Hans Germandi: Unterschied zwischen den Versionen

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Kassel-Historiker Hans Germandi wurde 1925 in [[Kassel]] geboren. Sein Spezialgebiet ist Kassels [[Altstadt]], die in den [[Luftangriffe]]n im Zweiten Weltkrieg untergring.
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Kassel-Historiker Hans Germandi wurde 1925 in [[Kassel]] geboren. Sein Spezialgebiet ist Kassels [[Altstadt]], die in den [[Luftangriffe]]n im Zweiten Weltkrieg unterging.
  
[[Datei:Hans Germandi.jpg|thumb|300px|Hans Germandi]]In der Nacht zum 23. Oktober 1943 erlebte Kassel den Feuersturm. Britische Flugzeuge bombten den wichtigen Rüstungsstandort in Schutt und Asche. Rund 10.000 Menschen kamen dabei ums Leben. Das sind die nackten Fakten, doch die Trauer über den Untergang des alten Kassel hat sich seitdem tief in die Seelen der Menschen eingenistet. Über die Trauer um Angehörige und Freunde hinaus ist damals ein Stück Identität verloren gegangen. Das wirkt bis heute nach. Warum das so ist, darüber haben wir mit Hans Germandi gesprochen.
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[[Datei:Hans Germandi.jpg|thumb|300px|Hans Germandi]]
  
Der 1925 geborene wird nicht müde, die Erinnerung an das alte Kassel wachzuhalten. Unerschöpflich scheint sein Vorrat an historischen Bildern und Geschichten davon, wie es früher einmal war. Nicht so kalt und unpersönlich wie heute, sagt der Rentner, der nur einen Steinwurf von der [[Martinskirche]] entfernt wohnt. An der [[Kastenalsgasse]] stand sein Elternhaus. Zusammen mit der Schwester kamen sie bei den Bombenangriffen vor 59 Jahren ums Leben. Der damals 18-jährige Hans Germandi war als Marinesoldat eingezogen.
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=== Kindheit und Jugend ===
  
Den Moment, als er in der Gewissheit um den Tod seiner engsten Angehörigen vor den Trümmern des Elternhauses stand, bezeichnet er als den schlimmsten seines Lebens. Bis heute hat ihn dieses leidvolle Erlebnis geprägt. Es war der brutale Abschluss einer Jugend in Kassel, die Germandi als ebenso arm wie glücklich bezeichnet.
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Hans Germandi verlor Vater, Mutter und Schwester in der [[Bombennacht]] vom [[22. Oktober 1943]]. Britische Flugzeuge nahmen damals das als wichtiger Rüstungsstandort geltende Kassel ins Visier. Sein Elternhaus an der [[Kastenalsgasse]] ging ebenso im Feuersturm unter wie das seiner späteren Frau Gretel Germandi, geb. Korthals, die an der [[Mittelgasse]] aufwuchs.
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Nach dem Krieg, in dem Germandi als Soldat diente, bekam der gelernte Tischler als Lohn für seine Arbeit beim Wiederaufbau eines Mehrfamilienhauses an der [[Weserspitze]] dort eine Wohnung.
  
Jeden Winkel in der Kasseler Altstadt habe er gemeinsam mit seinem Vater erkundet. Und natürlich mit den Freunden aus der Nachbarschaft. Schule, Hausaufgaben und dann nichts wie raus. Auf der Straße haben sie [[Dullerdöppe]] ([[Kreisel]]) gespielt, die Mädchen Hickelhäuschen. Und abends dann mit einem Dutzend Kindern auf einer der Treppen gesessen und Lieder gesungen. Die Erwachsenen, so erinnert er sich, schauten aus den Fenstern zu, unterhielten sich quer über die Gasse. Kinderreich und arm an Geld waren sie - und das schweißte zusammen. Das Zusammenleben, die Nachbarschaft - das gehörte zum Lebensgefühl. Und die Gewissheit, in einer der schönsten Altstädte weit und breit zu leben. Ohne Autoverkehr, ohne Fernseher und bis Mitte der Dreißiger-Jahre auch ohne Radio. Ausflüge zur Grauen Katze mit dem Dampfer Elsa oder rauf nach [[Wilhelmshöhe]] gehörten zu den Sonntagsvergnügen. Unbeschwert, wie das wohl nur Kinder erleben können. Was machte es da aus, dass sich zwei oder drei Familien ein Etagenklo teilen mussten? Dass man lange ohne Elektrizität lebte und Petroleumfunzeln für Licht im Treppenhaus sorgten?
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=== Privatleben ===
  
Und dann kommt ein 17-jähriger Soldat zwei Tage nach den verheerenden Bombenangriffen mit Sonderurlaub zurück nach Kassel. Steigt am [[Bahnhof Wilhelmshöhe]] aus, weil der [[Hauptbahnhof]] zerstört ist. Sieht auf seinem Weg die [[Wilhelmshöher Allee]] hinunter schon die Trümmer der Häuser. Erkennt die [[Königsstraße]] kaum wieder vor lauter Zerstörung und steht dann vor den Ruinen des Elternhauses, in dem bis auf den Bruder die ganze Familie ums Leben gekommen ist. Der Krieg hat alles zerstört.
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Seine Frau lernte Hans Germandi bereits in der Kindheit kennen. 1949 trafen sich die beiden zufällig in einem Tanzlokal in [[Wolfsanger]] wieder. Zwei Jahre später wurde geheiratet. Auch der Nachwuchs ließ nicht lange auf sich warten. Das Paar hat zwei Söhne: Karl-Heinz und Jürgen. Am 19. Mai 2011 feierten Hans und Gretel Germandi Diamantene Hochzeit.
  
