Henschel: Unterschied zwischen den Versionen

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Führend im Lokomotivbau erreichte das Unternehmen später auch mit Produkten im Lastwagen- und Panzerbau weltweiten Bekanntheitsgrad.
 
Führend im Lokomotivbau erreichte das Unternehmen später auch mit Produkten im Lastwagen- und Panzerbau weltweiten Bekanntheitsgrad.
  
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Im Jahre 1910 herrscht Frieden im Land und das schon geraume Zeit. Die gesellschaftliche und die wirtschaftliche Entwicklung schreiten voran. Auch in [[Kassel]] profitieren die Menschen von den positiven Rahmenbedingungen. Herausragendes Beispiel: die Firma [[Henschel| Henschel und Sohn]]. Die gelangte mit ihren Werken am [[Möncheberg]] und in [[Rothenditmold]] an die Spitze des europäischen Lokomotivbaus. Ein Indiz für die gestiegene Leistungsfähigkeit: seit 1900 wuchs die Zahl der Werksangehörigen von 2220 auf 6149.
 
Im Jahre 1910 herrscht Frieden im Land und das schon geraume Zeit. Die gesellschaftliche und die wirtschaftliche Entwicklung schreiten voran. Auch in [[Kassel]] profitieren die Menschen von den positiven Rahmenbedingungen. Herausragendes Beispiel: die Firma [[Henschel| Henschel und Sohn]]. Die gelangte mit ihren Werken am [[Möncheberg]] und in [[Rothenditmold]] an die Spitze des europäischen Lokomotivbaus. Ein Indiz für die gestiegene Leistungsfähigkeit: seit 1900 wuchs die Zahl der Werksangehörigen von 2220 auf 6149.
  

Version vom 9. Mai 2008, 17:16 Uhr

1967 - Das Verwaltungsgebäude der Fa.Henschel (heute Uni)

Henschel ist der Familienname einer bekannten Industriellen-Familie in Kassel.

Henschel in Kassel

Mehr als 150 Jahre war die so genannte Henschelei, von Carl Anton Henschel gegründet, größter Arbeitgeber der Stadt und prägte damit das Leben in und die Gestalt von Kassel.

Führend im Lokomotivbau erreichte das Unternehmen später auch mit Produkten im Lastwagen- und Panzerbau weltweiten Bekanntheitsgrad.

Geschichte

Jubiläumsjahr 1910: Henschel größtes Lokwerk Europas

Villa Henschel (rechts) und Haus Henschel (links)

Im Jahre 1910 herrscht Frieden im Land und das schon geraume Zeit. Die gesellschaftliche und die wirtschaftliche Entwicklung schreiten voran. Auch in Kassel profitieren die Menschen von den positiven Rahmenbedingungen. Herausragendes Beispiel: die Firma Henschel und Sohn. Die gelangte mit ihren Werken am Möncheberg und in Rothenditmold an die Spitze des europäischen Lokomotivbaus. Ein Indiz für die gestiegene Leistungsfähigkeit: seit 1900 wuchs die Zahl der Werksangehörigen von 2220 auf 6149.

Im August 1910 gibt es Anlaß zur Freude. Das Familienunternehmen in der fünften Generation besteht seit 100 Jahren, und die 10000. Lok verläßt die Werkshallen. "Aus den kleinsten Anfängen hat es sich zu dem größten Werk seines Industriezweiges in Europa entwickelt", heißt es in der 147 Seiten dicken, großformatigen Festschrift.

Die Liste der Gäste ist lang. Seine Majestät der Kaiser wird von Generaloberst von Plessen vertreten. Die japanische Staatsbahn ist mit fünf Personen anwesend, andere kommen aus Buenos Aires, Rom, Kopenhagen, Aalberg, Bukarest, Prag, London, Brüssel, Paris und New York. Die "hochverehrte Festversammlung" begrüßt der technische Direktor Witthöft mit poetisch klingenden Worten: "Es ruht der Hammer und die Feile, still stehen die Motoren, verstummt ist das Aechzen der Maschinen und das Kreischen der Riemen - heute ist Feiertag".

Der Ursprung der Firmen-Geschichte liegt im Jahr 1777, in dem Georg Christian Karl Henschel von Gießen nach Kassel kam. Er entstammt einer Glocken- und Stückgießerfamilie. Sohn Karl Anton tritt in den technischen Staatsdienst, wird Assistent beim Baudepartement. Dessen Bruder Johann Werner wird zunächst Bildhauer. 1810 kehrt er aus Paris zurück und gründet zusammen mit seinem Vater eine kleine Fabrik. In die steigt sieben Jahre später Anton, er hatte es inzwischen zum Ober-Berginspektor gebracht, als Teilhaber ein.

