie immer zu bauen. Das Entscheidende war letztlich der intime Garten vor dem Haus, der durch aufgeschüttete Hügel entstand und sich mit ihm organisch verband. Nach fast 50 Jahren wirkt es immer noch zeitlos und modern. Ähnlich zeitlos ist das Haus Paepke in Carlsdorf, das die Besitzer aus Altersgründen verkaufen wollen. "Es ist ein Haus für Individualisten und Kenner, die die vielen durchdachten Details, die noch originalen Farben der 50er Jahre und die Platz sparenden Einbauten zu bemerken und zu würdigen wissen", schwärmt der Berliner Immobilienmakler Peter W. Voigt, der in Kürze (siehe unten) einen Besichtigungstag veranstaltet.

"Das Haus ist sehr stabil und die Möbel auch. Die Wände wurden aber mehrmals neu gestrichen und die Sessel bezogen, das musste sein", meint Cornelia Walter, als sie durch das bunte Haus am Schützenplatz in Carlsdorf führt. Im Gegensatz zum Heidrich-Haus ist das 1958 gebaute Haus ihrer Eltern, des Lehrerehepaares Paepke, poppig bunt gestaltet, nicht nur außen, sondern auch innen: blaue und gelbe Wände, rote und fast schwarze Decken rufen die 50-er mit voller Breitseite ins Bewusstsein zurück. Das Haus ist nahezu stilrein erhalten, eine Designikone der Nachkriegsmoderne in Deutschland.

Cornelia Walter trennt sich ungern von dem Haus mit dem riesigen Garten, an dem viele Erinnerungen hängen. Sei es die breite Heizungsbank am Panoramafenster, auf der sich die vom Schlittenfahren heimgekehrten Kinder aufwärmen konnten oder das Verbot des Vaters, sich in den gemütlichen runden Fenstern zu kuscheln, weil die weißen Wände leiden konnten.

Vielleicht, so hofft sie, erliegt wieder jemand dem speziellen Charme Matterns.

von Thomas Thiele

(aus: HNA-online vom 18.4.2008)

Hermann-Mattern-Straße

Die Hauptstraße der documenta urbana in Kassel wurde nach ihm benannt.

siehe auch:

Werk

Von Hofgeismar zum großen Ruhm

Über 600 Arbeiten Hermann Matterns sind im Architekturmuseum der TU Berlin archiviert, darunter etliche aus unserer Gegend.

Eine Auswahl:

Grünanlagen: ASS Hofgeismar, Park Kressenbrunnen, Schule und Gedenkstätte Grebenstein, Hallenbad Münden, Kloster Maria Laach, Palais Detmold, Autobahnrasthaus Kassel, Schlossparks Corvey und Adelebsen, Schlossplatz Braunschweig, Kurpark Oeynhausen;

Friedhöfe: Gesundbrunnen, Schachten, Holzhausen, Merxhausen;

Gärten: Paepke (Carlsdorf) , Beyer (Niedermeiser), Bohne (Grebenstein), Stolte (Oberhaldessen), Heidrich (Hofgeismar), Ronge (Hann. Münden) sowie Kurparkhotel und Beleuchtung Park Wilhelmshöhe, mehrere Bundesgartenschauen 1950 bis 1971 (1955 Kassel mit Café Rosenhang), Gartenschau Erfurt, Bundeshaus Bonn, Europacenter Berlin, Siedlungen Weinberg, Wolfsanger, Wahlershausen, Dönche, Thonet Frankenberg, Volkspark Köln.

(aus dem Artikel von Thomas Thiele in HNA-online vom 18.4.2008)

Bundesgartenschau: Durch die Lüfte in den Park

2,8 Millionen Besucher wurden im Jahre 1955 zur Bundesgartenschau gezählt. Ein grandioser Erfolg einer Veranstaltung, die in Kassel das Wiederaufbautempo hatte beschleunigen lassen.

Der Zweite Weltkrieg war zwar erst zehn Jahre her, doch das Weltbild war noch in Ordnung: "Fahr mit Deiner Frau - zur Bundesgartenschau" stand auf 60 000 Aufklebern, die ab April 1955 auf die Windschutzscheiben von Autos geklebt wurden. Aber wer konnte damals schon ein Auto sein eigen nennen? Also kamen die meisten per Bus und Bahn. Und sie strömten in Massen. Schon innerhalb der ersten drei Tage waren 120 000 Besucher gezählt worden, an ihrer Spitze (zur Eröffnung) Bundespräsident Prof. Theodor Heuss. Insgesamt wurden es 2,8 Millionen.

Das Lob für die von Prof. Hermann Mattern konzipierte Gartenschau war uneingeschränkt. Er hatte es geschafft, die barocke Parkanlage zu restaurieren und aufzufrischen und gleichzeitig durch neue Gartenbereiche zu erweitern. Der größte Gewinn war dabei langfristig der Bau der Gartenterrassen an der oberen Auekante mit dem Rosenhang im Zentrum. Aus Mangel an Transportmöglichkeiten waren nämlich beim Aufräumen der zerbombten Innenstand rund eine Million Kubikmeter Trümmerschutt unterhalb der Schönen Aussicht abgelagert worden. Unter Matterns Leitung gelang das Kunststück, eine schöne Verbindung zwischen Park und Stadt herzustellen.

Die größte Besucherattraktion war zweifellos der Sessellift, mit dem man von der Schönen Aussicht aus über den Hang in das Bundesgartenschaugelände bis über den Hirschgraben hinweg hineinschweben konnte. Von oben, so waren die meisten überzeugt, hatte man sowieso den besten Blick.

Zur Eröffnung am 29. April hatte man 13 000 Edelnelken und 9000 Edelrosen gepflanzt. Da es Ende April sommerlich warm war, erlebten die Besucher ein üppiges Blumenmeer, durch das die Liliputbahnen "Hänsel", "Gretel" und "Hexe" fuhren. Im Gelände waren zahlreiche Pavillons und architektonisch bemerkenswerte Restaurants entstanden; und in die zerstörte Orangerie war in überzeugender Form die zentrale Ausstellungshalle eingebaut worden.

siehe auch

Logo auf Postkarte der Bundesgartenschau Kassel 1955 mit Sonderstempel.
Quelle:Günther Pöpperl

Quellen und Weblinks

  1. Hermann Mattern auf http://deu.archinform.net
  2. Architekturführer Kassel, Wohnhaus Mattern
  3. Architekturführer Kassel, Karlsaue
  4. http://www.uni-protokolle.de