Doch das stimmt nicht ganz. Es gab noch eine zweite Welle der Zerstörung. So viel hätte noch gerettet werden können, sagt Hans Germandi. Die ganze Front vom Weißen- und Roten Palais am [[Friedrichsplatz]] bis zum [[Theater]] habe noch gestanden. Ein Jammer, das als intaktes Gebäude nur noch das [[Fridericianum]] übrig blieb. Ein Jammer, was später mit dem [[Marstall]] passierte, dessen Vorplatz mit einem Parkdeck verschandelt wurde. Unverständlich, dass ein Teil des uralten Zeughauses für einen Schulbau weichen musste. Ein Stich ins Herz, dass die [[Garnisonkirche]], deren Außenmauern noch standen, nicht erhalten wurde. So ging Stück für Stück an Identität verloren. Davon ist Hans Germandi überzeugt.
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=== Auszeichnungen und Ehrungen ===
 
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Es gebe aber auch Positivbeispiele neben dem Fridericianum. Den [[Renthof]] und die [[Brüderkirche]] nennt er, das [[Ottoneum]] und den [[Druselturm]]. Nicht viel, aber immerhin etwas.
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Hans Germandi wurde im Dezember 2004 mit dem [[Wappenring]] der Stadt Kassel ausgezeichnet. Erworben hat sich Hans Germandi die große Anerkennung durch sein Lebenswerk. Die Erinnerung an das alte Kassel, an die herrliche [[Fachwerk]]stadt vor der Zerstörung durch die Bomben im Oktober [[1943]] darf nicht untergehen, so sein Credo. Dafür hat er seit 15 Jahren in ungezählten Vorträgen älteren und jüngeren Zuhörern ein Stück Vergangenheit nahe gebracht.
 
Hans Germandi wurde im Dezember 2004 mit dem [[Wappenring]] der Stadt Kassel ausgezeichnet. Erworben hat sich Hans Germandi die große Anerkennung durch sein Lebenswerk. Die Erinnerung an das alte Kassel, an die herrliche [[Fachwerk]]stadt vor der Zerstörung durch die Bomben im Oktober [[1943]] darf nicht untergehen, so sein Credo. Dafür hat er seit 15 Jahren in ungezählten Vorträgen älteren und jüngeren Zuhörern ein Stück Vergangenheit nahe gebracht.

Version vom 19. Mai 2011, 16:22 Uhr

Kassel-Historiker Hans Germandi wurde 1925 in Kassel geboren. Sein Spezialgebiet ist Kassels Altstadt, die in den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg unterging.

Hans Germandi

Kindheit und Jugend

Hans Germandi verlor Vater, Mutter und Schwester in der Bombennacht vom 22. Oktober 1943. Britische Flugzeuge nahmen damals das als wichtiger Rüstungsstandort geltende Kassel ins Visier. Sein Elternhaus an der Kastenalsgasse ging ebenso im Feuersturm unter wie das seiner späteren Frau Gretel Germandi, geb. Korthals, die an der Mittelgasse aufwuchs. Nach dem Krieg, in dem Germandi als Soldat diente, bekam der gelernte Tischler als Lohn für seine Arbeit beim Wiederaufbau eines Mehrfamilienhauses an der Weserspitze dort eine Wohnung.

Privatleben

Seine Frau lernte Hans Germandi bereits in der Kindheit kennen. 1949 trafen sich die beiden zufällig in einem Tanzlokal in Wolfsanger wieder. Zwei Jahre später wurde geheiratet. Auch der Nachwuchs ließ nicht lange auf sich warten. Das Paar hat zwei Söhne: Karl-Heinz und Jürgen. Am 19. Mai 2011 feierten Hans und Gretel Germandi Diamantene Hochzeit.

Auszeichnungen und Ehrungen

Hans Germandi wurde im Dezember 2004 mit dem Wappenring der Stadt Kassel ausgezeichnet. Erworben hat sich Hans Germandi die große Anerkennung durch sein Lebenswerk. Die Erinnerung an das alte Kassel, an die herrliche Fachwerkstadt vor der Zerstörung durch die Bomben im Oktober 1943 darf nicht untergehen, so sein Credo. Dafür hat er seit 15 Jahren in ungezählten Vorträgen älteren und jüngeren Zuhörern ein Stück Vergangenheit nahe gebracht.

Das alte Kassel auf DVD und Postkarten

Kassel - DVD mit historischen Bildern

Nur noch wenige Bilder zeugen seither von den engen Gassen, den urigen Fachwerkhäusern und Prachtbauten, die die Stadt einst ausmachten. Wie wunderbar Kassel vor dem Angriff der alliierten Bomber ausgesehen hat, zeigen unbekannte Filmaufnahmen, die wir auf DVD präsentieren: „Min ahles Kassel - Erinnerungen an eine verlorene Stadt“. Unter den Aufnahmen ist auch die Obere Königsstraße zu sehen.

Quelle und Links

Siehe auch