Man verlegte sich mehr und mehr auf den Maschinenbau, zu deren Begründern Anton Henschel in Deutschland gehört. Mit seinem Namen werden grundlegende Erfindungen verbunden wie tragende Ketten- und hydraulische Kastengebläse, Röhrendampfkessel- und Turbinenkonstruktionen. Dessen Sohn Karl, 1810 geboren, nahm 1840 den Bau schwerer Werkzeugmaschinen und schließlich den Lokomotivbau auf. Die Nummer 1, der "Drache" für die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn zu Kassel verließ im Juli 1848 die Henschelsche Fabrik.

Zwölf Jahre vergingen, bis die ersten 50 Loks hergestellt waren, im Jubiläumsjahr ist die Jahresproduktion auf 800 gestiegen. Die Lieferfristen für eine Neukonstruktion haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert, von sieben bis neun auf drei bis vier Monate. Ein Verdienst aller Henschelaner, ob in einem von vier Konstruktionsbüros, in der Gießerei, im Rahmenbau, im Kohlenlager, im Pferdestall, in der Automobilhalle.

Zwischen den Geschäftsinhabern Karl sowie seiner Mutter, der verwitweten Frau Geheimrat Sophie Henschel, und den Mitarbeitern bestehe "das denkbar beste Verhältnis" heißt es in der Festschrift. "Trotz der bedauerlichen Strömungen, welche einen erheblichen Teil der heutigen Arbeiterschaft mitreißen." Nicht jedoch im Henschelwerk, dazu tragen die guten Arbeitsbedingungen und Löhne sowie die zahlreichen Wohlfahrtseinrichtungen bei.

Die sind laut Oberbürgermeister Müller "mustergültig". Ob Fabrikkrankenkasse, Walderholungsstätte Kragenhof, beitragsfreie Unfallversicherung, ob die Invaliden-, Witwen- und Waisenkasse für die Arbeiter, ob Henschelfonds für unverschuldet in Not geratene Mitarbeiter, die Firma kümmert sich. Sie bildet Lehrlinge weiter, Töchter und Frauen in einer Haushaltungsschule aus. Im Wohlfahrtshaus gibt es eine "Schule für Kleinkinder", einen Übungsraum für den Henschelchor und eine Badeanstalt. Brause kostet fünf, Wannenbad 15 Pfennige einschließlich Handtuch und Seife, halb soviel wie in städtischen Anstalten.

Werkswohnungen

"Henschel und Sohn" helfen auch dem "Mangel an guten und billigen Wohnungen" zu Beginn des 20. Jahrhunderts ab. "Die hohen städtischen Grundstückspreise zwangen zur Anlage von Reihenhäusern und größeren Häuserblocks. Sämtliche Häuser sind mit Wasserleitung und Kanalisation versehen. Die um die Kasseler Fabrikanlage gelagerten Gebäude erhalten von letzterer elektrisches Licht." Im Firmenbesitz befinden sich 77 Wohnhäuser mit zusammen 460 Wohnungen. Drei Zimmer stehen den Arbeitern in den Wohnblocks zur Verfügung. Beamte haben je nach Stellung vier und mehr Zimmer, zum Teil in Einzelhäusern mit Garten.

Familienmitglieder

Im Familienbesitz wurde der Betrieb von 1810 bis 1957 von folgenden Familienmitgliedern geleitet:

Die Henschelwerke wurden ständig erweitert. Nach dem ersten Standort an der Weserstraße erschloss man das Gelände am Möncheberg/ Holländischer Platz, später ein Gelände an der Wolfhager Straße in Rothenditmold - darauf das Gelände Mittelfeld zwischen Rothenberg und Holländischer Straße.

Das Familienunternehmen Henschel existiert seit 1957 als solches nicht mehr.

Der Familie Henschel und deren Wirken ist das Henschel-Museum gewidmet.

Im Zuge der Umwandlung der Unternehmensform, verschiedenster Zusammenschlüsse, Übernahmen und Verkäufe der unterschiedlichen Produktionsbereiche wurden die Industriestandorte z.T. weitergeführt und z.T. umgewidmet.

Eisenbahnen von Henschel

Henschel-Wegmann-Zug 1936

Der Wohlstand eines Landstrichs, darüber ist sich Carl Anton Henschel früh im Klaren, steht und fällt mit seinen Verkehrsverbindungen. Die Nachteile, die einem wenig erschlossenen Land entstehen, kann der Kasseler vor der eigenen Haustür studieren. Kurhessen liegt geografisch mitten im zersplitterten Deutschland, wirtschaftlich aber an der Peripherie. Diese Erkenntnis Henschels bildet die Grundlage für einen revolutionären Vorschlag, mit dem der gelernte Baumeister und Fabrikbesitzer 1822 weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus für Aufsehen sorgt.

13 Jahre, bevor die erste deutsche Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth dampft, schlägt Henschel den Bau einer Pferdebahn von Bremen nach Frankfurt am Main vor. Die Strecke soll über Kassel führen. Aus dem Projekt wird zwar nichts, doch die aus England stammende Dampftechnik lässt den Unternehmer nicht mehr los. Sie ist es vor allem, die aus dem Handwerksbetrieb peu à peu eine Maschinenfabrik macht. Carl Anton Henschel legt den Grundstein für ein Großunternehmen, dessen Produkte den Namen Henschel und Kassel in aller Welt bekannt machen sollten.

Mit der neuen Henschel-Fabrik am Möncheberg beginnt die Geschichte Kassels als Industriestadt. Im Revolutionsjahr 1848 wird mit dem Drache die erste Henschel-Lok ausgeliefert. Viele tausende folgen.

Busse von Henschel

Henschel Bus
Abbildung: Ein Henschel-Bus vor Burg Neuenstein 1939

Im Juni 1945 begann in Altenbauna in den Henschel-Flugmotorenwerken, in Halle 13, der ehemaligen Lehrwerkstatt, wieder der Bau von Chassis für Oberleitungsbusse.

Die ersten drei Busse wurden im Dezember 1946 ausgeliefert,einer davon ging an die Kasseler Verkehrsgesellschaft. Es waren Entwicklungen aus dem Jahr 1939.

siehe dazu auch:

Die Standorte der ehemaligen Firma Henschel heute

Historisches Henschel-Fahrzeug

Henschelei / Gelände am Holländischen Platz

Heute befindet sich auf dem ehemaligen Industriegelände am Holländischen Platz der Campus der Universität Kassel. Einige alte Industriegebäude sind trotz der starken Zerstörungen im Krieg erhalten. Architektonisch besonders ist das Gießhaus1 , ein Kuppelbau aus Ziegelsteinen.

Siehe auch Universität Kassel: "Zeitzeugen berichten: Heute Campus, früher Fabrik"

Auf dem Gelände befindet sich auch das Mahnmal "Die Rampe".

Werk Rotenditmold / Wolfhager Straße

Die Henschel Kessel GmbH in der Wolfhager Straße produziert Dampfkessel.

Das Henschel-Museum hat hier seinen Standort.

Die Hallen werden als Lagerhallen z. B. von VW, als Werkstätten oder auch als Künstlerateliers genutzt.

Mittelfeld / Industriepark

Rothenberg / Wiener Straße / Holländische Straße

Lok Henschelplatz
Die ThyssenKrupp ExperSite GmbH betreibt im Rahmen eines Komplettservices die ehemaligen Henschel-Industriestandorte Mittelfeld und Rothenditmold.

Auf ihrem Gelände kann vom Henschelplatz aus eine Lokomotive bewundert werden.

Den Lokomotivbau im Industriepark betreibt die Firma Bombardier Transportation.

Der Panzerbau wird von der Firma Rheinmetall Landsysteme betrieben.

Die ThyssenKrupp Transrapid GmbH baut den Transrapid.

Die Henschel Antriebstechnik GmbH stellt Getriebe für den Maschinen- und Anlagenbau her.

Die Reimelt Henschel MischSysteme GmbH entwickelt Verfahrenstchnik für Misch-Systeme.

Die Daimler AG am Rothenberg, Mercedesplatz stellt Achssysteme für Transporter und schwere Lkw her.

Altenbauna

Dort wo heute das VW-Werk steht, gibt es noch eine Straßenbahn-Haltestelle mit dem Namen Henschelweg (alte Streckenführung).

Auf dem Gelände des ehemaligen Henschel-Flugmotorenwerks in Altenbauna wurde im Jahre 1957 das VW-Werk angesiedelt. Die Henschel-Werke, die sich in einer Krise befanden, verkauften das gesamte Werksgelände der früheren Henschel-Flugmotoren-Fabrik zwischen Altenbauna und Rengershausen.

siehe auch

Auch in den folgenden Artikeln des RegioWiki-Lexikons wird die Bedeutung von Henschel deutlich:

Weblinks

Firmenzeichen henschel im henschelmuseum r stiehl.jpg

--Rosmarie Stiehl